Werner Gschwandtner

Das Einsatzteam, Fall 9

« Das siebente Halstuch »
 
Reifen quietschten, das Martinshorn lag lautstark in der Luft und mit Vollgas, brauste ein Polizeiwagen über die Kreuzung Gürtel, die Ottakringerstraße hinauf.
„Gib Gas Rainer, diesmal darf uns der Halstuchmörder nicht entkommen.“ Oberinspektor Herbert Bachmann feuerte seinen Teamkollegen weiter an.
„Ich bin schon mit dem Fuß auf der Straße Herb“, knurrte Inspektor Jäger zurück, „die lahme Kiste gibt nicht mehr her.“
Ziel der Verfolgung war ein schwarzer Fort, älteres Baujahr, aber wie es den Anschein vertrat, bis aufs geht nicht mehr auffrisiert.
Der Fort schoss in einem Wahnsinnstempo die Ottakringer hinauf, wechselte dabei ständig die Fahrbahn und wurde somit für den öffentlichen Verkehr, zu einem tödlichen Geschoß.
Seit drei Monaten hielt der sogenannte Halstuchmörder die Wiener Kripo in Atem. Wie ein Spuk erschien der Killer, unerwartet an einer der Höheren Schulen und krallte sich eine der Schülerinnen.
Die Tat selber musste jedenfalls immer sehr rasch verlaufen sein, denn nur wenige Augenblicke, nachdem das Mädchen vermisst wurde, fand man die betreffende, durch ein feines seidenes Halstuch erdrosselt, auf dem weitläufigen Schulgelände tot wieder.
„Jetzt komm ich ihn endlich näher“, Reinhold Jäger trat das Gas abermals kräftig durch, und der Polizeiwagen machte einen gewaltigen Sprung nach vorne. Bachmann hatte zu seiner Waffe gegriffen, es herrschte, an dieser doch schon frostigen Abendstunde, des ersten November, kein besonders reger Verkehr, dennoch wog Bachmann den gebrauch der Dienstwaffe sorgfällig ab.
„Ich wage es“, murmelte er nur leise und gab Rainer ein Zeichen, das dieser den Wagen ruhig halten sollte, „er darf uns nicht noch mal durch die Lappen gehen.“
Bereits einmal, hatte die Polizei dem Halstuchmörder eine Falle gestellt. Damals hatte das zuständige Revier die Fäden in der Hand gehalten, weder Bachmann, noch Jäger waren Vorort gewesen.
Der Täter hinterließ jedesmall eine Rätselnotiz, auf der, der nächste Tatort genannt war. Also riegelte die Polizei die betreffende Schule ab und hielt sich im Verborgenen. Als dann, zum dritten male, der Killer zu schlagen wollte, war ein junger, noch unerfahrener Beamte so leichtsinnig, die Festnahme im Alleingang zu riskieren. Das Ende vom Lied, ein totes Mädchen, ein verstorbener Kollege und das Entkommen des Halstuchmörders.
Die Zeitungen zerrissen die Polizei in der Luft, die Krone stellte sogar die direkte Kompetenz der Beamten in Frage und darauf, wurde das Einsatzteam Nummer eins, Bachmann & Jäger, von der Wiener Kripo mobilisiert.
Bachmann beugte sich etwas aus dem Fenster und streckte die Hand mit der Waffe aus. Der Fahrtwind blies den erfahrenen Beamten entgegen und der Oberinspektor kniff das rechte Auge zu.
Er visierte kurz den Fort an, dann krümmte sich sein Zeigefinder. Der Schuss bellte aus der Waffe und die abgefeuerte Kugel nahm seinen Lauf.
Herbert Bachmann hatte gut gezielt, der rechte Hinterreifen wurde getroffen und der schwarze Fort schleuderte. Der Fahrer versuchte den Wagen unter Kontrolle zu behalten, geriet dabei zu nahe an die Schienen der Straßenbahnlinie 44 und exakt in dem Moment, in dem der Halstuchmörder den Fort herumreißen wollte, krachte auch schon der heraufkommende Ulf, der Verkehrsbetriebe, in das flüchtige Fahrzeug.
Der Fort wurde hochgerissen, und da ja Jägers Polizeiwagen nicht gestoppt hatte, kollidierten auch diese beiden Wagen miteinander.
Metall krachte, Glas splitterte und der Fort rutschte auf dem Dach noch einige Meter, die Fahrbahn der Ottakringerstraße hinunter.
Auch Reinhold Jäger hatte mühe, den schweren Polizeiwagen unter Kontrolle zu halten, doch es gelang den Beamten und noch während der Inspektor anhielt, sprang Bachmann mit gezückter Waffe aus dem Auto und schnellte die Straße hinunter.
„Warte doch auf mich“, schrie Rainer Herb hinterher, doch dieser hörte nicht. Jäger gurtete sich rasch ab, vergewisserte sich noch, das weder dem Ulffahrer, noch seinen Passagieren etwas geschehen war, danach folgte er seinem Teampartner.
 
1
 
Zwei Minuten hatte Bachmann Vorsprung auf seinen Kollegen Jäger, 120 Sekunden, welche Schatten warfen.
Herb Bachmann sprintete förmlich zu dem, auf dem Dach liegenden Fort. Das Fahrzeug war von einem anderen PKW gestreift worden, und so auf die andere Straßenseite geschlittert. Dort, an der Ecke eines Motorräder Fachgeschäftes, war der schwarze Wagen zum erliegen gekommen.
Schnell erreichte Bachmann das ramponierte Auto und hielt die Waffe entsichert in den Händen. Er schnüffelte, roch es hier nach Benzin? Ja, eindeutig, der Tank des Forts musste auslaufen.
Der Fahrer des Wagens, lag etwas seitlich neben der Motorhaube. Bachmann erkannte auf einen Blick, das der Halstuchmörder zu fliehen versucht hatte. Doch seine Verletzungen schienen doch zu groß gewesen zu sein, er hatte unterwegs das Bewusstsein verloren.
Bachmann kam näher, der Verdächtige trug einen schwarzen Ledermantel und sein Gesicht war von einem breiten Hut verdeckt.
Zunächst die Waffe auf den Verdächtigen gerichtet, ging er vorsichtig in die Knie. Mit der rechten tastete der Oberinspektor den reglosen Körper ab und versuchte nach einem Puls zu fühlen.
Dann ging alles sehr schnell, in dem Augenblick, in dem Bachmann das Handgelenk des vermeintlichen Halstuchmörders berührte, schnellte dieser herum, boxte den Beamten mit einem gezielten Fausthieb zur Seite und noch im Aufspringen, hob er seinerseits eine Waffe.
Bachmann taumelte rückwärts, er versuchte sich zu fangen, hörte Jäger rufen, und sah aus den Augenwinkeln, den verchromten Lauf, in der Abenddämmerung, aufblitzen.
 
Rainer Jäger ließ die Straßenbahn hinter sich, die Passagiere und auch der Ulffahrer, waren wohlauf. Nachdem er den letzten Wagen des 44igers hinter sich gelassen hatte, konnte er unterhalb, den schwarzen Fort liegen sehen. Doch wo war sein Partner?
Er begann zu laufen, dabei zog er seine Pistole aus der Manteltasche und in der Bewegung entsicherte er sie.
Noch versperrte ihm das Wrack des Forts die direkte Sicht, aber nun konnte er den Kopf seines Kollegen erblicken. Bachmann taumelte rückwärts, irritiert hielt einen Moment inne und rief nach Herb, schließlich beschleunigte er noch seinen Lauf.
Dann fiel ein Schuss. Rainer stockte der Atem. Er sah wie sich Bachmann an die Brust fasste, sah wie der Oberinspektor nach vorne kippte und in sich zusammen sackte.
Im nächsten Augenblick flog etwas zum Fort hin und Sekunden darauf züngelten Flammen aus dem demolierten Fahrzeug.
Es dauerte nicht lange und der Flammenherd erreichte die angeschlagene Benzinzufuhr. Inspektor Jäger erkannte dies sofort und es gelang ihm, sich noch rechtzeitig aus der unmittelbaren Nähe des Wagens zu bringen. Dann Explodierte der Fort!
 
2
 
Drei Tage später. Reinhold Jäger setzte seine Uniformmütze auf, es war der Tag der Beerdigung von Herbert Bachmann.
Jägers Frau Manuela richtet die Krawatte ihres Gatten und schwieg. Sie wusste, Rainer war nun nicht zu Gesprächen aufgelegt. Die letzten Tage waren für den Inspektor ein Horror gewesen!
„Soviel Aufwand“, hauchte Rainer plötzlich, „soviel Einsatz und am Ende doch kein wirklicher Erfolg!“
Manuela drückte ihren Mann einen zärtlichen Kuss auf die Wange, sie verstand ihn auch ohne erklärende Worte.
Das vierte Opfer des Halstuchmörders schwebte gegenwärtig noch immer in akuter Lebensgefahr, es bestand durchaus die Option, dass das junge Mädchen niemals wieder richtig ins Leben finden würde. Oberinspektor Herb Bachmann, Rainers Teamkollege, Partner und auch Freund war im Einsatz verstorben und zu allem Überdruss, konnte der verdammte Killer auch noch entkommen. Durch den Tumult der Detonation entflohen…
„Ich würde dir vorschlagen“, brach nun doch seine Gattin die erneute Stille, „du genießt erst einmal deinen Urlaub und überlässt den Kollegen vom zweiten Team die weitere Jagt nach dem Halstuchmörder.“
Rainer blickte seine Gemahlin etwas spöttisch an. „Genießen?“ fragte er bitter. „Glaubst du wirklich ich kann meinen Zwangsurlaub genießen? Da bist du leider sehr fehl geleitet. Auch wenn ich gegenwärtig auf Eis liege, eines kann ich dir sagen. Wenn das Team Zwei keinen Erfolg erbringt, dann gehört eines Tages dieser Dreckskerl alleine mir.“
 
