Brigitta Firmenich

Rügenurlaub 2008


Was lange währt, wird endlich gut. So könnte man auch unsere Urlaubsreise 2008 nach Rügen betiteln. Es war sozusagen der dritte Anlauf, in diese Richtung zu fahren. Zweimal ging es durch Erkrankungen von dem einen oder anderen Partner schief. Für diese Reise hatten wir uns sogar extra durch eine Reiseausfallversicherung abgesichert. Denn das Fiasko, praktisch den gesamten Urlaub zahlen zu müssen und nichts davon zu haben, wollten wir nicht ein zweites Mal riskieren.

Das war uns 2006 passiert. 2007 hatten wir zwar mehr Glück damit, da wir kulante Hotels hatten. Aber nun wollten wir Vorsicht walten lassen.


Wir hatten uns mit der Insel, die wir noch nicht kannten, bereits ein paar Jahre lang befasst, wussten, was wir uns ansehen wollten, was für uns interessant sein könnte. Deshalb war die Vorbereitung auf Rügen, als es dann endlich soweit war, nicht mehr so aufwändig.


Am 16. Juni 2008 ging es morgens früh mit dem Auto los. Eigentlich wären wir lieber mit dem Autoreisezug gefahren. Aber leider hatte man diesen Service der Bahn im November 2007 eingestellt. Deshalb hatten wir uns entschlossen, einen Tag früher zu fahren und eine Übernachtung irgendwo zwischen Hamburg und Wismar einzulegen, je nachdem, wie weit wir kommen würden.

Das Wetter war wunderschön, sonnig und warm. Und der Betrieb auf den Autobahnen hielt sich in Grenzen. Wir kamen prima durch. Nach einigen Pausen an Raststätten kamen wir bereits gegen Mittag in Wismar an. Auf dem großen Marktplatz konnten wir zunächst mal unser Fahrzeug abstellen und in einem der hübschen Lokale zu Mittag essen.
Die Touristeninformation war auch gleich am Platz mit ihrem Büro. So hatten wir innerhalb von wenigen Minuten eine preiswerte Unterkunft in einer Pension, die nicht weit vom Zentrum entfernt lag. Neben der Pension war die Möglichkeit, kostenlos das Auto zu parken. Nachdem wir die Koffer auf das Zimmer geschleppt hatten (und das ging eine holländisch anmutende Treppe steil hoch), hatten wir noch viel Zeit, Wismar zu erobern. Wir schlenderten durch die Straßen und Gassen, liefen über romantische Brückchen, gingen in Kirchen oder besahen uns die Reste einer alten Kirche. Die Häfen mit ihrem besonderen Flair zogen uns genau so an wie die gepflasterten Gassen rund um den Marktplatz.


Nach einem guten Frühstück ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Stralsund. Eigentlich hätten wir uns die Stadt ansehen sollen. Aber der Drang, endlich nach Rügen zu kommen, war einfach zu groß. Und so fuhren wir über die neue Brücke, die sich steil wie eine Bergstraße nach oben wölbt, auf unsere Trauminsel.

Endlich! Der Ort, zu dem wir schon zwei Jahre zuvor hätten fahren sollen, zog uns nun magisch an. Sellin. Wir waren über die Hügel erstaunt, auf denen der Ort liegt, und zunächst mussten wir uns orientieren, wo war überhaupt das Meer? Den Berg da hoch? Und siehe da, es ging wirklich den Berg hoch! Wir parkten unseren Wagen in der Wilhelmstraße, der Hauptstraße des Ortes. Da mal wieder Mittag war und der Magen allmählich anzeigte, dass er gerne eine Kleinigkeit als Füllung hätte, taten wir ihm den Gefallen und nahmen Platz auf der Terrasse eines schmucken Restaurants. Zum Füße vertreten hatten wir dann noch ein paar hundert Meter bis zur Seebrücke. Auf dem Weg dahin bewunderten wir die Bäderarchitektur, in denen viele der Häuser rechts und links der Wilhelmstraße gebaut wurden. Zwar waren viele nicht mehr im Originalzustand sondern restauriert, manche Häuser waren wohl auch völlig neu und nur dem Stil angeglichen worden, aber das tat der Wirkung überhaupt keinen Abbruch. Es waren einfach nur wunderschöne Villen. Und am Ende der Straße lag plötzlich die wunderschöne Seebrücke vor uns und die Sonne bestrahlte das Weiß der Gebäude. Einfach malerisch. Wir konnten nicht umhin, dort wenigstens eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen zu essen, um die Athmosphäre richtig in uns aufnehmen zu können.


