Harry Schloßmacher

Vom einsamen Geist im Nichts zum Action-Gott im Kosmos ? ?




HINWEISE:


---   Das Original nachfolgenden Beitrages wurde bereits


in der taz vom 17.12.84

und im großen taz-Buch


veröffentlicht!  (War da aber noch doppelt so lang)


Die Resonanz in Form von Leserbriefen war damals beachtlich,
so daß ich noch eine Stellungnahme schrieb
und es wieder Leserbriefe in der taz hagelte.


************************************************************************************************************************************


---   Außerdem ist dieser Text in der einschlägigen Website eines in der Szene recht bekannten schweizer
Professorenpaares ausgestellt  mit dem Link :

http://www.payer.de/religionskritik/schlossmacher01.htm

Vielleicht gibt es einen Gott, aber er ist gewiss nicht allmächtig, allwissend und allgütig (1984)   von Harry Schloßmacher

Dieser Text ist Teil der Abteilung Religionskritik  von Alois Payer_Tüpfli's Global Village Library


http://www.payer.de/relkritiklink.htm


-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------





1)   Vielleicht gibt es einen Gott, aber er ist gewiss nicht allmächtig, allwissend und allgütig !

 

Ein echter Gott, ein Allmächtiger, sollte auch zaubern können, und dies nicht nur einmal (zum Beispiel bei der Erschaffung der Welt aus dem Nichts). Er müsste in der Lage sein, spontan seine eigenen Gesetzmäßigkeiten für besondere Aktionen und Eingriffe außer Kraft zu setzen (zumindest zeitweilig/kurzfristig). Gerade ein allmächtiger und allgütiger „Faktor X" (= Gott) darf nicht ewig Sklave seiner Gesetze sein.
Besonders beim Umwelt- und Kreaturzerstörer Mensch wären massive, direkte göttliche Eingriffe ins Erdgeschehen oft vonnöten gewesen und sind es heute mehr denn je. Und wenn es nur das Grauen der in seinem Namen geführten Religionskriege sowie des 1. und 2. Weltkrieges (inklusive Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki) der Menschheit erspart hätte. Aber er hat sich wie immer zurückgehalten. Verstecken spielen und toller Action zusehen sind leidenschaftliche Hobbies des „Faktors X".

Es dauert viele Millionen Jahre, bis ein Stern und feste Planeten entstanden sind. Wahrhaft imposante, für uns unerreichbare Machwerke dann. Aber für einen von Religionsseite allmächtig bezeichneten Gott, der zudem zielbewusst wäre und weiß, was er will, eine viel zu lange Schaffenszeit.
Sollte sogar der Mensch ein Ziel seiner Schöpferkraft sein, so hätte er in zwei Phasen  rund  14  Milliarden Jahre (!)  von den ersten lebensvorbereitenden Maßnahmen bis zu dessen Fertigstellung gebraucht:


1) ca.  9  Milliarden Jahre indirekte Phase (Zeitraum der Stern- und Planetenbildung, die sogenannte kosmische Evolution),

2) Knapp  5  Milliarden Jahre direkte Entwicklungsphase (die chemische und biologische Evolution bis zum Menschen selbst).


Ein ewig lebendes Wesen hat soviel Zeit zur Verfügung, dass es damit nicht (wie wir) zu haushalten braucht. Ob eine Milliarde Jahre mehr oder weniger, dies spielt hier (zumindest zeitmäßig) keine Rolle. Im Gegenteil: für diesen Gott müsste Zeit schinden Trumpf sein; denn auch ein noch so unsinniger und unangemessen langer Evolutionsprozess bedeutet für ihn Action. Wer über soviel Zeit verfügt, der hat auch viel Langeweile und Leerlauf. Beide wollen mit Aktivitäten und/oder Unterhaltung bekämpft sein.


##############################################################

##############################################################





 

2)   Vom einsamen Gott im Nichts zum Action-Gott im Kosmos ?


