Cornelius Schulz

Reiseabenteuer im Outback - Teil 4

Abenteuer im Ortback IV
von PORT AUGUSTA (S.A.) nach DONNYBROOK (W.A.)
 
Als wir in PORT AUGUSTA am 22.2.2002 starteten waren wir frohen Mutes. Zwar hatte uns die letzte Reparatur ein Loch in die Tasche gerissen, aber noch waren wir flüssig genug und außerdem wollten wir doch so gern nach Western Australia. Bis jetzt hatten wir nur gutes über diesen Staat gehört, so z.B. das die Westernaussies noch ein Tick relaxter sein sollten und die Stadt PERTH wunderschön. Also auf auf und dahin. Die erste Etappe des 2000 km langen Weges von PORT AUGUSTA nach KARLGOORLIE führte uns nach CEDUNA. (Muss  man sich mal vorstellen 2000 km und am größten Teil der Strecke wohnt nicht mal ein Mensch, also 2 mal Deutschland durchquert, geil oder!!!) Na ja bis nach CEDUNA war es nicht weit, es ist sozusagen die letzte Bastion der Zivilisation vor der Wüste (dem Nullabour). Auch deshalb machten wir hier Halt. Die Preise für Benzin und Lebensmittel hatten sich dementsprechend schon verabschiedet, aber wir finden immer etwas. Verwunderlich war nur das HEIDI ein paar billige Schuhe ersteigern konnte!!??!! Und zwar in so einem kleinen privaten Schuhgeschäft am Rand von Garnix. Jedenfalls übernachteten wir in einem gemütlichen Hostel, wo wir sogar ein Doppelbett in Beschlag nehmen konnten. Aber bevor es in die Heia ging, versuchten wir noch zu angeln und die Betonung liegt auf versuchten. Es war nämlich so windig, dass die Sehne unserer Angel voller Freude im Wind tanzte und pertu nicht das Wasser berührte. Nach drei Versuchen gaben wir es auf (vielleicht hätten wir bei fliegenden Fischen Glück gehabt) und im nachhinein noch dreimal auf Holz geklopft, dass HEIDI nicht weggetragen wurde. Obwohl wäre doch schon ein faszinierender Anblick gewesen, oder!?! So gab es abends kein Fisch, sondern Würmer .... äh Spaghetti.
Der näxte Morgen begann spät mit Frühstück bei Foodland (Supermarktkette) und dann ging’s weiter. Bis zum YALATA-Roadhouse schwitzte frau ein wenig vor sich hin und man betrachtete die Landschaft. Beim YALATA meinte HEIDI, das wir die Reifen an der Karre (immernoch Punky genannt) tauschen sollten und zwar, die auf der Fahrerseite von vorn nach hinten. Was wir auch taten. Ihr fragt wieso ...... die Reifen vorne fuhren sich schneller ab, als die hinten. (Irgendwie drückte Punky vorne ganzschön doll nach unten.) Nach getaner schweißtreibender Arbeit ging es auch schon weiter, wobei die ersten Zweifel aufkamen, ob nicht neue Reifen besser wären. Diese Zweifel wurden von einer echt einmaligen Aussicht verdrängt. THE GREAT AUSTRALIAN BRIGHT, ihr müsst euch ne kilometerlange Steilküste (80 m hoch) vorstellen, an die das azurblaues Meer klatscht und dazu ein absolut blauer Himmel, genial genial. Zweimal nahmen wir ne kurze Ausfahrt um dieses Naturschauspiel zu bewundern. Ok, sonst gibtz im Nullabour auch nicht viel zu sehen (Nullabour ist Aboriginie für „ohne Baum“), außer vielleicht die sensationellen Sonnenauf- und –untergänge. So trafen wir in BORDER VILLAGE ein, was heißt hier Village- 1 großes Roadhouse, Unterkünfte, Tankstelle und ne Grenzkontrolle (was es damit auf sich hat......gleich). Es liegt genau auf der Grenze zwischen South Australia und Western Australia. Wir bezogen unser Quartier noch in S.A. und mampften von unseren Vorräten. Nachmittags war es noch verdammt heiß und die Klimaanlage im Zimmer echt gut, aber als wir morgens aus dem Haus kamen, war es richtig kühl und überall war Tau. War schon richtig nicht im Zelt zu pennen.