Schweren Herzens trennten wir uns von dem Ort und fuhren an Binz, das wir uns später einmal ansehen wollten, vorbei Richtung Sagard, dann weiter nach Dranske/Bakenberg, wo unsere Hotelanlage war.


Irgendwie hatten wir uns das Hotel nach den schönen Fotos aus dem Internet anders vorgestellt. Aber das ist wahrscheinlich immer so. Es entsprach in seiner weitläufigen Anlage zwar der Beschreibung, die wir auch gelesen hatten. Doch dass sie so weitläufig war, hätten wir uns dann doch nicht vorgestellt. Die Rezeption war in einem Haus direkt bei der Einfahrt der Anlage. Im gleichen Haus war auch der Wellnessbereich sowie das Schwimmbad. Wir hätten gerne in der ersten Urlaubswoche den Wellnessbereich genutzt. Aber die Damen, die dort tätig sind, waren in dieser Woche nicht da. In der zweiten Woche waren sie da. Aber da hatten wir ja unser Nordic Walking-Programm sowie die Progressive Muskelentspannung mit den „Vorturnern“: zwei Damen und einem Herrn.

Und da wir ja nach wie vor noch etwas von der Insel erwandern und erradeln, sowie mit dem Auto weitere Strecken fahren wollten, um etwas zu besichtigen, blieb keine Zeit mehr für Wellness. Einmal nutzten wir das Schwimmbad (in dem sich auch eine Sauna befand, die wir allerdings nicht nutzten).

Nach dem Foto in der Reklame wirkte der Schwimmbereich und das Bad insgesamt schön groß; und dann war es doch nur ein etwas größerer Spucknapf, in dem bei mehr als zehn Personen schon kein Platz mehr zum Schwimmen war. Insgesamt waren wir mit vier Erwachsenen und vier Kindern in dem Becken, und es wirkte schon zu klein. Was für mich selbst sehr störend war, war die Geräuschkulisse. Die schöne Glasdecke und die Wände warfen jedes Geräusch zurück.


Da wir aber auch zum Wandern gekommen waren, ließen wir das Schwimmen sein und marschierten von unserem Haus, das von der Rezeption und dem Restaurant ca. 500 m entfernt lag und in dem wir ein Appartement hatten, etwa 500 m Richtung Meer.

Dort war eine Steilküste und hohe Treppen führten zum Strand, der teils sandig, teils steinig war. Auf einer Seite zeigte eine Absperrung an, dass hier die Kreptitzer Heide begann. Dort weideten Schafe hinter dem Zaun und die Tore für die Besucher waren so konstruiert, dass sie immer hinter einem zufielen, damit die Tiere nicht fort liefen.


Wir hatten meistens schönes oder gar sehr schönes Wetter. Und so nach und nach genossen wir auch die langen Wege bis zum Restaurant oder der Rezeption, sagten uns einfach, dass auch das Urlaub ist. Und so erholten wir uns sehr gut. Die Hotelanlage war in Planquadrate eingeteilt und bestand aus einem Geflecht von Straßen, Wegen und Plätzen. Zu jeweils einem Häuserbereich gehörte ein Platz, der von einigen Häusern umgeben war. Jeder Bereich hatte einen bestimmten Buchstaben, jedes Haus seine Hausnummer. Dazu gab es in unterschiedlichen Entfernungen zum „eigenen“ Haus Sportplätze, Minigolf, ein kleiner Golfübungsplatz, Spielplätze usw.. Es war alles gut durchdacht. Vor allem junge Familien mit kleinen Kindern konnten sich es sehr gut gehen lassen.


