Christian Heine

Marko und Maria

 Rumänien. Größtes europäisches Land am Schwarzen Meer.
Im Norden die Ukraine, im Westen Ungarn und im Süden Bulgarien und Serbien mit Montenegro. Casino Royale lässt grüßen.
Ein aufstrebendes Land mit verbesserter Regierung, erhöhtem Tourismus und wachsender Wirtschaft. In Bochum bereits Wirtschaftswunderland genannt, ist Nokia nicht das einzige Unternehmen das vom EU-Beitritt 2007, Investitionen und Steuergeschenken seitens der Rumänischen Regierung profitiert. Unternehmen sind dabei allerdings fast die einzigen.
Die Bevölkerung profitiert in weiten Teilen kaum oder sogar gar nicht von der neuen Struktur.

Während in den Ballungsräumen die Technik Einzug gehalten hat und Verbindungswege grundlegend modernisiert wurden, sind 90% des Landes noch immer unzureichend mit gesicherten Straßen oder einer Bahnverbindung ausgestattet. Urlauber berichten von eingesunkenden Militärjeeps und liegen gebliebenden Kettenfahrzeugen. Das Pferd ist auch 70kilometer von Bukarest, beispielsweise um Visina, noch Haupttransportmittel und viele Rumänen haben Motorräder und Gebrauchtfahrzeuge gegen Pferde getauscht und einige verdienen Geld allein mit dem Abschleppen von Fahrzeugen von Touristen.
Und durch Umweltreformen bei sauberer Luft.

Davon konnten Marko und Maria nur träumen. Und beim Blick aus dem Fenster der Mietwohnung fiel das mehr als schwer und sie träumten mithilfe eines Fotoalbums von Bäumen oder einem blauen Himmel, der Anfang Juni bei strahlendem Sonnenschein da sein sollte. Sollte.
Denn nicht mal Sonnenschein war da. Seit sie hier wohnten hatten sie nie welchen gespürt.
Die Fabrik, in der der Vater arbeitete stieß eine heiße und stickige Luft aus, die voller Abgase war, weil das Unternehmen keine Katalysatoren einsetzte. Weil kein Kontrolleur da gewesen war.
Weil das Geld des Unternehmens wichtiger war.

Seit sich das Unternehmen nördlich von Buzau niedergelassen hatte, war aus dem ehemaligen Dorf Maracineni ein Arbeiterlager geworden. Ein Vorort aus Baracken, mit Kabelanschluss und Warmwasser zwar, aber ohne einen Funken Frischluft. Ohne wirkliche Schule. Ohne wirkliche Polizei. Ohne wirkliches Geld. Und das war für die Familie Mitschek das Hauptproblem.

Weder der Vater in der Fabrik noch die Mutter als Putzfrau, verdienten genug um die ganze Familie durch zubringen. Eine kleine Familie, die ein finanzielles Schwarzes Loch geöffnet hatte indem sie einen Dacia Logan gekauft hatte damit der Vater pünktlich in die Fabrik kam.
18,000Lei waren zu viel gewesen. Bei einem Gehalt von 2,400Lei pro Monat.
Aber ohne Wagen wären es nur 800Lei gewesen.

Ein dreizehnjähriger Junge kann 6,000Lei bringen. Ein elfjähriges Mädchen sogar 8,000Lei.
Vierzehntausend Lei weniger würden auf der Schuldenliste stehen, wenn Rasmus seinen Kollegen in der Fabrik ansprach. Er musste sich nur dazu durchringen. Marko war dreizehn. Maria war elf.

„Sie werden es dort besser haben.“ „Werden Sie nicht. „Werden Sie doch.“ „Werden Sie nicht.“ „Werden Sie doch.“ „Werden Sie nicht.“ „Werden Sie doch.“ „Werden Sie nicht.“ „Werden Sie doch.“ „Werden Sie nicht.“ „Werden Sie doch.“ „Werden Sie nicht.“ „Werden Sie doch.“ „Werden Sie nicht.“ „Werden Sie doch.“ „Werden Sie nicht.“ „Werden Sie doch. „Nein.“ „Doch.“ „NEIN!“
Die Ohrfeige traf Fee mit halber Wucht und sie war den Tränen nahe. Ihr Mann stand wütend vor ihr und versuchte sich zu beruhigen. „Wer-den-Sie.
Sie-wer-den-es-bes-ser-hab-en. Ka-piert!?!“
Ihr Mann war vollends überzeugt. Sie nicht. Aber gegen seine Entschlossenheit konnte sie schlecht etwas ausrichten. Fee ließ den Kopf hängen und nickte leicht. Sie hörte das erleichterte „Gut“ und blickte auf. Ihr Mann stand entschlossen da und hatte bereits den Hörer in der Hand.
„Glaube mir, Fee. Sie werden es besser haben.“