3
 
Drei Monate später, 2. Februar 2002.
An diesem Tag gab es zwei Ereignisse, während Polizeileutnant Clarissa Stauer, welche seit etwa Mitte Januar Inspektor Jägers neue Partnerin war, die Polizistenanerkennung des Bürgermeisters in Empfang nahm, besuchte Rainer selber, der solche Auszeichnungen nicht mochte, das vierte und einzige Überlebende Opfer, der vergangenen Halstuchmorde. Jäger war aufgewühlt, einerseits waren die Morde längst nicht gelöst, andererseits war dadurch auch noch der Mörder seines Freundes und geschätzten Kollegen Bachmann auf freien Fuß. Das zweite Kommando der Einsatzbrigade hatte keinerlei Erfolg verbuchen können!
Das AKH war wie immer sehr belebt, als Rainer Jäger an diesem Samstag den langen Korridor zu Eleonora Maus’ Zimmer entlang schritt.
„Drei Monate liegt dieses junge Ding nun schon hier“, gedachte der Inspektor der Vergangenheit, „und noch immer bemühen sich die Ärzte um den wachen Verstand der Patientin.“
Jäger hatte sich die Berichte über den weiteren Verlauf in der Jagt Halstuchmörder angedeihen lassen, er wusste, dass das zweite Einsatzteam sehr wohl den nächsten Tatort observiert hatte. Doch bis Dato war der Killer nicht mehr in Erscheinung getreten. Es war ruhig um den Halstuchmörder geworden, selbst die Zeitungen hatten das Thema begraben.
Vor der Tür zu Maus’ Raum, blieb Reinhold kurz stehen, er atmete ein paar Mal tief durch, dann klopfte er beherzt an die Tür.
Ein vages „Herein“ war zu hören und Jäger drückte die Klinge nieder. Das Zimmer lag in einem spärlichen Zwielicht, die Vorhänge waren zugezogen, dennoch brannten keine Lichter in dem Einbettgemach.
„Entschuldigen Sie die Störung Fräulein Maus“, sagte Jäger beklommen, „mein Name ist Jäger, Inspektor Jäger. Ich kann mir denken dass meine Kollegen Sie bereits mehrmals Aufgesucht haben, aber dennoch, möchte ich es wagen und Sie um ein paar Fragen, beziehungsweise nach den dazugehörigen Antworten zu bitten!“
Kurzes Schweigen, man konnte das Bett erkennen, auch die Gestalt darin, aber definitive Züge, waren in dem Halbdunkel nicht aus zu machen.
„Ich entschuldige mich für diesen Dämmerzustand“, gab schließlich eine zaghafte Mädchenstimme kund, „aber seit jenen Vorfall, sind meine Augen etwas empfindlich. Ich weiß nicht welche Chemikalie dieses Schwein mir ins Gesicht gesprüht hat, aber sie hat Schäden hinterlassen.“
„Möchte nun Hoffen“, gab Jäger leise zur antwort, „das es keine bleibenden Schäden sind. Sie werden sich auch an mich nicht mehr erinnern können, aber ich war zugegen, als wir den Halstuchmörder beinahe erwischt hätten.“
„Jäger“, sinnierte das Mädchen nach, „ja, ich kann mich an Ihren Namen besinnen. Man erzählt sich, sie wurden nach dem Tag beurlaubt!“
„So ist es, mein Partner ist an diesem Tag durch die Hand des vermeintlichen Mörders gefallen.“
„Das tut mir sehr leid“, sagte das Mädchen und setzte sich etwas bequemer hin, „es ist ja auch irgendwie meine Schuld.“
„Quatsch“, entfuhr es Jäger, „was können Sie dafür? Können Sie mir sagen, woran Sie sich noch erinnern?“
Einen Augenblick überlegte Eleonora, dann schüttelte sie zaghaft den Kopf. „Nein, so sehr ich mich auch bemühe, ich kann mich nur Dunkel an die Vorfälle erinnern. Es ging auch rasend schnell, er fasste mich von hinten“, erzählte stockend das Mädchen weiter, „hielt mir den Mund zu, sprühte mir etwas Brennendes ins Gesicht und dann spürte ich auch schon das seidene Tuch an meinem Hals.“
„Ich Verstehe, er hat dir nicht sein Gesicht gezeigt!“ Reinhold Jäger war an das Bett getreten, und nachdem es erlaubt wurde, nahm er am Bettrand Platz.
„Nicht wirklich. Als die Beamten dazu kamen, bei dem Gerangel, da konnte ich etwas von seinem Profil erkennen, es kurz erhaschen, aber ich kann es mir nicht wirklich ins Gedächtnis  rufen, zumal er einen breiten Hut getragen hat und seine Gestalt selber, in einem schwarzen Ledermantel verhüllt hatte!“
Jäger verstand, es machte keinen wirklichen Sinn das arme Mädchen noch länger über diese tragischen Stunden zu befragen. Eventuell konnten noch die Ärzte Aufschluss über diese Blockade geben. Als Jäger sich erhob, blickte das Mädchen auf und in ihren Augen stand die Angst.
„Wird dieser Unhold jemals gefasst werden?“
Diese Frage war berechtigt. Und Jäger behielt auch nichts zurück. „Ich kann es nicht sagen“, antwortete er, „bisher hält er sich bedeckt. Falls er für immer aufgehört hat, dann werden einige Morde wohl für immer ungesühnt bleiben.“
„Auch der ihres Partners“, hauchte nun wieder Eleonora. Reinhold nickte, „Ja, auch dieser!“
„Es tut mir so unsagbar leid!“
Der Inspektor bedankte sich und verließ Nachdenklich das Zimmer. Eine Schwester, die soeben vorüber ging, fragte der Beamte nach einem zuständigen Arzt und diese verwies an Dr. Finderl.
Nachdem Jäger den besagten Arzt gefunden hatte, zeigte er seine Marke vor und nahm den Mediziner ein Stück bei Seite.
„Verzeihen Sie meine privaten Ermittlungen, aber der Fall Halstuchmörder ist ja noch nicht abgeschlossen. Darf ich einige Fragen zu dem Gesundheitszustand von Fräulein Maus stellen?“
Obgleich Jäger ja in Ziviler Funktion unterwegs war, war Dr. Hans Finderl gerne bereit dem Kriminalisten zu Unterstützen. Jäger erfuhr das Fräulein Maus’ Blockade seelischer Natur war, sie musste sich dem Erlebten stellen wollen, was sie bis Heute noch nicht gewagt hatte.
„Und die Chemikalie welche ihr ins Gesicht gespritzt wurde?“ fragte Jäger, „Was war das?
„Keine wirkliche Chemikalie“, erwiderte der Arzt, „sondern ein sehr starker Pfefferspray. Sie hat das Teufelszeug direkt in die Augen bekommen, sehr schlimm für ihr Sehvermögen, sehr Schmerzhaft und lang anhaltend die Problematiken, welche Fräulein Maus nun gegenwärtig mit ihrem Sehvermögen hat. Aber dennoch Reparabel!“
Noch einige Zeit Unterhielt sich der Inspektor mit dem Mediziner, dann verließ Rainer Jäger das AKH.
 
4
 
Freitag, der achte Februar, Morgens. Reinhold Jäger, in Begleitung seiner Kollegin Clarissa Stauer, betrat das Dienstbüro des Einsatzkaders. Es herrschte drückendes Schweigen und der Inspektor spürte instinktiv, das etwas vorgefallen sein musste! Nur was?
„Morgen Rainer“, Gerd Holler trat etwas zögernd an den Inspektor heran, in seinem Kielwasser, ein junges, fremdes Gesicht. „Oberkommissar Reumehr möchte sie sofort sehen, doch zuvor möchte ich dir einen neuen Kollegen vorstellen.“ Holler stellte den Polizisten vor. „Das ist Leutnant Paul Hammer, er kommt von der Streife und wurde nun, nach einem längeren Dienstausfall, in unseren Kader übernommen.“
„Dienstausfall“, fragte Jäger interessiert, während er den Neuen die Hand schüttelte, dabei musterte Jäger die schwere Waffe im Schultergurt, sagte aber nichts dazu.
„Darf man fragen was sich ereignet hat?“
„Natürlich Herr Inspektor“, der schneidige Bursch, höchstens 25 Jahre alt, lächelte sympathisch, „auf  meiner Streife wurde ich von einem Wagen beinahe überfahren, er hat mich erwischt und schwer Verletzt. Der Fahrer ist leider Flüchtig!“
„In Ordnung“, sagte Rainer freundlich zu Hammer, dann wandte er sich an Gerd, „worum geht es denn? Was ist denn hier überhaupt los? Eine Stimmung wie in einer Gruft!“
„Das soll dir Reumehr selber sagen“, Gerd wich nun aus, „ich selber kann es noch immer nicht fassen!“
Damit entfernte sich Holler, dem frischen Kollegen im Schlepptau. Jäger zuckte mit den Schultern und bat Clarissa auf ihn zu warten, dann durchquerte er das Amtszimmer, verfolgt von einigen Kollegen Augenpaare und klopfte kurz an die Tür des Leiters der Mordkommission.
Dreißig Minuten vergingen, dann kehrte Reinhold Jäger zurück, sein Blick war nun irgendwie Zwiespalten. Man konnte offene Trauer, blanken Zorn und auch tiefen Schmerz in ihm erkennen.
Clarissa Stauer versuchte ihren Partner auszuhorchen, doch schweigend hob Jäger nur die Hand und gab so zu verstehen, das er im Moment nicht zum plaudern aufgelegt war. Er winkte seiner Kollegin nur und gemeinsam verließen sie das Büro der Wiener Kripo.
„Mit dieser Reaktion habe ich gerechnet“, Gerd Holler biss sich etwas auf die Lippe, „es ist ja für uns alle wie ein Schlag ins Gesicht!“
 
