Harry Schloßmacher

Im Banne einer großen Liebe *Lange Version*



I. Abschnitt:
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S A R A H
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S O M M E R N A C H T S - P A R T Y . . .
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Jubel, Trubel, Heiterkeit. Künstlertypen treffen auf Leute mit Normal-
berufen. RALF, 25 J., seines Zeichens "Saison-Schriftsteller", ist
auch dabei.

Bei diversen Partyspielen und Tänzen kommen RALF und SARAH, 22 J.,
recht attraktiv, sich näher.

Danach entwickelt sich eine kleine, aber leicht prophetische "Talk-
show" zwischen den beiden.
"... und von Beruf bin ich Datenverarbeitungskauffrau."
"Danke, das genügt meinem Verstand! Ich nenne mich "Bequemer Saison-
Schriftsteller". - Hhmmm, erstaunlich, eine Harmonie in den Wortlängen
wäre schon zu verzeichnen..."
SARAH kichert los: "Die Basis für eine gute Zweierbeziehung
überhaupt!"
"Sag ich doch. Sie können also meine Texte in den Computer eingeben
sowie meinen häuslichen Schriftverkehr führen?"
"Vielleicht, wenn Sie mich intensiv darum bitten..."
"Und Sie haben eine feste Stelle, wenn es mit meinen Schreibideen
einmal hapert... oder ich mitten in einer Vergnügungsphase bin?"
SARAH lächelnd: "Lassen Sie sich einfach überraschen."

"Doch auch mein Herz schlägt für Sie. - Also, wann können wir heira-
ten?"
SARAH lacht nur noch: "Keine Frage, schon morgen werden wir das Aufge-
bot bestellen!"

"Dies war nun unser kleiner Spaß. Aber, ganz im Vertrauen... so ganz
im Ernst (RALF steht unmittelbar vor Ihr): Sie sind tatsächlich mein
Typ!"
"Und Sie meinen nicht nur... Typistin?"
RALF nippt an seinem Glas: "Bin ich gespannt, wie das mit uns noch
enden wird..."

Hochzeitszeremonie in der Kirche und Worte des Geistlichen: "Bis daß
der Tod Euch scheidet..."

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S C H I C K S A L S - U R L A U B . . .
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Auch im Grauen Alltag harmonieren die beiden prächtig.
Sie geht ihrer festen Stelle nach, er schreibt zuhause.
Sie tippt gelegentlich seine Texte in den Computer. Er führt den
größten Teil des Haushalts.
Regelmäßig holt er SARAH auch von der Arbeitsstelle ab. Oft genießen
sie ihr junges Leben...

Und dann kommt ihr Schicksals-Urlaub: RALF & SARAH fahren zu einer
malerisch-romantischen Ortschaft. Die Tage und Nächte verbringen sie
hauptsächlich mit Tanz, Geselligkeit, Schwimmen und Stranderotik.

Am letzten Tag tollen sie nochmals wie die Kinder den Strand hinauf,
Richtung Straße. RALF läßt SARAH Vorsprung und läuft sodann hinter ihr
her, will sie fangen. Sie dreht sich in schnellem Lauf noch einmal um,
lächelt ihn beglückt an. In dem Moment geschieht das Schreckliche:
SARAH läuft im Spieltaumel auf die Straße, wird sofort von einem Auto
erfaßt und durch die Luft gewirbelt. Sie ist auf der Stelle tot.

RALF ist untröstlich. Später läuft er wie von Sinnen hinter dem
Leichenwagen her, bricht schließlich weinend zusammen, umringt von
Dorfbewohnern. Erschüttert fährt er am nächsten Tag mit seinem
Automobil zur Wohnung zurück.

RALF tippt in der nächsten Zeit seitenlang seinen ganzen Kummer,
seinen tiefen Abschiedsschmerz in die Schreibmaschine. Nur mühsam
gelingt es seinen Freunden, ihn von dort wegzuführen: hin zu verschie-
denen kleinen Freuden des Lebens (wie Disco-, Kino-, Kneipen- und
CafÖbesuch).

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M A G I S C H Z I E H T E S I H N Z U R Ü C K . . .
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Zaghaft macht er auch wieder erste Frauenbekanntschaften. Diese Bezie-
hungen scheitern jedoch alle. RALF kommt von Sarah nicht los. Er sieht
schließlich ein, daß er noch über den Tod hinaus im Banne dieser
großen Liebe steht.

Magisch zieht es ihn zurück an den Ort, wo SARAH und er wohl die
schönste Zeit ihres Lebens verbrachten; er SARAH aber auch verlor.
Gedankenversunken liegt er am Strand: Wellenrauschen; Sommer-Vollmond-
nacht; glitzerndes, rauschendes Meer. Und ein Reigen der schönsten
Augenblicke ihrer kurzen, aber heftigen Liebe, entspringt seiner
Erinnerung. Mit feuchten Augen trinkt RALF erneut einen kräftigen
Schluck aus der Flasche. Einsame Minuten...



II. Abschnitt:
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M A N U E L A (Drillingsschwester von SARAH)
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Aus der Ferne allmählich Musikgeräusche und Heiterkeitslaute: ein
hellerleuchteter, nicht zu großer Musikdampfer nähert sich. RALF nimmt
sein Fernglas und beobachtet die Tänzer auf dem Oberdeck. Plötzlich
meint er, SARAH zu sehen. "Unglaublich, unfaßbar," entfährt es ihm. Er
reibt sich schnell die Augen und schaut erneut dorthin. "Tatsächlich,
das müßte SARAH sein, die dort engumschlungen tanzt!"

Wahrscheinlich würde er einer Illusion aufsitzen - und doch zögert er
nicht lange. Behende steigt RALF ins Auto und fährt die Küstenstraße
entlang, bis das kleine Vergnügungsschiff endlich anlegt.

