Brigitte Hanisch

Urlaub an einem unbekannten Ort

Es war schon dunkel, als ich einen kleinen Ort an der Algarve erreichte. Hier wollte ich übernachten, bevor ich weiter fuhr. Ich war total erschöpft und mein Rücken steif von dem stundenlangen sitzen im Auto.
In einer Pension fand ich ein Zimmer und nach einem köstlichen Abendessen mit einem Glas Rotwein wollte ich nur noch schlafen.
Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster blickte, war ich sprachlos. Ich trat auf den Balkon und atmete die frische Meeresluft ein, die mir ins Gesicht wehte.
In der vergangenen Nacht hatte ich nicht bemerkt, dass sich meine Unterkunft so nah am Meer befand.
Die Bucht breitete sich vor mir aus, als wollte sie mich umarmen.. Sonnenstrahlen glitzerten auf dem blauen Wasser und Schaumkronen bewegten sich sanft auf das Ufer zu.
Mich hielt nichts mehr im Zimmer. Ich musste zum Strand hinunter.
Meine Sandalen in der Hand, ging ich über den feinen, hellen Sand zum Meer. Er knirschte unter meinen Füßen. Das Wasser war angenehm warm, obwohl es noch sehr früh war. Wellen umspülten meine Füße und es tat mir so gut, dass ich im Wasser einen Spaziergang am Strand entlang machte.
Ich sah, wie einige Besucher ihre Badetüchern auf die Liegen legten und so für sich reservierten.
Blaue Sonnenschirme und hohe Pinien spendeten Schatten. Kleine Boote, die noch ungenutzt an der Strandmauer lagen, wurden schon für die Ausfahrten gebucht.
Ein lebhaftes Treiben entwickelte sich am Strand. Das Surren der Motorboote, die durch das Wasser brausten, nahm immer mehr zu. Groß und Klein tummelte sich im Wasser und ich wollte auch endlich dazugehören.
Ich lief in mein Zimmer und holte meinen Badeanzug aus dem Koffer, denn ich konnte es kaum erwarten, das Wasser an meinem Körper zu spüren.
Langsam ging ich ins Meer hinein. Es war so klar, dass ich große und kleine Muschel auf dem Grund sehen konnte.
Ich schwamm eine Weile umher und betrachtete vom Wasser aus die weißgestrichenen zweistöckigen Häuser des Ortes. Auf einem Hügel angeordnet standen sie im strahlenden Sonnenlicht. Die Hotels waren nicht höher als sechs Stockwerke. Der Ort sah idyllische aus.
Im Wasser bemerkte ich, wie sich mein Gesicht, obwohl ich es mit Sonnencreme eingerieben hatte, rötete. Das salzige Wasser prickelte so intensiv auf meiner Haut, dass ich schnell ins Zimmer flüchtete.
Nachdem ich geduscht hatte, schlüpfte ich in mein Sommerkleid und bummelte durch die Gassen, die sich schlangenförmig durch den Ort zogen. Zwischen den Häusern führten Stufen in höher gelegene Gässchen. Große Kübel, bepflanzt mit Geranien in allen Farben, schmückten die Treppenaufgänge. Es sah sehr romantisch aus.
Im Schatten der Häuser stieg ich die Stufen empor, was mir in der Mittaghitze große Schwierigkeiten bereitete.
Am höchsten Punkt angekommen, sah ich zum Meer hinunter, das sich in seiner ganzen Pracht vor mir ausbreitete.
Es gab nur eine Straße für den Autoverkehr, die zum Strand hinunterführte. Der restliche Verkehr wurde um den Ort geleitet. Ich empfand das als sehr angenehm, ohne den Gestank der Abgase durch die Gassen zu bummeln. Deshalb beschloss ich in den Abendstunden nochmals die vielen Stufen hinaufzusteigen um in den kleinen Lädchen, die in der Mittagszeit geschlossen hatten, nach einem großen Sonnenhut und anderen Kostbarkeiten zu suchen.
Ein besonders schönes Fleckchen auf unserm Planeten, dachte ich, und beschloss meinen Urlaub bis zur letzten Minute hier zu verbringen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.08.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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