 

Zwischen Unterhaltungswert des Weltalls und seinen unbegreiflich vielen Gestirnen scheint ein direkter Zusammenhang zu bestehen! Denn es leuchtet jedem ein: je mehr Himmelskörper da sind, umso mehr Action und Unterhaltung wird geboten. Soll es sogar spannende Action für ihn sein, so darf unser Schöpfer keine Ereignisse vorhersehen. Je weniger allwissend er ist, umso interessanter werden die vielen nacheinander wie nebeneinander laufenden Evolutionsprozesse und ihre zeitweiligen Ergebnisse für ihn sein. Vielleicht so, wie für uns eine Filmpremiere mit dem Reiz des Neuen versehen ist. Die Spannungsmomente fehlen, wenn wir ihn zum zweiten oder gar dritten Mal sehen.
Ein allwissender Weltengott, der den Verlauf aller Ereignisse bis in kleinste Verästelungen in seinem gesamten Kosmos bis in alle Zeiten vorhersieht, für den gibt es nichts neues mehr. Er wird zusehens desinteressiert und trotz zahlloser Ereignisse auf zahllosen Welten unzufrieden, weil für ihn nichts Unvorhergesehenes mehr passiert. Für einen Action-Gott, wie wir ihn vorfinden, wird dieser Reizverlust auf Dauer sehr unangenehm werden. Vielleicht gibt es auch deshalb keinen Allwissenden?

Erst im Kosmos kann der Action-Gott ungehemmt aus dem vollen schöpfen: gigantische Mengen unzählbarer Lebewesen auf zahlreichen Planeten stehen ihm dort (höchst-wahrscheinlich) zur Verfügung. Aber durch die Massenfabrikation allerorts gehen die Interessen des Einzelwesens verständlicherweise ganz und gar unter. Zudem leidet bei soviel Massenware wohl die Qualität, so fürchte ich.

Für diesen Gott scheint nur Action Trumpf zu sein. Vielleicht tummeln sich auf vielen Trillionen Welten Tausend Trillionen verschiedene Geschöpfe. Jeder Zirkusdirektor und Designer hätte Wohlgefallen an dieser Farbenpracht und Formenvielfalt. Eine Supershow der Gastarbeiter, Schauspieler und Statisten (= tierähnliche Wesen, da sie nicht wissen, dass sie leben). Denn zu mehr als einem kurzen (Bühnen-)Auftritt auf ihren Heimatplaneten reicht es bei keinem der wohl viele Trillionen zählenden Todeskandidaten.


Ein Gott, der sich mehr um das Individuum und dessen spezielles Lebensglück kümmert als an unüberschaubarer Artenvielfalt interessiert zu sein, hätte bestimmt auch Mittel und Wege gefunden, dem Einzelwesen Gesundheit, Zufriedenheit, Lebensfreude etc. in jeder Minute seines dann auch langen bis ewigen Lebens zu ermöglichen.

 

##############################################################

##############################################################





3)   Warum der makabere Umweg über die Zwischenstation Erde ?
 

 

Auffällig ist zudem, dass sich der rätselhafte „Himmelsfaktor X" versteckt hält.

Warum eigentlich?

Hat er ein schlechtes Gewissen?

Schämt er sich seiner Taten oder gar seiner Tatenlosigkeit?

Warum setzt er ein Kind namens Mensch in die Welt und überlässt es dann nur seinen physikalischen, chemischen und biologischen Gesetzmäßigkeiten?

Von verantwortungsvoller Vaterschaft, Zuneigung und seelischem Beistand des „Allgütigen" verspüren wir nichts.

Wie sonst kann es geschehen, dass Ängste, Orientierungslosigkeit, Kampf, Leid, Not, Krankheiten, Sorgen, Tod etc. die Regel in unserem Leben sind – Lebensfreude, Liebe, Geborgenheit aber die Ausnahme? Will dieser allgütige Vater, wie er von kirchlicher Seite bezeichnet wird, wirklich das Glück für die Menschen und nur unser Lebensglück? Warum in Gottes Namen lässt er dann so viele die Hölle auf Erden erleben, und das Paradies (wenn nicht die „Halbhölle" Fegefeuer) erst im Himmel?


