Gaby Schumacher

Mein Freund Ambrosius II

Völlig unerwartet und einfach schöön...
Wie Ihr es bereits lesen konntet, haben Amselmann Ambrosius und ich einen besonderen Draht zueinander. Unser tägliches Treffen vor der Terrassentür oder auch im Garten genießen er und ich von ganzem Herzen.
Ambrosius vielleicht noch ein wenig mehr, denn er sahnt jedesmal tüchtig ab. Noch lieber als Kuchenkrümel mag er gebröseltes Graubrot. Er stopft sich seinen Schnabel dermaßen voll, dass ich dann leider auf sein Dankeschön-Piep verzichten muss. Aber sein Blick verrät mir genug.
Den Sicherheitsabstand von einem Meter hält er schon längst nicht mehr ein, sondern hüpft mir bis zu einem halben Meter Nähe entgegen und mustert mich minutenlang.

Gestern ist etwas geschehen, was ich wohl nicht mehr vergessen werde, in den vergangenen 22 Jahren hier in Düsseldorf auch noch nie erlebt habe. Wir haben mit Freunden und Töchterschar auf der Terrasse gesessen und gegrillt.
Zwei Meter von uns entfernt hat Ambrosius im Gras gehockt und die lebhafte Runde beobachtet.
"Hallo, Ambrosius!"
Fix habe ich ihm ein paar Kuchenkrümel spendiert.
 
Ambrosius ist ungeniert heran gehüpft und hat sich die Leckerei geschnappt. Es hat anscheinend vortrefflich geschmeckt, denn er hat nach Beendigung seines Luxusmahles keinerlei Anstalten gemacht, denn doch seines Weges zu fliegen. Stattdessen ist er an den Stühlen vorbei auf die Terrassentüre zu gehopst.
Still hat er dort gesessen und geguckt.
"Mama, sieh` mal, der Vogel ... !", hat mich meine Älteste darauf aufmerksam gemacht.
"Ach ja, darf ich vorstellen? Das ist Ambrosius. Der besucht mich jeden Tag!"
"Wie süüß, Mama!"
Kurz darauf:
"Mama, der ist aber vorwitzig ... "
Mit einem Kopfnicken hat sie zur geöffneten Türe gedeutet.
 
Wie auf Kommando sind wir alle ihrem Blick gefolgt. Ich bin aufgestanden, langsam aufs Haus zu gegangen und dann wie angewurzelt stehen geblieben. Auf den Fliesen in der Küche hat tief geduckt mein neugieriger Ambrosius gehockt und offensichtlich unter einem schlimmen Schock gestanden. In seinen Augen habe ich die reine Panik gelesen. Ganz langsam und mit besonders ruhigen Bewegungen habe ich mich ihm bis auf einen Meter genähert. Wir haben uns in die Augen gesehen, wohl mehrere Sekunden lang.
 
Es ist völlig still gewesen. Die Gesellschafft auf der Terrasse hat wie auch ich den Atem angehalten.
"Im Moment ist Ambrosius nicht mehr allein für sich verantwortlich. Er ist in meinem Haus und ich habe jetzt, wenn möglich, es zu verhindern, dass er zu Schaden kommt!"
Noch immer hat sich Ambrosius nicht von der Stelle gerührt.
"Eine einzige, falsche, vielleicht dann zu schnelle Bewegung und er rast vielleicht gegen einen der Schränke ... "
Welche Folgen dies dann für ihn nach sich ziehen könnte, habe ich lieber nicht überdenken wollen.
 
Vorsichtshalber habe auch ich mich nicht von der Stelle geregt, sondern ihn weiterhin nur angesehen und er mich. Irgendwie habe ich dann das Gefühl gehabt, dass seine Furcht allmählich nachgelassen hat.
"Bilde ich es mir nur ein oder ist es tatsächlich so, dass er Vertrauen zu mir hat und einfach weiß, dass ich ihm nie etwas Böses tun würde?"
 
Im nächsten Moment hat er sich aufrecht hin gesetzt, hat mich mit schief gelegtem Kopf bereits wieder etwas fröhlicher angeguckt, die Flügel ausgebreitet und ist zwitschernd durch den Garten davon geflogen. Mir ist es vorgekommen, als wäre alles nur ein Traum gewesen.
"Den sehe ich heute nicht wieder!", habe ich noch gedacht.
 
Eine halbe Stunde später jedoch ist Ambrosius fröhlich piepend zurückgekehrt und munter durchs Gras gehüpft, als ob nie etwas Aufregendes gewesen ware.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.05.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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