Unterwegs versuchte Clarissa mehrmals, ein Gespräch zu beginnen, doch Jäger zeigte kein Interesse daran. Die gesamte Fahrt, das Zeil kannte seine Partnerin ja nicht, blieb Rainer äußerst schweigsam. Mann konnte nur in seiner Mimik erkennen, das etwas schlimmes an ihm nagte und er vertiefte sich in eine Akte, wessen er aus dem Büro des Oberkommissars mitgebracht hatte.
Der gesteuerte Polizeiwagen brachte die Beamten in die Prosektur des Otto Wagner Spitals. Clarissa hatte ihre Fragen längst aufgegeben, und nun, da sie Vorort waren, war das Ziel auch irgendwie logisch! Doch wer mochte verstorben sein, das Jäger ein so angespanntes Verhalten an den Tag legte?
Als sie den Gang zu den Leichenkammern entlang schritten, wurde es Clarissa etwas mulmig. Sie hatte bisher noch keinen Leichnam aus dieser Perspektive erblickt. Unfalltode, ja. Erschossene, sogar Erhängte. Doch das Leichenschauhaus war ihr bisher erspart geblieben.
„Primäre?“ fragte nun Reinhold kurz.
Polizeileutnant Stauer nickte. „Ja Herr Inspektor“, sie schüttelte sich etwas fröstelnd, „ich kann es nicht anders Ausdrücken, aber mich befehlt ein sehr beklemmendes Gefühl!“
„Kann ich Verstehen Clarissa“, antwortete Jäger offen, „und das Herr Inspektor können wir weg lassen. Das habe ich Ihnen ja schon einmal angeboten!“
Verlegen blickte die junge Beamtin zu Boden. Auch Jäger erlebte seinerseits ein Dejavu. Er Erinnerte sich wieder an seine Anfangszeit mit Oberinspektor Bachmann und welchen Respekt er vor dem Erfahrenen Beamten damals empfunden hatte!
„In Ordnung Rainer“, äußerte sich nun Stauer dispensierend, „so kann ich auch wirklich etwas befreiter atmen.“
Jäger blieb in seinem Gang stehen und auch Clarissa hielt inne. „Wir befinden uns nun in unserem zweiten Fall“, ernst, aber auch voller Vertrauen, schaute der Inspektor dem Polizeileutnant in die Augen, „nach dem langersehnten Sieg über Erwin Sandmann im Januar, brauche ich dich nun abermals als meine Partnerin an meiner Seite. Wenn wir sogleich die kommende Tür in eine spezielle Leichhalle setzen, beginnt für uns eine Jagt, an deren ich schon einmal beteiligt war. Doch diesmal, müssen wir sie mit Erfolg abschließen. Das bin ich meinen Freund und ehemaligen Mentor Schuldig. Und wir schulden es allen Mädchen, welche nun wieder in akuter Gefahr schweben!“
Reinhold wartete keine Antwort ab, er wusste, das Clarissa ihre Pflicht erfühlen würde. Auch Stauer benötigte keine weiteren Worte mehr, noch wusste sie nicht wer das Opfer war, aber sie konnte sich nun ausrechnen, das es um die unerledigten Halstuchmorde gehen musste!
Endlich erreichten sie jene Kammer, von der Jäger gesprochen hatte. Der Inspektor legte die Hand auf den Türknauf und nach einem raschen Augenkontakt zu Clarissa, öffnete Rainer dieselbe.
„Morgen Fred“, sprach Jäger zu dem Prosekturdiener, „ist der Leichnam bereit?“
„Lange nicht mehr gesehen Rainer“, Fred Beran nickte unberührt, „ja“, sagte er, „die Kleine liegt in der Kühlkammer J.“
Der Diener wollte sich zu den Gefrieranlagen begeben, als Stauer bat, mit gehen zu dürfen. Beran war dies gleich, nur Jäger nickte der jungen Kollegen aufmunternd zu. Als beide, die noch nicht gefrorene Leiche, auf einem Schiebetisch herbei brachten, konnte Rainer sehen, das Clarissa schon etwas grün um die Nase war. Aber sie hielt sich tapfer!
„Er soll wieder da sein“, grummelte Fred Beran gefühllos, während er das Gesicht der Ermordeten frei legte, „man erzählt sich unter uns, das der Halstuchmörder wieder zugeschlagen hat. Nach gut drei Monaten Pause!“
Rainer Jäger blickte tief betroffen auf das tote Gesicht des jungen Mädchens nieder. Erst vor ein paar Tagen hatte er noch mit Ihr gesprochen. „Eleonora Maus“, flüsterte der Inspektor leicht heißer, „warum noch mal sie? Nur weil die Option offen lag das sie ihn eventuell erblickt haben konnte? Oder… !“
Jäger schwieg. Auch Clarissa Stauer war bestürzt, mit diesem Fortgang hatte sie nicht gerechnet.
„Kann ich sie nun wieder wegräumen?“ Fred blieb weiterhin unbeeindruckt, seine Berufsjahre brachten diese gewisse Kälte mit sich.
„Ja“, erwiderte Jäger, „kannst du, ich habe genug gesehen.“
Zurück im Wagen, brach nach einiger Zeit, Clarissa Stauer die Stille. „Ich verstehe nur die gesamten Zusammenhänge nicht ganz!“
„Eleonora Maus war des Halstuchmörders viertes Opfer. Am 1. November 2001 wollte er die Tat in einem Gymnasium im ersten ausüben. Herb und ich schafften es damals wieder den Code der Rätselnachricht zu knacken und wartetet auf den Killer. Fräulein Maus überlebte, dennoch war sie unter Schock und mittels Pfefferspray außer Gefecht gesetzt.“ Jäger legte eine kurze Pause ein.
„Er versuchte zu Fliehen“, berichtete Rainer weiter, „Herb und ich folgten ihn in einem Polizeiwagen. Er versuchte uns zunächst im ersten Abzuschütteln und als dies nicht gelang, jagte er den Burgring hinauf und raste über die Neustiftgasse zur Wattgasse. Er wollte über den 16. entkommen. Doch Bachmann konnte auf der Ottakringerstraße den flüchtigen schwarzen Ford des Verdächtigen, mittels eines gezielten Schusses, zum erliegen bringen. Doch Herb fand bei dieser Konfrontation den Tod. Und es war meine Schuld, ich sonderte erst die Lage und vergewisserte mich, das den Ulfpassagieren und dessen Fahrer nicht geschehen war, erst dann folgte ich Herbert, der schon zu dem Verdächtigen gesprintet war!“
Clarissa sah darin keine Schuld des Inspektors und vertrat dies auch.
„Das Komitee hat auch so argumentiert“, gab Rainer etwas schroff zurück, „aber dennoch fühle ich mich Schuldig und ich werde nun nicht eher Ruhen, bis dieser eiskalte Mörder überführt ist!“
„Hat man dir deswegen den Fall zunächst entzogen?“ Jäger nickte stumm. „Da bleibt für mich die Frage, warum man dir ihn nun wieder zurück gibt?“
„Deswegen!“
Jäger reichte seiner Partnerin einige Fotos und einen, in einer verschlossenen Klarsichthülle, verwahrten Zettel.
„Das ist die neue Botschaft des Halstuchmörders!“
Zunächst betrachtete etwas widerwillig Clarissa die Bilder der Ermordeten. Sie lag, aus verschiedenen Perspektiven, in ihrem Krankenbett und trug das Merkmahl seiner Bezeichnung um den Hals. Ein seidenes Halstuch!
„Wie konnte er so einfach in ihr Krankenzimmer?“ fragte Clarissa nebenbei. „Ich glaube mich zu erinnern, das man das vierte Opfer doch unter Polizeibewachung gestellt hat.“
„Zunächst schon“, gab Jäger kund, „aber als das zweite Kommando versagt hatte und der Halstuchmörder untätig blieb, wurden, ebenfalls wie die Sicherungen der höheren Gymnasien, die Posten abgezogen. Selbst die Zeitungen hielten das Thema Halstuchmord für verstorben.“
„Eine Taktik von ihm?“
„Leicht möglich“, Rainer strich sich über das Kien, „zuzutrauen wäre es ihm. Er hat jedenfalls etwas auf dem Kasten, das muss der Neid ihm lassen.“
Nun widmete sich Polizeileutnant Stauer der Nachricht des Halstuchmörders. Zunächst stand auf dem Zettel nur eines, « Ich bin wieder da », etwas verächtlich rümpfte Clarissa die Nase.
„Wenig Anspruchsvolle Aussage“, gab sie laut von sich und Reinhold konterte, „lies einfach weiter, dann wirst du erkennen, das reine Konfrontation in der Botschaft steckt.“
« Ich fordere Inspektor Jäger auf, meiner Habhaft zu werden. 21202 GRING 1923 »
Verwirrt ließ Clarissa den Zettel sinken.
„Das verstehe ich nun nicht. Gut“, gab sie kund, „der erste Teil ist eine Herausforderung. Aber die Zahlen und Buchstaben ergeben für mich keinen Sinn.“
„In der Vergangenheit hat er auch immer Zettel hinterlassen, wo sein nächster Tatort vermerkt war. Tatort zwei war am Gymnasium Draschestraße. Sein Code war dafür 41001 VBS 1201.“
„Und das bedeutete?“
Die Zahlen 41001 standen für den vierten Oktober 2001, das erste Opfer fand den Tod am 20. September. Die Zahlen 1201 standen für die Uhrzeit und das VBS bedeutete Vienna Bilingual Schooling.“
„Ein Hammer“, keuchte nun Clarissa erschrocken, „er gab Tag und Uhrzeit an. Wurde Opfer Nummer zwei wirklich um zwölf Uhr eins Ermordet?“
„Ja, laut Pathologischen Befund exakt zu diesem Zeitpunkt. Damals untersuchte noch die zuständige Polizei den Fall. Auch im Bezug auf Opfer Nummer drei. Wir wurden erst danach Kontaktiert, eben darum weil die Zeitungen nach dem dritten Mord und dem Tod eines Polizisten, die Kompetenz der Beamten in Frage stellte.“
„Das würde bedeuten 21202 müsste der 21 Februar dieses Jahres sein und zwar um sieben Uhr dreiundzwanzig Abends!“
„Korrekt, nur das GRING müssen wir nun noch lüften. Der Killer bleibt bei seinem Weg, alle 14 Tage ein Mord.“
Jäger gab noch an, das Opfer drei am 18.10. und Eleonora Maus, wie schon gesagt, eben am 1.11. attackiert worden war. „Geschafft hat er Opfer vier nun am 7. Februar, also Gestern.“
„Das heißt, wir haben bis zum 21. Februar, sagen wir mal bis 17 Uhr Zeit, heraus zu finden, was GRING bedeutet. Er wird nicht vor 19:23 Uhr zuschlagen!“
„Hundertprozentig Korrekt Clarissa“, Jäger lehnte sich in dem Font des Wagen zurück, „ich frage mich nur, wie er es schafft, schon Vierzehntage zuvor zu wissen, zu welcher Uhrzeit er eine Schülerin antrifft?“
„Vielleicht purer Zufall, um uns zu verwirren. Es kann auch sein, das er weiß, oder denkt, das egal wann, immer eine Unterwegs ist!“ gab Stauer von sich. Jäger nickte. „Das könnte so sein“, sagte er, sobald wir ihn haben, werden wir ihn danach fragen.“
 
