Walter Raasch

Darf der Hund ins Bett?

Darf der Hund ins Bett? 

Das ist eine Frage, welche die Hundewelt ausgiebig beschäftigt. Ob in Hunde Zeitschriften, Foren oder Büchern, diesem Thema widmen sich ganze Heerscharen von vermeintlichen Fachleuten.

Ich werde jetzt zum ersten Mal das Chaos der vielen wilden Theorien ordnen und die reine und lautere Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit bringen.  

Vor etwa 15.000 Jahren hatten die Menschen schon Freude an vielen schönen Dingen entwickelt. Sie aßen auch damals gerne gut, trieben Sport, wenn auch manchmal gezwungenermaßen, wie beim beliebten „wer entkommt dem Bären“ - Lauf. Und sie poppten wie die Biber. Denn ohne Bücher, Fernseher oder gar Computerspiele war die Puderei die führende Freizeitbeschäftigung. Doch was sie noch nicht kannten, waren gemütliche Errungenschaften für die Nachtruhe. Die Menschen bevorzugten dereinst sehr unterschiedliche Positionen um sich auszuruhen. Manche knieten sich auf einen Felsen, was nur so lange gut ging, bis sie richtig einschliefen, dann kippten sie vornüber und schlugen mit dem Kopf auf den harten Stein, wurden wach, knieten sich erneut hin und der Vorgang wiederholte sich bis die Omme so wehtat, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war.
Andere kletterten auf einen Baum und legten sich auf einen Ast.Doch wenn sie zur Ruhe kamen und versuchten sich umzudrehen, fielen sie herunter und (wenn sie jetzt noch dazu in der Lage waren), kletterten sie wieder hoch, mit dem beschriebenen Ergebnis.
Es gab auch welche, die es bevorzugten, sich in von Brennnesseln durchzogenen Brombeersträuchern zusammen zu rollen, was auch mehr dem Schutz als der Entspannung diente und zu einer zeitraubenden Körperpflege nötigte, insbesondere da die Pinzette noch nicht erfunden worden war.
Insgesamt kann man behaupten, dass die meisten unserer Vorfahren in dieser grauen und gefährlichen Zeit froh waren, wenn die Nacht zu Ende ging.
Eines Tages machte sich Alfred der Verschleimte auf den Weg, Kamillenblüten für seinen heißen Sud zu sammeln. Auf der Suche nach dem heilenden Kraut kletterte er einen Berg hinauf und sah unter sich im Tal eine Lichtung, auf der eine Gruppe von Wölfen ruhte. Das Rudel bestand nicht nur aus erwachsenen Tieren, sondern auch aus einem Wurf Welpen. Besonders die hatten es Alfred angetan. Wie sie zusammen kuschelten, um sich gegenseitig zu wärmen, wie sie sich völlig weggetreten in das Fell ihrer Geschwister drückten, das gefiel Alfred ungemein.
So wollte er sich auch kosen lassen. Und deshalb kletterte er ins Tal, rannte schreiend auf die Wölfe zu, die dem Menschen lieber aus dem Weg gingen, als mit ihm zu kämpfen. Er schnappte sich einen Welpen, der noch viel zu tapsig war, um entkommen zu können, verstaute ihn in seiner Mammutfelltasche und machte sich auf den Weg zurück zu seinen tumben Kameraden.
Ab diesem Tage kopierte Alfred die Schlafpositionen des Welpen.Er schlief, indem er sich an das weiche Fell schmiegte. Und er schlief ausgezeichnet. Nach einigen Tagen waren die Beulen an Alfreds Schädel abgeschwollen. (Er hatte zu den Felsen Schläfern gezählt.) Und er vögelte seine Partnerin zu ganz neuen Koloraturen, da sein Kopfweh verschwunden war. Sogar die Verschleimung besserte sich, und sein Auswurf wechselte die Farbe in ein blasseres Grün.
Natürlich bekamen die anderen Stammesmitglieder Alfreds Verbesserung der Lebensqualität durch den Welpen mit, und starteten, sich ihr eigenes felliges Heizkissen zu fangen. Bald ruhten alle Menschen Arm in Arm mit einem Wolfsbaby.
So begann die Domestikation des Wolfes. Im Lauf der Jahrzehnte erkannte man die Liebe der domestizierten Wölfe, nennen wir sie von hier ab Hunde, für erhöhte Ruheplätze. Die Nachfahren Alfreds des Verschleimten, Franz der Flatulente und Gerhard der Gestüme, machten sich einen Namen, indem sie einen Liegeplatz auf mehrere Steine stellten. Es war das Bett erfunden worden.
Und weiterhin teilten die Menschen diesen Ort der kuscheligen Entspannung und  der wohligen Ruhe nur mit ihren Hunden und nicht mit ihren menschlichen Partnern, was auch der Reinlichkeit und Hygiene diente, da es zu keinerlei Verschmutzung durch unkontrolliert verteilte Körperflüssigkeiten kam.
Sie werden nun zugeben, dass schon die Fragestellung „Darf der Hund ins Bett“ falsch ist. Richtig wäre es zu fragen „Wann durfte er nicht mehr ins Bett?“
Wann ist dieses leidige Abkommen, dass Menschen miteinander ins Bett gehen und gemeinsam schlafen, getroffen worden? Und weshalb? Bisher hat die Wissenschaft bei der Beantwortung dieser Fragen versagt.
Wie konnte es dazu kommen dass die wahren Großmeister der Gemütlichkeit aus den Betten vertrieben wurden, die man doch auf Teufel komm raus domestiziert hatte, ob sie wollten oder nicht, um endlich den echten, tiefen und erholsamen Schlaf kennen zu lernen?  

 

In diesem Sinne. Es ist spät geworden. Hasso, kommst Du?

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.03.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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