Ein Teil der lustigen Reisegesellschaft steigt aus. Wird die Frau, die
aussieht wie SARAH, tatsächlich dabei sein? Hastig wandert sein Blick
von Frauengesicht zu Frauengesicht. Da! In der Tat, sie ist es, sie
müßte es sein! Veränderte Frisur, andere Kleidung zwar... aber
Gesicht, Statur und Größe stimmen! "Verdammt nochmal, sie muß es sein.
Sie oder ihr Geist..." Schnell springt er aus dem Fahrzeug und steht
alsbald inmitten der Gruppe, genau vor ihr. Mit einem Schlag erstickt
das Gemurmel.

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" F R A C K " + B A D E H O S E . . .
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Ein seltsamer, kontrastreicher Anblick: RALF in der Badehose, umgeben
von einer pikfein gekleideten Gesellschaft.
"SARAH, bist Du es wirklich, oder ist alles nur ein verlockender
Traum? Komm, laß deinen Körper fühlen..."
Kaum hat er die Frau angefaßt, da faucht sie auch schon: "Was erlauben
Sie sich! Ich heiße nicht SARAH, zudem kenne ich Sie überhaupt nicht!"
- "Und zum Dritten, sind wir alle keine Geister, wie Sie gleich spüren
werden!" Begleitet vom Gejohle der Gruppe versetzt ein Hüne RALF einen
solchen Schlag, daß er ins "Land der Träume" sinkt.

Am frühen Morgen schreckt RALF hoch: Lautes Hundegebell von einer
riesigen Dogge, die unmittelbar vor ihm steht. Die schmächtige, aparte
Herrin kann sie kaum noch an der Leine halten. "Schlafen Sie öfter so
unbequem und unangezogen?" RALF schüttelt und reckt sich.
"Was ist passiert, wo bin ich hier? Und wer sind Sie? - Moment, ich
habe doch SARAH gesehen und dann... kommen Sie, ich zeige Ihnen ein
Foto."

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L E B T S A R A H N O C H ?
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RALF holt ein Bild von SARAH aus dem PKW und hält es der Fremden vor.
"Kennen Sie vielleicht diese Frau? - Halten Sie mich nicht für
verrückt: die Abgebildete ist schon eine Zeit verstorben, und doch
kann ich schwören, sie vergangene Nacht hier gesehen zu haben! Nur -
erklären kann ich es mir nicht... noch nicht..."

Die Fremde stutzt einen Augenblick, zerreißt dann wütend das Bild.
"Da gibt es auch nichts mehr zu erklären. Diese Frau war meine beste
Freundin und nahm mir den Mann. Für mich ist sie so oder so gestor-
ben!"
Die Unbekannte eilt mit ihrem Riesenhund davon. RALF sammelt schnell
das zerrissene Foto auf und läuft hinter ihr her.
"Aber bitte, Sie können nicht ahnen, wie wichtig diese Frau für mich
ist!"
Doch die Fremde läßt ihn stehen und entfernt sich zusehends. Hundemüde
fährt RALF zu seinem Fremdenzimmer und schläft sich dort erstmal aus.

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U N H E I M L I C H E B E G E G N U N G . . .
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Eines nachts geht RALF mit der Taschenlampe zum Grab von SARAH. Dort
spricht er zu sich selbst:
"Was treibst Du nur für ein Spielchen mit mir, geliebte SARAH? Begeg-
nest mir und bist es anscheinend doch nicht..."
Plötzlich hört er Rascheln im Gebüsch und geht langsam darauf zu. Der
Lichtkegel seiner Lampe wandert das Grünwerk entlang. Da! Unmittelbar
vor ihm taucht ein Frauengesicht auf. Ist es nun das Gesicht von SARAH
oder nicht!? RALF bleibt erstarrt stehen und murmelt: "Der Geist von
SARAH... " als eine Frauenhand über seine Wange streicht.

Erschreckt läuft er davon und prallt gegen einen großen, kräftigen
Mann. Der Mann (GERD) mit ruhiger, tiefer Stimme:
"Keine Angst, mein Freund. Wir kommen nur, um mit Ihnen zu reden."
RALF, nachdem er sich vom ersten Schrecken erholt hat:
"Aber zu dieser Zeit ein irgendwie ungewöhnlicher Ort für ein freund-
schaftliches Gespräch, finden Sie nicht auch?" -

Sie fahren zur Wohnung der beiden. RALF ist überrascht, daß GERD und
MANUELA Bruder und Schwester sind. Es war also nicht ihr Freund, der
ihn an der Schiffsanlegestelle so unsanft zu Boden beförderte.
"Wissen Sie, mein Bruder ist ein Gemütsmensch. Nur wenn mich jemand
unerlaubt anfaßt, dann wird er unruhig. Er ist eben ein echter großer
Bruder, nicht wahr, GERD?" (Lächelt ihn an). Und wieder zu RALF
gewandt "Er ist Detektiv und anscheinend kein schlechter. So hat er
sich noch im alkoholisierten Zustand ihre Auto-Nr. merken können...
und bei seinen einschlägigen Beziehungen bekam er auch schnell Ihre
Anschrift heraus.

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V E R B L Ü F F E N D E Ä H N L I C H K E I T . . .
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GERD wollte Sie wiederfinden, um sich für seine allzu unsanfte
Begrüßung zu entschuldigen. Zudem wollte er Sie - ehrlich gesagt -
auch etwas beobachten. Sie nannten mich SARAH und meinten auch, mich
gut zu kennen. Das Warum ließ seinen detektivischen Spürsinn nicht
mehr ruhen...
"Stimmt alles auffallend genau, Schwesterherz. So brauche ich wohl
nichts mehr hinzuzufügen."