5
 
Da Eleonora Maus, zugleich Opfer vier und fünf war, hatten die Beamten der Wiener Kripo, unter der Leitung von Inspektor Reinhold Jäger, längst etwas Routine bei der Erkundung der spezifischen Codes. Die Bedeutung für GRING war nach einigen Tagen gelüftet. Es handelte sich um das Gymnasium und Realgymnasium Institut Neulandschulen Grinzing!
Der Einsatz würde in neun Tagen steigen und Jäger stellte sein Team zusammen. Clarissa war als seine Partnerin ohnedies mit von der Partie, doch Rainer wollte auch noch den Neuen in Aktion sehen. Längst hatte er, nicht nur von Jäger, sondern auch von anderen Kollegen, einen Spitznamen erhalten und im Grunde wurde Paul Hammer nur mehr mit Dirty Harry gerufen. Und diesen Rufnamen, verdankte der aufstrebende Kriminalist, seiner bizarren Dienstwaffe. Einer Smith & Wesson 29-3 Blaustahl, eben so einer 44. Magnum, wie sie Clint Eastwood in den Dirty Harry Filmen benutzte!
„Also Dirty Harry, für den 21. bist du in meinem Team.“ Jäger konfrontierte den jungen Beamten mit seiner neuen Position.
„Ich“, stockte der ehemalige Streifenpolizist, „sind sie sicher das sie mich dabei haben wollen?“
„Ja“, gab Rainer unmissverständlich zu verstehen, „du kannst dir da deine ersten Sporen in der Kripo verdienen. Ich weiß das du das Zeug dafür hast!“
Paul Hammer schwieg, er schein sich nicht so sicher. Klar, Reinhold konnte sich gut in die Situation des Neuen versetzen. Doch andererseits, wer mit so einem schweren Kaliber, wie einer Smith & Wesson 44. herumläuft, der muss auch unter Beweis stellen, das er damit Umzugehen vermochte!
„Ich werde dabei sein“, gab er schließlich kund, „sie werden nicht von mir enttäuscht werden.“
Hammer biss sich auf die Lippe, dann grüße er kurz und entfernte sich. Gerd Holler kam hinzu und schaute dem jungen Kollegen nach.
„Hat er grade erfahren, das er am 21. Einsatz hat?“
Jäger bestätigte dies, „Ja. Das hat er, aber ich habe keine Angst, er schafft das. Anderenfalls hätte er sich niemals zur Kripo gemeldet, oder seine Bewerbung wäre nicht akzeptiert worden.“
„Um das Thema zu wechseln“, Holler nahm Jäger beiseite, „das Magazin fragt nach. Die Beamten wollen wissen, wie lange du die beiden Kugelfragmente aus den Halstuchfällen noch behalten willst?“
Rainer entnahm beide Stücke seiner Hosentasche, sie lagen, gut von Watte umgeben, in einem Plastiksäckchen.
„Ich weiß auch nicht warum ich sie mit mir rum trage“, Reinhold reichte sie Gerd, „vermutlich aus sentimentalen Gründen. Mit einer davon wurde Herb ermordet, die andere killte ebenfalls einen Polizisten, und beide Stücke sind absolut identisch. Wenn wir den Halstuchmörder fassen, dann kann er alleine schon durch diese kongruenten Kugelfragmenten nicht entlastet werden.“
„Falls er die Waffe noch Besitzt!“
„Denke schon“, Rainer legte Gerd die Hand auf die Schulter und drückte sie, „den Polizisten tötete er am 18. Oktober, am 1. November hatte er sie noch, denn da erschoss er damit Herbert. Warum sollte er sich nun ihrer entledigt haben? Er hat ja ohnedies über drei Monate Pausiert, aus welchem Grund auch immer!“
„Magst recht haben“, Gerd nahm die Fragmente an sich und lächelte, „jedenfalls wird sich das Magazin freuen, sie weinen schon um diese Beweisstücke.“
„So sollen gut darauf achten. Diese Kugelstücke werden noch gebraucht!“
 
6
 
Der Tag der Entscheidung, so hoffe Jäger, brach an. Unermüdlich ging der Inspektor noch einmal alles durch und instruierte schonungslos seine Leute. « Dirty Harry » Paul Hammer, schien sich seiner Sache nun sehr gewiss. Er blieb cool, sprach mit überlegtem Kopf und übermittelte den Eindruck einer ruhigen Person. Nichts schein den jungen Beamten der Wiener Kripo nun erschüttern zu können!
„Der Halstuchmörder will seine persönliche Jagt mit mir.“ Jäger ging endlich ins Schluss-plädoyer über, „er wird sich aber denken können, das ich sicherlich nicht alleine dort aufkreuze. Seit also alle besonders Achtsam und lasst uns dafür betten, das wir diesen Hund Heute ein für allemal zur Strecke bringen.“
Dreißig Minuten später waren die Fahrzeuge besetzt. Jäger fuhr mit seiner Partnerin Staut, drei weitere Wagen waren mit Gerd Holler und anderen Beamten besetzt, und Dirty Harry Paul Hammer, lenkte seinen privat PKW. Keiner der Fuhrwerke waren offizielle Streifenwagen, Jäger wollte auf alle Fälle sicher gehen!
Gute eine Stunde bevor die Tat angekündigt war, war die Kripo zur Stelle und sondierte die Lage. Leutnant Peters und Gerd Holler kontrollierten das weitläufige Gelände, Dirty Harry verweilte in unmittelbarer Nähe zu dem Haupteingang des Gymnasiums und Rainer Jäger selber, zusammen mit Kollegin Clarissa Stauer, suchten den Rektor des Institutes auf.
Dir. Mag. Ludwig Martin fühlte sich überhaupt nicht wohl bei dem Gedanken, das der berüchtigte Halstuchmörder, sein Institut als nächstes Ziel ausgewählt hatte. Es hatte schon vor Tagen, bereitwillig jede Unterstützung angeboten und diese Zusage gab er nun auch wiederholt an den Inspektor weiter.
20 Minuten vor der Angekündigten Zeitvariante, deutete auf den ersten Blick nichts aus eine Veränderung hin. Die Schülerinnen warnen, das hatte der Direktor ausdrücklich Untersagt. Er wolle keine Panik heraufbeschwören, so seine Worte zu Jägers Vorschlag!
19:10 Uhr, ein junger Bursche, nach dem Gebärden, ebenfalls ein Schüler dieser Lehrfraktion, schlenderte zu dem Hauptportal des Gymnasiums hin. Er gab sich Auffällig, seine Haltung war schleichend und er wirkte wie jemanden, der genau wusste, das er den Pfad der Tugend verlassen hatte.
Clarissa stieß Reinhold an, doch dieser schüttelte den Kopf. „Zu Jung, nach meiner Erinnerung hatte ein Erwachsener den Fort gelenkt. Ebenso fehlt der schwarze Ledermantel und der breite Hut!“
Der Bursch blickte sich suchend um, er schien jemanden zu erwarten. Dann fasste er sich in die Hosentasche und holte ein Tuch heraus. Er nahm es in beide Hände und begann es zwischen den Fingern zu drehen.
„Das ist ein seidenes Halstuch“, knurrte Clarissa und fasste ihre Waffe fester, „egal wer den Fort damals gefahren hat, egal warum er eine andere Kleidung trägt, wahrscheinlich ist sie damals, bei dem Unfall kaputt gegangen, das muss unser Mörder sein.“
Sie hechtete los. Jäger blickte ihr nach und schüttelte abermals den Kopf. „Das kann nicht der Halstuchmörder sein“, wiederholte er, „irgendetwas ist hier gewaltig Faul.“
Dennoch konnte er es nicht Verantworten, den vermeintlichen Täter entkommen, oder gar abermals Morden zu lassen. Er folgte seiner Partnerin, über Funk, meldete der Inspektor an die anderen, das der Zugriff anstand.
Die rasch näher kommenden Beamten machten den Burschen stutzig, er erbleichte und ließ das Tuch fallen. Dann wandte er sich um und gab Fersengeld…
Stauer und auch Holler jagten den Fliehenden hinterher, auch die übrigen Beamten folgten, an vorderster Front Dirty Harry, Flüchtigen. Paul Hammer hatte seine Waffe gezogen, er schrie den Bursche nach das er stehen bleiben sollte, als dieser nicht gehorchte, schoss Hammer mehrmals in die Luft. Doch diese Aktion ließ den Laufenden nur noch schneller Ausschreiten!
Auch Leutnant Erik Peters wollte sich an der Jagt beteiligen, doch Jäger gebot ihn, den Haupteingang des Instituts unter keinen Umständen außer Sicht zu lassen.
„Schützen Sie weiterhin die Leben der Mädchen“, sagte er noch, während er sich zu den anderen begab. Peters nickte, er schaute den Kollegen mit gemischten Gefühlen nach. Einerseits hatte er eine relativ leichte Aufgabe, andererseits, der Mörder würde von den anderen gestellt werden. Doch Befehl war Befehl!
 
