Heidemarie Rottermanner

Buko!

Buko


Eine bunte Blumenwiese, weitab von Städten und Dörfern, ist das Zuhause der Blumenelfen. Die zauberhaften, sanften Wesen lieben das Summen der Bienen und die leuchtenden Blumen.
Inmitten dieses bunten und fröhlichen Volkes lebt die Elfenkönigsfamilie.

Ramina ist das jüngste Königskind. Sie ist ein zierliches Elfenmädchen mit Gänseblümchenaugen und einem Rosenmund. Ihre Gestalt ist zart und durchsichtig, sie wird von allen Elfen geliebt.
Silvo ein junger Blumenelf, ist mit dem Königskind befreundet. Er bewundert Raminas liebevolle Art und versucht ihr mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Eines Tages erinnert sich Silvo an sein Versprechen, den Fichtenkobold Buko zu besuchen. Eilends fliegt er zu Ramina, der süßen Blumenelfenprinzessin und bittet sie, ihn auf diesen Ausflug zu begleiten.
Natürlich muss er ihr auch von der Sammelleidenschaft des Fichtenkobolds erzählen. In einer hohlen Eiche hat Buko seine Schätze aufbewahrt. Zwischen Haarspangen, bunten Schleifen, Glaskugeln, Schokoladen- und Zuckerlpapier liegen Rasierklingen und Stecknadeln mit bunten Köpfen.

Das zierliche Elfenmädchen lacht und ist ganz begierig diesen lustigen Kobold kennen zu lernen.
Vor einer mächtigen Fichte landen die Blumenelfen und Silvo ruft: „Buko, wo steckst du?“
Husch, von einer Astgabel schwingt sich ein kleiner Kobold, seine braunen Haselnussaugen blitzen schalkhaft aus dem grünen Gesicht. Er hüpft aufgeregt hin und her, und der Fichtenzapfen auf seinem Kopf wippt auf und ab. Der lustige Kerl springt auf den bemoosten Waldboden und verbeugt sich galant. „Oh welch ehrenvoller Besuch! Ich bin zutiefst gerührt, das Waldelfenprinzenpaar zu begrüßen!“
„Buko!“, ruft Silvo erzürnt, „lass die Späße! Dies ist Ramina, die Tochter des Elfenkönigs! „Ich weiß, ich weiß“, grinst der Kobold spitzbübisch. „Dieses zauberhafte Wesen ist im ganzen Blumenland bekannt!“