Warum überhaupt der kurze Abstecher der Individuen in ein unvollkommenes, kampf- und konfliktreiches Diesseits, wenn dauerhafte, vollkommene Harmonie und Glückseligkeit nur das Paradies (falls es eines gibt?!) im Jenseits zu bieten hat?


Warum denn dieser makabre Umweg über die Zwischenstation Erde?


Eine Mutter schickt ihre Kinder ja auch nicht zur Imbissstube, wenn sie zuhause ein besseres Essen für ihre Zöglinge hat!
 

 

##############################################################

##############################################################





4)   Pyrotechniker

 

Nicht nur Landschaftsgestalter und Erfinder mögen bei soviel Schönheit und Ideenreichtum der Natur auf wahrscheinlich unzähligen Planeten applaudieren. Imponierende Stärken unseres Allround-Himmelsmeisters auf Erden: paradiesische Strände, malerische Seen und herrliche Wälder.

Aber auch prächtige, saftig grüne und mit Blumen übersäte Wiesen, imposante Bergwelten oder fantastische Schneelandschaften sind eine Augenweide für jeden.

Aber fragen wir mal einen Psychoanalytiker, welches Psychogramm er einem Vater erstellen würde, der Hilferufe und Todesschreie seiner vielen Kinder einfach ignoriert, so wie jede Minute vielleicht Trillionen Hilferufe und Billionen Todesschreie universumsweit vom „Allgütigen" überhört werden?

Warum hat unser Weltenschöpfer Wesen mit einem scharfen, kritischen Verstand und einer hohen Gefühlssensibilität erschaffen (wie z. B. wir Menschen), wenn er sie allerorts seine Unvollkommenheit, Fehlerhaftigkeit und Brutalität spüren lässt?

Dieser Schöpfer ist ein guter Steuermann für großflächige, weitreichende Planeten – und Sonnensysteme. Eine wissenschaftliche Koryphäe ohnegleichen (in allen Disziplinen!). Ein Superprofessor aller Bereiche der Naturwissenschaft!

Zudem ist er ein exzellenter Feuerwerker. Wir brauchen uns im „Nahbereich" nur einmal Gewitterblitze und die Eruptionen der Sonne anzusehen, sowie uns in der kosmischen Weite einmal das Bild eines Super-Nova Ausbruchs vorzustellen.

In der komplizierten, unsichtbaren Welt der Gefühle fehlt ihm aber anscheinend jede Orientierung. Speziell menschliche Gefühle wie diverse Ängste vor Krankheit, Tod, Krieg etc. kennt er nicht. Wäre er ein gütiger, mitfühlender Gott, so müsste er in Tränen zerfließen, bei all dem Kummer, Leid und den Sorgen, von denen viele Menschen ein Leben lang begleitet werden. Wenn wir Menschen uns nicht selbst stützen und gegenseitig seelischen Beistand leisten, dieser Weltenlenker hat kein wirksames Konzept gegen die zahlreichen Ängste, Grausamkeiten und Irritationen, die unser Leben beherrschen und größtenteils von seinen Gesetzmäßigkeiten verursacht, zumindest von ihm geduldet werden.


 

##############################################################

##############################################################





5)   Koryphäe der Brutalität

 

Der Himmelspatron, den wir erleben, lässt viel zuviel Raum für offenen und verdeckten Kampf, für Hinterlist und Tücke; für Folter, Mord und Totschlag. Er schafft oder duldet schon auf Erden und vermutlich auch im Kosmos ein solch teuflisches Szenario, dass im Jenseits (falls es eines geben sollte) eher die Hölle als ein Paradies anzutreffen ist.