RALF zeigt SARAHs Foto. Die beiden sind ebenfalls sehr überrascht: Die
Ähnlichkeit zwischen der Verstorbenen und MANUELA ist verblüffend! Und
keiner kann sie sich erklären. RALF begnügt sich schließlich damit,
eine Doppelgängerin per excellence gefunden zu haben...

RALF erzählt von der schönen Zeit mit seiner geliebten SARAH. Von der
tiefen Sehnsucht nach ihr, noch über den Tod hinaus. Daher auch sein
Unvermögen, mit anderen Frauen glücklich zu werden. Es sei denn, das
schier Unmögliche würde war: Er würde einer Frau begegnen, die SARAH
zum Verwechseln ähnlich ist...

Nach dieser aufklärenden Gesprächsnacht treffen sich die beiden
häufig. RALF umflirtet und beschenkt MANUELA. Holt sie von der
Arbeitsstelle ab und bereitet ihr in seiner Wohnung ein fantastisches
Essen. Kerzenlicht, Musik zum Träumen, Gläser Wein... schließlich sind
sie ein Liebespaar.

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S A R A H S " W I E D E R G E B U R T " . . .
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Und doch fehlt noch ein entscheidender Schritt: RALF bittet MANUELA
eines Tages, sie fortan SARAH nennen zu dürfen. Und er möchte, daß sie
möglichst in jeder Beziehung mit seiner großen Liebe identisch ist.
Nach anfänglichem Zögern willigt MANUELA ein. RALF ist überglücklich.
Doch wird MANUELA der totalen Vergewaltigung ihrer Persönlichkeit auf
Dauer gewachsen sein?

Mit neuer Frisur zieht sie um: in RALF's Wohnung. Er hat hier noch
alle Sachen von SARAH aufbewahrt. Deren Kleidung paßt MANUELA
tadellos. Auch lernt sie SARAHs Make up und ihre Parfums kennen...

Nur die nahezu perfekte Illusion, wieder mit SARAH zu leben, entfacht
in RALF erneut das überschäumende Glück vergangener Tage. MANUELA
spielt den SARAH-part zunächst vorbildlich: kann RALFs Lebensfreude
nicht leicht auch ihre werden?!

MANUELA, Sekretärin und Computerfan, übernimmt auch die häuslichen
Büroarbeiten wie ihre Vorgängerin.

RALF schreibt und MANUELA gibt seine Texte in den Computer ein.
"Deine Mitarbeit hilft mir sehr, Schatz. Ich schätze, dadurch doppelt
so schnell voranzukommen als sonst.
"Und ich bekomme meinen Honoraranteil; außerdem haben wir mehr Zeit
füreinander. Das gefällt mir daran."

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H E K T I K I N D E R "R O M A N T I S C H E N B U C H T". . .
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Erleichternd und angenehm für beide ist zudem RALFs Honorarstabilisie-
rung. MANUELA braucht nur noch halbtags arbeiten zu gehen. Ein Gewinn
für Haus- und Schreibarbeit sowie für Leib und Seele des Paares...

In der Romantischen Bucht tollen vier junge Leute im Wasser: RALF,
MANUELA, GERD und seine Freundin ELLEN. Ausgelassen spritzen sie sich
gegenseitig naß. Dann tauchen die Pärchen etwas, umarmen und küssen
sich unter Wasser. Anschließend Wasserball-Spiele.
ELLEN: "Ich bin geschafft. Wenn ich daran denke, daß wir heute Abend
noch tanzen gehen..."
RALF: "...wollen."
GERD: "Aber, aber, in deinem Alter..."
MANUELA: "Also, ich werde auch langsam müde. Ist der Tanz mit unseren
Männern eben ein Schlag ins Wasser! Nicht wahr, Liebling?" Spricht's
und schlägt unmittelbar vor RALF - dessen Kopf nur aus dem Wasser lugt
- platschend auf die Wasseroberfläche.
RALF (Etwas verdutzt, aber lachend): "Na warte. Ich werde dir helfen,
deinen Herrn und Meister so... (Stellt sich vor MANUELA) und jetzt:
drei, vier!" Gemeinsam holen die beiden tief Luft, tauchen unter und
alsbald küssen sie sich wieder...

Es folgen noch viele unbeschwerte Tage. MANUELA läßt sich aber nicht
anmerken, daß sie mit einem großen Problem zu kämpfen hat. Hätte sie
doch nur einmal darüber gesprochen. Aber so...

Eines Tages traut RALF seinen Augen nicht. Ein Abschiedsbrief von MA-
NUELA liegt auf dem Tisch: "Am Anfang hat mich dieser Rollentausch
geradezu fasziniert - dann wurde es immer unerträglicher für mich, nur
ein Double zu sein. Du kannst nicht von Deiner SARAH lassen und ich
bin unsterblich in Dich verliebt. So gibt es für mich nur noch den Weg
zur Romantischen Bucht, wo wir uns so oft geliebt haben. Ich werde
ewig Dein sein..."

RALF reißt MANUELAs Zeilen an sich und eilt über die Straße zu seinem
Fahrzeug. Das Blatt entgleitet ihm.
GERD, der die beiden besuchen wollte, sieht es noch zu Boden fallen.
RALF fährt verkehrsgefährdend schnell zur genannten kleinen Bucht,
während auch GERD die Abschiedszeilen überfliegt...

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T R A G I K U N T E R W A S S E R . . .
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RALF sieht MANUELAs Kleidung am Ufer liegen, ahnt Schlimmes. Hastig
entledigt er sich auch seiner Kleidung und taucht hinab. Bald sieht er
MANUELAs Körper im Wasser treiben und erkennt, daß ihr nicht mehr zu
helfen ist. Wange an Wange preßt er ihren Leib an sich, umarmt sie und
beide treiben wie ein untrennbares Liebespaar im Wasser.