Mit seinen kurzen Beinchen läuft Buko in die Baumhöhle, und holt ein klebriges Zuckerlpapier. Galant legt er sein Geschenk Ramina zu Füßen. Kichernd plumpst der Kobold ins weiche Moos. „Kommt nur ihr beiden und setzt euch zu mir!“ Buko winkt seine Gäste herbei und bittet sie, neben ihm Platz zu nehmen.
Erwartungsvoll blicken Ramina und Silvo den grünen Kobold an. Dieser flüstert: „Wollt ihr beide wissen, was ich vor einigen Tagen in der Stadt erlebt habe?“
Silvo nickt und antwortet: „Na klar, dann lass uns hören, was du Spannendes zu berichten hast.“
Buko wird ganz verlegen über soviel Aufmerksamkeit. Endlich beginnt er zu sprechen:
„Als ich neulich in der Stadt war, bin ich wieder in das große Warengeschäft marschiert. Die Menschenkinder nennen dieses riesige Gebäude Supermarkt. Na ja komischer Name, nicht wahr.
Natürlich zauberte ich mich unsichtbar. Vor einem Regal voll gepackt mit Süßigkeiten stand ein kleiner rothaariger Junge. Schwuppdiwupp füllte dieser Knirps seine Hosentaschen mit Kaugummi und Zuckerl.“
Ungläubig schüttelt Ramina den Kopf und fragt: „ Was ist das: ein Kaugummi?“
„Ach stimmt“, antwortet der Kobold lachend. „Die Menschen stecken sich dieses bunte Naschwerk in den Mund, kauen und kauen. Es schmeckt sehr süß, ich habe es ausprobiert.“
„Du hast was?“, fragt Silvo ungläubig. „Ich ahne Schreckliches“, der Elf verzieht seinen Mund, als hätte er Zitronen gelutscht. „Du wirst doch nicht … !“
„Doch“, Buko kugelt sich vor Lachen. „Ich habe von diesem auf den Boden geworfene … etwas …. kaugummiartige …gekostet … !
Und nun muss ich endlich weitererzählen. Ihr bringt mich völlig durcheinander.
Unbemerkt war ich ebenfalls in die Hosentasche dieses Rotschopfs geschlüpft. Schon stapfte dieser Knirps zur Kasse. Und was glaubt ihr hat dieser bezahlt? Nein, dass erratetihr nie. Bloß einen einzigen Kaugummi zeigte der Bengel der Verkäuferin und überreichte ihr unverschämft das Geld dafür.
So eine Frechheit! Na warte! Ich zog und zerrte und - plumps - alles lag auf dem Boden, sogar ein winziges Spielzeugauto hatte der Bengel geklaut. Keiner der Menschen bemerkte den Zwischenfall. In diesem Geschäft herrscht immer solch ein Gedränge.
Der Rotschopf eilte zum Ausgang und dann griff er erwartungsvoll in seine Taschen. Doch oh Schreck! In seiner Hand lag nur ein einziger Kaugummi. Das Gesicht von dem Burschen hättet ihr sehen müssen. Es war zu komisch. Völlig aus dem Häuschen war das Kerlchen. Der klaut so schnell nicht wieder!
Aber genascht habe ich leider nichts. Schade!“
„Verdirbst dir bloß den Magen mit dem süßen Zeug“, mahnt Silvo. Ramina nickt, sie zieht ein winziges Töpfchen aus ihrer Tasche. Dann überreicht sie dieses dem Fichtenzapfenkobold. „Hier, damit kannst du deinen Tee süßen. Es ist feinster Honig von unseren Bienen. Er wird dir gewiss schmecken. Ich finde es großartig, wie du in dem Warenhaus dem Buben gelehrt hast, dass man nicht stehlen darf.“
Dann streckt sie ihm die Hände entgegen und lächelt freundlich: „Ich danke dir auch sehr herzlich, dass du die vielen winzigen Papierverpackungen sammelst. Doch ich bitte dich, wirf diesen Müll sogleich in die Abfallkörbe der Stadt. In diesen schönen Wald gehört kein Verpackungsmüll, bitte lieber Fichtenkobold!“
Buko legt seinen Kopf schief und sieht Ramina fragend an. Dann springt er hoch und tanzt ausgelassen auf einem Bein.
„Ihr habt natürlich Recht, großmächtige Elfenprinzessin. Euer Wunsch ist mir Befehl. Gleich morgen werde ich in die Stadt fliegen und alles entsorgen. Abgemacht! Doch ein paar klitzekleine, bunte und glitzernde Papierchen darf ich behalten?“
Buko verbeugt sich galant und sieht Ramina bettelnd an. „Natürlich, darfst du“, kichert diese. „ Doch nun wollen wir ein wenig schmausen.“ Sie öffnet wiederum ihren Beutel und holt leckere Erd- und Himbeeren hervor, dazu gibt es ein Fläschchen mit sonnengereiftem Holunderblütensaft.
Der Kobold bekommt riesige Augen, das Wasser läuft ihm im Mund zusammen. Schnell greift er zu, mampft und schmatzt genussvoll. Silvo und Ramina lächeln und freuen sich, dass es dem kleinen Kerl so herrlich schmeckt.
Doch bevor die Sonne untergeht, fliegen die beiden Elfen zufrieden nach Hause. Zuvor müssen sie dem Fichtenkobold versprechen, recht bald wieder zu kommen.

Buko sitzt noch lange auf dem grünen Moos, dabei streicht er gedankenverloren über seinen Bauch und in seinem Gesicht ist ein Leuchten, dass es eine Freude ist.

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