Jutta Wölk

Sonnenstaat Florida

 

Wir haben Florida genau so erlebt, wie die Halbinsel in den vielen Reiseberichten beschrieben wird. Ein Traum aus Sonne, saubere Strände, freundliche Menschen und unglaubliche Sehenswürdigkeiten. Wir sahen sogar noch ein wenig mehr, obwohl ich auf bestimmte Situationen, auf die ich später näher eingehe, lieber verzichtet hätte.
In diesen tropischen Gefilden wird der Tag mit Ruhe begonnen - hektische Menschen sind uns jedenfalls nicht begegnet. Während der Mittagszeit sahen wir kaum Touristen oder Einheimische auf den Straßen - die Stadt hielt bei den heißen Temperaturen Siesta.   
Wir - mein Ehemann Reinhard und ich - haben die Erfahrung gemacht, dass die beste Reisezeit von März bis April ist. Anfang Mai beginnt die Regenzeit, dann ist das Klima durch die hohe Luftfeuchtigkeit kaum zu ertragen - zumindest für uns. Kurz darauf beginnt  auch schon die Hurricanesaison.
Bei einem vorherigen Besuch dieses Staates, bekamen wir nur die Ausläufers eines solchen Naturschaupiels am eigenen Leib zu spüren - aber die haben uns schon in Angst und Schrecken versetzt: Wir saßen unter dem schützenden Terrassendach am Pool unseres Ferienhauses, als sich der Himmel mehr und mehr verdunkelte. In der Ferne machten wir unglaublich tiefhängende schwere Wolken und unzählige Blitze aus, die auf die nahegelegene Stadt niedergingen. Dann kam der große Regen!
Zuerst waren wir noch fasziniert - so etwas hatten wir in unserem bisherigen Leben noch nicht gesehen. Doch je heftiger der Wind wehte und der Himmel seine Schleusen öffnete, um so weniger begeistert waren wir. Ich hielt meinen Mann an, auf unsere Nachbarn zu achten. Sollten sich diese mit ihrem Gepäck auf die Reise begeben, würden wir ihnen einfach folgen. Sicher ist sicher!
Reinhard ging ins Haus, um sich den Wetterbericht anzusehen und kam später aufgeregt zurück. »Komm schnell«, rief er mir zu, »im Fernseher wird gerade über einen Wirbelsturm berichtet, der eine Schneise durch die Stadt Miami geschlagen hat, und jetzt wenige Meter hinter dem Strand im Atlatischen Ozean wütet.«
Ich lief gleich ins Haus und betrachtete ängstlich die gewaltige Kraft diese Naturphänomens. Wie ein Saugrüssel sog der Wirbel das Wasser in Strandnähe auf und wuchs bedrohlich an. Nach einiger Zeit, ich weiß nicht mehr, wie lange es dauerte, fiel die hohe Wassersäule einfach in sich zusammen und löste sich auf. Nichts wies mehr daraufhin, dass noch vor wenigen Sekunden eine zerstörerische Windhose die Menschen in Panik versetzt hatte.
Zum Glück wurde niemand ernstfahft verletzt oder getötet. Sogar in Deutschland veröffentlichte eine große Zeitung einen Bericht darüber, samt Foto. Wir riefen natürlich später, als wir von Freunden aus der Heimat davon erfuhren, unsere Verwandten an und beruhigten diese, dass uns nichts geschehen sei.
Draußen wurde es immer dunkler und die Blitze schlugen näher ein. Das anschließende Donnergrollen ließ uns jedes Mal zusammenfahren. Besorgt blieben wir im schützenden Haus und wagten uns nicht wieder hinaus, bis sich der Sturm gelegt hatte.
Den Flug von zehn Stunden, von Deutschland bis zu unsrem Zielflughafen in Tampa, nahmen wir gerne in Kauf. Wir besuchten Busch Gardens, ein abenteuerlicher Freizeitpark in der Nähe der Stadt, der unbedingt besichtigt werden sollte, und fuhren etwa zwei Stunden mit einem Mietwagen zu unserem Feriendomizil. Dieses lag unweit der Stadt Fort Myers, welche in der Nähe des Golfes von Mexiko angesiedelt ist.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Fast alles in Florida ist interessant und sehenswert. Für mich jedoch gelten die Everglades - ein riesiges Naturschutzgebiet, das vom Lake Okeechobee im Norden, bis an die äußerste Südspitze des Sonnenstaates reicht - als die Hauptattraktion.