Er sagte es mit einer überzeugten Stimme, doch sie sah seine Unsicherheit und wusste, das er das nur tat, weil er keinen Ausweg mehr sah. Während Rasmus mit seinem Kumpel telefonierte, ging Fee zum Fenster und sah hinaus auf die Schornsteine der Fabrik.
Wie waren sie eigentlich auf die Idee gekommen, das es in der Stadt besser sei?
Die Frage konnte sie sofort beantworten. Sie war es nicht. Diese Idee hatte ihr Mann gehat.
„In der Stadt ist es einfacher. Keine teuren Lebensmittel mehr und kein Pferdeputzen“, hatte er gesagt. Das hatte sich auch als wahr erwiesen. Doch billiges Essen alleine war auch alles positive gewesen. Statt Kleppern putzte sie jetzt gezwungenermaßen Klo's und Duschräume.
Die Pferde waren noch ihr Hobby gewesen. Die verschissenen Klo's ihre neue Arbeit.
Und ihre Kinder. Ihre Kinder lernten Rumänisch in der Arbeiterschule. Sechzig Kinder in einer Klasse. Weniger Klassenkameraden hatte ihr Großvater in seiner Klasse auch nicht gehabt.
Und die Eselsohren gab es auch noch immer.

Fee hörte das Jauchzen ihres Mannes und drehte sich wieder um.
Er stand zufrieden neben dem Telefon und rieb sich die Hände. Fee sah entsetzt zu, wie sich ihr Mann über einen anscheinend guten Geschäftsabschluss freute.
'Als hätte er nicht unsere Kinder, sondern unsere ehemaligen Gäule verkauft!'
Die waren beim Schlachter gelandet. Und sie hatte das Gefühl, als würde ihren Kindern so etwas ähnliches passieren. Doch das konnte -besser gesagt durfte sie nicht aussprechen.

„Er ist einverstanden, Fee. Er kennt jemanden, der die Beiden nehmen würde. Ich hab' ihm gesagt,
wie jung Marko aussieht und er hat zugestimmt für beide 16,000Lei zu zahlen. Sechzehntausend!
Und keine Sorge. Sie werden es gut haben. Mit eigenem Zimmer, großem Bett, richtiger Beleuchtung, Warmwasser und Heizung und sogar Musikanlage für die neuesten Love-Songs.
Das ist doch was!“ Fee sah, wie er sich anscheinend wirklich für Marko und Maria freute.
Sie selbst schaffte den Sprung über diese Hürde nicht. Doch Fee nickte nur ergeben und schwieg.

Bereits am nächsten Morgen war ein dunkler VW Transporter vor der Baracke der Familie vorgefahren. Dunkel war dabei untertrieben. Der Van war komplett schwarz. Schwarze Felgen, schwarze Fenster, schwarze Reifen und schwarz gekleidete Männer. Männer mit schwarzen Lederjacken, schwarzen Sonnenbrilllen, schwarzen Lackschuhen und schwarzen Hosen.
Und genauso schwarz die Mienen, die kein Lächeln zeigten.

Marko und Maria wollten verständlicherweise nicht weg. Doch ihr Vater versuchte sie zu überzeugen. Er schaffte es allerdings nur sie zu überreden. Doch da saßen sie schon festgeschnallt auf den Rückbänken und eingekeilt zwischen zwei Männern. Sie konnten nur durch die schwarzen Fenster winken, als der Transporter Richtung Unbekanntes Ziel fuhr.

Fee sah wie der Van davonfuhr. Und sie sah auch, wie ihr Mann das Geld zählte. Und dabei lächelte. „Wie konntest du das nur tun? Das waren unsere Kinder!“ „Wir machen neue.
Welche, die es besser haben werden als die Beiden. Noch besser als das was sie sowieso erwartet -jetzt wo wir unsere Schulden bezahlen können, können wir endlich ein neues Leben beginnen.“ „Du kannst das.“ „Wie bitte?“
„Du. Du allein. Ich gehe.“ „Das tust du nicht!“ „Lass mich los!“
Fee riss sich los und lief davon. Rasmus blieb stehen und sah ihr nur nach. Und hörte in Hundert Meter Entfernung ihr Schreien. „Wenn dich Geld glücklich macht -bitte! Aber allein!“
Und damit war sie verschwunden. Rasmus sah ihr nach und ging in die Baracke zurück.
Dabei ließ er das Geld fallen, das sich sofort ein paar Nachbarn schnappten.