Wir machten Ausflüge nach Kap Arkona. Das erste Mal fuhren wir mit dem Auto bis zu einem großen Parkplatz, und von dort mit der Pferdekutsche zum Kap. Wir besahen uns die Türme, besichtigten die Reste der slawischen Burganlage und fuhren dann wieder mit der Kutsche zurück zum Parkplatz.

Das zweite Mal fuhren wir mit einem wunderschönen und leicht laufenden Fahrrad mit ergonomischen Handgriffen vom Hotel aus zum Kap Arkona. Der Weg führte uns über leichte Hügel auf guten, geteerten oder betonierten Wegen vorbei an Mohn- und Kornblumenfeldern. Es war einfach nur schön und wir genossen diese Fahrt, bei der wir am Kap wiederum die ersten Eindrücke verstärken und neue sammeln konnten.


Der Königsstuhl stand natürlich auch auf unserem Programm. Auch hier stellten wir das Auto auf einem Parkplatz ab und fuhren mit einem Shuttlebus durch ein großes Naturschutzgebiet zum Königsstuhl. Die früher durch den Abbau von Kreide stets weißen Felsen, die steil ins Meer abfallen, sind inzwischen an vielen Stellen wieder begrünt.

Aber auch so, wie es jetzt ist, kann man sich daran erfreuen. Und der Blick geht weit über die Ostsee.


Nach einigen Besichtigungen der Naturschönheiten der Insel machten wir uns an einem Tag auf den Weg nach Binz. Während Sellin uns richtig schnuckelig vorgekommen war, wobei das sicher nichts über die Qualität oder die Preise aussagen soll, erschien uns Binz großstädtischer, weiter. Auch hier gab es wieder die hübschen Hausfassaden der Bäderarchitektur zu bewundern. Und hier lud uns eine wunderschöne Promenade entlang des Strandes zum Flanieren ein. Wir ließen unsere Augen über das Wasser gleiten, inhalierten mit geschlossenen Augen die Ostseeluft und genossen das Flair des Ortes.


Auf dem Weg Richtung Sagard sahen wir im Bereich der „Schmale Heide“ ein Schild, das auf Feuersteinfelder aufmerksam machte. Dahin fuhren wir bei nächster Gelegenheit.

Wir lasen, dass die schmale Heide vor einigen tausend Jahren angelandet ist. Die Bewohner befestigten den Küstenrand, damit ihnen das Land nicht wieder fort schwemmt. Bei dem Anlanden war nicht nur Sand, sondern es wurden auch Unmengen von Feuersteinen aufgeschichtet.

Wir machten einen schönen Spaziergang zu den Feuersteinfeldern und sahen sogar eine Schlange (wahrscheinlich war es eine Kreuzotter ohne Kreuzzeichnung) im Gebüsch verschwinden.


Sassnitz, von alten deutschen Dichtern vor 100 Jahren angepriesen, gefiel uns gar nicht. Sicherlich ist dem 2. Weltkrieg zu viel Substanz des einst schönen Ortes zum Opfer gefallen.

Was uns sehr gut gefallen hat, war der kleine und anscheinend aufstrebende Ort Juliusruh. Der Ort hat sehr viele hübsche neue Häuser entlang des herrlich langen Sandstrandes und eine schöne Strandpromenade. Und da alles ganz flach ist, Landschaft, Strand und Meer, ist es sicher ein Ort, den man sich in Zukunft merken sollte. Auf der Boddenseite dieses Ortes liegt Breege. Die beiden Orte werden auch Juliusruh/Breege genannt. Breege ist ein schmuckes Örtchen mit einem schönen, kleinen Hafen. Von dort haben wir eine Fahrt nach Hiddensee unternommen.