An der Grenze war Zollkontrolle, nicht was ihr jetzt denkt, es war eine ..... Früchtezollkontrolle, den aus Angst vor der Fruchtfliege und anderen Ungeziefer muss alles Obst und Gemüse hier zurückgelassen werden, sogar ehemalige Verpackungskartons, die Früchte enthielten. Wir begriffen gar nicht sofort, als der Beamte uns aufforderte den Karton auszuliefern, aber es ging ganz fix und wir bekamen sogar einen anderen Karton für unser Essgeschirr. Nachdem wir noch ein paar imposante Roadtrains geknipst hatten, ging die Fahrt weiter. Cool war auch, das wir zwar um 8 starteten, aber kurz nach 6 die Grenze passiert hatten ..... schon komisch so’ne Zeitzone. Bis nach EUCLA, wieder nur ein Roadhouse, verlief die Fahrt ganz relaxt, aber 30 km nach dem „Ortsausgang“ sollte ES passieren.
(Na schon Angst vor ES !!!! gekriegt!!??!!)
ES machte „peng“ ....... unserer Hinterreifen Fahrerseite ging hinüber in das Totenreich der Gummileichen, so wie schon tausende Reifen an dieser Strecke vor ihm. HEIDI hatte Punky zum Glück fest im Griff, so das wir ohne schlingern und Überschlag am Straßenrand zum stehen kamen. Es war ein Gefühl zwischen „wir haben’s überlebt“ und „scheiße, warum ist der Reifen  gerade hier geplatzt“. Nach 5 min Luftholen, machten wir uns daran den Schaden genau zu begutachten. Dabei stellten wir so nebenbei fest, dass auch die restlichen Reifen schon gut abgefahren waren, sind wir nicht Glückspilze. Es lag auch an der reifenfressenden Fahrbahn, aber auch an Punkys komischer Reifenstellung an der Vorderachse. Jedenfalls erst mal raus mit dem Jack und ab mit ihm unter den Wagen!!! (Jack ist englisch für Wagneheber!!!) Dann noch das Reserverad raus, was profilmäßig auch nicht besonders aussah, und los ging’s mit dem Reifenwechsel. Der Boden war zwar ziemlich sandig, aber langsam hob sich der Wagen. Noch schwitzte man nicht, war ja erst 8 Uhr früh. Fast war der Wagen hoch genug um das Rad zu lösen, da machte ES „schrumm“ ..... und der Jack klappte zusammen. Wir konnten erst mal nur dasitzen und blöd gucken. Eine Untersuchung ergab das Jack sein Gewinde fast völlig verloren hatte. Nun machte sich langsam Panik unsererseits breit, den an einen Radwechsel war nicht mehr zu denken. Da blieb für mich nur eine Lösung:
 
Hose hochkrempeln und Bein zeigen!!!!
