Darius Lepot

Eine neue Welt / 2. Kapitel

 

Eine neue Welt

 
 

2. Kapitel

 

Es wird neblig und die fünf Freunde sehen nicht mehr klar den Boden unter ihren Füßen. „Ich habe Hunger! Wir haben seit ein paar Tagen nur Wurzeln gegessen!“, mault Kevin. „Dann geh ein Reh schlachten mit deinen Händen und iss es!“, brüllt Darius, der alle erschreckte.

Darius hat heute schlechte Laune, bestimmt weil er Hunger hat. Sein Magen hört nicht auf mit Knurren. Schon seit einer Woche sind sie unterwegs und haben keine Spuren von Zivilisation gefunden. Sie haben Zweifel, dass sie noch etwas finden werden, bevor die Kälte sie umbringt. Darius schlägt vor: „Lasst euch mal zwei Minuten nieder und macht eine Pause, auf dieser Anhöhe hat man bestimmt einen guten Überblick. Vielleicht befindet sich nicht weit von hier ein Dorf.“ Sowie Darius das sagt, setzen sich alle auf einen Felsvorsprung. Darius klettert den kleinen Felsen hinauf.

 
Oben betrachtet Darius die ganze Landschaft. Er hofft nicht viel, aber man kann immer versuchen. In der Ferne sieht er eine graue Fläche, er schaut noch besser hin und glaubt eine Stadt zu sehen! Diese liegt zwar weit entfernt, dürfte aber in ein paar Tagen erreichbar sein! Darius schreit vor Freude und schnellt den Felsen hinab. Unten bei seinen Freunden angekommen, sagt er außer Atem: „Ich habe eine Stadt gesehen! Vielleicht sechzig Kilometer von hier entfernt!“ „Was? Wirklich? Ich werde dann endlich etwas essen können!“, jubelt Yoschi. Serge antwortet: „Ob sie uns etwas geben? Wir kennen diese Leute nicht, vielleicht sind wir nicht die Einzigen, die um Hilfe bitten.“ „Dann werden wir klauen müssen!“, beschließt Kevin. „Er hat Recht, wir werden stehlen müssen, wenn wir etwas bekommen wollen. Wir haben sowieso nichts zu verlieren.“ „Ich stimme dem auch zu“, sagt Darius. Serge behauptet: „Vielleicht gibt es eine andere Wahl, wir müssen ja nicht klauen. Sie geben uns vielleicht etwas.“ Darius erklärt: „Sehen wir aus wie Mädchen? Wenn sie uns nichts geben, ist es die einzige Wahl, Serge. Jetzt basta mit dem Gespräch, wir müssen erst dahinkommen.“

Mit diesen Worten setzen sie ihren Marsch fort.

Ein paar Minuten später fügt Kevin hinzu: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir vielleicht nicht in diese Stadt kommen. Schaut selbst!“ Er zeigt auf eine Anhöhe: da steht ein gewaltige Eisbär. „Wie kann dieser Bär überhaupt hier sein? Es gibt doch keine hier in Europa?“, fragt Serge. „Ist mir doch komplett egal! Wir müssen diesem Bären doch erstmal entkommen!“, schreit Ben. Yoschi läuft weg und ruft: „Lauft, wenn euer Leben euch wichtig ist!“ Die vier anderen ergreifen die Flucht, was im hohen Schnee nicht so leicht ist. Sie erreichen eine  lang gestreckte Ebene. Sie glauben, es sei ein Feld, aber in Wirklichkeit ist es ein zugefrorener See. Es ist zu spät um umzukehren, bald erreichen sie einen Teil des Sees, wo die Eisschicht unter ihren Füßen immer dünner wird. Auf einmal hören sie ein lautes Knirschen, unter dem Gewicht des Riesenbären bricht das Eis und die fünf Freunde werden mit dem 250-kg-Bären ins eiskalte Wasser geschleudert. Die fünf wissen, dass sie nicht lange in der tödlichen Kälte überleben oder bei Sinnen bleiben werden. Dazu kommt noch der Eisbär, der ein guter Schwimmer ist und an diese Temperaturen gewöhnt ist. Darius, der normalerweise der Schlechteste ist im Schwimmen, hat einen starken  Überlebensinstinkt, den die vier anderen anscheinend nicht haben. Auf einmal hört man einen gellenden Schrei, alle kucken nach hinten auf das Ungeheuer und da sehen sie, dass der Eisbär Yoschi in den Klauen hält. Sein Hals ist blutverschmiert und zerbissen. Das Ungeheuer schwimmt weg mit Yoschi in den Klauen. Keiner der vier Verbliebenen weiß was zu sagen.