Jäger errichte seinen Wagen, Stauer hatte sich bereits hinter das Lenkrat geklemmt. Nur einen kurzen Blick, war dem Inspektor auf das Fahrzeug des Flüchtigen gegeben gewesen, es handelte sich um einen schwarzen Fort. Baujahr und Kennzeichen, leider nicht erkennbar.
„Das kapier ich nicht“, äußerte er sich, als er auf dem Beifahrersitz Platz nahm, „das alles passt doch nicht zusammen. Warum war er um über zehn Minuten zu früh da? Ich kann nicht glauben das er unser Mörder ist!“
„Er musste ja erst die Lage peilen“, versuchte Clarissa zu erklären, während sie Gas gab, „immerhin musste er ein Mädchen Zeitgenau erwischen.“
Dirty Harrys blauer Mazda preschte an ihrem Fahrzeug vorbei und über Funk meldete Hammer, das er versuchen wolle, den Flüchtigen zu umfahren. Jäger gab dem Einsatz frei und dann knallte der Inspektor das Blaulicht auf das Dach.
„Dennoch stimmt hier was nicht“, sagte er zu Clarissa, „er gab sich zu Auffällig. Und das dieses dumme Spiel mit den Tuch, was bewegte er damit? Mir kommt das alles inszeniert vor!“
Stauer erwiderte nichts darauf, sie musste sich um den Verkehr kümmern. Jäger behielt den schwarzen Fort im Auge und gab seiner Kollegin die Fahrtrichtung an.
Jägers Funkgerät zirpte, er ging ran und es meldete sich Paul Hammer. „Ich muss leider melden, das mich der schwarze Fort abgeschossen hat. Ich versuchte zu Überhollen, und er schoss auf mich. Die Kugel hat mich nur knapp verfehlt, danach hat er mich auch noch geschnitten, ich konnte noch ausweichen, aber der Typ im schwarzen Ledermantel und dem breiten Hut ist weg!“
Irritiert blickte Clarissa auf Rainer. „Wie kann das sein?“ Sagte sie nur.
„Da muss ein Irrtum vorliegen“, gab Jäger kund, „ich habe den Fort im Blick. Kollege Holler wird ihn gleich stoppen können. Wie ist dein Status Dirty Harry?“
„Der schwarze Fort ist wie gesagt weg“, kam es aus dem Funk, „ich bin unverletzt, aber ich habe das Steuerverrissen und kollidierte mit einem parkenden Wagen. Kann aus eigener Kraft nicht mehr weiter fahren!“
„Okay, bleibe Vorort, Verstärkung kommt gleich.“
„Schon komisch“, gab, als das Gespräch beendet war, Clarissa kund, „wir haben den Fort in Sicht, aber auch Hammer wurde von einem schwarzen Fort geschnitten. Wie das?“
„Ich weiß es nicht, zumal Dirty Harry ja auch von einem Ledermantel und bereiten Hut sprach. Wollen mal sehen was der Bursche zu sagen hat, Gerd hat ihn schon!“
 
21. Februar, 21:30 Uhr. Die Blamage war komplett, Inspektor Jäger verdammte sich für seine Leichtsinnigkeit. Er biss sich auf die Lippen, alles was an diesem Tag schief gegangen war, das hatte er alleine zu Verantworten, denn er war der Leiter der gesamten Operation gewesen.
Die Reporter umringten den Beamten und warfen ihm eine Frage nach dem anderen an den Kopf.
„Der Halstuchmörder hat abermals zugeschlagen“, sagte einer, „zusätzlich wurde auch noch ein weiterer Kriminalist getötet.“ Stichelte ein anderer.
„Wie erklären Sie die Jagt auf einen unschuldigen Schüler, der nur ein Date mit seiner Freundin hatte?“ das kam von einer Journalistin der Kronen Zeitung.
„Spielen Sie nicht dem Halstuchmörder direkt in die Hände, wenn Sie solche stümperhaften Aktionen durchführen? Wie viele Mädchen soll er denn noch killen können, bis die Polizei ihm endlich Einhalt gebietet? Wie viele sind es nun schon? Vier, oder Fünf? Wie viele sollen es noch werden? Was ist überhaupt das Motiv des Täters?“
Reinhold Jäger blieb zunächst stumm. Auf einige Fragen hatte selbst er keine Antworten. Er hob die hand und die Meute der Reporter beruhigte sich schließlich etwas.
„Zunächst einmal“, sagte der Inspektor offen, „mit Eleonora Maus, welche zugleich Opfer vier und fünf war, sind es zuzüglich Heute, exakt sechs Tote Mädchen, welcher der Halstuchmörder zu verantworten hat. Und ich kann sagen, das es auch sein allerletztes Opfer gewesen ist.“
Eine kurze Pause.
„Das sagen Sie“, spöttelte der Journalist des Kuriers, „auch für Heute haben Sie diese Worte angekündigt. Doch er hat es abermals geschafft. Arbeiten Sie und der Halstuchmörder Hand in Hand?“
„Es ist nun aber genug“,  Oberkommissar Reumehr trat neben Jäger, „wir sind alle nur Menschen“, sagte er, „Fehler passieren und auch wenn sie keiner möchte, sie sind immer allgegenwärtig in unseren Leben. Inspektor Jäger genießt mein volles Vertrauen und wenn Sie noch weitere Fragen haben meine Damen und Herren, dann richten sie diese bitte an mich. Haben wir uns Verstanden?“
Die Reporter maulten, aber sie gehorchten der Anweisung des Oberkommissars. Jäger, Stauer und Holler blieben alleine zurück. Gerd knallte sich die Faust in die Hand und knurrte.
„Das ist nun wieder ein gefundenes Fressen für diese Geier. Aber wirklich dumm aussehen lassen, das hat uns dieser Verdammte Killer schon, da muss ich den Hyänen der Druckerschwärze recht geben!“
„Ja“, antwortete Clarissa, „das hat er. Wie geht es Hammer? Hat er seinen Schock überwunden?“
„Er wird im AKH behandelt, nach den Ärzten gibt es keine Verletzungen. Ich möchte nur wissen, welcher schwarze Fort das war und was er mit unseren Fall zu tun hat?“
Fazit: Nachdem Holler den schwarzen Fort gestellt hatte, wurde der Bursche, er war 19 Jahre und hieß Franz Holzmann, noch an Ort und Stelle verhört. Holzmann gab an, das er einen Brief von seiner Freundin Susi erhalten habe, in dem sie um ein Date bat. Er solle an diesem Tag, zu diesem Zeitpunkt am Gymnasium erscheinen und als Zeichen ein seidenes Halstuch in Händen halten. Sie würde daraufhin zu ihm kommen!
Jäger musterte den Burschen, das alles war wirklich unlogisch. Also gab Rainer die Anordnung, die weitere Untersuchung am betreffenden Institut zu vollenden. Susi, mit vollem Namen Susanne Preußer, müsste bei Wahrheit, Holzmanns Aussage bestätigen können.
Wie ein Faustschlag war für die Beamten, das in ihrer Abwesenheit, der Halstuchmörder abermals zugeschlagen hatte. Das Opfer hieß Renate Müllner, und trug das berüchtigte Zeichen des Killers, ein seidenes Tuch um den Hals. Auch Leutnant Peters war von einer schwerkalibrigen Waffe getötet worden…
„Wenn Hammers Mazda hier eintrifft“, sagte Jäger deprimiert, „dann sucht diese Verfluchte Kugel des Schützen. Ich möchte wissen, ob jene und die vorhandenen aus drei verstorbenen Polizisten, dieselbe ist!“
„Machen wir“, sagte Gerd, „und Direktor Martin hat auch noch eine Beschwerde. Hammers Luftschüsse haben seinen eigenen Wagen getroffen. Er verlangt Schadenersatz von uns. Wie es Aussieht hat unser Dirty Harry drei Kugeln in Martins Volvo versenkt.“
„Das auch noch“, stöhnte Reinhold Jäger ermattet, „die Versicherung wird uns an die Wand nageln. Also gut, stellt auch diese Kugel sicher und fertigt ein Gutachten für die Schadenregulierung an. Wir sehen uns morgen… “
 
7
 
Drei Tage später.
Das rascheln im Zeitungswald hatte sich etwas gelegt. Der Oberkommissar hatte den Medien ein wenig Zucker verabreicht und man gab sich vorübergehend damit zufrieden.
Die letzte Botschaft des Halstuchmörders war ebenfalls bereits entschlüsselt und Inspektor Jäger, und sein Einsatzteam wussten, das sein nächstes Ziel das Bundesrealgymnasium, im 14. Bezirk, war.
„7302 BRG 0853“, las Rainer wiederholt laut vor, „das Datum ist ja ohnedies schon Routine, es handelt sich eindeutig um den siebenten März. Acht Uhr zwanzig!“
„Ja“, bestätigte Gerd, „und es muss das Bundesrealgymnasium Penzing sein.“
„Der siebente März“, wiederholte Clarissa zaghaft, „und das siebende Halstuch.“
Jäger, und auch Holler hoben den Kopf, diese Allegorie war selbst ihnen nicht Aufgefallen.
„Du hast recht“, sagte Reinhold, „nur reiner Zufall? Oder verbirgt sich ein tieferer Sinn hinter diesem Datum!“
Gerd Holler trat näher an die Kollegen heran und meinte.
„Ich kann ja mal die Schülerkarteien nach dem Stichtag siebender März durchleuchten. Vielleicht stoßen wir auf einen spezifischen Geburtstag!“
„Tu das“, Jäger nickte dem Kollegen zu, „ich selber werde mich noch einmal mit unseren Dirty Harry unterhalten. Er muss für den siebenten endlich wieder Fit sein!“
Clarissa schwieg. Die Tragweite, falls es nicht einfach nur purer Zufall war, schien sie in Trance zu versetzen.
Die Kollegen Holler und Jäger verließen das Büro der Wiener Kripo. Clarissa Stauer blieb alleine zurück. Auch kein anderes Einsatzteam war Augenblicklich zugegen und so konnte sich die junge Beamtin ihre Aussage und die Kreise, welche jener Stein eventuell warf, in aller Ruhe ausmalen.
„Ein Zielmord“, schoss es ihr durch den Kopf, „sollte der Halstuchmörder wirklich so Kaltblütig sein?“
Weiter kam Clarissa mit ihren Überlegungen nicht. Hans Peters, ein schmächtiger Beamter der Ballistik, klopfte rasch an die Tür und kam ohne weiters sofort in das Büro.
„Ist Rainer da?“ fragte er und zappelte etwas unbeherrscht herum.
„Nein“, sagte Clarissa aus den Gedanken gerissen, „ich habe ihn jedenfalls nicht in meiner Hose versteckt.“
Peters blieb zunächst der Mund offen, dann musste er schmunzeln. Er schlurfte, wie es eben seine etwas unbeholfene Art war, näher und legte verschiedene Plastiktütchen auf den Schreibtisch.
„Sorry Clarissa“, raunte er, „ich bin nur etwas durch den Wind und kann das Resultat nicht verstehen. Rainer hätte mir eventuell etwas Licht in mein Dunkel bringen können.“
„Um was geht es denn?“ Stauer war nun sehr neugierig. Sie erkannte die Kugelfragmente in den Tütchen, es waren jene Geschosse, mit denen drei Beamte ermordet worden waren. Doch es gab nun insgesamt fünf Tütchen, und der Halstuchmörder hatte nur drei Kollegen erschossen, pro Mann, eine Kugel!
„Du kennst doch sicher diese drei Fragmente!“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage und Clarissa nickte stumm. Hans Peters schob Stauer drei gekennzeichnete Tütchen zu.
„Diese drei Kugeln sind eindeutig dem Halstuchmörder zu zuordnen. Aber… “
Peters hielt kurz inne, er schloss für Sekunden die Augen und schüttelte sich. Als er wieder zu sprechen begann, war sein Blick hart. Es lag ein klarer Verdacht in ihnen!
 