 
So ein knackiger Roadtrainfahrer würde schon anhalten. Ok, das schreckte wahrscheinlich auch die Touris im Wohnmobil ab anzuhalten, aber egal. Nun versuchte es HEIDI und siehe da ein älteres Aussiepaar hielt und half. Sie waren auf alles vorbereitet. Ihr Jack funktionierte ohne Probleme und nach nur 25 min waren wir mit dem Radwechsel fertig. Und schon verabschiedeten wir uns von unseren edlen Rettern. Nach dem sie losgebraust waren, machte sich HEIDI dran mal die anderen Reifen unter die Lupe zu nehmen. Und was soll ich sagen, sie hätte echt keine Lupe gebraucht. Man konnte an einem Reifen sogar schon die Stahlstreben unter der Gummihaut erkennen---- der Horror. Na ja, in unserer jugendlichen Abenteuerlust und weil es sowieso keinen anderen Ausweg gab, ging die Höllenfahrt weiter. Und falls noch ein Reifen aufgeben sollte, egal, wir hatten ja sowieso nix mehr zum Wechseln, weder Jack noch Ersatzrad. So fuhren wir jetzt mit konstanten 80 km/h und HEIDI versuchte dabei immer in der Spur der Roadtrains zu bleiben, weil die Strasse da besser abgefahren ist. So hoffte man, dass die anderen Reifen halten würden. An jedem Roadhouse (so alle 250 km) wurde angehalten und die Reifen begutachtet, natürlich gab es da auch immer ne Werkstatt, aber 170 Bucks für `nen gebrauchten Reifen, das ist zu teuer. Ich weiß gar nicht genau, aber ich glaub wir haben so noch 1200 km zurückgelegt. Immer mit dem Gebet im Hinterkopf: “Lass die Reifen halten!!!“. Anscheinend muss es irgendein Gott mitbekommen haben, dafür echt noch mal danke. In KARLGOORLIE nahmen wir den erstbesten Zeltplatz, wo wir dann sogar einen Rabatt für unsere RAA Mitgliedschaft bekamen. Jedenfalls konnte ich trotz allem recht gut schlafen. Achso falls ihr fragt, ein Foto mit dem platten Reifen haben wir nicht gemacht, ist ja auch verständlich, wer denkt in so einer Situation schon daran. Dafür haben wir eins nach dem Reifenwechsel mit platten und aufgezognen Ersatzreifen.
Nach unserem gestrigen Reifenabenteuer war es heute dringend nötig Punky total zu erneuern. Zu diesem Zweck steuerten wir nach einer kalten Morgendusche einen Reifenhändler /Werkstatt an. Wir wurden auch prompt bedient und wie ...... nachdem wir nämlich erwähnten, dass unsere Kohle nur schwerlich für neue Reifen a 150 Dollar (ihr billigstes Angebot) reichen würde, geschah das Wunder. Der Verkäufer meinte, es gäbe da eine gute + billige private Werkstatt und beschrieb uns auch gleich den Weg dahin. Verdammt nett die Aussies, anstatt uns die teuren Reifen anzudrehen (die wir echt nötig hatten), werden wir zu billigeren Konkurrenz geschickt. Da bezahlten wir dann 80,- für jeden neuen Reifen und 20,- für ne neue (gebrauchte) Felge...... warum hatten wir die andere eigentlich noch mal in der Wüste zurückgelassen!!??!! Na ja, während Punky sein neues Schuhwerk bekam, verzogen wir uns in einen Pub, wo ich ein Bier, HEIDI eine Lemonade und wir beide ein paar Dartpfeile bewegten. Zwei Stunden später nahmen wir Punky wieder in Empfang und nun konnte er uns weiter durch OZ tragen, also let`s go. Leider klappte es in KARLGOORLIE nicht mit Arbeit, was uns trotzdem nicht davon abhielt abends in den Pool zu springen. Nach ein paar Anrufen und Sichtung unseres gesammelten Infomaterials kamen wir zu folgenden Überzeugung: Wir wollen Oz nicht mehr verlassen und vielleicht ist in DONNYBROOK besser Arbeit zu finden. Komisch war dann noch, dass es schon um 19:30 Uhr dunkel war, aber so ist wenigstens gut kuscheln. Tags darauf ging es weiter, wir wollten nämlich die näxte einmalige australische Attraktion besuchen und zwar die größte Murmel.... ach Quatsch den WAVE ROCK, ihr wisst schon die steinerne Welle. Da Punky runderneuert war und wir guter Laune, lief alles wie geschmiert. Ok, wir haben zwar nicht gleich aus KARLGOORLIE gefunden ,aber egal. Über kleine Dörfer und Städte ging es unserem Ziel entgegen. Dabei erfüllte sich H. (der Name wird aus kriminalistischen Gründen verheimlicht!!) einen Traum, sie gestaltete mit Hilfe ihres Komplizen C. so ein gelbes Kangaroowarnschild etwas um. So bekam das abgebildete Kangaroo Rückenzacken und Krallen sowie einen Scheißhaufen dazugezeichnet, falls ihr mal da lang kommt, werdet ihr es schon erkennen.
 
EINSCHUB:
Dieser Text kann nicht zur Verfolgung der Täter beitragen, erstens sind die Täter unschuldig, weil sie vom Kangaroo hypnotisiert waren und zweitens ist die Tat verjährt.