GERD schnellt aus dem Auto. Sieht die Sachen der beiden, zieht sich
schnell aus und springt ebenfalls ins Naß. Er bemerkt, daß nur RALF
noch zu retten ist. Es gelingt ihm schließlich, ihn aus der
Umklammerung zu lösen und ans Ufer zu zerren.
Röchelnd und völlig aus der Puste gesteht RALF: "Ich will ohne sie
nicht weiterleben, und werde wieder zu ihr ins Wasser gehen. Niemand
wird mich davon abhalten. Auch du nicht, GERD!" Schon springt er auf.
"Das werden wir noch sehen," brüllt GERD ihn an. Krachend versetzt ein
altbekannter Schlag RALF wieder ins "Land der Träume". Dann taucht
GERD erneut hinab und holt seine Schwester ans Ufer.

Der Freitod von SARAH II bzw. MANUELA stürzt RALF erneut in eine
schwere Krise. Damit er unter Kontrolle steht und nicht ganz
versumpft, wohnt er in der nächsten Zeit bei GERD und ELLEN.

Sie kümmern sich rührend um ihn. Lenken ihn ab, so gut es geht. Auch
wenn sie selber unter dem plötzlichen, frühen Tod MANUELAs sehr
leiden. RALF faßt wieder Lebensmut.



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3. B I A N C A (Drillingsschwester von SARAH)
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RALF geht durch seine Heimatstadt. Er traut seinen Augen nicht: Ein
Auto fährt an ihm vorbei und er ist sicher, daß SARAH oder MANUELA die
Fahrerin ist! Bis zur Erschöpfung rennt er hinter dem Fahrzeug her. Es
ist jedoch so schnell in einer Nebenstraße verschwunden, daß er nicht
einmal das polizeiliche Kennzeichen lesen kann.

An einem anderen Tag sieht er SARAHs Gesicht kurz in der Fußgängerzone
der Stadt! Er geht näher; doch es ist in der Menschenmenge entschwun-
den... RALF zweifelt an seinem Realitätssinn und sieht sich mehr als
Opfer von Trugbildern.
Er geht Richtung Parkplatz. Mehr unbewußt und aus der Ferne bemerkt er
eine Frau, die aus dem Polizeigebäude tritt. Kurz darauf sieht er
etwas zur Erde gleiten. Ein paar Schritte und sein Blick streift die
Zeitungsseite auf dem Boden. Reflexartig hebt er sie auf. Tatsächlich,
ein Bild von MANUELA und ein Artikel über deren tragischen Wassertod.
Dann ist er höchst erstaunt: sein Name mit Anschrift ist quer darüber
geschrieben!

RALF wird sofort hellwach und rennt hinter der Frau her. Unmittelbar
hinter ihr: "Warten Sie bitte. Ich möchte..." DIE FREMDE (BIANCA)
dreht sich um... und RALF stöhnt nur noch: "SARAH..." Dann schwinden
seine überforderten Sinne...
DIE FREMDE (BIANCA) wollte sich um RALF bemühen, als ihr jemand zu-
ruft: "Sie können unbesorgt weitergehen! Ich bin Sanitäter und werde
mich um den Herrn kümmern."

RALF wird wach und der hilfsbereite Mann verabschiedet sich. Noch
etwas benommen und müde bleibt er quer auf dem Bürgersteig liegen.
Einige Leute gehen fluchend über ihn hinweg, viele an ihm vorbei;
kritisieren ihn als Wegsperre. Aber RALF läßt im Augenblick alles
kalt, nur eines nicht: "Verdammt, verdammt - und sie war es doch! Aber
wo finde ich sie jetzt?" -

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E I N G R O S S E R, S C H W A R Z E R H U N D E K O P F . . .
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"Toll, daß Sie mir immer zu Füßen liegen... wollen! (Lachend) Aber
diesmal sind sie wenigstens bekleidet... und es ist nicht so dunkel."
RALF rollt herum und erschrickt zunächst: wieder ein großer, schwarzer
Hundekopf unmittelbar vor ihm. "Verblüffend! Die schöne, aparte Herrin
mit dem großen Hund. (Lächelnd) Seltsam, Sie gerade hier anzutreffen.
Meinen Sie nicht auch?"
FRAU MIT HUND: "Das könnte ich Sie auch fragen. - Wie ich eben hörte,
suchen Sie vermutlich noch immer die Frau auf dem Foto... dabei habe
ich von ihrem tragischen Tod gelesen. Bei aller Feindschaft, hätte ich
ihr dies nicht gewünscht."

Nach wie vor ziehen viele Menschen an den beiden vorbei. Doch haben
sich die Flüche reduziert, wohl aus Respekt vor der großen Dogge.
RALF (etwas gedankenversunken vor sich hinstarrend): "Stimmt. Wenn Sie
so wollen, bin ich auf der Suche nach einer Toten..."

Monate später. Die unbekannte Frau - auch ein Ebenbild SARAHs - war am
Polizeigebäude zum Greifen nahe. RALF verschmerzt es nicht, daß sie im
letzten Augenblick verschwand. Die Suche nach ihr bleibt bislang er-
folglos. Langsam resigniert er. Erneut sind GERD und ELLEN bestrebt,
den einsamen, enttäuschten SARAH-Fan abzulenken. So ist Maskenball
heute Abend angesagt. GERD, ELLEN, RALF und einige Freunde eilen ver-
kleidet und z.T. maskiert dorthin.

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M A S K E N B A L L: KONZESSIONEN A N DIE " U N T E R W E L T "...
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RALF tanzt bereits mit der dritten Frau, die zumindest SARAH von Sta-
tur ähnelt. Walzerklänge. Beide sind mittlerweile so beschwipst, daß
sie Mühe haben, im Gleichgewicht zu bleiben. Bei einer schwungvollen
Drehung passiert es dann: Ein kleiner Rempler mit einem Tanzpaar - und
schon finden sie sich auf dem Boden wieder!