Hier Negativ-Beispiele der Superlative, welche diese Vermutung leider massiv bestärken: wir wissen heute z. B. mit ziemlicher Sicherheit von superriesigen Schwarzen Löchern, die Billionen (in Milliarden Jahren entstandene) Sonnen und ihre Planeten in relativ kurzer Zeit in sich aufsaugen und total vernichten.
Eines dieser „Schwarzloch-Superzerstörer" existiert im Zentrum der Galaxie M 87, ein elliptisches Riesensystem nahe der Mitte des großen Virgo-Haufens.
Im Zentrum unserer Milchstraße ist ebenfalls ein gigantisches Schwarzes Loch zu finden !

Diese Regelung ist beileibe nicht sinnvoll; denn warum erschaffe ich Milliarden Sonnen und ihre Planeten in Milliarden Jahren, wenn ich sie kurzerhand in nur Tausenden von Jahren durch Schwarze Löcher wieder radikal vernichte ? ? Und von Kreaturliebe zeugen die Geschehnisse dieser Super-Dramen bestimmt nicht; denn vermutlich unzählige wehrlose Geschöpfe sterben bestialisch/satanisch während der Agonie ihrer Heimatplaneten.

Spätestens bei Katastrophen solch unvorstellbaren Ausmaßes entpuppt sich der „Allgütige" als Koryphäe der Brutalität.
Es wird soviel geredet von der Verantwortung der Eltern für ihre Kinder. Wie aber steht es mit der viel größeren Verantwortung Gottes gegenüber seinen Geschöpfen?
Ist es nicht verantwortungslos, vielleicht Tausende Trillionen Kreaturen auf vielleicht Trillionen Planeten in die Welt zu setzen und sich dann nicht mehr (zumindest direkt) um ihr leibliches, geistiges und seelisches Wohl zu kümmern?

Oder dient die riesige Planetenkulisse zwischen brillantem „Höhenfeuerwerk" in Form der unzählbaren Super-Nova Ausbrüchen -- Gigant-Eruptionen auf gelben, blauen und roten Sonnen -- Kometenschweife, Sternschnuppen -- und dergleichen viel mehr, nur dem schönen Ausblick eines hoch oben thronenden Herrgottes?
Wäre es nicht besser gewesen, von einem supergigantischen Weltall abzusehen und den Schwerpunkt auf die Ausstattungsqualität nur weniger Planeten und die zufriedenstellende Lebensqualität einer übersichtlichen Anzahl Geschöpfe zu legen?


 

„Wer Wind sät, wird Sturm ernten!" (taz vom 19.02.85)

(Erläuterungen zu meinem Gottartikel, taz v. 17.12.84, und Antwort auf Leserbriefe)


... Die Setzerin: „außer, Gott amüsiert sich über sogenannte denkende Wesen, die glauben zu wissen, wie er sich fühlt!"
Dabei weiß ich mich bei meinen Gott-Interpretationen in guter Gesellschaft mit zahlreichen Kirchenvertretern. Jene erwecken u.a. beim „Wort zum Sonntag" den Eindruck, als hätten sie bei einem kürzlich geführten Telefoninterview heiße Tips vom Allmächtigen erhalten und wüßten nunmehr, was er denkt, fühlt, von Menschen erwartet und weiterhin mit uns beabsichtigt. „Ich weiß, daß Gott..." oder „Gott möchte..." oder „Gott will..."etc., gehen besagten Predigern bedenkenlos locker über die Lippen, so als sei (den ansonsten unbegreiflich dargestellten) Gott zu zitieren die selbstverständlichste Sache der Welt.
Ich bin für Konsequenz und Offenheit. Entweder wir sind uns darin einig, daß Gott unfaßbar, unbegreiflich, unerklärlich und somit Tabu für alle ist, oder jeder hat das Recht, Gottes Aktivitäten und Passivitäten zu bewerten und seine mutmaßlichen Eigenschaften zu etikettieren. D.h. konkret: Wenn irgendwelche Personen, Gruppierungen oder Institutionen besagtes Tabu ignorieren und trotzdem meinen, Gott mit nicht nachprüfbaren hohen Bewertungen wie allmächtig, allgütig oder allwissend verbinden zu können, so hat wohl jederman das Recht, auch seine ganz persönliche Gottesbewertung vorzunehmen.