EINSCHUB ENDE.
 
An der Welle angekommen, wurde schnell das Zelt errichtet und das Teil von allen Seiten bewundert (damit mein ich den Wave Rock und nicht das Zelt). Wir bestiegen sogar die Welle. Der Mond stand schon am Himmel und es war wieder mal beeindruckend hoch 5, die Kamera war auch wieder voll im Einsatz. Als wir davor standen, kam uns die Welle gar nicht mal so groß vor, aber auf den Fotos später wirkten wir doch recht winzig.
Heute ist der 27.2.2002 und die Welle hat uns noch nicht unter sich begraben. Viel wichtiger ist aber, dass eine gewisse Person heute ihren Geburtstag feiert und ich bin es nicht. Falsch Punky oder Monschischi (unser ständiger Begleiter) sind es auch nicht. Es handelt sich um HEIDI. Da mein Geschenk ein Freifahrtschein war , musste ich um meine Gesundheit fürchten. Und sie nutzt ihn auch redlich aus... ich erinnere mich da z.B. an eine Flasche die meinen Kopf traf. Ok, trotz meiner Gehirnerschütterung ging der Trip weiter, Ziel war eigentlich DONNYBROCK, aber fürs erste ereichten wir nur BUNBURY. Na ja, DONNYBROCK war dann auch nur noch 40 km entfernt. Zur Feier des Tages zogen wir für eine Nacht in einen Doubleroom des lokalen YHA-Hostel. BUNBURY ist ne richtig nette Kleinstadt, wo die Geschäfte aber schon um 18 Uhr schließen, dafür gibtz ein Kino und ein 24 h Imbisslokal.
Vor dem zu Bett gehen versuchte ich noch per Anruf Arbeit auf den umliegenden Farmen zu beschaffen, was heute nicht mit Erfolg gekrönt war. Das soll euch jetzt nicht beunruhigen, denn alles wird gut ... lest selbst. Der näxte Morgen begann mit dem Griff zum mobile phone. Die Arbeitsnummern hatte HEIDI übrigens bei der örtlichen Touriinfo ergattert (kleiner Tipp). Jedenfalls meinte der erste Farmer das keine Arbeit wäre, beim zweiten sollte ich mich später noch mal melden und der dritte meinte Montags geht’s los. Die Wegbeschreibung war kein wirkliches Problem, da das mit dem Englisch jetzt richtig gut klappte. Was es zu ernten gäbe, wussten wir bis dahin noch nicht. Da wir noch das Wochenende vor uns hatten, blieben wir in BUNBURY, zogen aber vom Hostel in den Caravan Park samt geliehenen Topf. Der Zeltplatz war auch gleich in der City, wodurch Punky mal wieder ein paar Tage Ruhe hatte. Der Abend begann mit einem Blick ins Dolphin Center (leider waren keine Dolphins da, auch bei den anderen Besuchen nicht; da kommen nämlich wilde Delfine bis an die Küste und man kann sie fotografieren und unter Aufsicht füttern). Des weiteren stand noch der Einkauf auf dem Plan, wobei wir über ein Radio mitbekamen, das heute Abend „Lash“ hier spielen würden, womit klar war was wir diesen Abend tun würden ...... häkeln??? Zwar kannten wir bis dahin nur ein Lied aus dem Radio, aber wer lässt sich schon eine lokale (aus PERTH) all-girl-Rockband entgehen. Bevor es zum Konzi ging, stand noch Fußballtennis (21:16 für HEIDI) und erfrischendes poolen auf der Liste. Nach dem abkühlenden Poolbad machten wir uns auf den Weg zum Konziort namens „Prince of Wales“- Hotel, für 10 $ durften wir dann auch den Pub betreten. Logischerweise waren auf einem Donnerstagabend nicht allzu viel Leutchen da, nur so knapp 40-50. Als Vorband fungierten die „Fergusons“, die 5 Boys machten ordentliche Rockmusik ohne uns vom Hocker zu reißen. Weil ich ein absoluter Geizkragen bin, wie HEIDI euch wahrscheinlich bestätigen wird, tranken wir nur ein oder zwei Bier. Ihr könnt mich zwar fragen welche Sorte, aber da muss ich passen, war’s Emu, Swan oder gar Tasmanian Bitter, I don’t know!!! Dafür spielten schon bald „Lash“ und ich kann nur sagen yeah, yeah, yeah. Ihr Hit in den Charts war ganz zu Recht da platziert und außerdem der Beweis, das die Aussies ein verdammt guten Geschmack besitzen. Richtig geiler punkROCK mit Herz, Verstand und schöner Optik... ihr versteht schon. Dem Publikum gefiel es genauso wie uns. Das war mal wieder so eine Nacht, die glücklich und zufrieden macht. Ein Backpackerleben ohne Musik ist echt langweilig.
