Marianne Knip

Mein Erlebnis mit dem wilden Stier.

 
Es war 1958 und wir fuhren mit der Gewerkschaftsjugend für zwei Wochen ins Allgäu , auf die Sonneckhütten bei Ofterschwang. Mir waren eine lustige Truppe und hatten viel Spaß und wir unternahmen sehr viel. Ganz in der Nähe von den Sonneckhütten hatte Ossi Reichert, sie war Olympiasiegerin im Riesenslalom bei den Olxmpischen Winterspiele 1956 in Cortina d´Ampezzo, ein Gasthaus.
Es wurde nicht gern gesehen wenn wir dort rauf gingen, deswegen taten wir es heimlich, denn dort gab es so herrliche Eisbecher. Also ging ich heimlich los und kletterte über das Gatter, um die Abkürzung über die Alm zu nehmen, denn Rosi und Barbara warteten schon dort auf mich. Konnte nicht gleichzeitig mit den beiden gehen, denn ich hatte Strafküchendienst. Dieses kommt davon wenn man nur Dummheiten im Kopf hat und ich war nun einmal leider immer zu Streichen aufgelegt.

Wir hatten am Tag vorher eine Wanderung nach Sonthofen unternommen und sind spätabends zurück gekommen und so hatte uns der Hüttenwart bei uns Mädels eine Platte mit verschiedenen Käsesorten und frisches Bauernbrot auf das Zimmer gestellt. Da noch Käse übrig blieb, dazu gehörte ein ziemlich stark duftender, kam ich auf die Glorreiche Idee diese bei den Jungen im Zimmer ab zu stellen. Gesagt und getan, schlichen uns ganz leise über den Flur, Ellen machte leise die Tür auf und ich schob den Teller mit dem duftenden Käse vorsichtig durch und in diesen Moment müssen die meinen Schatten gesehen haben, Ellen machte schnell die Türe zu. Sie dachten wohl sie hätten uns vertrieben und unternahmen nichts. Nur sehr früh wurden wir durch einen Tumult geweckt, denn die Jungen wurden wach und rochen den "feinen" Käseduft und dachten Helmuts Käsefüße würden so stinken und da sie so laut wurden kam der Hüttenwart angerannt und schaute bei den Jungs rein. Da der aber sehr große Füße hatte, schauten sie automatisch auf diese Füße von ihm und entdeckten dabei den Teller.

Als wir zum Frühstück in den Speißeraum kamen stand der Teller schon auf unseren Tisch, den da saß auch Hans unser Gruppenleiter und Hannes unser Bergführer. Einige schauten mich an und meinten dann "das kann nur Marianne gewesen sein," aber Hannes meinte daraufhin, "nein Marianne macht so etwas nicht", denn er war ein wenig in mich verliebt und ich musste grinsen. Da die Jungs ja nur den Schatten von mir sahen und durch die Neigung des Kopfes meinten sie es wäre jemand mit langen Haar gewesen. Da nur Heidi und Rita lange Haare hatten, wurden die zwei verdächtigt und wurden für zwei Tage zum Küchendienst verdonnert. Nur brachte ich es nicht fertig dass sie unschuldig dazu verurteilt wurden und habe mich selber gestellt, dafür brauchte ich auch nur einen Tag Dienst machen. Nun zurück zu meiner Ursprünglichen Geschichte.

Kam auch bei den beiden an und bestellt mir den Eisbecher "Eis im Schatten", der mit einen kleinen Papierschirmchen geschmückt war. Er schmeckte lecker und wir drei hatten uns mit ein Paar Jungs Klasse unterhalten. Als ich auf die Uhr sah erschrak ich, denn ich musste ja wieder zu meinem Küchendienst und so rannte ich allein wieder los. Nahm wieder die Abkürzung und als ich zwei Drittel des Weges geschafft hatte, hörte ich auf einmal ein ganz komisches schnaufen und sah nach der Ursache und diese entdeckte ich auch gleich. Es war. für mich, ein riesiger Stier der mit seinen Füßen scharrte und schnaubte, denn anscheinend hatte dem Stier mein knallroter Rock gereizt. War nur einen kurzen Moment wie gelähmt, aber dann rannte ich los, denn auch dieses große Biest kam in Fahrt. Von rechts kam mir ein junger Mann entgegen und der fragte mich "Frohlein wat rennen se denn so, ist der Teufel hinter ihnen her" und in diesen Augenblick musste auch er den Stier entdeckt haben, denn auf einmal sah ich nur noch einen Strich und eine Staubwolke von ihm. Kam gerade noch mit einen Satz über das große Gatter und schon krachte es hinter mir, aber Gott sei Dank hielt das Gatter. Schwer atmend kam ich beim Haupthaus an und davor säßen einige von der Gruppe und fragten mich lachend was ich denn mit dem jungen Mann gemacht hätte, denn er sei an ihnen vorbei gerast ohne auf ihre Zurufe zu reagieren. Ich erzählte ihnen dann von der Geschichte mit dem wild gewordenen Stier. Na ja, dass ich damit lange aufgezogen wurde, kann man sich ja denken.

M.K. ... 06.02.2008

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.03.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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