 
„Was werden wir jetzt wohl tun? Yoschi ist tot! Wir sind verloren! Es hätte nicht schlimmer kommen können!“, erklärt Ben. Darius meint: „Die Lage ist schlimm, Ben. Was in den letzten Tagen  alles passiert ist, ist verrückt! Wir können überhaupt nicht sagen, was wahr ist und was nicht! Wir müssen endlich erfahren, was geschieht! Meine Geduld ist am Ende!“ Serge fragt: „Was tun wir jetzt?“ „Was können wir wohl tun? Weitergehen“, beschließt Kevin.

 
 
Am Tag danach erreichen sie die Kleinstadt. Sie schätzen die Einwohnerzahl auf 2000. Die Straßen sind leer. Sie sehen ein Krankenhaus und treten rein, es muss bestimmt jemand drin sein. Zur ihrer Verblüffung ist niemand da. Sie durchsuchen jedes Haus, aber sie finden niemanden. „Es ist eine Geisterstadt“, meint Kevin. Darius erklärt: „Ich glaube nicht, es gab hier noch bis vor Kurzem Einwohner, seht selbst!“ Er zeigt auf ein Bett, in dem ein erfrorener Mann liegt. „Er ist gut konserviert, auf jeden Fall muss es kalt gewesen sein“, versichert Ben. Serge schreit: „Findet ihr das etwa witzig? Er ist tot! Das passiert auch mit uns! Wir sind in einer neuen Eiszeit! Wir werden alle sterben, die, die noch leben, werden sterben! Wir…“, er wird unterbrochen von einem Schlag ins Gesicht von Kevin. „Halts Maul! Willst du etwa Selbstmord begehen?“, fragt Kevin. Serge liegt noch auf dem Boden, anscheinend hat er noch nicht kapiert, was passiert ist. „Was jetzt? Was sollen wir tun? Hier bleiben oder weggehen?“, fragt Ben. „Ich schlage vor, wir bleiben ein paar Tagen hier, damit wir wieder zu Kräften kommen. Es gibt bestimmt eine Person hier, die ein Tagebuch hat. Wir würden erfahren, was passiert ist. Es wird jedoch schwierig sein eins zu finden“, meint Darius. „So machen wir es dann“, beschließt Kevin. „Wo schlafen wir jetzt?“, fragt Ben. Darius lächelt und sagt: „Im schönsten Haus, das wir finden.“ Er überlegt sich noch einmal, was er gesagt hat, und meint: „Im heißesten Keller, den wir finden.“ Serge empört sich: „In einem Keller! Warum denn das?“ Darius erklärt: „Weil es da am wärmsten ist, wir werden nicht erfrieren, und übrigens: diese Häuser gehören uns nicht.“

 
Am Tag danach erwachen sie um 10 Uhr. Im Keller, wo sie geschlafen haben, ist es noch stockfinster. Sie hatten deswegen eine Taschenlampe mitgenommen, die sie in einem Haus gefunden hatten.  Sie essen schimmeliges Brot, das sie dort gefunden haben. Sie hatten Schnee in Flaschen gefüllt und ihn im Keller schmelzen lassen. Da sagt Kevin: „Yoschi würde sich jetzt über die Ratten hermachen und ein Rattenbrot verspeisen.“ Ben und Serge lachten auf.

 
Draußen in der frischen Luft schlägt Darius vor: „Ich meine, wir sollten uns organisieren. Serge durchsucht das erste Stockwerk vom Hochhaus dahinten.“ Er zeigt auf ein herrliches Hotel, das im Stadtzentrum liegt. Er spricht weiter: „Ben nimmt das zweite, Kevin das dritte und ich das vierte Stockwerk. Wir treffen uns in 2 Stunden in der Empfangshalle.“

 
Zwei Stunden später finden sie sich wie abgemacht in der Empfangshalle des Hotels wieder. Ben sagt aufgeregt: „Ich habe ein Tagebuch gefunden!“ Er hält das Buch in beiden Händen in der Luft. Die vier setzen sich an einen Tisch; Serge fragt: „Soll ich vorlesen?“ Die anderen nicken.

Da beginnt Serge zu lesen…    

        

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.03.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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