Während unseres Aufenthalts in BUNBURY versuchten wir natürlich zu angeln. Nachdem wir uns in VICTOR HABOUR ne Angel gekauft hatten, gelang uns dann hier in BUNBURY, also ca. 3000 km weiter, den ersten essbaren Fisch zu fangen. Es war ein Tailor, den HEIDI echt super zubereitete und uns mundete. Ob das Fangglück uns weiter holt war, wollt ihr wissen??? ..... ich verrat nix.
Am Sonnabend den 2.3.2002 machten wir einen Abstecher nach DONNYBROOK um unseren neuen Arbeitgeber kennenzulernen. Leider war in diesem Erntedorf echt keine Unterkunft zu kriegen, die hatten da nicht mal einen Zeltplatz. Alle Zimmer waren mit Erntehelfern aus der ganzen Welt belegt. Also verschoben wir dieses Problem auf den näxten Tag, im nachhinein muss ich sagen, ganzschön töricht und naiv. Aber so verbrachten wir den Samstag und fast den ganzen Sonntag noch in BUNBURY aufm Zeltplatz, wo nur HEIDI zahlte, den es heißt sparen..... sind wir Schmarotzer? Den Abend verbrachten wir auf dem Stadtfest, wo mehrere 20 Cent Stücken in einem Automaten verschwanden. Das war so ein Teil, wo wenn das Geld richtig fällt ein paar Münzen rausgeschoben werden, na ja Pech im Spiel = Glück in der Liebe!!
Sonntagabend ging es dann nach DONNYBROOK, wo wir in ein Pubhotel zogen, wo wir für das Zimmer 40,- zahlen mussten, für die eine Nacht. Warum HEIDI in der Nacht noch mal zum Auto gehen musste, solltet ihr sie selbst fragen, tja wenn frau nicht alles bei hat.
Montag hieß es zeitig aufstehen, da alle Sachen ins Auto mussten, hatten ja schließlich nur für ne Nacht bezahlt. Ist schon komisch, wenn du einen Job hast, aber keine Unterkunft. Und was pflückten wir auf Old Goldfields Orchard-----Nashis----. Müsst ihr doch eigentlich kennen, is ne Kreuzung zwischen Apfel und Birne, schön süß + lecker, gibtz sogar bei Kaufland und ist da verdammt teuer. Die Dinger sind gar nicht so einfach zu pflücken, man muss auf Größe, Farbe, Stiel dran und bruising achten.
 
EINSCHUB:
Was bruising bedeutet? Na ganz einfach, wenn du die Frucht zu doll drückst oder nicht sanft genug in den Pflückkorb legst bekommt, sie ne matschige Stelle und das ist bruising. Aber da ich doch so ein sanfter Typ bin, hatte ich damit fast keine Probleme.
EINSCHUB ENDE.
 
Nach unserer ersten Schicht ging es noch mal auf Suche nach einer günstigeren Unterkunft. Drei Telefonate und Stadtdurchfahrten später checkten wir bei der Brook Lodge ein, die für die näxten paar Wochen unser zu Hause werden sollte. Und das obwohl HEIDI am Anfang meinte, das ihr die Arbeit nicht gefällt. Die ersten paar Tage nächtigten wir noch in einem Tripleroom, wobei uns der 3. Boy nicht oft störte :-) . Anfangs nahmen wir auch drei Engländer mit zur Arbeit mit, was sich änderte, als sie sich auch ein Auto kauften.
