Harry Schloßmacher

Eine verdammt rassige Frau !

 

 

Bereits im Bus  (Merken bis Düren)  waren Sie und ihr gefälliger Kontrast nicht zu übersehen:

Ein weißer, flauschiger Mantel, oben etwas bedeckt von langen schwarzgewellten

Haaren. Blaugrüne Augen in einem hübschen Gesicht; dezentes, aber tolles

Make up. Nicht verwunderlich; denn später erfuhr Alex ihren Beruf:

Kosmetikerin.

 

Mehr Zufall wollte es, daß beide später am gleichen Tisch der

Bahnhofsgaststätte Düren  saßen. Irgendwie kamen sie auch ins Gespräch.

Alex, der fleißige aber viel zu erfolglose Literat; suchte nach seinem

faszinierenden, aber stressigen 'Innendienst' nun wieder Entspannung draußen.

 

Er freute sich schon auf die Fete bei einer Kölner Bekannten. Und außerdem

war Alex bisher ein zuverlässiger Mensch. Nichts und niemand hätte ihn

normalerweise davon abgehalten, das zu erwartende feuchtfröhliche Treiben

dieser Fete anzusteuern.

 

Aber was jetzt ? ?  "Was machen" spricht Zeus ;-). Er saß einer rassigen Frau gegenüber, die das Schicksal

einem Mann nicht jeden Tag zuspielt. Auch ein halbwegs florierendes Gespräch fand

bereits statt. Ganz klar eine neue Situation, in der auch die Karten neu gemischt wurden.

Bei der beeindruckenden Lady weiter am Ball bleiben - Sie möglichst näher kennenlernen -,

oder später weiter zur Party bei Astrid Flieder fahren, das war hier die drängende Frage.

Eine nicht einfache Entscheidung, da seine Kölner Bekannte auch nicht übel war und

sie vielleicht bei seinem Feten-Wegbleiben sauer sein konnte.

 

Es war Vorweihnachtszeit und die "Lady in white" wollte nur einen Einkaufsbummel in Köln

machen. Nicht sonderlich interessant für ihn, dachte Alex. War es das also ?

 

... Auch im Zug saßen sie sich gegenüber. So gesehen ein weiteres Plus. Das

Abteil war voll. Auch Alex war voller Gedanken. Legte lässig seinen

Unterarm auf den kleinen Abteiltisch unter dem Fenster. Fifty-Fifty war es

bei seinem Entscheidungsprozeß. Wie würde er enden?

 

Der verhinderte Schriftsteller hatte der Unbekannten sein

Kennenlern-Interesse signalisiert. Nun lag es an ihr, das Gleiche zu tun

oder passiv zu bleiben. Im letzteren Fall würde er zur Party durchstarten.

Ja, er würde es darauf ankommen lassen. Alex hatte seinen

Entscheidungsmodus gefunden.

 

Er hatte bereits seinen Vornamen offeriert und damit eine neue, höhere Runde

im Kontaktritual eingeläutet. Seitdem schwieg Sie - wohl wissend, daß so oder

so die erste Weiche gestellt würde. Das fortgesetzte Schweigen empfand

Alex bereits als eine kleine Ewigkeit. Er ging die eingeladenen

Fetegäste durch und dachte immer häufiger an seine Großstadtbekannte.

Adios Lady...

 

Plötzlich lag eine zarte, blasse Hand auf seiner Handrückseite. Als hätte

sie seinen Zwiespalt geahnt und suchte jetzt auch die Entscheidung.

"Ich heiße Bea"  ...

 

Alex war angenehm überrascht. Das Blatt wendete sich. Beide schwiegen,

lächelten zeitweilig und sahen sich erwartungsvoll an. Schließlich lagen

beide Handinnenflächen aufeinander...

 

...Unwiderstehlich und verlockend süß,

siehst du mich mehrmals an.

Unwiderstehlich und verlockend süß,

bis ich nur an dich noch denken kann.

 

Sympathie hinterläßt Spuren -

ja du gefällst mir sehr.

Sympathie hinterläßt deutliche Spuren

und Blicke gleiten auch über Körperkonturen ...

 

 

... In der Nacht saßen Alex und Bea erneut im Zug zusammen.

Nicht mehr gegenüber. Armlehne hoch, nebeneinander. Die Schöne und der

Möchtegern-Literat. Sie küßten sich zärtlich, lange. Daß sie einige

Beobachter hatten, interessierte sie nicht.

 

...Zärtlichkeit, ja Zärtlichkeit -

nicht nur die Seele erwacht.

