Yvonne Asch

verbotene, Nächtliche Liebe... Teil 15... Geburtsland

Sie traute kaum ihren Augen, sie hatte schon vieles gesehen, besonders in den vergangenen Monaten aber das was sich prachtvoll vor ihren Augen erhob war kaum mehr zu beschreiben. Dieses Licht überall, wirkt so unecht und doch zu gleich real. Der in Licht geflutete, offene Saal, der nur von einigen Säulen gehalten wurde, war vom hellen Licht gedrängt. Die Wolken schwebten durch den Raum hindurch, über den Marmorboden und an den geriffelten, weisen Säulen entlang, wie Zuckerwatte wirkten sie. Kirjano lächelte als er bemerkte wie der junge Engel alles bestaunte und wirklich, mit offenem Mund da stand. Behutsam legte er seine Hand auf ihren Rücken und führte sie noch weiter unter das wuchtige Dach, in der Dachdecke war die Sonne sorgfältig ein geritzt wurden. Shakira starrte zu Decke hinauf dann schluckte sie vor staunen, als die weise Zuckerwattenwolke sie einhüllte und sie sich direkt in ihr wieder fand. Langsam griff sie nach einen Stück der Wolke, diese war jedoch anders als die, die ihren Flug abgefedert hatte, denn diese füllte sich äußerst zerbrechlich an und sobald sie sie etwas fester berührte, zerplatzte diese, wie in etwa Badeschaum den man in seinen Händen hält.

„Bist du bereit?“, fragte Kirjano sie dann. Sie versuchte sich wieder zufassen und nickte stumm. Er lächelte sie lieb an und nahm seine Hand wieder von ihren Rücken weg. „Dann ist gut“, sagte er leise und stellte sich neben sie. dann ging er in die Hocke runter, senkte seinen Kopf und berührte mit der einen, flachen Hand den Boden, die andere winkelte er an. Shakira sah ihn verwundert an, doch noch immer verharrte er so. Seine prächtigen Flügel lagen eng an seinen Körper an. „Herr, ich habe jemanden mit gebracht!“, sagte er mit lauter fester Stimme, die durch den Raum schallte. Shakira sah wieder nach vorne, doch der Licht durch flutete Saal schien lehr zu sein, die Wolken, zogen ganz langsam über den Marmorboden.

Doch plötzlich sah sie eine Gestalt, umhüllt von den Wolken, sie konnte noch nichts richtig erkennen, nur die Umrisse eines Menschen. Wie gebannt schaute sie dort hin, bis sie endlich die Gestalt erkennen konnte, einer junger Mann, groß, gut gebaut und bronzefarbendes Haar. Seine Bewegung war anmutig und selbstbewusst, würde er auf einer vollen Straße gehen, würde ihm jeder respektvoll ausweichen, sein Blick war nach vorne gewandt, es schien fast so als sehe er zu ihr. Dann als er bei den Beiden Engeln ankam lächelte er und entblößte seine strahlend weisen Zähne. Shakira musste hoch schauen um ihn in die Augen blicken zu können. Seine Augen fesselten sie richtig, diesen Ton hatte sie noch nie zuvor irgendwo in anderen Augen gesehen, außergewöhnlich schön, sie schienen schon fast zu leuchten, eine Mischung aus gelb, Bronze, blau und es schien fast schon so, als hätte er winzig kleine Goldsplitter in ihnen, die prachtvoll funkelten. Er bemerkte durch aus, wie gefesselt sein Engel von ihn war und es brachte ihn zum schmunzeln, dann wandte er seinen Blick von ihr ab und schaute zu Kirjano der noch immer auf den Boden in seiner Verbeugung verharrte. „Kirjano, du kannst dich erheben!“, sagte er mit seiner sanften Stimme, die jedoch weiße und erfahren klang. Kirjano nickte dankend und erhob sich vorsichtig wieder.

Shakira sah den Sonngott noch immer an, dann viel ihr Blick auf seine Flügel, die ihr zuvor gar nicht aufgefallen waren, sie waren ebenso wuchtig, wie die von Kirjano. Doch seine waren schneeweiß, jedoch schimmerten sie im selben Bronzeton der auch in seinen Augen und Haaren wieder zu finden war, wie ein Juwel den man ins Licht hielt und drehte, klitterten sie.