Schon für Leibniz, deutscher Philosoph und überzeugter Christ, war das Elend dieser Erde, geduldet von einem allgütigen Gott, ein unlösbares Paradoxon. Er wundert sich in seiner bekannten „Theodizee", daß wir nicht auf der besten aller Welten leben. Er sagte sich, wenn es einen allgütigen Gott gibt, dann hätte er uns die beste aller Welten erschaffen müssen. Ist er zudem allwissend, dann hätte er wissen müssen, wie sie beschaffen ist, und ist er allmächtig, so hätte er sie erschaffen können. Auch die größten Optimisten, „Verdrängungsspezialisten" oder „Scheuklappenträger" müßten aber erkennen, daß wir nicht auf der besten aller Welten leben ! !
Wie Leibnitz habe ich versucht, höchste Ansprüche an einen Weltenlenker zu stellen, der mit den hochtrabenden Reizwörtern Allmacht, Allwissenheit und Allgüte tituliert wird. Der Prüfstand menschlicher Logik, Gefühle und Fantasie scheint mir dafür ausreichend zu sein. Zweifelsohne haben wir hierfür wichtige, bei Gesundheit gut funktionierende Sensoren: Unsere sensiblen Gefühle können vorzüglich Angenehmes von Unangenehmem, Brutalität von Zärtlichkeit und Güte sowie Allgüte (nicht endendes, äußerst ausgeprägtes selbstloses Wohlwollen) von Nichtgüte unterscheiden. Zudem verfügen wir bei Gesundheit über einen nicht zu verachtenden Intellekt, gepaart mit einem Bündel effektiver Sinnesorgane, allesamt ausreichend, um Macht zu erkennen, zu bewerten und Macht von Allmacht und Ohnmacht zu unterscheiden. Genauso verhält es sich mit Wissen, Allwissen und Nichtwissen.

Wohin wir unsere Sinnesorgane auch wenden, überall bekommen wir die Handschrift jenes unbestimmbaren Gottwesens zu spüren. Dieses bislang nicht geortete Überphänomen völlig neuartiger Qualität mag „in uns",. „um bzw. über uns" oder gar in einem fernen Winkelzug seines supergigantischen WeltaIls beheimatet sein - vieleicht auch in einer anderen Dimension bzw. Welt. (...)
Seine Taten zumindest sind ( auf der Erde und soweit darüber hinaus unsere optischen und akustischen Geräte... reichen) sicht-, hör-, fühl- und somit bewertbar!
Ereignissen im Universum müßte bei der Analyse göttlichen Schaffens und Wirkens eigentlich die Hauptrolle zukommen. Aktivitäten und Phänomene des Allmächtigen sind ( bei ca. einer Milliarde Billionen Sterne und Planeten! ) verständlicherweise zu 99,999... Prozent dort zu finden und nicht auf der Erde! Um es noch deutlicher zu machen: Ich kann das Gesamturteil über ein Rockkonzert mit zahlreichen Bands auch nicht von der Qualität nur einer Rockgruppe abhängig machen.
(...)