Nach einer Schrecksekunde lachen die Gestrauchelten munter drauflos.
RALF wundert und freut sich: Er, der zum Trauerkloß avancierte, hat
endlich das Lachen wieder gelernt! Behende kriecht er zu ihr hin. Je-
weils den Kopf auf dem gewinkelten Arm ruhend, liegen sie sich gegen-
über. So gut es geht, versuchen sie einen Talk.

Das Beispiel der gemütlich Daliegenden macht rasant Schule. Zuerst -
unmittelbar daneben - Konzessionen von GERD und ELLEN an die "Unter-
welt"; dann folgen ihre Freunde. Und - kreisend wie ein Flächenbrand -
sinken nach und nach alle Pärchen übermütig zu Boden. Kreuz und quer
liegen sie nun da: plaudernd, lachend, schmusend...

Gleich darauf ein Tusch: 12.00 Uhr und somit Demaskierungszeit!

RALF und sein "Gefallenes Mädchen" lachen erneut über ihr Mißgeschick
und dessen saalweite Folgen, während beide gegenseitig ihre Maske
abnehmen. - Seine Heiterkeit erstickt sofort: er blickt in ein unver-
gessenes Gesicht! - "SARAH, SARAH... " Die Fremde legt sich auf den
Rücken:
"Wenn Du meinst! Ich heiße BIANCA; (lachend) doch lege ich mir zu Kar-
neval auch gerne einen neuen Namen zu."

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M Ü N D E R B E R Ü H R E N S I C H S A N F T . . .
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RALF beugt sich über sie. Seine Hände ertasten ihr fülliges Haar,
streicheln ihre zarten Wangen. Beider Augen können nicht voneinander
lassen... Münder berühren sich sanft... leidenschaftlicher die Ge-
sichtsküsse.

Mittlerweile umkreist eine Polonäseschlange die beiden. GERD, ein
Teilnehmer, setzt RALF schnell seinen großen Sombrero auf. Das Pärchen
kann so die laute, bunte Welt um sich vergessen; auch als die
vermeintliche SARAH sich über RALF beugt...

Einen Tag später. RALF fiebert einem Treff mit BIANCA entgegen. Erneut
sieht er die Chance einer Neuauflage seines Lebens mit SARAH. Im
Geiste ist BIANCA schon seine Frau...

BIANCA öffnet. (Lachend) "Na, da kommt ja mein 'Turnier-Tänzer'!"
Im Raum steht RALF unmittelbar vor ihr:

"Du... ich..." Sein Mund nähert sich dem BIANCAs.
"Bitte, nicht..." BIANCA geht zur Seite. "Komm, setz dich hin. - Ich
muß dir etwas erklären. - Ich mag dich, RALF, vielleicht sogar sehr.
Aber lieben... ich liebe nur meinen Mann... über alles!"

"Gestern war es nicht so deutlich, daß du ..."
"Das glaube ich dir, wo WERNER nicht zu sehen war... wir so herrlich
über und auf dem Boden tollten. WERNER war mit Freunden zu einem an-
deren Fest. Dann der kleine Schwips, die mitreißende Stimmung... und
ein überaus netter Mann...
"Danke, für das Kompliment. Aber da ist es wohl besser, wenn ich ge-
he!"

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F R E U N D S C H A F T BEI E R O T I S C H E R SPANNUNG . . .
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BIANCA hält seine Hand fest: "Bleib! Wie ich schon sagte, du bist mir
sympathisch... und vielleicht gelingt es uns, gute Freunde zu werden?"
"Es zu werden, dürfte nicht so schwierig sein. Aber, für Mann und
Frau dauerhaft Freund zu bleiben, bei erotischer Spannung..."
"...ist wohl eine Kunst, ich weiß. Zudem: WERNER ist recht eifersüch-
tig. Nur, wenn wir uns an bestimmte Spielregeln halten, könnten wir
drei gut miteinander auskommen und unser Leben bereichern. Aber, was
soll ich schon groß prognostizieren? Wir kennen uns eh nur einen Tag
...und du noch nicht mal WERNER..."

RALF: "Stimmt vielleicht nicht ganz. Mehrfach meine ich, dich bereits
in meiner Heimatstadt gesehen zu haben."
"Ja, das kann sein. - Ich mach' uns aber schnell einen Kaffee. Und wie
wär's mit einem Stück Kuchen?"
"Liebend gerne, bei guter Musik und Kerzenlicht..."
BIANCA (aus der Küche): "Aber komm mir dabei nicht auf gewisse Gedan-
ken..."
"Großes Ehrenwort!"

BIANCA tischt alles auf und nimmt wieder Platz.
"Weißt du, ich hatte vor Monaten vom tragischen Wassertod einer
gleichaltrigen Frau gelesen. Als ich das Foto von ihr sah, dachte ich
zunächst, ich wäre selbst abgelichtet worden. Meine verblüffende
Ähnlichkeit mit dieser Frau ließ mich nicht ruhen. Ich wollte mehr
über sie und ihr Leben erfahren.

WERNER und ich machten Erkundungsgänge und -fahrten in der Stadt. Wir
sind freie Journalisten und zeitlich recht flexibel. Schließlich ging
ich zur Polizei und notierte eine Kontaktadresse, die mir leider sehr
früh verloren ging..."

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D U R C H D R I N G E N D E R F E N S T E R B L I C K . . .
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"Übrigens, wieso nanntest du mich nach der Demaskierung SARAH?"
"Nur so. Ich war etwas wirr an diesem Abend..."

RALFs Blick schweift durch den Raum, wieder einmal zum Fenster. Er ist
leicht erschrocken: ein ernstes, markantes Männergesicht... und ein
durchdringender Blick ist auf ihn gerichtet
"Keine Angst; er schaut immer so, wenn er eifersüchtig ist. Ich frage
ihn dann, ob er je an meiner Treue zweifelte... und gleich ist er
wieder ein netter Mensch."