Es fällt schnell auf, wenn mal ein Mitarbeiter fehlt. Bei Kamera- und Detektiv gestützter Mitarbeiterkontrolle. Unter dem Deckmantel des Diebstahlschutzes wurden alle Personen innerhalb der Fabrik permanent kontrolliert. Willkommen 1984!
Und da fällt es sofort auf, wenn ein Arbeiter fehlt. Typische Vorgehensweise: halbstündige Verspätung bringt eine Lohnkürzung von 10%. Ein halber Tag ist eine Entlassung.
Und ein Tag Fehlen wird die Polizei eingeschaltet, um die handgeschriebenen Entlassungspapiere zu übergeben. Für Rasmus Mitschek musste die Polizei nicht lange suchen.
Sie fanden ihn sofort.
Erhängt im Wohnraum der Baracke. Offensichtlich Selbstmord.
Nachbarn erzählten von einem Streit mit seiner Frau, die ihn gestern verlassen hatte. Dies hätte er nicht verkraftet. Bereits zwei Stunden später war die Wohnung geräumt und ein neues Arbeitstier war eingezogen. Nahm den Platz ein, den Rasmus in der Fabrik gehabt hattte.

„Wo fahren wir denn hin?“ „Klappe halten, oder ich reiss dir die Zähne aus!“
Marko war schnell verstummt und sah wieder aus dem pechschwarzem Fenster.
Er wusste nur nicht, ob es schwarz wegen der Folie oder wegen der Nacht war.
Die Rolex am Handgelenk des Mannes nebn ihm zeigte Vier Uhr. Er wusste, das es eine Rolex war, denn er hatte selbst gefälschte verkauft um an Geld zu kommen. Doch diese war echt, das war klar.
Der Van stoppte und die Männer schubsten sie raus.

Ein weißes Gebäude mit wenig Fenstern und dem klangvollen Namen Pole Position Club.
Pole Position? Ja. Club? Vielleicht. Für die Kinder? Nein. Im Gegenteil.
Sie erlebten die wohl schlimmste Zeit ihres bisher gelebten Lebens.
Es war immer das Gleiche. Im Grunde. Nur die Kunden hatten alle eigene Vorlieben.
Wenn ungewollter Sex eine Vergewaltigung ist ... Was ist dann gezwungen freiwilliger Sex?
Gezwungen für die Kinder, freiwillig aussehend für die Erwachsenen. Oder Jugendliche.
Je nachdem. Auf jeden Fall älter und schäbiger.

Doch lange hält so ein „Vertrag“ nie. Nicht in diesem Gewerbe. In diesem Gewerbe braucht man immer etwas Frisches. Etwas Neues. Etwas Rassiges. Und besonders etwas Unschuldiges.
Und das waren Marko und Maria nicht mehr. Jedenfalls nicht in den Augen des Besitzers Tommy Vercetti. Der unter dem Titel 'Harvard-Butcher' bekannte Besitzer des Clubs war nur etwa drei Monate der 'Besitzer' der beiden Kinder. Dann verkaufte er sie weiter.
An einen Privatmann.
In einem Privathaus.
Mit Privatvorgarten.
Und Privatwagen.
Und privatem Schalldichtem Kellerraum.

Das ein so nett aussehender Mann mit freundlichem Gesicht, sauberem Vorgarten und gewaschenem Mittelklassewagen so etwas tat, war Marko unbegreiflich. Auch Maria.
Doch sie überraschte das Ganze weniger. Auch die Tatsache, das sie in einem ganz anderem Land waren -anscheinend Österreich, wunderte sie nicht mehr wirklich.
Doch das würde ihr und ihrem Bruder nicht helfen. Gar nichts und niemand würde ihnen helfen.

