Ulla Meyer-Gohr

Der Fluch

 

Paradise Beach nannte der Engländer, John Wilkerson, sein geliebtes Domizil. Nachdem er, als Captain der Royal Air Force, den zweiten Weltkrieg gut überstanden hatte, zog es ihn mit Frau und Kind nach Ostafrika.
Er siedelte sich in der Nähe von Mombasa direkt am Indischen Ozean an. Wilkerson war und blieb ein Abenteurer, der den Schmelztiegel des Geschehens suchte. Afrika traf genau den Nerv  der Heraus-
forderung. Seine stahlblauen, lachenden Augen und der rothaarige Schnurrbart bestätigten das Erschei-
nungsbild eines lebensbejahenden Draufgängers.
 
Auf seinem Anwesen beschäftigte Wilkerson mehrere Angestellte. Unter anderem einen Houseboy und
einen einheimischen Koch. Nicht ahnend, dass beide zwei verfeindeter Stämme angehörten. - Eines Tages
fiel dem Engländer auf, dass der sonst so wohlgenährt aussehende Koch abmagerte bis zu einem Skelett.
 
    " Madgambo geht es dir nicht gut? - Du siehst nicht gesund aus! - Bist du krank?"
 
Wilkerson forschte in dem dunklem Gesicht. Die Augen Madgambos blickten den Engländer ängstlich und
verstört an. Verstohlen sah er sich um als gäbe es einen Verfolger.
 
    " Ich weiß nicht Mister! - Keine Ahnung was mit mir los ist!"
 
Seine Stimme verebbte zu einem Wispern. Nach einigen Überredungskünsten vertraute der Koch Wilkerson das Geheimnis an. - Der Houseboy habe ihn verflucht! - Sein nahender Tod stünde bevor!
Ungläubig vernahm der Engländer diese Botschaft, verspürte aber den Ernst der Lage und die Magie des
schwarzen Kontinentes. - Madgambo verschwand geräuschlos in der Küche und schien sich in sein aus-
gerufenes Schicksal zufügen.
Bei John Wilkerson kroch eine Wut der Empörung hoch. - Sollte er durch diesen Hockuspockus sein
mühsam gefundenes Kochgenie verlieren? --- Ihm kam eine Idee!
 
Der Vollmond tauchte eines Nachts Afrika in eine mystische Landschaft. Stumm schien er sich mit dem
Engländer zu verbünden. Der unglückliche Madgambo wurde gebeten in den nächtlichen Garten zu folgen.
Zähne klappernd beobachtete er die folgende Szenerie.--- John Wilkerson stand in der Mitte seines Gar -
tens und streckte die Arme beschwörend gen Himmel. Zwei ausgebliechene, große Elefantenknochen
zwischen den Händen haltend. Er murmelte unverständliche Worte, die einer Zauberformel ähnelten. -
Plötzlich ließ er die Knochen scheppernd aufeinander krachen und führte einen beschwörenden Tanz auf.
Dabei stieß er animalische Schreie aus. - Der Koch rührte sich nicht vom Fleck. Die Darbietung hatte
Madgambo in den Bann gezogen. Wilkerson nahm mit Freude die gelungene Wirkung seiner Tollkühnheit
wahr. - Nach einer halben Stunde des Herumwirbelns beendete er die Zeremonie und trat siegesge-
wiss an seinen Koch heran. Im feierlichen Tonfall verkündete er. - Der große Geist habe ihn erhört! - Der Fluch sei gebrochen! -
 
Der Glaube an das medizinmännische Können seines Herrn bewirkt bei  Madgambo Wunder. - Mit Wohlwollen bemerkte die Familie Wilkerson in den folgenden Wochen die Gewichtszunahme ihres Kochs.
Selbst die Lebensfreude Madgambos kehrte in sein Leben zurück.  
                                                    
   
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.05.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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