Von Florida City aus führt die einzige Straßenverbindung über die Road SR 9339 nach Flamingo. Bei einer Autopanne ist jedoch Vorsicht geboten. Warnschilder weisen auf den Florida-Panther hin, dessen Jagdgebiet durchfahren wird, und an den Wasserläufen gibt es keine Absperrungen, sodass man auch unverhofften Besuch von einem Alligator bekommen kann. Außerdem rate ich, unbedingt ein Insektenschutzmittel mitzunehmen, da es von diesen Plagegeistern dort nur so wimmelt. Ich benutzte anscheinend ein falsches Präparat und war gleich von mehreren Libellen umzingelt. Da half nur noch die Flucht ins Auto.
Die über 6000 Quadratmeter große Fläche dieses Feuchtgebietes ist ein einzigartiger Lebensraum für Alligatoren, Kormorane, Reiher, Wasserschlangen, dem Fischadler, dem Florida-Phanter und weitere unzählige Arten. Mit viel Glück bekommt man eine wunderschöne Seekuh – auch Manatee genannt- zu sehen. Wir hatten das wunderbare Vergnügen gleich zwei von diesen bedrohten Lebewesen im Caloosahatchee - ein Fluss nahe der Stadt Fort Myers - zu bewundern. Leider verletzen sich diese traurig dreinschauenden Säugetiere häufig an den Schiffsschrauben, oder werden sogar durch diese getötet, da sie die Boote erst hören können, wenn es bereits zu spät ist.
Die Everglades – deren Wassertiefe nur etwa 30 cm misst - sollten unbedingt mit einem Propellerboot besichtigt werden, welches von einer am Heck angebrachten riesigen Antriebsschraube fortbewegt wird. Wir taten es und waren begeistert. Sacht gleiten diese Wasserfahrzeuge über unendlich scheinende Rasenflächen, die gar keine sind. Wassergras wächst über die Oberfläche hinaus und lässt das Areal wie saftige Wiesen erscheinen.
Wer denkt, einen leblosen Stein inmitten des Wassers zu sichten, sollte auf der Hut sein. Größtenteils handelt es sich dabei um einen Alligator, der in der Sonne döst und auf Nahrung wartet. Nur seine getrocknete Schädeldecke und die wachsamen Augen sind zu erkennen, der Rest des Körpers ruht im undurchsichtigen Nass. Aber Vorsicht! Diese Reptilien sind alles andere als schwerfällig. Blitzschnell können sie aus dem Wasser hervorschießen, um ihre Beute mit den spitzen Zähnen zu packen und unter Wasser zu ziehen.
Am Ende unserer Rundfahrt waren wir von der Tier- und Pflanzenwelt beeindruckt. Außerdem sind wir der Meinung, dass solche Naturschutzgebiete unbedingt erhalten bleiben müssen.
Weniger schön war da eine Alligatorenfarm – am Rande der Everglades -, auf welche Panther, Alligatoren und Waschbären in viel zu engen Behausungen vor sich hinvegetierten. Einige der Tiere bewegten sich verhaltensgestört von einem kurzen Ende zum anderen. Es war grausam, so etwas mitanzusehen. Manche profitgierigen Geschäftsleute sehen Tiere leider immer noch als gewinnbringende Anlagen an.
Im Nachhinein war ich über mich selbst verärgert. Ein Mitarbeiter dieser Farm hielt einen kleinen, noch sehr jungen, Alligator mit zugeklebter Schnauze vor meine Nase und forderte mich auf, mich mit diesem armen Reptil ablichten zu lassen. Ich war auch noch so dumm und ging darauf ein, was ich kurze Zeit später bedauerte. Wenn sich niemand mehr mit diesem armseligen Kreaturen fotografieren lassen würde, müssten sie auch nicht stundenlang mit verklebten Mäulern in viel zu engen Boxen verharren.