Der blonde Mann sperrte ihren Bruder Marko in einen stählernen Bettkasten in dem Keller unter der Garage und sie in eine umgebaute Waschmaschine im Erdgeschoss.
Der Mann hatte es gerne mit Streicheleinheiten. Aber nur von Marko.
Maria sollte ihm die dominante Tour machen.
Maria wusste noch, wie man mit einer Peitsche umgeht.
In Buzau hatte sie mal in einem Reitstall helfen dürfen.
Doch wie lange sie es hier aushalten würde, war ihr mehr als schleierhaft.
Zweiundsechzig Tage.
Zweiundsechzig Tage sind zwei Monate und zwei Tage.
Von August aus an gerechnet Anfang Oktober.
Es war der 3. Oktober 2008.
Maria wusste das, denn sie hatte einen Kalender stibitzen können und strich jeden Abend den Tag durch. Steve hatte ihr am Anfang das Datum ins Ohr geflüstert und zuerst hatte sie sich Striche in der Waschmaschine gemacht. Doch als mal Nachbarn zu Besuch gewesen waren, hatte sie einen Kalender stibitzen können. Es waren nette Nachbarn gewesen, die zum Kaffee gekommen waren und ihr eine Tafel Schokolade mitgebracht hatten. Sie hatte nichts sagen dürfen, hatte die Enkeltochter spielen müssen, die aus Rumänien zu Besuch war und die Nachbarn wussten anscheinend nichts von der Grausamkeit des Blonden Steve der anscheinend immer ruhig oder sogar ein bisschen spießig war. So sah auch seine Inneneinrichtung aus.

So viel Österreichisch verstand Maria inzwischen. Marko allerdings nicht.
Der verhungerte halb im Keller unter der Garage und hatte Fieber.
Und war erkältet. Er war seit August nicht mehr aus dem Keller rausgekommen.
Allerdings wurde Steve unvorsichtiger und er vertraute Maria teilweise, wenn
er im Haus war. So durfte sie abends mal zu ihrem Bruder und ihn besuchen.

Ihren Bruder Marko besuchen. Das ging nur im Dunkeln, wenn niemand sah, das die Garage einen Keller hatte. Wenn niemand sehen konnte, wie sie die Falltür öffnete und die fast 75° Treppe ohne Geländer runtergehen musste und dabei aufpassen das sie nicht ausrutschte und vielleicht kopfüber auf den harten Betonboden knallte. Einmal war sie schon runtergefallen.
Drei Stufen, aber Maria hatte danach furchtbare Kopfschmerzen gehabt.
Und die Treppe hatte fast Dreizehn Stufen.

Siebzig Tage und Maria konnte schon sehr gut Österreichisch.
Wenn Sie die BILD Zeitung auf dem Tisch konzentriert las, konnte sie nach kurzer Zeit die Schlagzeilen lesen. Sie wusste auch, das sich Steve diese aus Deutschland importieren ließ, das dieses Deutschland direkt nebenan lag und sie wusste auch das die Stadt hier Wien hieß.
So stand es auf dem Absender.
Sie wusste nur nicht, wie sie oder ihr Bruder aus diesem Gefängnis herauskommen sollten.

Steve schloss die Türen immer ab, die Fenster waren aus dreifachem Glas und immer verschlossen.
Und raus durfte sie meist nur abends, wenn es schon dunkel war. So gegen zehn, elf Uhr.
Die Küche war auch immer verschlossen, so das sie nicht an Messer kam.
Aber in reiner Verzweiflung oder Wut braucht man kein Messer.
In reiner Wut steigt die Kraft eines Menschen um das fast fünffache.
Verzweiflung bringt sogar das sechsfache. Genug, um jemanden aufzuhalten.
Und diese Wut spürte Maria jetzt deutlichst.
Sie spürte sie in sich hochkommen, als sie in der Garage stand und die Todesschreie ihres Bruders hörte. Maria hatte Steve mit einem Messer in die Garage gehen sehen und war ihm gefolgt.
Sie hatte sein grausames Lächeln erblickt und musste wissen, was er vorhatte. Und da war auch ein Dreifach-Glasfenster keine Hürde mehr.
Maria hatte einen Hocker ergriffen und das Fenster zerschlagen und war dann in die Garage gerannt. Dort hörte sie jetzt nur noch das Röcheln ihres Bruders und wartete hinter der Falltür auf das Wiederhochkommen von Steve. Sie hörte das Spritzen und das Lachen von ihm. Und seinen einzigen Satz. „Dein Blut schmeckt süßlich. Wie deine Schwester. Die wird sich freuen.“

Dann hörte Maria Steve wieder hochkommen. Sie sah bereits den Schatten und dann das ausgehende Licht. Sie sah das struwellige blonde Haar und bekreuzigte sich. „Vergib mir, Herr.“
Dann stieß sie die Falltür mit aller Kraft zu.
Sie hörte den Schrei und das Poltern.
Dann ein Stöhnen, als sie die Tür wieder öffnete.
Und dann nur noch ein Knacken.