Also falls ihr es nicht merkt, ich fass jetzt mal ab und zu ein paar Tage zusammen, kann ja nicht jeden Tag, was neues auf Arbeit passieren. Obwohl wenn ich mein Tagebuch lese, da war doch fast jeder Tag ein neues Glücksgefühl. Bevor das hier klingt, als wäre jeder Tag Friede-Freude-Pancake gewesen... es gab natürlich auch Tage an denen der Rücken weh tat oder man nicht früh aufstehen wollte oder Mecker vom Cheffe (Rusell + ??); weil zu grün gepflückt, zu langsam oder sonst was. Aber übereinstimmend können wir sagen, die Engländer bekamen mehr Mecker .... ha wir leisten eben deutsche Wertarbeit. War das jetzt eigentlich ne Selbstbeweihräucherung??? So jetzt hieß es immer frühmorgens aufstehen, so zwischen 4 und 6. Je näher wir dem australischen Herbst kamen umso später, die Tage werden eben auch da kürzer. Die ersten paar Wochen mussten wir die Nashis vom Boden aus pflücken, meist waren wir 4 Leute in einem Trupp, die dann die Bins zu füllen hatten. Und ja alles schön absuchen von oben, unten, links, rechts und kreuz und quer in den Strauch kriechen, um ja jede reife Frucht zu erhaschen. Übrigens reif heißt nicht schön gelb, wie du das Teil dann kaufst, reif heißt, das die Nashi so einen ganz leichten Gelbschimmer hat, den die muss ja noch auf den langen Weg in deinen Supermarkt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie pinglich die Farmer sein können in dieser Frage. Eine erste Abwechselung war, als wir die peaches (Pfirsiche) pflücken durften. Das ging um einiges lockerer, obwohl man da auch auf die exakte Rotfärbung achten musste. Immerhin durften wir schon die bikes reiten (an denen die Hänger mit den Früchten befestigt waren, es waren 4 rädige Motorräder/Quads) und HEIDI hatte die Möglichkeit mit dem Ausleger zu ernten (also das Teil für oben). Und als es wieder zu den Nashis ging hatte Team HUC (HEIDI+Conny) den Platz auf der fahrbaren Plattform ergattert. Wenn ihr HEIDI kennt wisst ihr, wie sie es liebt etwas großes und schweres zu fahren. Natürlich waren die Farmer so machomäßig drauf nur dem Kerl (sprich mir) das Ding zu erklären, aber schlussendlich ist wohl HEIDI 90 Prozent unseres Weges gefahren. Was auch ganz gut klappte, bis hier hatten wir noch nix weltbewegendes umgefahren (siehe dazu dann in Teil 5). Und da die Nashisaison auch fast um war, was heißt nur noch die Reste picken, ging der Job uns relativ schnell und leicht von der Hand. Und nun.... folgten die Pflaumen und was für Pflaumen, die waren so groß wie ein Basketba...... äh na gut, aber ungefähr wie ein Tennisball; und verdammt lecker. Wir mussten mit unserer Pflückplattform immer erst auf den Pflaumenhang fahren, vorbei an den Touris. Richtig gelesen Terroristen, diese Plantage (Orchard) konnte man für 2 Bucks besichtigen (Kinder bis 16 kostenlos), nicht das ihr glaubt wir hätten sie zerstört, man kann es natürlich immer noch.  Na ja, mich würd das nicht interessieren, auch wenn es ein Stück Goldmine zu besichtigen gab, hieß ja nicht umsonst „Old Goldfields Orchard“.
Zurück zu den Pflaumen, mit denen brauchten wir im Durchschnitt 70-80 min um einen bin zu füllen. Aber an einem Tag waren wir richtig fix, in nur 30 min war der erste Bin gefüllt. Die anderen beiden Bins auf der Plattform waren auch schon nach 2 h voll (kurz rechnen: Sollzeit = 210- 240 min, Istzeit = 150 min) und so machten wir ........ Pause, schließlich sind wir ja nicht blöd. Die Bosse hätten sich nur gewundert, wieso wir nicht immer so schnell sind. So nutzt man die Zeit ein paar plums zu vertilgen bzw. an die Kühe zu verfüttern, die liebten die Dinger. Komisch war dann  nur, das wir für die näxten 3 Bins glatt 4,5 h brauchten, egal es gab ja Stundenlohn; noch !!!!