Wie schön er ist, genauso schön wie die Mondgöttin in ihrer Art. Sie sehen Beide so vollkommen aus und strahlen Beide diese wärme, Geborgenheit aus.

 

„Shakira?“, fragte er sie nun mit dem gleichen Ton wie er vorhin zu Kirjano gesprochen hatte.

Sie brauchte einige Sekunden bis sie wieder aus ihrem Staunen heraus kam.
“Ja?“, fragte sie dann leise, angst davor ihn zu krängen oder in irgendeiner weise schlecht auf zu fallen. Er lächelte noch immer und sah zu dem Engel hinab, die in ihren roten, zerfetzten Seidenmantel vor ihn stand. „Du hast doch sicherlich viele Fragen oder nicht?“, fragte der Sonngott sie dann zärtlich. Sie riss sich nur schwer von seinen außergewöhnlichen Augen los, schaffte es aber und ihr Blick ruhte jetzt auf seinen Hals.

Eigentlich hatte sie Millionen von Fragen gehabt, aber jetzt wo sie vor ihn stand, viel ihr keine Einzige mehr davon ein, ihr Kopf war ganz und gar von der Umgebung und ihren Gegenüber vernebelt, er hatte sie aus ihrer Fassung gebracht. Nicht so wie Lorenzo sie aus der Fassung brachte, weil ihr Herz dann um das 10 fache schneller zu schlagen schien, nein, das war es nicht. Aber sie war von seinen Antlitz geblendet, von seiner kraftvollen Art und davon dass er ihr zugleich so vertraut vorkam, obwohl sie ihn noch nie zuvor gesehen hatte, oder?

Ihre Gedanken waren wild durch einander, sie würde sicher eine weile brauchen bis sie diese wieder sortiert hatte.

„Also?“, fragte er sie dann, weil er bemerkte dass sie nicht ganz bei der Sache zu sein schien.

Er musterte nun den jungen, zierlichen Engel vor sich. bemerkte ihre schlanke, aber schwungvolle Figur, ihre schmalen Schulter und ihre starke Haltung, die von ihrem Selbstbewusstsein her vor gebracht wurde.

„Ähh.. ich hatte so viele aber jetzt?“, murmelte sie leise, etwas unsicher, noch immer schwebte sie in ihren Gedanken. Der Sonngott nickte. Trat etwas näher an sie her ran und versuchte ihre Gedanken zu lesen, jedoch gewehrte sie ihn dies nicht, sie ließ ihn nicht, in ihre Augen schauen. Dann wollte er damit anfangen weswegen er gehofft hatte sie würde noch einmal hier her zurückkommen. „Ich möchte das du hier bleibst, du sollst lernen deine Kräfte zu nutzen, du sollst lernen wie man in die Gedanken seines Gegenübers blickt und du sollst lernen das du noch viel stärker als jetzt bist“, sagte er ruhig aber mit kräftiger Stimme.

Nun schaute sie ihn an mit ihren großen, grünen Augen, er konnte deutlich erkennen, dass ihr Herz mit schmerz gefüllt war, aber der Grund für dies blieb ihn verborgen sie ließ ihn einfach nicht in ihr hin ein schauen. „Ich soll hier bleiben?“, fragte sie ihn nun verwundert. Er nickte und sah sie eindringlich an. „Ja, das würde ich gerne, das du hier bleibst, ich habe dir noch so vieles zu erzählen und Kirjano wird dich trainieren, er wird dich auf alles vorbereiten!“

Nur auf meinen Liebeskummer, da gegen kann er mir nicht helfen, darauf kann mich keiner vorbreiten und auch nicht auf den Schmerz, wenn ich Lorenzo töte…

 

Der Sonngott wandte sich wieder Kirjano zu und der nickte wissend, er wusste dass sein Gott nun mit ihr alleine sein wollte, sie hatten noch sehr viel zu bereden. Also drehte er sich um und ging, verschwand irgendwann in den dicken Wolken.

