Werner Gschwandtner

Das Einsatzteam, Fall 10

« Mord aus Liebe »
 
„Rena, wo bist du?“
Der Mann, der dies rief, schunkelte etwas unbeholfen umher und rief immer wieder denselben Namen.
„Verdammt, Rena. Komm sofort her.“
Rena Wurm, eine brünette junge Frau, etwa 25 Jahren jung, trat an ihren betrunkenen Mann heran und schüttelte den Kopf.
„Nicht schon wieder Manfred“, etwas zornig packte sie den lallenden Mann an der Schulter, „du hast es versprochen, das du Heute mal nicht einen neuen Saurekord aufstellen wirst.“
Manfred Wurm, Ehemann von Rena, eine geborene Ländler, lachte schallend auf. Er griff grob nach der Hand seiner Frau und zog sie etwas fester an sich.
„Du weißt doch“, gab der Mann unkontrolliert von sich, „diese Art von Partys sind nicht mein Ding. Ich fühle mich hier einfach wie das berühmte fünfte Rad am Wagen. Und genau deswegen lädt  mich auch dein so Hochverehrter Vater ständig ein. Um mich zu Demütigen!“
„So ein Quatsch“, Rena wandte sich aus dem festen Griff ihres Mannes, „wenn er dich nicht Akzeptieren würde, trotz deiner Launen und Übergriffen, dann würde er es dir auf die eine oder andere Weise zu Verstehen geben. Du spinnst dir wieder einmal etwas zusammen!“
Manfred Wurm taumelte zum nächst gelegenen Champagnertisch und leerte drei Gläser hintereinander auf einen Zug.
„Lass das jetzt“, fauchte Rena Manfred an, „du hast für Heute mit absoluter Sicherheit genug.“
„Das hast du mir aber nicht zu Verbieten, Verstanden? Geh mir jetzt aus den Augen, ich will mit meinem Laster alleine sein.“
Manfred gab Rena einen kräftigen Stoß, so das die junge Frau gegen eine zusammenstehende Gruppe taumelte und wandte sich dem nächsten Champagnerglas zu…
 
Rena wischte sich eine unscheinbare Träne aus den Augen. Peter Steinert, ein etwa gleichaltriger Mann, sah es und trat an die junge Frau heran. Steinert war Kompagnon von Renas Vater, zusammen führten sie die Immobilienkanzlei Ländler, Ländler & Steinert.
„Was ist denn?“ Peter reichte Rena ein frisches Taschentuch. „Manfred wieder?“
Still, etwas verlegen das Taschentuch nehmend, nickte Rena und wischte sich die nachfolgenden Tränen aus den Augen.
„Ja“, sagte sie schließlich, „jedes Mal das selbe. Er besauft sich, und schikaniert zunächst mich, und dann in Folge, blamiert er meine Familie.“
„Im gehört eine aufs Maul“, gab Peter unverblümt kund, „er soll froh sein das er dein Mann ist. Anderenfalls, hätte ich ihm schon längst gezeigt, was Anstand und Sitte ist und wie man sich einer Frau gegenüber zu verhalten hat.“
„Du bist Lieb Peter“, etwas kokett, aber dennoch verlegen, schlug Rena die Augen nieder, „hört sich ganz so an, als würdest du mich Verteidigen?“
Nun war es Peter, der etwas schüchtern zur Seite blickte. Seine Wangen färbten sich etwas rot. Er wischte sich plötzlich über die Stirn und stammelte los.
„Na ja, ja, das kann schon sein. Ich mag es halt nicht, wenn dich dieser Nichtsnutz, so schäbig behandelt. Das hast weder du, noch ein wer anderer Verdient. Und ich werde mir auch noch was diesbezüglich einfallen lassen… “
Nach diesen Worten legte Peter seinen Finger auf die Lippen, drückte diesen dann auf Renas Lippen und nickte ihr zu.
Rena schaute Peter etwas zaghaft nach. Sie hatte ein ungutes Gefühl und hoffte nur, das er nichts dummes tat. Manfred konnte Nüchtern schon wegen weniger zu einer Bestie werden. Betrunken, war er um das Hundertfache gefährlicher und schon direkt Unberechenbar…
 