Ob Ihr es wahrhaben wollt oder nicht: Die Erde ist nicht mehr der Nabel des Weltalls! Ich nehme doch an, daß das Weltbild des Aristoteles kurz vor der dritten Jahrtausendwende langsam ad acta gelegt werden kann. Wunschdenken ist ein schlechter Ratgeber bei einer objektiven Beurteilung. Es mag sehr bedauerlich sein, daß "die Krone der Schöpfung" erkennen mußte, letztlich nur eine "kosmische Ameise" auf dem Universumswinzling Erde zu sein. Wie mir die Aversion vieler Leser gegen außerirdische Erscheinungen zeigt, haben diese den "Karrieresturz" wohl nicht überwunden!? Vielleicht solltet ihr Euch desensibilisieren, indem Ihr öfter oder intensiver einen nachtklaren Sternenhimmel anschaut und ein Astronomiebuch lest - meine Gedanken werden dann weniger befremdlich sein. Außerdem müßt Ihr wissen, daß bislang nur ca. sechs Seiten ( von 60 ! ) meines Original - Manuskriptes abgedruckt wurden. Darunter leidet natürlich die Argumentation.(...) Ich verschmähe ebenfalls nicht die von Euch oft zitierte und bespöttelte Galaxis "M87". Auch Erdbewohner müßten verstehen, daß selbstverständlich das unvorstellbare Weltenzerstörungspotential eines Schwarzen Loches erheblich mehr das Image eines helfenden, beschützenden und "lieben" Gottes ankratzt als jegliche irdische Tötungsmaschinerie. Schlimm genug, wenn sich auf der Erde zeitweilig Millionen Menschen zerfleischen und dann kein Gott hilft oder diese Exzesse gar verhindert. wie ich es von einem wirklich weitsichtigen, mächtigen und kreaturliebenden Gott ohne weiteres erwarten kann. Wenn aber mutmaßlich Billionen Geschöpfe eines schrecklichen Todes sterben ... also ich sehe da schon qualitative wie quantitative Unterschiede.
(...)

„Gott ist in uns!" Ja gut - aber war er dann nicht auch in Caligula, Pizarro und Hitler ? ?

Denjenigen, die allzu sehr auf die „herrliche Unabhängigkeit" des Erwachsenseins pochen und den freien Willen als „non plus Ultra" ansehen, möchte ich zurufen: „Warum braucht Ihr noch einen allgütigen Gott, wenn Ihr so stark und souverän seid?"
(...)
Der Tenor in vielen Zuschriften lautet:
Wir, die ach so freien und unabhängigen Menschen, sind für alles Elend auf dem Globus selber schuld. Dazu einige Fragen:

1. Wenn Gott „in uns" ist, wie einige meinen, ist er dann nicht zwangsläufig mitschuld?

2. Stellvertretend für viele Beispiele der Art: Wo war Gott in Auschwitz? Es kann hier keiner mit der freien Willensentscheidung die grausigen Verbrechen entschuldigen oder erklären. Diese hatten zwar die Bewacher, aber die Juden, Roma, Sintis, Homos, politischen Gefangenen, u.A., waren besagter Freiheit beraubt!

3. Wer ist schuld an den abertausenden Menschenopfern, die seit jeher durch plötzliche, zumeist unvorhersehbare Erdbeben, Vulkanausbrüche, Sturm- und wetterbedingte Wasserkatastrophen, etc., auf der ganzen Erde zu verzeichnen sind? Des Menschen freier Wille ??


Harry Schloßmacher, Düren

Dafür, daß trotz Kürzungen Harry´s Beitrag zu seinem Artikel so umfangreich ausgefallen ist, bitte ich (d. s-in) bei den Lesern um Verständnis. Aus der Flut von Leserbriefen zu diesem Thema schließe ich jedoch auf ein reges Interesse. [ Aber jetzt ist dann gut, ne. dkze]
Harry Schloßmacher, Anmerkung zur Geschichte

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Harry Schloßmacher).
Der Beitrag wurde von Harry Schloßmacher auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.08.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Zelenka von Kurt Mühle



„Zelenka“ beschreibt innerhalb unterschiedlichster Kriminalfälle den beruflichen Aufstieg einer taffen, ehrgeizigen Kommissarin, aber auch die schmerzlichen Rückschläge in ihrem Privatleben.
Sie jongliert oft am Rande der Legalität, setzt sich durch in der sie umgebenden Männerwelt und setzt Akzente in der Polizeiarbeit, - wobei ihren Vorgesetzten oft die Haare zu Berge stehen ...
Ort der Handlung: Düsseldorf / Duisburg

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Skurriles" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Harry Schloßmacher

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Von wegen "EINMAL ist keinmal" / Teil-2 von Harry Schloßmacher (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Bayr. Konjunktiv & Grammatik von Paul Rudolf Uhl (Skurriles)
Eternal Love - Band 1 von Tim Klostermann (Fantasy)