Es ging erst längs des Breeger Boddens und dann quer über den Vither Bodden. Auf Hiddensee standen am Hafen schon die Kremser (große Kutschen für eine Menge Leute) bereit. Einer von ihnen brachte uns quer über die Insel nach Kloster. Hier hat Gerhard Hauptmann gelebt und gearbeitet. Sein Grab befindet sich direkt neben der kleinen Kirche. Es gibt viele Menschen, die nur wegen Gerhard Hauptmann nach Kloster fahren. Er war und ist wohl noch immer die Hauptattraktion des Ortes. Nach einem guten Essen in einem Lokal an der Hauptstraße marschierten wir den Weg in Richtung Leuchtturm. Man hat eine wunderschöne Aussicht von dort und wir glaubten sogar, unser Feriendomizil in der Ferne zu erkennen. Von unserem Esszimmer aus konnten wir nämlich jeden Tag den Leuchtturm von Hiddensee sehen.


Die Halbinsel Dranske ist ein wenig bevölkertes Gebiet. Es gibt nur wenige Orte und noch weniger Städte. Ganz im Südwesten ist das Naturschutzgebiet Bug. Es war sicher vor der Wende militärisches Gebiet und für „normale“ Menschen nicht zugänglich. Vielleicht hat das der Natur genützt, so dass man das gesamte Gebiet heute unter Naturschutz stellt. Aber wir wären gerne mal hindurch gewandert oder -geradelt.


Beinahe jeden Tag haben wir einen Spaziergang am Saum des Meeres gemacht, die Kreidefelsen bewundert, Kreidesteine und andere wunderschöne Steine gesammelt. Wir gingen immer wieder mit gesenkten Köpfen, um nur ja nichts von der Schönheit zu verpassen. Wir haben einen schwarzen Stein mit silbrigen Sprenkeln mitgenommen, einen grünen, einen roten, einen weißen. Und dann ruhten wir uns zwischendurch auf großen, aus den bröckelnden Hängen herunter gekullerten Steinen aus und konnten uns nicht satt sehen am jeden Tag anders aussehenden Meer und den Meeresvögeln, die sich bei jedem Wind und Wetter ihre Mahlzeit aus dem Meer holen mussten.


Die wenigen Tage Urlaub waren für diese wunderschöne Insel viel zu kurz. Aber wir haben uns gut erholt und viel gesehen und erlebt.


Stralsund wollten wir uns noch auf der Heimreise ansehen. Da spielte auf einmal der Wettergott nicht mehr mit. Der Regen prasselte unentwegt und wir beschlossen, unsere Fahrt ohne Stadtbesichtigung fortzusetzen. Dann haben wir eben einen Grund, um noch mal hinzufahren.

Der Regen wollte und wollte kein Ende nehmen. Bis Hamburg regnete es. Dann riss der Himmel auf und die Sonne erstrahlte, als ob sie uns nur hätte foppen wollen. Wir entschieden kurzfristig, eine Übernachtung in Celle einzulegen.


Eine Minute vor 16.00 Uhr, also gerade so vor Dienstschluss, waren wir an der Touristeninformation in Celle. Trotz der vorgerückten Stunde bekamen wir ganz freundlich ein Zimmer im Cityhotel angeboten, dass wir sofort bezogen. So hatten wir noch den restlichen Nachmittag und Abend zur Besichtigung von Celle zur Verfügung. Und die Zeit nutzten wir gut, liefen durch die schönen Straßen und Gassen, bewunderten das Fachwerk der alten Häuser, besahen uns das Schloss von allen Seiten und durchliefen den Schlosspark. Wir waren froh, diese schöne Stadt endlich einmal gesehen zu haben. Und dann hatten wir das Glück, im Schatten eines riesigen Baumes unser Abendessen zu uns nehmen zu können. Es war einfach nur romantisch.


Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück machten wir uns dann auf den Heimweg und waren nachmittags gegen 15.00 Uhr wieder zu Hause.




 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.07.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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