So geschieht es. Die beiden Männer verstehen sich ebenfalls. Es kommt
zu weiteren Treffs und gar gemeinsamen Unternehmungen des Trios.

RALFs Kontakte zu GERD und Ellen, dem überaus gastfreundlichen und
hilfsbereiten Paar, werden daher zusehends weniger.

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L E B E N S E L I X I E R B I A N C A . . .
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RALF war beinahe friedhofsreif; doch sein angepeiltes Lebenselixier
BIANCA weckt ungeahnte Kräfte in ihm. Er möchte oft in ihrer Nähe
sein.

U.a. machen die drei eine Nachtfahrt mit dem Vergnügungsschiff. BIANCA
hat sie gebucht. Die Männer sollen sich überraschen lassen, wohin die
Reise geht.

Eine herrliche Sommer-Vollmondnacht. RALF, WERNER und BIANCA zunächst
beim small-talk an Bord des Schiffes. Die Band spielt gefühlvolle
Lieder und bald wird auf dem Oberdeck eifrig getanzt. Auch BIANCA und
WERNER bewegen sich nun hauteng auf der Tanzfläche.

RALF hat einen Fernglas-Tick. Wenn immer es geht, ist eines dabei.
Auch heute. Interessiert schaut er durch das Nachtglas auf den vor-
beiziehenden Strand. Plötzlich schlägt seine Stimmung um. Nachdenklich
setzt er das Glas wieder ab.

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V E R G N Ü G U N G S S C H I F F UND S C H R E C K E N S VISIONEN ...
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Vieles kommt ihm plötzlich so bekannt vor: Der helle Mondschein in der
Sommernacht; das Schiff; die vergnügliche Stimmung; vielleicht auch
der Strand... Zahlreiche Bilder steigen vor ihm auf: Verschwommen
liegt er selbst am Strand; eine Flasche in der Hand, das Fernglas an-
setzend. Dann - schemenhaft - laufen SARAH und er den Strand hoch. Sie
lächelt ihn noch so glücklich an... sein lauter Warnschrei... der
entsetzliche Aufprall... SARAH wirbelt durch die Luft...

RALF dreht sich um, starrt entgeistert die verliebt tanzenden WERNER
und BIANCA an. Bilder überlappen sich. Nun sieht er MANUELA engum-
schlungen tanzen; erneut wieder WERNER und BIANCA; dann treibt MANUELA
leblos im Wasser...

"N-e-i-n, n-e-i-n!!" Wie ein Roboter bahnt RALF seinen Weg durch die
Tanzenden. Er drückt die Pärchen beiseite, auch BIANCA und WERNER.
Viele starren ihn an. Bevor sie richtig begreifen, was geschieht, ist
RALF schon über die Reling. "S-A-R-A-A-H-H-H !!" Mit einem gellenden
Schrei springt er ins Wasser.

Nach einer allgemeinen Schrecksekunde eilt WERNER zum Kapitän. Das
Schiff wendet unverzüglich. Markierungsboje und Leuchtpistole werden
sofort eingesetzt.

Auch bei Vollmondnacht ist es äußerst schwierig, einen Menschen im
Meer wiederzufinden. Um überhaupt eine Chance zu haben, sozusagen die
Stecknadel im dunklen Wasserteppich zu finden, bedarf es eines
schnellen und effektiven Handelns sowie einer gehörigen Portion
Glücks.

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W E R N E R R E T T E T R A L F; R A L F . . .
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All dies ist vorhanden, als WERNER und ein Begleiter mit dem Rettungs-
boot im Ereignissektor - nahe der Markierungsboje - suchen. Erneut er-
hellt eine Leuchtpatrone die Szenerie nahezu taghell. WERNER's Beglei-
ter zeigt mit dem Finger:
"Rasch hin, da treibt etwas!" Tatsächlich liegt RALF mit der Bauchsei-
te regungslos auf dem Wasser. WERNER:
"Das sieht aber nicht gut aus. Schnell ins Boot mit ihm!"

Dennoch schafft es WERNER, an Bord des Schiffes RALF wiederzubeleben.
Sein gerade beendeter Erste-Hilfe-Kurs hat sich bereits bewährt, und
WERNER zeigt sich gar als lebensrettender, echter Freund. Wie aber
würde RALF bei einer ähnlichen Bewährungsprobe reagieren?

Nach dieser Rettungstat wird WERNER sein bester Freund. Doch ein bren-
nendes Verlangen nach BIANCA lodert in RALF.

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B L E I B E N ODER G E H E N, DAS I S T JETZT D I E FRAGE . . .
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Schnell hat RALF sein bischen Haushalt erledigt. Es treibt ihn wieder
zu BIANCA ...und WERNER. Die drei sind schon so vertraut miteinander,
daß jede Partei Haus- und Wohnungsschlüssel der anderen besitzt.

Ahnungslos betritt RALF die Wohnung. Er schaut sich um; von den beiden
ist nichts zu sehen. Dafür dringen wohlbekannte Laute an sein Ohr. Er
geht näher.
Luststöhnen eines Liebespaares. Doch RALF hört nur die Frau...
Sollte er besser diskret wegtreten? Erinnerung und Neugierde überwäl-
tigen ihn. Nein, nicht bei BIANCA, da herrschen andere Gesetze!

Lautlos geht die Tür einen Spalt auf. BIANCAs Gesicht, ein Spiegel
verzehrender Leidenschaft. - Das ekstatische Liebesspiel erhält all-
mählich veränderte Konturen: SARAH ...und RALF.
Dann wieder BIANCA:
"WERNER, Liebling...jaaa...schöön...ich.."