Zärtlichkeit ... Zärtlichkeit -

in deinen Augen bereits die Ekstase der Nacht.

 

Sie waren schon etwas trainiert:

Standen zuvor inmitten einer großen Menschenmenge auf ihrem Bahnsteig des Kölner Hauptbahnhofes. Konnten ihre über Tag aufgestauten Gefühle füreinander nicht mehr zurückhalten. Wollten es auch nicht mehr. Küßten sich vor der verdutzten Menge wild drauflos.

 

Merkwürdig war nur Bea's Zurückhaltung im   Kinocenter CINEDOM   gewesen.

Dort, bei einem anregenden Liebesfilm, saßen sie im Halbdunkel nur

händchenhaltend.

 

Die Zugfahrt konnte nicht lange genug sein. Sie waren froh, sich über Zufälle

des Morgens gefunden zu haben. Frisch verliebt sein ist eben eine herrliche

Angelegenheit, gleich wo.

 

...Über Tag hatte Bea ihre Weihnachtseinkäufe verschoben und Alex verzichtete auf die Party.

Zunächst stillten sie im Groß-Restaurant  ALT-KÖLN - Nähe Hauptbahnhof-Domplatte - ihren  Hunger.

 

Das Wetter war günstig, erlaubte Fernblicke. Vom TV-Turm  COLONIUS  (Köln-Ehrenfeld)  hatten sie im Café eine tolle Sicht auf Köln - in einer Stunde ganz rundum.

Einige Minuten gehen, dann saßen sie im ansehnlich, großzügig und mehrstöckig

gestalteten  BAZAR DE COLOGNE  (auch Köln-Ehrenfeld). Oben. Ziemlich in der Mitte. Etwas sehen und gesehen werden. Plauschten bei heißem Cappuccino.

 

Später freute sich Bea  über den schönen Tag und ihr Gegenüber so, daß sie

spontan in ein Geschäft rannte und Alex ein kleines Präsent

überreichte. Er, der unbekannte Autor, wollte eines Tages mit einer

Kurzgeschichte gleichziehen.

 

 

...Irgendwann später in Düren:

 

Viele Menschen im Cafe,

sitzen bei Kuchen und Kaffee.

Meine Freunde und ich wollen gehen,

jetzt gehen -

als ich Bea endlich wiederseh -

erneut in ihr bezauberndes Antlitz seh.

 

Und ich sagte:

Weißt du noch, Bea,

damals im Zug.

Wir bekamen nicht

voneinander genug.

 

Tausche die Tage meines Lebens;

vergeß die Sonne und das Licht -

für eine Nacht mit dieser bezaubernden Frau.

Für eine schöne Nacht der Liebe.

Und sie spürt es genau,

diese unverschämt rassige Frau!

 

Worte der Freunde

sind nun unhörbar fern.

Sag noch zu ihr:

Hey Hübsche, hab dich verdammt gern.

Glaube mir, so verdammt gern.

 

Wir erzählen und wir lachen,

wollen noch 1000 Dinge machen -

an diesem wunderbaren Tag...

...und denken doch nur an die Nacht.

 

Alex und Bea sahen sich nun öfter - wurden ein bemerkenswert aktives Liebespaar.

Erfreuten sich des Lebens und der Leidenschaft.

Er übergab schließlich das Köln-Nachhol-Präsent, daß Bea besonders freute:

Seine Schilderung der kleinen Story ihrer jetzt schon großen Liebe...

 

 

Doch eines Tages blieben Alex zunächst nur Erinnerungen und Träume:

 

Es war schön,

so schön mit uns zwei.

Die Welt um uns,

sie versank im Einerlei.

Wir erlebten

Tage und Nächte voller Glück.

 

Dann gingst du fort,

mit den Wünschen der Nacht.

Gingst einfach fort,

ohne ein Wort.

Und ich haßte,

ja, ich haßte diesen Ort.

Meine Gefühle für dich,

sie verwehten im Wind.

 

Heute kann ich nichts dafür:

In meinen Träumen

bist du wieder bei mir.

Dann bist du mir so nah -

und alles ist noch wie es war.

Denke an Tage und Nächte voller Glück -

ach käme diese Zeit doch wieder zurück.

 

 

... Und erneut Hoffnung auf Neustart, Beas Brief:

 

Bitte verzeih.

Es war so schön mit dir,

damals.

Aber erst heute bin ich wieder frei.

Vergessen konnte ich nie unser Glück.

Wenn du willst,

komm' ich gerne zu dir zurück.

 

PS:

Wie du dich auch entscheidest,

ich werde immer an dich denken.

Deine Bea...

 

                          ENDE

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.03.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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