Das eklige an den plums war, das auf den Früchten Frösche hockten, kein Scheiß; 2-4 m Höhe du bist voll am pflücken, weil die Plattform automatisch immer weiter fährt. Greif, in den Beutel, greif, in den Beutel, greif ... ihhh, bäh wieder so einen Frosch angefasst, da stellen sich einen die Nackenhaare auf und der Rücken wird zur Gänsehaut .... wat für ein Gefühl. Daran konnte ich mich echt nicht gewöhnen. HEIDI kam anscheinend ganz gut damit klar, den sie wollte sogar einen Frosch küssen; ich hab ein Beweisfoto. Vielleicht war es auch nur ein Versuch in Oz bleiben zu können ..... Froschheirat!!??!! Bevor ich auf die letzten beiden Früchte komme, die wir auf Old Goldfields Orchard noch ernteten, sag ich mal was zum Leben nach Arbeit und am Wochenende. Aber nur um euch den Mund für später wässrig zu machen: „beim pflücken der Äpfel machten wir uns deutsche Feinde!!!“ - Erklärung folgt später.
Da die Brook Lodge, unsere Unterkunft, nur von Arbeitern bewohnt war, gab es natürlich TV, Billard, ne riesige Küche, ein Basketballkorb und allerhand Sportzeug zum Ausleihen, schließlich muss der gemeine Erntehelfer auch mal ausspannen. Ok, super sauber war es nicht, aber echt gemütlich. Die Nächte waren schon echt kalt  und der einzige Ofen im Gemeinschaftsraum bollerte und erwärmte uns ein wenig. Am meisten Freude bereitete HEIDI die vorhandene Tischtennisplatte. HEIDI war mal Kreismeisterin im TT, was ich natürlich gleich zu spüren kam. Zum Glück nicht nur ich, auch alle anderen Kerle, die es mit ihr aufnehmen wollten, putzte sie weg. Es gab nur einen Einzigen, der mit ihr mithalten konnte, ein Asiat. Cool waren die Gesichtsausdrücke der Boys, wenn mein kleiner Spatz sie förmlich abzog. Zu meiner Reputation darf ich sogar behaupten, das ich HEIDI einmal im TT schlug und zwar mit der Kel... nein ich glaub 21:19... ich sag auch keinem, das HEIDI, da schon ne Woche kränklich (Schnupfen) war, ups!!
Meist sprangen wir nach der Arbeit gleich gemeinsam unter die Dusche, dann ging’s einkaufen, wo ich immer versuchte HEIDIs Shoppingleidenschaft zu bremsen, und dann wurde lecker gekocht. Da fallen mir die verdutzten Gesichter + Fragen der Mitbewohner ein, als wir mal ein Brot backten ..... es roch gut und schmeckte gut, ok es war etwas fest, aber egal. Abends widmeten wir uns den sportlichen Aktivitäten (grins), Fernsehen o.ä.. An den Wochenenden oder freien Tagen ging’s nach BUNBURY ins Kino bzw. auf den Nachtmarkt (da gab es Omis, die leckeren home-made Kuchen verkauften, köstlich), ein paar Mal versuchten wir in BUNBURY auch noch mal zu angeln. An einem Wochenende war in DONNYBROOK die Hölle los, es war apple festival, die Stadt ist nämlich wegen seiner Pink Ladys (Apfelsorte, die wir auch pflückten) berühmt. Es gab ein Haufen Fahrgeschäfte, Buden und Leute zu bewundern, die das Zentrum dieser kleinen Kleinstadt bevölkerten. Wir erspielten ein paar Kuscheltiere, ich glaub wir haben da einen Teddy gewonnen, und ich kaufte mir eine Kette mit einem Wolfsgesicht, die ich übrigens immer trage.