Das reicht RALF:
"Wenn WERNER nicht mein bester Freund wäre, ich könnte ihn..."
Unbemerkt, aber stark aufgewühlt, verläßt er das Haus. Natürlich ist
ihm klar, daß die beiden nicht wie Bruder und Schwester leben. Aber es
denken... und erleben, sind verschiedene Paar Schuhe!

Hätte er doch bloß nicht die Tür geöffnet! So wird die Freundschaft zu
den beiden vielleicht zum Tanz auf dem Vulkan. - Sollte er sie nicht
besser beenden?
Doch RALF hat keine Wahl. Er ist süchtig nach dieser Frau. Überhaupt
süchtig nach allem, was ihn an SARAH erinnert. Und nach dieser Leiden-
schaftsorgie mehr denn je!

RALF verspürt Lust, sich unbegrenzt vollaufen zu lassen. Noch mehr
aber reizt es ihn, den Saison-Schriftsteller, seine Love-story zu
aktualisieren. So kann er Frust und Aggressivität produktiv einsetzen.

Wieder zuhause.
Als kleines Zugeständnis füllt RALF ein Glas mit Bier. Und bald
flimmert seine Geschichte auf dem Monitor. Arbeitstitel:
"IM BANNE EINER GROSSEN LIEBE".

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BEZIEHUNGS-SPRENGSTOFF AM BERG: BESTER FREUND + ZU GUTER LIEBHABER ...
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Wenige Tage später machen WERNER und RALF eine Bergtour.
Zunächst verläuft alles reibungslos. Doch plötzlich stolpert WERNER,
rutscht etwas einen Hang hinunter und kann sich gerade noch an einem
Felsvorsprung festhalten. RALF hat die Möglichkeit und auch bestimmt
die verdammte Pflicht, den Menschen WERNER - der zudem sein Lebens-
retter ist - hochzuziehen. Doch mit feuchten Augen sieht er zu, wie
sein bester Freund - aber auch der Liebhaber der von ihm über alles
begehrten BIANCA - schließlich tödlich abstürzt.

Eine Art "Passiver Mordanschlag". RALFs kriminelle Untat geschah ohne
Zeugen und er denkt, so einer ausgleichenden Gerechtigkeit zu entge-
hen...

RALF (schwankend zwischen echter, starker Betroffenheit und Erleichte-
rung; zwischen Wahrheit und Dichtung) zu BIANCA: "Ich kann's jetzt
noch nicht begreifen, es ging alles so schnell... WERNER ging hinter
mir. Plötzlich hörte ich einen Steinschlag und den Hilfeschrei. WER-
NER war wohl zu nahe am Abgrund. Er rutschte aus und... Glaub' mir,
ich konnte nichts mehr tun!"

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EIN M A N N GESTEHT G E H E I M N I S V O L L E S . . .
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RALF hofft natürlich, daß nunmehr der Weg zu BIANCA frei ist und er
endlich seine tiefen Liebesgefühle zeigen kann. So versucht er sich
zunächst als BIANCAs Tröster und starke männliche Schulter zum
Ausweinen. Ihr ist es recht; denn sie kann den Tod ihres überaus ge-
liebten WERNER alleine kaum verkraften. Jedoch macht sie ihm erneut
deutlich, daß es nur Sympathie ist, die sie für ihn empfindet. WERNER
wird immer ihre Liebe bleiben...

Dennoch läßt RALF nichts unversucht und sieht jetzt den Zeitpunkt ge-
kommen, BIANCA über seine schicksalhafte SARAH-Fixierung aufzuklären.
"Du, BIANCA, ich habe dir einiges, z.T. Geheimnisvolles, zu gestehen."
"Das hört sich ja interessant an. Na, dann los!"

"Ich hatte zwei wunderbare Frauen an meiner Seite. Beide starben tra-
gisch. - Doch nun der Punkt: "Ich liebe beide Frauen noch heute, so
wie ich dich jetzt liebe.
"Das verstehe ich nicht!"
"Es ist auch seltsam und sogar mir noch ein Rätsel. Aber Tatsache ist,
daß du genauso aussiehst... erstaunlich ähnlich denkst und fühlst, wie
SARAH und MANUELA!

"Erzähl weiter."
"Wohlweislich habe ich Fotos der beiden damals zurückgehalten. Du
weißt, wegen 'gewisser Spielregeln' und WERNERs dann bestimmt geweck-
ter Eifersucht. Welcher Mann hört es schon gerne, daß ein Geschlechts-
genosse nur auf seinen Typ Frau fixiert ist... Aber jetzt möchte ich
meine Karten bzw. Ganzfotos offen auf den Tisch legen."

Erstaunt hält BIANCA die Fotos in der Hand. Sie hat den Eindruck, daß
es ihre Schwestern sein könnten - so verblüffend ähnlich sind sich
Gesicht und Statur der drei Frauen. RALF hat da mit keiner Silbe
übertrieben. Aber, warum bloß weiß sie nichts von ihnen??

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U N G E H E U R E R Z U F A L L B E I M M A S K E N B A L L ...
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RALF: "Jetzt erst kann ich dir auch sagen; jene Frau, die damals den
tragischen Wassertod fand, war MANUELA, meine zweite große Liebe. In
ihr fand und sah ich SARAH. Dies beglückte mich maßlos; doch ihr wurde
es zum Verhängnis, letztlich nur ein Double zu sein.
"Und ich soll wohl das neue Double werden..!?

RALF überhört geflissentlich.
"Und die Kontaktadresse auf dem Zeitungsausschnitt, das war mein Name
mit Anschrift!"
"Ich kann's nicht glauben!"
"Ich habe den Artikel dabei, den du vor dem Polizeigebäude verloren
hast. Hier, schau! - Ich war es auch, der später neben dir die Besin-
nung verlor... Leider; denn du warst schnell fort. Und ohne den unge-
heuren Zufall beim Maskenball..."
"...hätten wir uns womöglich nie kennengelernt."