Empfehlenswert dagegen ist ein Besuch in einem der Seefoodrestaurants, die sich direkt am Caloosahatcheefluss befinden. Von dort aus sahen wir Delfinen beim Fischfang zu, es war herrlich. Kleine und große Motorboote können sogar an den eigens dafür angebrachten Pier anlegen, sodass man einen Bootsausflug mit einem schmackhaften Abstecher kombinieren kann.
Höchst interessant war es auch, den Pelikanen beim Fressen zuzusehen, wenn die Fischerboote zurückkehrten und ihren Fang gleich vor Ort ausnahmen. Gierig verschluckten sie die Überreste, die ins Wasser geworfen wurden. Wenn sie ausnahmsweise einen Fisch ergatterten, drehten sie ihren Fang so lange in ihren langen Schnäbeln zurecht, bis die Schuppen der Fische in die richtige Richtung zeigten, sodass sie nicht in deren Hälse steckenbleiben konnten.
Rochen, Wasserschlangen und sogar eine große Wasserschildkröte beobachteten wir im Fluss, als wir mit einem gemieteten Boot durch die seichten Wellen glitten. Zeitweise wurden wir sogar von Delfinen begleitet, und ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Diese wunderschönen intelligenten Geschöpfe in unmittelbarer Nahe und freien Natur beobachten zu können, war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht vergönnt gewesen.
Die breiten Highways zu befahren, war wirklich erholsam. Die Geschwindigkeitsbegrenzung in diesem Staat liegt bei 70 Meilen pro Stunde - und da die Sherriffs sehr genau kontrollieren, halten sich die meisten Fahrer auch daran.  Viele von den Trucks, die die Straßen befuhren, waren die reinsten Kunstwerke. Auf Hochglanz polierter Edelstahl und fantasievolle Lackierungen lassen jedes Truckerherz höher schlagen. Die Fahrzeuge der Feuerwehr und die Krankenwagen sind überdeutlich zu erkennen und auch zu hören. Tausend blinkende Lichter und ohrenbetäubend aufheulende Sirenen weisen schon aus der Ferne auf die Rettungsfahrzeuge hin.
Gewöhnungsbedürftig dagegen sind meiner Meinung nach die Ampelanlagen. Diese stehen nicht, wie bei uns in Deutschland, vor der Einmündung einer Straße, sondern hängen an Leitungen in der Mitte über den Kreuzungen, was mich anfangs sehr irritierte. Später hatte ich mich daran gewöhnt.
Die Stadt Orlando ist ebenfalls ein muss für jeden Urlauber. Auf den Besuch von SeaWorld haben wir uns am meisten gefreut. Dort werden gestrandete Delfine, Orcas und andere Wassertiere aufgepäppelt und versorgt. Einige können wieder zurück in ihren ursprünglichen Lebensraum, andere finden auf diesem Areal eine neue Heimat. In Streichelbecken darf der Besucher die Delfine sogar füttern und anfassen. Mein tierliebendes Herz schlug höher, als ich meine Hände nach ihnen ausstreckte und ihre gummiähnliche Haut berührte. Des Weiteren besuchten wir die Seerobben, die ebenfalls mit Fisch versorgt werden konnten. Leider kamen wir zu spät, die Fütterungszeit war bereits beendet.
Die einmaligen Shows mit den dressierten Tieren versetzen Kinder und Erwachsene ins Staunen. Sogar Nachwuchs wurde behutsam auf das zukünftiges Leben in Freiheit vorbereitet.
Ein weiteres Highlight dieses Parks ist seine Unterwasserwelt. Vom Hai bis zum Pinguin betrachten ganze Scharen diese Meeresbewohner, indem sie durch große gläserne Röhren, die mitten durch die Bassins führen, auf Laufbänder hindurch befördert werden. Würdevoll gleiten die Haie mit ihren spitzen Zähnen über die Köpfe der staunenden Menschen hinweg und beäugen sie arglistig. Außerdem leben dort Belugas und Piranhas in riesigen Aquarien. Moränen und Barrakudas kann der Urlauber durch dicke Glasscheiben bestaunen.