Paul Ländler, Renas Vater, hatte an diesem Abend, eine Zusammenkunft, zugunsten des neuen Geschäftsvertrags mit der Gemeinde Wien eingeleitet. Seine Kanzle, welche er zusammen mit seinem Vater, und seinem Kompagnon Steinert betrieb, hatten für Wien, im Herzen des Zentrums, ein neues Grundstück gesucht. Ziel dieser Aktion, war die Gründung eines neuen Kinderkrankenhauses.
Peter Steinert bat Paul Ländler um ein kurzes Gespräch. Paul stand mit seinem Vater Georg, am geöffneten Fenster und beide blickten in die angehende Nacht hinaus. Georg hatte zuvor angedeutet, das er es für angebracht sah, das es an der Zeit wäre das er sein aktives Tun in der Kanzlei einstellte.
„Mit knapp 80 Jahren“, sprach der dennoch noch rüstige Mann, „habe ich es wohl verdient, nur mehr ein stiller Teilhaber zu sein.“
Paul wollte zwar davon nichts hören, respektierte aber dennoch den Wunsch seines Vaters.
„Lass uns Morgen darüber sprechen Vater“, antwortet Paul und sah dann Steinert auf ihn zu kommen, „wer weiß wie du da dann darüber denkst.“
Georg nickte und da er bemerkte, das Peter etwas auf dem Herzen hatte, klopfte er dem jungen Mann auf die Schulter und trat ein paar Schritte zur Seite.
„Was gibt es denn Peter?“ Paul legte seinem Kompagnon die hand um die Schulte rund zog den Burschen etwas mit sich.
„Es geht um Rena“, sagte Peter offen, „ich kann nicht länger mit ansehen, wie dieser unwürdige Mensch so mit ihren Gefühlen spielt. Gestatten sie mir bitte, das ich diesen Wurm zertrete… “
Peter hatte sich in Wut geredet. Paul hatte den jungen Mann aussprechen lassen und musterte Steinert nun eindringlich.
„Bist du nun fertig?“ fragte er. „Wenn ja, dann möchte ich dir dazu etwas sagen. Ich bin auch nicht glücklich über die Wahl meiner Tochter. Aber ich muss mit ihr leben, du leider auch. Dennoch gefiel mir deine Anekdote, Herrn Wurm, wie einen Wurm zertreten. Das war gut… “
 
„Meine Lieben Gäste“, Paul Ländler hob sein Glas und klopfte mit einem Messer vorsichtig gegen die Champagnerflöte, „für den amüsanten Teil des Abends, hat sich mein lieber Freund und Kollege Vik, etwas neues Einfallen lassen. Ich übergebe an Viktor Geier… “
Applaus folgte. Viktor Geier, Organisator der Kanzlei Ländler, Ländler & Steinert, lächelte in die Runde.
„Als Organisator, muss man immer darauf bedacht sein, den Gästen etwas Unerwartetes zu bieten. Und für Heute Abend, spielte mir der Zufall eine Unterhaltung in die Hände, welche ich nun für Sie offenlegen möchte. Es nennt sich das Mörderspiel und wird wie Folge gehandhabt… “
 
