Andrea Küppers

Ein Abend bei Zubin Mehta

Bei meinen letzten Aufenthalten in Israel besichtigte ich weniger die mir mittlerweile sehr vertrauten vielen Sehenswürdigkeiten. Stattdessen beschäftigte ich mich mit anderen Facetten des Landes und tauchte dabei noch tiefer in die Welt der Bevölkerung.
 
Im Laufe meiner vielen Reisen, wiederholt auch in die selben Metropolen oder Länder hat sich herauskristalisiert, daß Prag und Jerusalem mit Abstand meine Lieblingsstädte sind. Ein tiefgreifendes Wohlempfinden habe ich bei den Gedanken an den Abend des Millenniums welchen ich in der Goldenen Stadt verbrachte. Mein absolutes Highlight zum Jahrtausendwechsel war das Silvesterkonzert des tschechischen Philharmonieorchesters welches in seinem heimatlichen Musikhaus, dem 1876 - 1884 erbauten Rudolfinum, in der unmittelbaren Nähe des Moldauufers stattfand.
 
Nach diesem akustischen und optischen Erlebnis, an welches ich mich sehr gerne zurückerinnere hatte ich bei einem Aufenthalt in Tel Aviv im Nov. 2006 starke Lust verspürt mir ein anderes berühmtes Musikensemble mit ausgezeichnetem Weltruf anzuhören - das israelische Philharmonieorchester, welches im Frederik-Mann-Auditorium im Zentrum der israelischen Kulturhauptstadt seine Heimat hat.
 
Den aktuellen Spielplan entnahm ich der Jerusalem Post. Ich entschied mich für das Programm Light classical - classical Lights welches in diesem Zeitraum im täglichen Wechsel mit einer anderen Musikveranstaltung aufgeführt wurde und von dem international renommierten und sehr beliebten Stardirigenten Zubin Metha geleitet wurde.
 
Da ich den genauen Standort dieses Musikhauses bislang nicht kannte machte ich mich eines Tages auf um diesen genau zu lokalisieren. Dies war nicht ganz einfach, weil das Frederic-Mann-Auditorium unter den Einheimischen einen anderen Namen hat und es in der israelischen Mittelmeermetropole Tel Aviv mehrere Kulturhäuser gibt. Ein Taxifahrer brachte mich während meiner Suche z. B. zur Neuen Oper. Aber solche internationalen Entdeckungsaktionen bereiten mir, solange diese nicht zu nervenaufreibend sind, meistens sehr viel Spaß.
 
Ich hatte den folgenden Tag für den Besuch ausgesucht. Da jedoch die Info- bzw. Tickethotline permanent besetzt war machte ich mich am nächsten Nachmittag erneut auf den Weg um persönlich näherere Informationen einzuholen. Das Konzerthaus war zu dieser Zeit geschlossen. Deshalb wandte ich mich an einen Angestellten, welchen ich in unmittelbarer Nähe auf der Straße traf. Das Hekhal Haturbut, so nennen die Israelis das Frederic-Mann-Auditorium, ist das größte Kulturhaus des Landes und verfügt über 3000 Sitzplätze.
 
Da die Hebräer ein Volk von Kunstliebhabern und Schöngeistern sind werden die
Dauerarrangements für das Philharmonieorchester seit Generationen innerhalb der Besitzerfamilien weitervererbt. Deshalb hatte ich Befürchtungen so kurzfristig aus dem Restkontingent keine Karte mehr zu erhalten. Aber der junge Mann beruhigte mich, indem er meinte, daß an der Abendkasse noch Tickets zu bekommen wären. Also fuhr ich mit dem Bus wieder ins Hotel, unterhielt mich etwas mit anderen Hotelgästen und ging in meinem unweit gelegenen "Stammlokal" noch etwas essen. Nachdem ich mich anschließend geduscht hatte zog ich mich mit Vorfreude etwas eleganter als üblich an und fuhr per Taxi zur Musikhalle, welche ich ca. 50 Min. vor Veranstaltungsbeginn erreichte.
 
Sowohl der Kassen- als auch der Eingangsbereich waren bereits von riesigen Menschentrauben gefüllt. Mein Weg zum Kassenhäuschen sowie die Wartezeit bis zum Einlass wurde durch die Darbietungen einiger Straßenmusikanten, welche traditionelle jiddische Lieder instrumental vortrugen, erheblich verschönert. Ich erhielt eine Karte und stellte mit Freude fest, daß der Preis für diese ca. 60% unter Normalgebühr lag.
 
Gegen 20.00 h betrat ich nach dem obligatorischen Sicherheitscheck, welcher aufgrund der permanenten terroristischen Gefahrenpräsenz in Israel vor allen öffentlichen Gebäuden stattfindet, das Musikgebäude. Nachdem ich noch eine Cola light trank und mich eine Weile umsah suchte ich meinen Platz in der 20. Reihe auf. Diesen wechselte ich aber noch, weil zwei Damen nebeneinander sitzen wollten. Die Musikhalle ist architektonisch so angelegt, dass man von allen Plätzen einen hervorragenden Blick auf die Bühne hat und eine sehr gute Akustik genießen kann.
 
Kurz vor Konzertbeginn erlebte ich wieder die mediterrane Leichtigkeit des Seins. Noch unmittelbar vor Erscheinen der Philharmoniker standen einige Gäste verstreut umher, begrüßten sich untereinander und schlenderten anschließend zu ihren Sitzen. Nachdem die Philharmoniker sich gruppiert hatten betrat der im edlen Frack gekleidete Maestro die Bühne.
 
Mein größtes Highlight dieser Veranstaltung sowohl emotionaler als auch akustischer Art erlebte ich direkt am Anfang des Konzerts. Das gesamte Publikum erhob sich feierlich, die Musiker spielten die israelische Staatshymne "Hatikvah" (hebr. die Hoffnung) und das Publikum sang vollstimmig den entsprechenden Text. In diesem Moment rückten wieder die wohltuenden Gedanken in mein Bewusstsein daß Israel für mich schon vor einiger Zeit eine Art zweite Heimat geworden ist und ich bekam sichtbare Gänsehaut.
 
Das Gesamtprogramm bestand aus abwechslungsreichen unterschiedlichen Darbietungen. Als erstes spielten die Philharmoniker Stücke von Joseph Hellmesberger und Max Bruch. Diese wurden dann durch ein orientalisches Ensemble und ihrer Solistin, welche beeindruckende Vokalgesänge mit Trommelbegleitung darbot, abgelöst. Vor der Pause genossen die Zuhörer noch die Vorstellung eines sehr begabten Violinsolisten.
 
Nach der Pause verlieh uns eine Gesangssolistin einen weiteren Ohrenschmaus bevor die Israel Philharmoniker mit einem langen Medley der Straußdynastie dieses hervorragende Konzert musikalisch beendeten. Während des zweiten Teils und zum Abschluss sprach der stets sympathisch wirkende Maestro einige lockere Sätze auf hebräisch und englisch zu dem sehr zufriedenen und eifrig applaudierenden Publikum.

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