Nachdem Clarissa von dem Verdacht des Kollegen Peters erfahren hatte, hatte sie umgehend versucht, Rainer über das Handy zu kontaktieren. Doch leider war nur die Mobilbox zu erreichen. Reinhold musste bereits im AKH sein, denn da war ja im Grunde Telefonverbot.
Peters Verdacht, aufgrund der Kugeln war nicht ganz von der Hand zu weisen, auch wenn es ein Schwerwiegender Verdacht war. Er könnte die gesamten Ermittlungen über Bord werfen!
Stauer überlegte, was sie tun könnte. Rainer ins Spital nachhetzen? Hier auf ihn warten? Gerd Holler im Bernoulligymnasium zu erreichen versuchen? Oder sollte sie gleich zu Oberkommissar Reumehr persönlich gehen? Aber was, wenn Hans’ Verdacht absolut Falsch war?
Peters hatte die Plastiktütchen, mit den fünf Kugelfragmenten, bei der Kollegin belassen. Clarissa hatte natürlich sofort das gesamte Beweismaterial übernommen. Egal ob Richtig oder Falsch, es musste umgehend gehandelt werden!
Clarissa entschied sich, das sie zunächst einmal mit Kollegen Holle telefonieren sollte. Er war lange in der Abteilung und konnte sicherlich so manches Gerücht entkräften.
„Gerd, was ich dir nun erzähle, muss vorerst einmal unter uns bleiben.“ Rasch instruierte Clarissa den älteren Beamten und schloss mit den Worten. „Peters äußerte sich klar zu dem Verhältnis, er sagte das es eigentlich nur eine Schlussfolgerung gibt. Doch was meinst du dazu? Kann es wahr sein?“
„Es trifft mich hart“, kam es aus dem Hörer, „wenn es wirklich der Tatsache entspricht, dann bin ich bitter Enttäuscht. Meine Recherchen hier, ergaben bisher nichts. Keine einzige Schülerin, im entsprechenden Alter wurde bisher am siebenden März geboren.“
„Kannst du mal checken, ob eventuell eine Verwandte an diesem Gymnasium ist?“
„Wie meinst du denn das?“ war Gerds irritierte Frage.
„Na“, sagte Clarissa trocken, „ich meine nur es könnte ein Zielmord sein. Sag mal Gerd, wo versteckt man am besten einen Baum?“
„Einen Baum?“ echote Holler. „Na wenn du so fragst, dann in einem Wald.“
„Korrekt. Und wo einen Mord?“
Gerd stockte. Die Antwort, welche nun direkt vor seinen Augen stand, war auch zu Grausam.
„Oh mein Gott“, hauchte er.
„Du sagst es“, schloss Stauer an Hollers Stelle, „einen Mord versteckt man am besten unter vielen anderen Morden. Fragt sich nun nur noch, wurde der gezielte Mord schon verübt?“
 
8
 
Jäger schloss die Tür seines Büros. Außer ihm, waren nur seine Partnerin Clarissa Stauer und Kollege Gerd Holler Anwesend. Achtsam verriegelte Rainer die vier Wände und stellte sogar, damit kein zufällig Vorbeikommender, etwas von dem leisen Gespräch aufschnappen konnte, das Radio an.
„So“, sagte er, „nun sind wir drei unter uns. Alles was nun Geplant und Vereinbart wird, darf diese Wände niemals verlassen. Zumindest nicht solange bis der Fall abgeschlossen ist. Auch den Oberkommissar, will ich gegenwärtig Außeracht lassen. Die Verantwortung für diese Entscheidung übernehme alleine ich!“
„Kann es wirklich wahr sein?“ Holler war es, der sich noch immer nicht mit der möglichen Tatsache abfinden konnte.
„Es kann wahr sein, es muss aber nicht. Ich für meinen Teil bette und Hoffe, das es nicht wahr ist. Doch wie die Fakten vorläufig liegen, scheint es dennoch wahr zu sein!“
„Wie nun vorgehen?“ Clarissa ging sofort zum nächsten Punkt über. Ob der Verdacht nun gerechtfertigt war, oder eben nur reine Luft war, das war nach ihrer Meinung vorerst sekundär.
„Ich werde mir etwas überlegen“, gab Rainer zu verstehen, „lasst mich noch eine Nacht darüber schlafen.“
 
28. Februar, Paul Hammer, in seiner Abteilung nur mehr Dirty Harry genannt, wurde endlich wieder aus dem AKH entlassen. Er fühlte sich nicht gut, seit dem Vorfall, wo der Halstuchmörder in Angedrängt und auf ihn geschossen hatte, war sein Selbstvertrauen entschwunden. Jäger hatte ihn besucht und versucht den jungen beamten zu stärken. Rainer wollte ihn bei der kommenden Jagt unbedingt dabei haben, doch Paul selber war sich nicht sicher, ob er dazu in der Lage war.
Als Hammer das Büro Jägers betrat, legte dieser soeben den Hörer auf.
„Wir haben ihn“, Jäger nickte Hammer nur kurz zu und verließ das Büro.
„Wenn haben wir?“
Clarissa lächelte und sagte. „Gestern ist uns der Halstuchmörder ins Netzt gegangen. Er hat beim letzten Mord einen Ausweis verloren. Die Fahndung nach einem gewissen Albert Finney ist soeben eingerastet. Die Kollegen von der dreier Wache überstellen soeben den Verdächtigen.“
„Na das ist ja super“, Hammer strafte sich, „da sollte ich doch mit Jäger gehen, vielleicht kann ich den Kerl identifizieren. Immerhin hat mich der Typ geschnitten und auf mich geschossen!“
„Tu das“, sagte Gerd, „ein jedes Indiz zählt nun. Wir haben nämlich nicht viel gegen ihn in der Hand, nur das Markenzeichen, der schwarze Ledermantel und der breite Hut passen. So zumindest der Inspektor der dreier Wache.“
Paul Hammer lief hinter Reinhold Jäger her, er erreichte den Beamten gerade noch, als dieser im internen Zellentrakt verschwinden wollte. Jäger nahm die Begleitung des jungen Kollegen gerne an und Paul meinte.
„Ich bin seit diesem Tag wie paralysiert“, seine Stimme klang hohl, „Hoffentlich kann ich nun durch diese Gegenüberstellung endlich wieder mein Selbstvertrauen finden.“
„Das wird schon wieder“, gab Rainer verständnisvoll kund, „du hast deine Sache sehr gut getan, ich glaube nur, es wäre besser gewesen, ich hätte dich an dem Gymnasium als Wache zurück gelassen. Dann hätten wir den Mistkerl wahrscheinlich schon damals bekommen!“
„Glauben Sie wirklich?“ Hammer senkte den Blick. „Ich hätte auch Versagen können!“
„Das glaube ich eben nicht. Aber ich kann das Geschehene leider nicht Revidieren.“
Endlich erreichten sie jene Zelle, in der der Verdächtige saß. Jäger unterzeichnete bei dem Diensthabenden Beamten das Verhörprotokoll und betrat mit Kollegen Hammer den Arrest.
„Albert Finney“, Jäger sprach den Mann, er trug einen schwarzen Ledermantel und einen breiten Hut auf dem Kopf, mit Namen an.
„So heiße ich“, knurrte der Verdächtige und wandte sich um, da er mit dem Rücken zu den Beamten gestanden hatte, „was wollen Sie von mir? Meine Weste ist makellos weiß.“
Der Typ war unrasiert, seit einigen Tagen hatte er sich sicherlich nicht mehr gewaschen und das Haar klebte etwas ölig auf dem Kopf.
„Sie werden Verdächtigt der berüchtigte Halstuchmörder zu sein. Bereits sechst Mädchen und drei Polizisten gehen auf ihr Konto.“
Der Typ schwieg, in seinen Augen leuchtete es nur. Er wandte sich wieder ab und wisperte.
„Beweist es, bald schon ist die Nummer sieben dran und Sie Jäger können das abermals nicht Verhindern!“
Jäger drehte sich wortlos um und verließ den Kerker. Paul Hammer stierte den Verdächtigen, der eigentlich die Taten gestanden hatte an und schluckte.
„Komm Dirty Harry“, hörte aus weiter Ferne Hammer Jäger rufen, „lass das Schwein, er kommt uns nicht mehr aus. Das Spiel für den Halstuchmörder ist gelaufen!“
„Er ist es nicht“, sagte Hammer leise, als sie aus dem Inhaftierungstrakt schritten, „er ist nicht der Halstuchmörder. Er war wesendlich Kleiner und er hatte eine Narbe über der rechten Wange.“
„Bist du sicher? Das hast du bisher noch nicht erwähnt!“
„Kann sein“, konterte Paul verlegen, „ich habe es wohl in der damaligen Aufregung vergessen, wahrscheinlich war ich noch zu sehr von dem Vorfall geschockt.“
„Kann sein. So ein Crash hinterlässt seine Spuren. Echt schade“, maulte Jäger verbissen, „ich hatte mich schon gefreut, das der Mistkerl in unseren Händen schmachtet. Aber egal, das Schwein fasse ich noch!“
Still schritten sie voran, kurz vor dem Aufgang zu den Büroräumen, taumelte Hammer und er sackte in die Knie.
„Alles in Ordnung?“ fragte Rainer.
„ich weiß nicht, mir wurde plötzlich schwarz vor Augen. Ich glaube ich bin noch nicht ganz Genesen.“
„Dann solltest du nach Hause fahren“, Jäger half den Kollegen auf die Beine, „ruhe dich noch ein wenig aus. Ich möchte nämlich, das du am siebenden, am Finaltag, dabei bist.“
 