Maria graute es davor, die Treppe herunterzugehen, doch das fehlende Wissen um ihren Bruder
brachte sie doch in Bewegung. Maria bekreuzigte sich nochmals und sprach
alle Gebete in ihrer Muttersprache, die sie kannte.
„Oh Gott Vater, lass den Kelch der Sünde an mir vorübergehen.
Siehe das Bild das vor dir liegt und vergib mir meine Taten.“

Maria blieb nicht lange.
Auf dem Bett auf der linken Seite lag ihr Bruder in einer Blutlache. Steve hatte ihm den Hals aufgeschlitzt und das Messer steckte noch in der Brust. Auf dem Boden am Fuße der Treppe lag Steve. Ohne einen Kratzer aber mit gebrochenen Augen.
Maria ging nun doch einmal nach unten, schloss die Augen von Steve und legte ihre Kreuzkette auf den Bauch ihres Bruders. „Der Herr möge dich aufnehmen und dich erlösen von deinen Qualen.“
Dann ging sie wieder. Ging nach oben und schloss die Tür.
Sie wusste für sich, das sie das Richtige getan hatte.

Doch hier wollte sie nicht mehr bleiben.
Maria ging über den Garten zur weißgestrichenen Gartentür und öffnete sie.
Ging durch, schloss die Tür, atmete einmal durch und rannte mit entsetztem Gesicht davon.
Rannte in die dunkle Nacht hinein, über die Straßen, vorbei an Wohnhäusern, Haltestellen und Geschäften. Rannte ohne Pause und weinte um ihren Bruder Marko Mitschek.
Versuchte ihn zu vergessen. Sie wollte es ja gar nicht, aber sie versuchte es.
Versuchte das Gesehene zu verdrängen.

Und verdrängte auch das Aktuelle.
Und rannte auf der Hauptstraße genau vor einen Wagen.
Der Fahrer sah das Mädchen, das vor ihm auftauchte und stieg in die Eisen.
Der blaue Ford Mondeo ging von 70 auf 10 in wenigen Sekunden und brachte das Mädchen nur zu Fall. Maria fiel durch den Druck der Motorhaube zu Boden und riss sich Hände und Knie am Asphalt auf. Nun konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten und weinte auf den Boden.
Und hörte das Martinshorn und wurde kurz darauf von blauem Licht geblendet.

Sie spürte die Griffe zweier Männer und schlug wild um sich.
„Lasst mich los! Ihr sollt mich loslassen!“ „Beruhige dich. Bitte beruhige dich. Es ist alles gut.“
Maria verstummte, hörte ihre Muttersprache und sah den Mann an, der braunes Haar hatte und sie anlächelte. Kurz darauf saß sie in dem Zivilwagen der österreichischen Bundespolizei und erzählte dem Beamten alles, was sie wusste.
Sie fing dabei bei Steve an und ging über ihren Vater Rasmus zu Tommy Vercetti über.
Der Beamte, der Holger hieß, sprach mit ihr auf rumänisch und fluchte auch so.
Maria zeigte nur das Haus und der Wagen fuhr danach direkt weiter Richtung Innenstadt und hielt vor einem rotem Ziegelhaus, über dessen Haupteingang ein dreiteiliges blaues Kreuz hing.
KINDER
NOT
HILFE
stand da, statt des linken Armes des Kreuzes.

Maria wurde dort sehr nett aufgenommen und bekam erstmal ein eigenes Zimmer.
„Ohne andere. Auch ohne Erwachsene.“ Sie nickte nur und setzte sich aufs Bett.
„Es tut mir so leid, Maria. Wir werden alles tun, um dir zu helfen.“

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Christian Heine).
Der Beitrag wurde von Christian Heine auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.06.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • Xpert201gmail.com (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Christian Heine als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Schwerenöter - Gereimtes und Ungereimtes von Rainer Tiemann



Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Nach diesem Motto sind viele Gedanken und Erlebnisse im neuen Buch "Schwerenöter" des Leverkusener Autors Rainer Tiemann festgehalten. Gereimt und ungereimt werden Geschehnisse des täglichen Lebens und autobiografische Erlebnisse mal ernst, mal heiter, aber immer menschlich beleuchtet. Sollten die unterschiedlichen Themen des Buches dazu anregen, sich erneut mit Lyrik zu befassen oder über sich und die Beziehungen zum Mitmenschen nachzudenken, wäre ein wichtiger Sinn dieses Buches erfüllt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Spannende Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Christian Heine

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Mein lieber alter schwarzer Kater von Rita Bremm-Heffels (Abschied)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen