Andreas Rüdig

Die gescheiterte Aufklärung

Sag' mal Irmingard, ich brauche mal deine Hilfe.
 
Ja? Wobei denn, Hubertes - Maximilian?
 
Es geht um unseren Julius. Er ist doch nun schon 20 Jahre alt. Da steht zu befürchten, daß er bald ein hübsches Mädchen kennenlernt und uns bald Nachwuchs schenken wird.
 
Na und?
 
Meinst du nicht, es wäre allmählich an der Zeit, ihn aufzuklären?
 
Dann tu es doch, Hubertus - Maximilian.
 
(abends, vor dem Fernseher) Justus!! (keine Antwort, absolutes Stillschweigen) Justus!!! Mein Sohn, komm doch mal zu deinen Eltern.
 
Ja, Papa, was gibt`s?
 
Justus, wir müssen und mal darüber unterhalten, wie wir Menschen Kinder kriegen.
 
(leicht errötend) Aber Papa! (noch weiter errötend) Das haben wir doch schon in der Schule gelernt.
 
(leicht verlegen) Ach so? Was hat euer Lehrer denn gesagt?
 
Naja, das übliche eben. Du weißt schon, die Geschichte mit den Blumen und den Bienen. Wenn die Biene eine Blume bestäubt, dann kriegt die Blume Kinder. Wenn die Frau sich bestäuben läßt, naja, dann kriegt sie eben ein Kind.
 
Aber Julius, das stimmt doch gar nicht. Das geht doch ganz anders.
 
Da bin ich aber neugierig. Erzähl doch mal Mama, wie bist du denn schwanger geworden?
 
Oh, das war ganz einfach. Der Klapperstorch hat dich gebracht.
 
Und woher wußte der Klapperstorch, daß du ein Kind haben wolltest? Der Klapperstorch hätte mich doch auch bei den Wasserdorffs nebenan abliefern können...
 
            ....also Julius, was soll das! Die wohnten damals doch noch gar nicht hier. Das weißt du doch.
 
Hört mal, ihr wißt doch, daß ich beide nicht recht habt. Kinder schlüpfen aus Eiern. Ihr wißt doch, daß jeden Mittwoch so ein Gemüsefritze vom Niederrhein vorbeikommt. Und der bringt dann befruchtete Eier mit...
 
                                                                                            ...Hühnereier?
 
                                                                                                                   Julius!! Erzähle nicht so einen Quatsch. Nein, es sind Känguruheier. Und die menschlichen  Weibchen brüten sie dann aus!
 
Hubertus - Maximilian! Befleißig dich doch einer geziemlichen Sprache. Unser Baby ist in Hörweite!
 
Ach, ihr beiden, Mama, Papa, ich rufe jetzt Opa an. Vielleicht kann der mir ja erzählen, wie Kinder hergestellt werden. Oder sitzt der schon wieder in seinem Känguruhbeute. 

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