Ich fragte mich einmal, was wohl passiert, wenn das Glas unter dem Druck bersten würde. Wahrscheinlich wäre ich eine willkommene Zwischenmahlzeit gewesen, aber dazu kam es selbstverständlich nicht. Die Sicherheitsstandards auf diesem Gelände sind sehr hoch, und bisher haben die gläsernen Röhren diesem enormen Druck standgehalten.
Die Universal-Studios sind für den Film- und Actionfan genau das Richtige. Wer seinen Adrenalinspiegel in die Höhe treiben möchte, kommt bei den vielen Themenparks und atemberaubende Achterbahnfahrten voll auf seine Kosten. Spektakuläre Bühnen- und Wassershows werden dem staunenden Besucher geboten. Gondelfahrten entführen in das Reich von E.T., King-Kong und vielen anderen Leinwandstars.
Disneyland verzaubert seine Gäste mit Märchenfiguren und surrealen Aufführungen, wie in einem Märchenland - auch für Erwachsen sehenswert.
Wir mieteten uns für mehrere Tage ein Motelzimmer und besuchten jeden Tag einen anderen Park. Im Anschluss aßen wir im kultigen Hard-Rock-Cafe zu Abend. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. An den Wänden hingen unzählige goldene Schallplatten von allen möglichen Musikinterpreten. Sogar in den Gängen zu den Toilettenräumen bestaunten wir hinter Glasscheiben wertvolle Gitarren und Schallplatten von den unvergessenen Stars.
Nach unserem mehrtätigen Ausflug fuhren wir zurück zu unserem Urlaubsdomizil und ruhten uns einige Tage am Pool aus. Danach machten wir uns auf den Weg zum Shopping.
Die Factorys sind ein in einem Quadrat aufgebauter Komplex, in welchem sich Boutiquen, Sportswearhändler, Schuh- und Schmuckgeschäfte befinden. Wir deckten uns mit Markenjeans, Turnschuhen und Schmuck ein. Später erfuhren wir, dass wir nur eine begrenzte Anzahl von Levis und Co. hätten mitnehmen dürfen. Wir hatten Glück und wurden nicht von Zollbeamten durchsucht. Ansonsten hätten wir sicher einiges an Strafgelder zahlen müssen. Dafür bekamen wir diese Artikel zum Herstellungspreis und freuten uns riesig darüber.
Dann gibt es da noch die Flea Markets, die mit unseren Flohmärkten vergleichen werden können. Allerdings kann man dort nur neue Ware erwerben. Aber die Vielfalt ist enorm und günstig. Auch dort deckten wir uns mit allen möglichen Andenken ein.
Zu unserem Unglück besuchten wir einmal einen falschen Flea Market - wir hatten uns verfahren und waren nur durch Zufall daruaf gestoßen. Zwar wunderten wir uns noch anfangs über die vielen Händler, die Gewehre, Pistolen und Munition anboten, und wie einfach es doch war, sich dort Schusswaffen zu besorgen, weil wir solch einen Markt noch nicht besucht hatten. Andererseits waren wir in Urlaubsstimmung und machten uns daher auch keine allzugroßen Sorgen.
Als wir uns jedoch nur noch Afroamerikanern und Einwanderern gegenübersahen, die mit Gettoblastern auf den Schultern durch die Gänge schlenderten und uns auf merkwürdige Weise betrachteten, jagten diese uns dann doch Angst ein. Ich erkundigte mich bei einem Händler, ob wir überhaupt an der richtigen Adresse wären, und ob es an diesem Ort gefährlich für Touristen sei. Wie mir der Verkäufer bestätigte, waren wir falsch und er riet uns, zu verschinden. Was wir auch sofort taten.