So weit zu den Aktivitäten nach der Arbeit, nachdem die plums alle geerntet waren, erwarteten uns die Orangen. Die hatten wir ja schon in Waikerie gepickt und auch hier gab es Kohle pro gefüllten Bin (aber hier war es mehr). Das Gute war, das HEIDI + ich die kleine Plantage allein abarbeiteten, so bestimmten wir die Zeit und den Lohn. Zwar wies der Chef mich im Umgang mit der Plattform ein, aber aus logistischen Gründen pickte HEIDI dann von dem Teil.
 
EINSCHUB:
Diese Plattform ließ sich hoch und runter fahren bis 6 m Höhenunterschied, dazu stand sie auf drei Rädern und während man pickte, fuhr man weiter von Baum zu Baum. Gelenkt und die Höhe bestimmt wurde mit den Füßen. HEIDI hatte den Dreh auch schnell raus, bis auf das Einemal, wo sie in den Graben fuhr.
EINSCHUB ENDE.
 
Es gab ein paar gute Gründe, warum meine Große mit der Maschine pickte: 1. weil HEIDI große Maschinen liebt und gerne fährt, 2. weil ich Respekt vor dem Ding hatte, aber gefahren hab ich es auch ein paar mal, und 3. weil der, der am Boden pflückte so einen Bauchsack tragen musste, der mit Orangen gefüllt gut 30 kg wog, was meinem Rücken auch gut zu schaffen machte. Zwar wunderte sich der Farmer über HEIDIs technische Geschick, aber er erkannte schnell, das es so besser lief.
Am ersten Tag füllten wir dann auch gleich innerhalb von 11 Stunden 6 Bins zu je 35 $, wir arbeiteten also den ganzen Tag für 105 Bucks je Person. Und beim letzten Bin war es wirklich schon am dunkel werden, zum Glück schien der Mond, sonst hätten wir den nicht mehr füllen können. Sonst gab es nix besonderes; außer das wir die Maschine einmal mit dem Traktor aus dem Graben befreien mussten; ein größerer Ast abbrach, den wir mit dekorativen Geschick in einem Baum verschwinden ließen; ich von einer Biene in die Augenbraue gestochen wurde ( in Orangensträuchern gibtz übrigens viele Bienennester) und natürliche meine geliebten Rückenschmerzen ..... aber auch daran gewöhnt man sich. Achso hab ganz vergessen zu erzählen , das HEIDI in die Rod geschissen hat!!!!! Ätsch!!! Die Plantage war wirklich klein, so das wir Donnerstag (Montag hatten wir gestartet) schon fast fertig waren und so beschlossen wir Freitag erst später anzufangen. Und da passierte ES (Ich weiß, was ihr jetzt denkt: “Schon wieder dieses ES“.). ES klopfte um 8:27 und nach dem richten unserer Decke riefen wir: „Come in!“. Und da stand unserer Chef in der Tür und fragte, ob wir heute noch arbeiten kommen wollten, wir hatten nämlich die ganze Zeit selbstständig gearbeitet, der Cheffe kam nur ab und zu vorbei und er hatte wohl gerade gemerkt, das wir noch nicht da waren. Na klar wollten wir arbeiten (hab ich das jetzt geschrieben?), es ging ja nur noch um die letzten 3,5 Bins, der Farmer rechnete sogar 4 Bins ab und fertig waren die Orangen.
Inzwischen hatte uns der Chef kundgetan, das die Äpfel noch zwei Wochen bis zur Pflückreife benötigen würden, so das frei wäre. Aber erst mal luden die beiden Chefs die gesamte Belegschaft zum Umtrunk in den örtlichen Pub ein. Na ja was soll ich sagen, zuviel Bier hat auch auf mich Auswirkungen........
Den näxten Tag verbrachte ich im Bett und erholte mich. Und da wir jetzt sozusagen Urlaub hatten, machten wir uns auf den Weg nach PERTH, verdammt ich wollte diese Stadt endlich kennenlernen.
Was uns beim Apfelpflücken wiederfuhr, wie geil PERTH ist, was Punky noch für Macken hatte und was das Geheimnis von Rottnest Island ist, erfahrt ihr in Teil 5.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.05.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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