„Wir müssen den Kerl laufen lassen“, Rainer kehrte zu seiner Partnerin zurück, „Hammer sagt das er nicht der Halstuchmörder ist.“
In diesem Moment läutete das Telefon und Clarissa hob ab.
„Büro Inspektor Jäger, Clarissa Stauer am Telefon. Was kann ich für sie tun?“
„Geben Sie mir Jäger“, kam eine raue Stimme durch den Draht, „sofort.“
Clarissa reichte Wortlos den Hörer an Reinhold und dieser meldete sich.
„Jäger, wer ist da?“
„Ich bin es Bulle“, die Stimme überschlug sich, „dein Schlimmster Albtraum. Deine Geisel, die du niemals zufassen bekommst. Am siebenden ist das siebente Opfer dran, danach geht es Gnadenlos weiter, denn meine Lust am Töten kennt kein Ende!“
Danach lief der Apparat stromlos.
„Der letzte Vorhang fällt“, Jäger legte auf, „am siebenten, soll die selbsternannte Geisel, ihr blaues Wunder erleben.“
 
9
 
Der Tag Null. 7. März 2002, 5:30 Uhr, Kripo Büro des Einsatzteams Nummer Eins.
„Sind wir vollzählig?“ Jäger blickt in die Runde, es waren Clarissa Stauer und Gerd Holler zur Stelle. Zusätzlich waren noch drei weitere Kollegen aus zwei anderen Einsatzteams zugegen.
„Dirty Harry fehlt noch“, Gerd griff nach seinem Handy, „er meinte gestern schon, das er sich nicht in der Lage sieht, dem Einsatz beizuwohnen.“
„Ich möchte ihn aber gerne dabei haben, sein Selbstvertrauen muss endlich wieder aufgerichtet werden, wenn du ihn am Telefon hast, gebe ihn mir.“
Kurz darauf sprach Rainer mit Paul und dieser meinte. „Ihr Vertrauen Ehrt mich sehr Herr Inspektor“, Hammers Stimme klang schwach er hustete und atmete etwas schwer, „aber ich kann wirklich nicht. Der Typ hat in mir eine Sperre ausgelöst, erst wenn er gefasst ist, kann ich wieder an meinen Beruf denken. Auch wenn ich zu gerne Heute dabei sein möchte, mein Verstand blockiert mich.“
„Schade Dirty Harry, gerade Heute wäre es mir besonders ein Anliegen. Aber erzwingen kann ich es nicht. Es kommt ein anderer Fall, da hast du wiederholt eine Chance.“
„Danke Herr Inspektor, ich hoffe sie sind nun nicht von mir Enttäuscht. Und achten Sie bitte auf sich auf, der Kerl scheint wirklich zu allem Fähig zu sein.“
„Keine Sorgen Paul“, Jägers Augen blitzten auf, „ich selber, alleine, werde dem Halstuchmörder am Bundesrealgymnasium die berühmten Armreifen anlegen. Heute wird uns das Schwein nicht entkommen.“
Nach dem Telefonat, reichte Jäger allen Anwesenden einen dünnen Hefter. Er gab an, das in dem Ordner, alle wichtigen Informationen vermerkt wären und es nun noch ein schnelles Frühstück in der Kantine gebe.
„Mit vollem Magen, lässt es sich besser Handeln“, lächelte Jäger verstohlen, „Heute werden endlich viele Morde gerächt!“
 
6:30 Uhr, ein Mann, im Mantel und den Hut etwas tiefer im Gesicht sitzen, verließ das Gebäude der Wiener Kripo. An seiner Seite, ein Kollege aus dem Einsatzteam drei. Der Beamte am Tor grüßte den Kollegen und wünschte alles Gute.
„Morgen Inspektor Jäger“, die Torwache salutierte, „viel Glück bei der Heutigen Jagt.“
Jäger wandte sich kurz um, er nickte dem Beamten zu und raunte im Einsteigen.
„Danke Kollege, Justitia wird Heute mit uns sein.“
Dann brauste der Streifenwagen auch schon mit heulenden Sirenen davon.
 
7h, Clarissa Stauer und Gerd Holler, in Begleitung zweier Kollegen und einen Häftling, verließen den Bürokomplex. Die Wache grüße auch hier, musterte den Gefangenen mit keinem Blick, sondern wandte sich nur an die Kollegen in Zivil.
„Morgen Kollegen, gar nicht bei Jägers Hetzjagd nach dem Halstuchmörder dabei? Diese Worte galten im Grunde alleine Clarissa Stauer.
„Nicht notwendig Kollege“, antwortete Clarissa lachend, „mit diesem Würstchen wird doch Rainer alleine spielend fertig, zumal er ja auch noch Kollegen Maier dabei hat.“
„Habe sie gesehen“, gab der Wachbeamte kund, „Jäger schien wirklich voller Zuversicht zu sein!“
Clarissa und Gerd, zusammen mit dem Häftling nahen in einem Zivilfahrzeug Platz. Die Kollegen Werner und Kielnagel folgten in einem Streifenwagen. Etwas gemächlicher, als Inspektor Jäger vor einer guten halben Stunde, setzten sich diese Wagen in Bewegung. Die Sirene am Polizeiauto blieb stumm.
 
8:10 Uhr, Clarissa Stauer parkte den Zivilwagen in einer stillen Seitengasse. Gerd Holler nahm dem Häftling die Handschellen ab und gemeinsam stiegen sie aus dem Wagen. Von dem Streifenwagen war weit und breit nichts zu sehen, alle drei wussten aber, das die Beamten Thomas Werner und Ralf Kielnagel, verdeckt bereits Vorort waren. Ihre Augen hafteten an dem Gymnasium, welches vor ihnen lag.
„Hoffe nur“, flüsterte Clarissa beinahe unhörbar, „das auch alles so kommt wie in dem Akt genannt.“
„Glaube mir“, hauchte eine vertraute Stimme, „es wird sich so Bewahrheiten.“
Langsam kamen sie dem Institut näher. Seit Tagen schon, stand das Gelände unter schärfster Beobachtung und sämtliche Lehrkräfte, ebenso wie die Schüler und das Direktorrat, unter Mag. Albert Schmalz, war über die kommenden Vorfälle informiert. Besonders einer Schülerin wurden diese Informationen zugetragen. Sie selber, stand seither unter unauffälliger Bewachung!
 
8:30 Uhr, ein Wagen bog in die Auffahrt des Gymnasiums. Es war ein schwarzer Fort, das Kennzeichen war unerkennbar und die Person, welche das Fahrzeug lenkte, trug einen schwarzen Ledermantel und einen breiten Hut im Gesicht.
„Er ist da“, raunte die vertraute Stimme Gerd Holler ins Ohr, „lasst ihn ruhig aussteigen und seinen Schritt tun. Nicht zugreifen, bevor er nicht In flagranti ertappt ist. Er muss das Verdammte Halstuch um den hals seines siebenten und letzten Opfer haben, nur dann ist es wirklich Vorbei!“
„Geht klar“, leise sprach Holler in sein Mikrophon, das er am Mantelkragen trug, und informierte Clarissa Stauer.
„Habe Order Verstanden“, kam es ebenso leise zurück, „zugriff erst, wenn Täter das Opfer attackiert.“
 
8:45 Uhr, der schwarze Ledermantel stand im Schatten eines Baumes und beobachtete den Haupteingang des Gymnasiums. Bisher hatte sich kein anderes Lebewesen gezeigt und es ging hart auf die genannte Tatzeit hin. Was würde in den letzten Minuten geschehen?
8:52 Uhr, das Tor zum Haupteingang öffnete sich und ein junges Mädchen, mit langen blonden Haaren, trat aus dem Institut. In drei Minuten würde es zur zweiten Stunde läuten, und in weniger als einer Minute, um sieben Minuten vor Neun Uhr, musste der berüchtigte Halstuchmörder, sein siebentes Opfer, an diesen siebenten März zu Leibe rücken. Die Verdammte Zahl Sieben, stand immer deutlicher im Vordergrund der Geschehnisse. Und es gab noch ein weiteres Mal die Sieben in dieser Gleichung!
 
Der Verdächtige trat aus dem Baumschatten und winkte dem Mädchen zu. Laut rufend, lief die Schülerin auf den Ledermantel zu und einige Wortfetzen, drangen an die Ohren, der, auf Lauer liegenden, Beamten.
„Was willst du Onkel? Ich habe dir gesagt es bleibt bei meinem Beschluss!“
Dann ein Schrei, Gerd Holler wartet Sprungbereit. Er fühlte das es zum Finale ging.
„Los jetzt“, knurrte die vertraute Stimme fordernd, „an alle, sofortigen Zugriff!“
Holler sprintete los, hinter ihm die Stimme. Von der Seite kam Clarissa Stauer gelaufen und auch Werner und Kielnagel eilten herbei…
 
Doch Überrascht, ließ der schwarze Ledermantel von seinem Opfer ab. Er wandte sich zur Flucht, doch es gab keinen Ausweg. Sämtliche Wege waren von Polizisten blockiert.
Der verchromte Lauf seiner 44 Magnum blitzt auf, doch da schoss bereits ein anderer und traf gut.
„Das Spiel ist aus“, die Stimme, dessen Hut ebenfalls sehr tief m Gesicht saß, und dessen Mantelkragen hochgeschlagen war, war kalt und voller Entschlossenheit.
„Ergib dich. Es gibt hier und jetzt keinen Ausweg mehr für dich – Dirty Harry!“
Der Ledermantel trug noch immer den breiten Hut weit in der Stirn und seine Gesichtszüge lagen unerkannt im Dunkeln. Nun hob der Verdächtige seinen Blick, nahm den Hut etwas aus dem Gesicht und knurrte voller Hass.
„Jäger“, abermals überschlug sich seine Stimme, „woher haben Sie es gewusst?“
 
