Margret Silvester

Lütt Krüz

Lütt Krüz

Dat hebbt wi düsse Tage beleevt, dor köhnt wi lang von vertellen. Wi sünd n’ Barg rumkutscheert, meest an’t Water. De letzen Sündog föhrt wi hin na Sleswig. Wi wullt mol Haithabu besöken und dat Landesmuseum. Un wi wullt ` n feinen Spaziergang maaken. De Sünn brennt vun Heben dahl as nich klok. Jüst dor ward wi een lütten Karkhof woar mit veel hoge Bööm, de us in ehrn Schatten inladen doot. De Luft weer glöhnig un uns wor hitt. Wi got mang die bemoosten Gräver, as us in den Sinn kom, dat us lichte Kledasch nich good tosom geiht mit düsse dunkle Umgebung. Mit Augen op us Dochter Hannah hebbt wi filosofiert, dat dat Lewen naah an Dod steiht un so wedder.

Hannah löp un sprang mang de grisen Steen un Krüz. Nülichs hett se lesen lernt un so klamüstert se de Nomen op den Marmor. Se hett grot Interesse an de ollen Nomen, und se röp: „Hier liek en, de heet Gustav. Un dor en, de heet Helene. »
All Nomen, de in er egen kort Lewen noch keen Roll spelt het. För een lütten verschnörkelten Iesenkrüz bleev se jüst nu lang stohn un könn sik gor nich noch wunnern öwer den Nomen, de dor inritzt steiht.
“Komt mol!”, röp se, “kiekt, wat dor steiht! Her heet en „pu-el-la in-cog-ni-ta“. Se seggt dat Bokstav för Bokstav. “So een heff ick nie nich hört.”
Nee, Latein hett se noch nich inne School. Op dat Krüz steiht ünner den „Nomen“ man blots „1732“.
Keen Geburtsdach, keen Dodesdach. Ick heef Hannah dat verklort. Dat hier en lütt Deern liekt, wokeen nümms wat vun wusst hett. Un keen von Dörp hett se kennt. Hannah weer n’ beeten trurig. De Lichtigkeit vunn er söben Joahr op düsse Ierd wor verswunnen. Dat dor een Deern wor – villicht so as se sülben – wo keen een wüsst, ob een Mama oder Papa op eer luurn deit, ock wie lang all? Un her liekt se in de kole Ierd.
„Awer“, sech Hannah to us, „een möt se doch sökt har. Een möt se doch röpen har. Villiecht nich lud noch?“
Dor kemen Frogen und wedder Frogen, un wi köhnt de aal nich richtig antern. Un dat mook ok keen Sinn, Hannah nu Spökenkrom to vertellen. Hannah wor opwöhlt. Wi möt er toseggen, dat se ern Nom op er Grav hebben schall. Ick mot se begöschen un nohm se in miene Arm.
„War nu nich bang, mien Lütten“, seek ick, „dat is all lang vörbi. Hüt beleewt wi so wat nich mihr.“
Obers deep in mien Hart weet ick dat beeder. Ick krich mien lütt Dochter an de Hand to footen un lot er den Patt trüch nich mihr loos.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.08.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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