Offenheit verändert die Situation jedoch nicht. BIANCA kann sein
Begehren zwar gut nachempfinden. Aber, sie ist noch voller Trauer. Was
SARAH RALF bedeutet, ist WERNER für sie...

RALF erkennt, daß er massiver vorgehen muß, um BIANCA vielleicht doch
noch zu erobern. So steht er eines Tages mit einem Klein-LKW vor BIAN-
CAs Tür:
"Leider ist es zu einer Zwangsräumung gekommen. Und da ich keine ande-
re Bleibe finde und du ohnehin ein großes Zimmer leer stehen hast..."
BIANCA kann's nicht fassen, fühlt sich total überrumpelt. Bringt
es aber auch nicht über's Herz, ihn auf der Straße übernachten zu
lassen. Schließlich trägt RALF seine Möbel mit einem Freund hinein.

Nach einer turbulenten Eingewöhnungszeit scheint RALFs Taktik erste
Früchte zu tragen. BIANCA kann sich RALFs nahezu täglichen Geschenken
und Zudringlichkeiten sowie seinem werbenden Charme kaum noch entzie-
hen. Wieder einmal schmeichelt er ihr, spielt den Balzhahn, gibt ihr
ein Küßchen auf die Wange, als die Türglocke läutet...

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Z W I L L I N G S BRUDER U N D D R I L L I N G S SCHWESTER . . .
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BIANCA öffnet und prallt einen Schritt zurück. Dann fliegt sie dem
fremden Mann um den Hals. Sie erdrückt ihn nahezu mit ihrer
Zärtlichkeit und flüstert ihm keuchend ins Ohr: "Sag, daß Du es bist,
WERNER! Sag's schnell... mein Geliebter...

FREMDER, nachdem BIANCA ihre Umklammerung etwas gelöst hat: "Ich muß
Sie leider enttäuschen. Bin nur sein Zwillingsbruder FRED!"

BIANCA weicht einen Schritt zurück und ihre Gesichtsröte ist nicht zu
übersehen.
FRED: "Öfter hat mich WERNER besucht und einen Gegenbesuch angeregt. -
Ich bin erschüttert! Wieso habe ich von seinem Tod nichts erfahren?"

"Und mir hat er nie erzählt, daß er noch einen Bruder hat! Seltsam,
nicht wahr?"
"In der Tat, seltsam. WERNER war überhaupt ein eigentümlicher Mensch,
ich weiß. Doch habe ich gar von einem mysteriösen Fall gehört, wo
(eineiige) Drillinge noch nicht mal ihre Geschwister kannten... !"

BIANCA wird erneut sichtlich verlegen; so, als fühle sie sich ertappt.
Dann, nach einer Weile:
"Es ist mir sehr peinlich! Entschuldigen Sie bitte meinen Überschwang
von vorhin... Wie dumm von mir, anzunehmen, daß mein Mann noch leben
könnte. - Kommen Sie doch herein, Sie haben bestimmt eine weite Fahrt
hinter sich...

----------------------------------------------------------------------
G I N M A R A C U J A !
----------------------------------------------------------------------
BIANCA (zunächst zu RALF gewandt):
"Hier ist unerwarteter Besuch: FRED, ein Zwillingsbruder von WERNER -
RALF, ein guter Freund. - Setzen Sie sich doch! Was möchten Sie
trinken, FRED?"
"Gin Maracuja!"
"Nun, erzählen Sie von sich; ich höre Ihnen gerne zu..."

RALF ahnt, daß er nun bei BIANCA keine Chance mehr hat.
"Da fällt mir ein, ich muß dringend noch einige Dinge erledigen."
Nimmt seinen Rock, eilt wortlos hinaus und gleich mit seinem Auto
davon. Vom Besuch FREDs stark irritiert, steuert er zunächst planlos
durch den Ort.

FRED - ein Abbild WERNERs - könnte nicht nur ein unüberwindlicher
Nebenbuhler für ihn sein... Er weckt auch bedrohlich stärker werdende
Erinnerungen. RALF durchfluten Bilder von WERNER, einem betont
sympathischen und hilfsbereiten Mann, der ihn sogar vor dem Ertrinken
bewahrte. Er aber ließ ihn so schändlich abstürzen...
Wie unter Zwang treibt es den Täter nun an den Ort seiner Tat. RALF
fährt dorthin, wo das Drama mit WERNER geschah.

----------------------------------------------------------------------
E I N G E L L E N D E R S C H R E I ...
----------------------------------------------------------------------
Mittlerweile ist es stockdunkle Nacht und er geht mit heller, weit-
strahlender Taschenlampe den Berg hinauf.
"Genau hier, stürzte WERNER ab,"
spricht er zu sich selbst. Er verweilt ganz ruhig, hält eine Gedenkmi-
nute. Erneut sind seine Augen voller Tränen. Die ihn umgebende Abge-
schiedenheit, Stille und Dunkelheit wird ihm zusehends unheimlich.

Auch seine Schuldgefühle verdichten sich zusehends zu einem Wahn.
RALF meint, ein Geräusch zu hören, und er leuchtet in diese Richtung.
Plötzlich taucht WERNERs verklärtes Gesicht in seiner verwirrten
Gedankenwelt auf: starr und überaus furchterregend, mit leuchtend
weißer Grundfarbe bemalt sowie schwarzen Strichen durchzogen. Und
leicht hämisch ertönt WERNER's tiefe Stimme: "Alles rächt sich auf Er-
den, mein Freund..."
Panisch stolpert RALF zurück. Er verliert den Halt und stürzt mit ei-
nem Schrei in die Tiefe:
"S-A-R-A-A-H-H-H !!"

(Er stirbt an derselben Stelle und genauso wie WERNER, dem er damals
nicht half...)

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E N D E


(c) 1992 by Harry Schloßmacher

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