Des Weiteren besaßen das große Glück dem alljährlich stattfindenden Frühlingsfest in Fort Myers beizuwohnen. Spring Break - wie dieser prunkvolle Aufmarsch in Florida genannt wird - beendet den Winter und begrüßt den Frühling mit einem rauschenden Fest. Eine farbenfrohe Parade bestehend aus Oldtimern, Bands, Schaustellern und Tanz- und Aerobicvereinen bereitet den Menschen, die die Straßen säumen,  eine unvergessliche Darbietung.
Allen voran weist die ansässige Feuerwehr mit ohrenbetäubendem Sirenengeheul darauf hin, dass die Show beginnt. Wir saßen auf einer Decke, tranken Kaffee und bestaunten die liebevoll geschmückten Fahrzeuge, während wir den musikalischen Klängen aus den großen angebrachten Lautsprechern lauschten.
Ein anderes Mal, als wir Florida besuchten, blieben wir unfreiwillig eine Nacht länger in Tampa - ich hatte meinen Führerschein vergessen. Schon kurz vor der Landung suchte ich hektisch nach diesem Papier in meinem Handgepäck. Aber ich fand es nicht! Das Problem bestand darin, da ich die einzige Fahrerin mit einer gültigen Fahrerlaubnis war, dass aus aus diesem Grund keinen Mitwagen bekamen.
Mein Schwager und meine Schwägerin, die uns auf dieser Reise begleiteten, dachten anfangs, ich würde mir einen Scherz mit ihnen erlauben. Später - wir standen am Schalter des Mietwagenverleihers - lachten sie nicht mehr. Diese Unachtsamkeit kostete mich etwa eintausend D-Mark extra.
Da sich unser Feriendomizil zirka zweihundert Kilometer entfernt befand, und der nette Angestellte an der Leihwagenrezepzion nur einen Originalführerschein akzeptieren durfte, mussten wir gezwungenermaßen in Tampa übernachten. Es war bereits später Abend, wir waren geschlaucht von dem langen Flug und eine Fahrt mit dem Bus würde einen ganzen Tag andauern.
Auch wussten wir nicht, ob um diese Uhrzeit überhaupt noch ein Bus in Richtung Fort Myers aufbrechen würde. Ich redete also auf den Mann ein und bat ihn, sich mit einer gefaxten Ausgabe zufriedenzugeben. Doch dieser lehnte ab. So wären nun mal die Gesetze, wie er mir mit wild gestikulierenden Armen erklärte, und er würde auch sicher keine Ausnahme für mich machen. Er empfahl uns, dass wir uns dieses Papier per Express zukommen lassen sollten, da dies die schnellste Variante sei.
Da wir uns in Tampa nicht auskannten, wollte ich kein Risiko eingehen und schlug vor, im Flughafenhotel zu übernachten und mit meiner Mutter in Deutschland zu telefonieren. Ich rief sie auch kurz danach an und erklärte ihr unsere Situation. Meine Mutter regelte die Angelegenheit und versicherte mir, als ich sie später noch einmal anrief, dass mein Führerschein in zwei Tagen da sein würde.
Wir überlegten, was wir bis dahin tun sollten. Eine Übernachtung kostete einhundert Dollar, und zu dieser Zeit besaß diese Währung noch einen höheren Wechselkurs, als heute. Also beschlossen wir, nachdem wir noch einmal mit dem Herrn von der Mietwagengesellschaft Rücksprache gehalten hatten, dass wir meinen Führerschein nach Fort Myers bringen lassen und uns dort einen Wagen mieten würden. Ein weiteres Telefonat mit meiner Mutter folgte, um ihr die Änderungen mitzuteilen.
Am nächsten Tag wollten wir irgendwie dorthin gelangen. Aber auch das war ein schwieriges Unterfangen. Mit dem Bus wären wir ungefähr einen ganzen Tag lang unterwegs gewesen, und darauf hatte wirklich niemand von uns große Lust. Also mieteten wir uns ein Taxi und handelten mit dem Fahrer einen Festpreis aus.
Diese Fahrt kostete zusätzliche zweihundertdreißig Doller und die nächtlichen Telefonate betrugen weitere achtzig Dollar. Dann waren da noch die Kosten für ein Frühstück, welches nicht im Übernachtungspreis enthalten war, und die, für die Zusendung meines Führerscheins nach Fort Myers, plus eine weitere Taxifahrt zu der Mietwagengesellschaft, als mein Führerschein endlich eingetroffen war. Alles in allem betrug die Summe letztendlich etwa eintausend D-Mark.