Der Mann ihr gegenüber streckte ihr seine Hand hin, begleitet von den Worten: „Meine Name ist Sheran!“. Sie streckte zögerlich ihre Hand ihn entgegen, Angst davor ihn zu berühren, er wirkte einfach so unecht, viel zu schön und voller Eleganz strahlte er. Dann schloss er ihre kleine Hand in die seine. „Shakira…“, murmelte sie knapp, obwohl sie wusste, dass er ihren Namen bereits kannte. Er nickte wissend. „Ich nehme an, dass du bereits ahnst was uns Beide verbindet?“, fragte er sie dann zögerlich. Sie machte schon ein Gesicht was ihn verriet dass sie nichts ahnte. „Wie soll ich anfangen, es war kein Zufall das ich dich für diese Aufgabe auserwählt habe. Sterbliche können nicht zu Sonnengel werden“, fing er langsam an. Sie hörte ihm einfach nur zu. „Ich wollte das du mit den Menschen aufwächst ich wollte das du erfährst, wie wichtig sie sind und ich wollte das sie dir etwas bedeuten, sie dir ans Herz wachsen. Nun ja, deswegen habe ich dich bei ihnen aufwachsen lassen, ich habe sie sorgfältig auserwählt. Du solltest gute Eltern haben, du solltest wissen wie es ist geliebt zu werden und zu lieben. Euer Band ist zum Glück auch dick geworden.“ Er lächelte den Engel an, sie schaute ihn nun mit einem großen Fragezeichen an. Sie verstand nicht was er ihr sagen wollte, aber sie hatte nicht vor ihn jetzt eine Frage zu stellen, nicht jetzt. „Es ist mir sehr schwer gefallen dich herzugeben, du warst mir natürlich auch sehr ans Herz gewachsen, aber ich wusste das es nicht anders ging, es musste so sein…“, er hielt inne und schaute sie noch immer intensiv an. Langsam drangen die Worte zu ihr hindurch. „Ich habe viele Kinder, aber ich liebe sie alle gleich. Es gibt für mich keines was mir mehr als das Andere bedeutet und deswegen viel es mir auch schwer dich herzugeben, aber ich wusste die warst es, deine Augen diese starken, ausdruckstarken Augen. Ich wusste als du dein zweites Lebensjahr erreicht hattest, dass du genau richtig für die Aufgabe warst und ich musste dich unbedingt zur Erde schicken, bevor du deine Flügel und deinen Stein bekommen würdest und bevor du dich zu sehr an mich erinnern würdest. So habe ich dich auf die Erde gebracht, direkt in die Arme deinen Adaptiveltern.“ Er schluckte, es viel ihn schwer da rüber zu reden und nicht nur ihn viel das alles schwer. Shakira war nun wirklich blass und Kreidebleich. Er sollte ihr leiblicher Vater sein? Dies erkälte zu mindest warum er ihr so vertraut vorkam.

