Claudia Feichter

« Mayday auf der Osterinsel »

Edition Log-Buch


Während Harry Belafonte am Ostersonntag von Islands in the Sun sang und Shell sich mit der Venus vom Meeresboden erhob, steuerte ich Eiland und Island an, um verborgenen Schätze zu bergen. Leider war mir das Glück nicht so hold, doch ich entdeckte einen englischen Erpel namens Francis, den ich in der Hoffnung anheuerte, dass er mir die Miesmuscheln vergangener Zeiten von Bord schlemmen würde. Da hatte ich mich aber in meinem Cook sehr getäuscht, denn der teilte mir postwendend mit, dass er heute Kapern mit Sos wolle. "Das müssen wir sofort entern.", warf ich ein, da eine stinkende Brise bereits über meiner Armada wehte.
Doch Francis verdrehte nur seine riesigen Bullaugen, stöhnte ein langgezogenes "AH" und "OI" und musterte mich von oben bis unten ab.
"Ok wenn du das auch nicht willst, dann mach uns wenigstens Sparrow-Rips!", fauchte ich ihn an.
"Mit oder ohne Blood?", war seine lapidare Antwort.
Was hatte ich mir da nur für einen Drake an Bord geholt?
"Ohne natürlich, du weißt doch, dass uns heute noch kein Fisch ins Netz gegangen ist!"
Mit diesen Worten kehrte ich ihm den Rücken zu und nahm das Ruder in die Hand. Warum ließ ich mich auch immer wieder auf diese flotten Sprüche ein?

Ich wähnte mich endlich alleine, als das Vögelchen plötzlich einen Bückling vor mir machte und mir ins Ohr zwitscherte: "Wenn du mir deinen kostbarsten Schatz gibst, zeige ich dir den Weg zur wahren Schatzinsel."
Nachdem ich mich dazu bereit erklärt hatte, flüsterte er:"Da du ziemlich ebbe bist, wirf einen Blick in den Meeresspiegel. Sobald die Sonne sich am Firmament mit Neptuns Reich vereint, erkennst du darin die Straße des Glücks!"

Natürlich flaute mir bei dem Gedanken ihm zu glauben, doch eine Flut von Rottönen lehrte mich gleich eines Besseren, denn zu meiner Überraschung erblickte ich diese Straße wirklich (bin ja kein blinder Passagier) und folgte ihr, bis endlich Land in Sicht war.
Vor mir lag eine Insel die mich ein wenig frösteln ließ. Schneeweiß, so als ob sie gefroren wäre, ragte sie aus dem Meer heraus. Dennoch ankerte ich, ging noch schnell in die Messe, sprach ein letztes Gebet und machte mich von Neuem zur Schatzsuche auf. Natürlich durfte Francis mich begleiten, denn immerhin musste ja einer von uns das Nordlicht tragen, damit wir uns in den finsteren Winkeln und Ecken der Höhlen zurechtfinden würden. Doch das hätten wir gar nicht gebraucht, denn in der einzigen Höhle auf dieser steinigen und kahlen Insel funkelte uns ein so strahlendes Licht entgegen, dass wir besser Knoten in unseren Augen gehabt hätten. Vierzehn riesige, mit Gold und Edelsteinen besetzte Hinkelsteine erhoben sich aus dem muffigen Erdreich des Inneren.
"Meine Osterinsel" flüsterte ich staunend vor mich hin.
"Ja, eine Osterinsel! Ihr habt eine Osterinsel entdeckt" rief Francis freudig aus. "Riesige Eier, so strahlend wie die Sonne im Meeresspiegel"!

Eier? Eier!
Oh Mann, warum konnte dieser Erpel seinen Mund nicht halten. Erst jetzt bemerkte ich, dass mein Hunger immer größer wurde. "Da brat mir doch einer 'nen Hering! Nicht einmal einen Ölkuchen hast du mir heute serviert!", fauchte ich ihn an. "Komm lass uns die Dinger unter Deck bringen und schnellstens wieder Meilen machen."
So war es denn auch. Nachdem wir alle verladen hatten, wieder davon segelten und mein Magen endlich gefüllt war (es gab natürlich keinen Hering), holte ich mein Seemannsgarn hervor, spann ein wenig so vor mich hin und...
... habe euch währenddessen diese Geschichte erzählt.


Ach ja, Francis schenkte ich meine schönste Ankerkette!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.03.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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