10
 
7. März, 10h. Alle Masken waren gefallen. Der Halstuchmörder gestellt und entlarvt. Hans Peters Verdacht, hatte sich leider Bewahrheitet. Paul Hammer, von seinen Kollegen in der Wiener Kripo auch als Dirty Harry bezeichnet, entpuppte sich als achtfacher Mörder!
Reinhold Jäger, Clarissa Stauer und Gerd Holler saßen Paul Hammer gegenüber und blickten den ehemaligen Kollegen verbittert an. Schon oftmals hatte es so eine Wende gegeben. Immer wieder wurden Beamte der Korruption überführt, doch noch niemals, ging es den Kollegen der Kripo so nahe.
„Das Warum erspare ich mir“, begann Rainer das Verhör, „ich kenne bereits die Antwort und Claudia Ernst, deine Nichte hat es ja auch bereits bestätigt. Was mich interessiert ist folgendes. Warum hast du fast drei Monate pausiert, nach dem du Herb erschossen hast?“
Paul Hammer biss sich auf die Lippe. Noch schwieg er, dennoch wusste er, das es hierbei keinen wirklichen Ausweg gab.
„Du hast das Recht zu schweigen“, sprach Jäger weiter, „du kannst auch von diesem Recht gebrauch machen. Aber denkst du wirklich, das es dir was einbringt? Wir haben dich mit dem siebenten Halstuch an deinem letzten Opfer erwischt. Und wir haben deine Dienstwaffe, eine Smith & Wesson 29-3 Blaustahl 44. Magnum beschlagnahmt. Du bist am Ende Dirty Harry, also erleichtere dein Gewissen, falls du überhaupt eines hast und offenbare dich mir.“
Hammer hob den Blick, seine Augen funkelten voller Zorn und sie spiegelten blanken Hass wieder.
„Sag mir zuerst wie du mir auf die Schliche gekommen bist. Was habe ich Falsch gemacht?“ Paul Hammer spuckte Gift und Galle, in seinen Augen stand der Wunsch nach weiteren Morden. Nach dem Tod der drei Kollegen, die ihn nun so kaltlächelnd Vernahmen!
„War es mein Anscheins verlorenes Selbstvertrauen?“
„Nein“, Rainer Jäger schüttelte den Kopf, „das war vielleicht etwas überzogen, aber dennoch Glaubwürdig. Du hast nur einen Fehler gemacht und ich bin froh über diese Entgleisung, anderenfalls, wärst du wahrscheinlich davon gekommen.“
„Welchen Fehler“, schrie Paul Hammer los, „sag schon Bulle, lass mich nicht im eigenen Saft schmoren.“
„Du hast für die Morde an drei Polizisten, deine eigene Dienstwaffe benutzt. Das wäre noch kein Problem gewesen, deswegen wurdest du nicht Verdächtigt. Nur Aufgezogen. Ein so grüner Beamter, der eine solche schwere Waffe benutzt, kann nur als Dirty Harry bezeichnet werden. Aber, das war nicht der wahre Fehler. Sondern jener, das du bei der Verfolgung des Schülers, vor dem Halstuchmord Nummer sechs, in die Luft geschossen hast. Und, das du behautet hast, das der schwarze Ledermantel auf dich geschossen hat. Du warst so leichtsinnig und hast auch da, deine Dienstwaffe benutzt. Diese Kugelfragmente wurden Sichergestellt, und leider, oder besser zum Glück, viel die Gleichnis den Ballistikern auf. So genommen mein Lieber Dirty Harry, war es purer Zufall das du Aufgeflogen bist!“
 
Paul Hammer verfiel. Er gab seinen Widerstand auf und legte in Folge ein Lückenloses Geständnis ab. Sein Motiv? Geldsucht!
Seine Nichte, Claudia Ernst, würde am siebenten März, um sieben Uhr Nachmittags, ein Vermögen von rund einer Million Euro Erben. Mit 19h an diesem Tag, war sie 19 Jahre und damit Volljährig!
„Das Geld stammte von ihrem Vater, meinem Bruder. Er hat mich als Vormund für seine Tochter bestimmt. Doch Claudia und ich sind wie Feuer und Wasser, wir können einfach nicht miteinander. Ich wollte aber das Geld, und deswegen musste sie weg. Warum die anderen Morde? Na ganz einfach, wer kann schon in einem solchen Gemetzel erkennen, was das Motiv ist. Keiner!“
„Und die Zahl sieben war dabei nur Zufall?“ Clarissa Stauer stellte diese Frage.
„Zunächst schon“, konterte Hammer höhnisch, „aber nach dem Unfall, blieb mir ja nichts anderes übrig, als zu pausieren und ich musste danach neu beginnen. Und als ich mir da die neuen Gymnasium aussuchte, sah ich das es hier eine Überschneidung der Sieben gab, Daher rechnete ich vom siebenten März, der musste der letzte Tag sein, immer 14 Tage rückwärts. Eben so, wie ich auch schon beim ersten Mal vorgegangen bin!“
„Aber warum hast du pausiert? Nach dem Unfall bist du ja leider Entkommen!“
„Ja, das bin ich“, Hammer ballte die Faust, „aber ich wurde schwer verletzt. Ich hatte mir das Bein gebrochen, und auch einige Rippen. Ebenso eine Hände, sie waren äußerst geprellt und ich konnte so weder meinen Dienst versehen, noch meine Arbeit als Geldengel fortsetzen!“
„Weg mit dem Kerl“, fauchte Rainer schmerzvoll, „sonst vergesse ich mich und ich erteile dem Burschen eine letzte Lektion.“
Paul Hammer lachte lautstark und auch Clarissa und Gerd mussten sich äußerst zusammen reisen. Zu gerne hätten sie nur fünf Minuten alleine mit dem mörderischen Kollegen verbracht!
 
11
 
7. März, 14:45 Uhr. Inspektor Jäger, zusammen mit Kollegin Clarissa Steuer, legten Oberkommissar Reumehr, den abschließenden Bericht im Fall Halstuchmord vor.
„Es ist endlich vorbei“, Rainer nickte stumm, „aber warum haben sie mich nicht darüber informiert, das ein Beamter aus meiner Abteilung verdächtigt wird?“
„Dafür Herr Oberkommissar, trage ich alleine die Verantwortung. Ich habe genau gewusst, das sie, sobald sie davon Kenntnis erlangt hätten, den Verdächtigen in die Mangel genommen hätten. Und wirklich Beweisen hätten wir es ihm damals nicht können. Indizien, das wäre alles gewesen, was wir in den Händen gehabt hätten.“
„Ich Verstehe. Hatten wir das nicht schon mal in etwa?“
„Ja“, gab Rainer zur Antwort, „der Fall Wahlkampf. Wo der Beamte Lauer mit drinnen hang. Kollege Ripkis, vom Einsatzteam sechs, hatte diesen Fall bearbeitet.“
„Schlimm“, Reumehr schüttelte sich, „die eigenen Leute als Werkzeug des Verbrechens. Hoffentlich nicht so bald wieder!“
„Ja Herr Oberkommissar, Hoffentlich.“
„Wie sind sie auf den wahren Tatort gekommen? Ahnten sie dass das Bundesrealgymnasium ein Falsches Ziel war?“
„Zunächst nicht. Wir haben ja unsere Netzte zuerst in Penzing ausgelegt. Doch als wir auf die identischen Kugelfragmente aufmerksam wurden, begann Kollege Holler mit der Durchsichtung einer Verbindung zu Kollege Hammer. In Penzing gab es kein!“
„Ex-Kollegen bitte“, gab Reumehr zu Verstehen, „soviel Zeit muss schon sein.“
„Sie haben Recht Herr Oberkommissar“, bestätigte Rainer verbittert, „natürlich Exkollegen.“
„Jedenfalls“, nahm nun Clarissa Steuer das Wort auf, „suchten wir schließlich nach einer Verwandten von Hammer und fanden im 22 Bezirk, auf dem Bernoulligymnasium, eben Claudia Ernst. Der Rest war dann eigentlich mehr reine Spekulation, auch wenn Claudia einige Angaben bestätigen konnte. Eben jene, das die beiden sich nicht grün waren und Hammer ständig wegen dem Geld nörgelte. Er hatte sogar angereckt, das er als Vermögensverwalter auch nach dem 19. Geburtstag bestehen bleiben sollte.“
„Und wie kam der Bursche beim Opfer Nummer sechs ins Spiel?“
„Ich habe Dirty Harry“, als Reumehr die Stirn runzelte, verbesserte sich Rainer, „sorry, Hammer auf die Erkundung in jenes Gymnasium geschickt. Paul gab an, das er eine Schülerin nach einem Freund von ihr gefragt habe und diese ihm Namen und Lehranstalt genant hatte. Darauf hin hatte er diesen Burschen mittels einer Falschen Botschaft, an Ort und Stelle, kurz vor dem Mord bestehlt. Als Zeichen sollte er ein seidenes Halstuch zeigen, seine Freundin würde dann sofort erscheinen!“
„Und wozu das Spiel mit dem Falschen Täter, den das dreier Revier geschnappt hatte?“
„Um Hammer zu verwirren. Ich wollte wissen wie er reagiert. Besonders auf die Tatsache schwarzer Ledermantel und breiter Hut. Ich dachte mir das er irgendeinen Vorwand sucht um fort zu kommen, hatte mit dem Anruf gerechnet und in auch Zurückverfolgen lassen. Hammer hat die nächste Telefonzelle benutzt um bei mir anzurufen. Wir fanden seine frischen Fingerprints dort!“
„Und die Maskerate am Heutigen Morgen? Wer war der andere Inspektor Jäger, der im Steifenwagen lautstark mit Sirene davon brauste?“
„Kollege Ripkis mit meiner Maske. Er hat etwa meine Statur und ich vermutete, das Hammer sehr wohl auf der Lauer lag um zu sehen, ob ich auch wirklich in den 14. fahren würde.“
„Tztztz“, Reumehr schüttelte abermals den Kopf, sie haben Methoden. Unkonventionell und äußerst Erfolgreich. Herb wäre sehr Stolz auf sie. Das war er immer, und sie haben zudem, auch noch seinen Tod gerächt. Damit kann Kollege Bachmann nun auch endlich in Frieden Ruhen!“
 
Inspektor Reinhold Jäger verließ an diesem Tag das Büro der Wiener Kripo und er fühlte sich gut. Dem Gesetz war genüge getan worden und ein schlimmer Verbrecher konnte gefasst werden. In diesem Jahr schon der zweite große Fisch, der in den Fängen der Gerechtigkeit hängen geblieben war. Im Januar Erwin Sandmann, der Staatsverbrecher Nummer eins und nun der berüchtigte Halstuchmörder. Welche Fälle, möge wohl die Zukunft, für ihn bereit halten?
 
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Kriminalfall von 2008
© Werner Alexander
„Literatur für Jung & Junggebliebene“

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