„Ich habe mich so darauf gefreut dich wieder zu treffen, dich vor mir stehen zu haben und was waren schon 16 Jahre für mich, die ich auf dich warten musste. Ich lebte schon eine Ewigkeit und diese 16 Jahre würde ich auch rum bekommen das wusste ich. Das einzige was mir wirklich schwer viel, war es mir darüber in klaren zu werden, das wenn du den Kampf verlierst nicht nur die Ewigkeit gewinnen wird und die Menschen sterben, sondern das auch du sterben würdest und ich habe dich dazu verurteilt.“, seine Stimme klang verletzt und war nun nicht mehr von solcher Kraft wie zu vor. „Du sollst mein Vater sein?“, fragte sie ihn nun verwundert und sogar etwas traurig. Denn sie liebte ihre Eltern, die auch noch wegen ihr sterben musste. Sie liebte Beide so sehr, wie man es nur konnte, so sehr wie ein Kind seine Eltern lieben konnte, nie hatte sie sich gefragt ob sie vielleicht gar nicht ihre richtigen Eltern waren, nie auch nur mit den Gedanken gespielt und jetzt? Sie wollte ihr altes Leben gerne wieder haben, sie wollte Morgens zum Frühstückstisch gehen und dort ihre Eltern sitzen sehen, dann hätte sie sogar gleich von sich aus Beiden einen Kuss auf die Wange gegeben und ihnen gesagt, wie lieb sie, sie doch hatte. Doch sie waren nicht da. Nie mehr würde sie ihnen sagen können wie sehr sie, sie liebte. Das machte sie traurig, sie hatte ihnen das einfach zu selten gesagt. Ihr Blick wurde lehr und das blieb Sheran nicht verborgen und er wusste woran sie grade dachte, er spürte ihre Aura die nun geschwächt und sich nicht mehr so stark und voller Leben anfüllte. Er lächelte sie mit fühlend an und sein Lächeln war aufrichtig und ehrlich. „Sie wissen dass du sie liebst, keine angst. Sie haben dich so sehr geliebt, du warst für sie wie ihre eigene Tochter und sie fühlten nie anders. Nicht einmal eine Sekunde in ihren Leben.“ Seine Worte holten sie wieder aus ihrer blassen, Starre her raus. Sie seufzte.

„Dann war ich nie eine Sterbliche?“, fragte sie ihn.

Sheran nickte. „Nein, das warst du nie, du hast soviel Macht in dir, du hast so viel Kraft. Und ich möchte dass du mich besser kennen lernst, ich möchte dass du nun wieder zurück in deine Heimat kehrst. Und sie in dein Herz schließt“, sagte er zart. Doch sie schüttelte den Kopf. „Meine Heimat bleibt die Erde!“, ihre Stimme klang nicht zornig, war nicht von Wut, sie klang wie man klang wenn man etwas vermisste und entschlossen war, es wieder zu sehen.

Nun lächelte er wieder. „Ja, ich verstehe es. Aber bitte bleibe bis zur nächsten Sonnfinsternis hier und nehme das Training an?“, es klang nicht wie eine Frage, er fragte sie eigentlich viel mehr um Höflich zu sein, aber sie nickte und nahm es an.

 

 

 

Sie stand in ihren weisen, kurzen Kleid, welches luftig an ihr lag und trotz allem ihre Figur betonte, auf den Balkon, ihres Zimmers, das Zimmer welches auf sie seit 16 Jahren gewartet hatte, jedoch konnte sie sich an nichts mehr von hier erinnern. Ihr Blick schwebte über die bezaubernde Wolkenlandschaft, über das helle Licht welches an manchen Stellen stärker war als an anderen, aber ihr Blick war zur Erde gewandt, die sie schwer erahnte, durch den Wolkenschleier. Ihre Hände ruhten auf den Mauergeländer und der Vorhang der die Tür zierte, die offen stand, wehte wie eine Fahne im Winde. Ihre Gedanken waren fern von allem. Sie dachte an Lorenzo an sein bezauberndes Lächeln, an seine Berührungen, an seine Stimme und an sein ganzes erscheinen was sie immer wieder fesselte und sie kaum klar denken ließ.

„Lorenzo, warum nur? Ich liebe dich doch so sehr!“, flüsterte sie zaghaft in den warmen, feinen Wind.

 

 

 

Der Sternenhimmel war wieder voller Glanz, voller Kraft und voller Geheimnise. Lorenzo’ s Blick war Trauer gefüllt, sein Herz fühlte sich schwer an und seine Augen waren mit Tränen gefüllt. Er krallte sich vor Wut, Zweifel und Liebe an den Geländer seines Balkon’ s fest, sein Herz war voll Kummer, sie war nicht bei ihn, sie war fort und er würde sie bei nächsten treffen entweder töten müssen oder sein eigenes hergeben.
Für sie sterben? Für sie die Zeit gedeihen lassen und für sie jeden zum Tode verurteilen oder sie opfern?
Er kniff die Augen zusammen, biss die Zähne zusammen und dann fluchte er doch und so laut, dass es sicherlich niemanden verborgen blieb.

„Du dummer Engel! Verdammt noch mal! Ich liebe dich!“.

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.03.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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