Und da ich so vergesslich gewesen war, war es auch selbstverständlich für mich, dass ich diese Kosten übernahm. Aber auch dieses nicht ganz billige Abenteuer werde ich sicher niemals vergessen können. Oft noch sprechen wir darüber und lachen über meine Dummheit.
Fast hätte ich vergessen, über den Badespaß zu berichten. Aber auch dabei ist Vorsicht geboten! Mein Mann hatte sich bei einem Sonnenbad fürchterlich auf seinem Rücken verbrannt und musste ein Hospital aufsuchen, da er es vor Schmerzen nicht mehr aushielt. Seine behandelnden Ärtze erkundigten sich bei ihm, mit welchem Sonnenschutzfaktor er sich eingerieben hätte. Nachdem er ihre Frage beantwortet hatte, lachten sie herzlich über das typische Verhalten von Touristen. Sie rieten ihm, einen Sonnenschutzcreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor, mindestens jedoch dreißig, zu benutzen. Da staunten wir nicht schlecht, unsere besaß gerade einmal einen Wert von acht. Heute sind wir natürlich wesentlich klüger und beugen vor.
Die nächsten Tage durfte er weder ins Wasser, noch ein T-Shirt überziehen. Ich musste ihm jeden Tag vorsichtig eine silberhaltige Paste auf die verbrannten Stellen auftragen, und die nächsten Monate sollte er vollkommen auf Sonneneinstrahlung verzichten. Was uns anderen aber nicht davon abhielt, oft zu den wunderschönen und sauberen Stränden zu fahren und im Golf von Mexiko zu baden, den Delfinen zuzusehen, die Rochen zu bestaunen, die sich in Strandnähe tummelten und zu relaxen. Er blieb derweil am Haus im Schatten und erholte sich von den Strapazen.
Es war eine herrliche und leider viel zu kurze Zeit. Die Tage vergingen wie im Flug, und ehe wir uns versahen, war der Urlaub auch schon wieder vorbei. Bedrückt standen wir an den Fenstern der Abflughalle und blickten durch die Scheiben wehmütig auf die sonnenüberflutete Rollbahn. Wir hätten uns sehr gerne noch weitere Sehenswürdigkeiten, wie das hübsche Städchen Key West, mit seinem Aufsehen erregenden Sonnenuntergang und das Kennedy-Space Center angesehen.
Vielleicht das nächste Mal.

                                                                                 ENDE

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.08.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Seit ihrer schlimmen Kindheit ist Kim davon überzeugt, dass es das Übersinnliches und Geister wirklich gibt. Als sie Pam kennenlernt, die kurz darauf in einem herunter gekommenen maroden Haus einzieht, nehmen die seltsamen Ereignisse ihren Lauf. Bei der ersten Besichtigung des alten Gemäuers überkommt Kim ein merkwürdiges Gefühl. Als sie dann noch eine scheinbar liegengelassene Fotografie in die Hand nimmt, durchzuckt sie eine Art Stromschlag, und augenblicklich erscheint eine unheildrohende Frau vor ihrem geistigen Auge. Sie will das Haus sofort verlassen und vorerst nicht wiederkommen. Doch noch kann Pam nicht nachempfinden, warum Kim diese ahnungsvollen Ängste in sich trägt, sie ist Heidin und besitzt keinen Glauben. Nachdem Kim das Tagebuch, der scheinbar verwirrten Hauseigentümerin findet und ließt, spürt sie tief in ihrem Inneren, dass etwas Schreckliches passieren wird. Selbst nach mehreren seltsamen Unfällen am Haus will Pam ihre Warnungen nicht ernst nehmen. Erst nachdem ihr, als sie sich nachts allein im Haus befindet, eine unbekannte mysteriöse Frau erscheint, bekommt sie Panik und bittet Kim um Hilfe. Aber da ist es bereits zu spät.

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