Zwei Stunden später. Kommissar Ripkis, zusammen mit Kollege Inspektor Rogers, traf in der geräumigen Villa von Paul Ländler ein. Der Anruf war von der zuständigen Wache gekommen und es wurde darin nur Kundgetan, das es im Haus des Immobilien Ländler, einen Mord gegen hatte.
Ripkis gähnte, er war etwas unsanft aus dem Schlaf gerissen worden und war direkt von Zuhause, zur Villa Ländler gefahren. Rogers hatte in dieser Nacht Bereitschaft in der Zentrale gehabt und traf zur selben Zeit wie Ripkis ein.
„Wenn das ein Jok ist“, maulte der Kommissar, „dann werden Köpfe rollen.“ Ripkis fühlte sich seit Tagen nicht gut. In den letzten Wochen gab es verstärkte Aktivität in der Verbrechensrate und zu allem Überfluss, befand sich Kollege Jäger auf einem Berufsseminar. Jedes Einsatzteam, hatte gegenwärtig fast drei Fälle zugleich zu lüften.
„Dazu kommt noch“, raunte Rogers leise, „das Oberkommissar Reumehr die Positionen der Teams umgestalten will. Seitdem Kollege Bachmann verstorben ist, ist nichts mehr so wie es mal war. Ich würde nur zu gerne wissen, welche Veränderungen Reumehr anstrebt.“
„Das ist mir im Augenblick völlig egal“, hustete Ripkis, „lass uns nun sehen, woran wir hier wirklich sind. Vielleicht geht es ja schnell… “
Gemeinsam betraten sie die Villa und ein Streifenpolizist nahm die beiden Kripo Beamte in Empfang.
„Guten Abend Herr Kommissar“, der Polizist entschuldigte sich, „es tut mir schrecklich leid das wir sie aus dem Bett holen mussten, aber die Umstände sind leider etwas verzwickt. Und wir wollten nicht das es einen Fehler gibt. Immerhin ist Paul Ländler sehr gut mit der Gemeinde.“
„Und wenn er den Präsidenten persönlich einen Freund nennen würde“, Ripkis verstand in solchen Angelegenheiten keinen Spaß, „selbst dann würde ich ihn Einlochen, wenn er Dreck am Stecken hat.“
„Genau Herr Kommissar“, gab der Polizist zu Verstehen, „deswegen haben wir sie angefordert. Ihr Fingerspitzengefühl im Fall Wahlkampf hat sich längst herumgesprochen. Sie sind der beste Mann für diesen Mord.“
Der Beamte führte die Kollegen in Zivil in den Salon und Ripkis sah auf einen Blick, das es sich nicht um einen Jok handelte. Vor ihm zu Füßen, lag ein toter Mann, er trug einen eleganten Smoking, der jedoch etwas schief saß, und das erste Erscheinungsbild gab Aufschluss, das jener Mann, ein wenig Anstrengendes Leben geführt haben musste.
„Kennen wir den Namen des Ermordeten?“
„Ja Herr Kommissar“, der Streifenpolizist bestätigte dies, „der Tote hieß Manfred Wurm, er ist der Schwiegersohn des Hauses Ländler.“
Ripkis ging in die Knie, Rogers hatte seine Hände in den Manteltaschen und überblickte, zunächst ruhig hinter dem Kommissar stehend, das weiträumige Gesellschaftszimmer.
„Schaut mir wie ein Brieföffner, in Form eines Aztekenschwerts aus“, der Kommissar beugte sich tiefer, „wurde bis zum Schafft in den Körper gerammt. Muss das Herz voll getroffen haben, dazu gehört eine menge Kraft, daher würde ich vorerst, eine weibliche Täterin ausschließen. Aber dennoch sollten wir diesen Umstand nicht ganz von der Hand weißen.“
Ripkis betrachtete die gelbe Nelke, welche etwas zerdrückt, im obersten Jackettknopfloch steckte.
„Wurden bereits erste Erhebungen durchgeführt?“ fragte nun Inspektor Rogers und der Polizeibeamte nickte.
„Ja, wir haben die Gäste, zusammen mit der internen Familie, am Rande bereits Befragt. Es konnte über die Tat nicht viel gesagt werden. Der Salon lag im Dunkeln, als es basierte.“
Ripkis hatte an der Leiche geschnuppert, nun hob er den Blick. „Im Dunkeln?“, fragte er, „Gab es einen Stromausfall?“
„Nein Herr Kommissar, das Licht war abgedreht. Man amüsierte sich bei einem Mörderspiel!“
„Bei einem was… ?“ Ripkis erhob sich und schaute den Polizisten ungläubig an. Die Streife wiederholte ihre Aussage.
„Man vergnügte sich bei einem Mörderspiel“, der Beamte wurde verlegen, „ich kann es nicht ändern, es war so.“
„Hier scheint eine menge Kohle zu sein“, Ripkis deutet dabei an die Prunkvolle Umgebung, „je mehr Geld vorhanden ist, desto verrückter scheinen die Hobbys dieser Menschen zu sein.“
„Wo sind die Leute und die Belegschaft jetzt?“ abermals stelle Rogers eine Frage.
„Als wir eintrafen, standen alle um den Toten herum. Ir wollten nicht das eventuelle Spuren noch mehr verwischt, oder zertrampelt wurden, daher baten wir die Eigentümer nebst Gästen in die oberen Räume und die Angestellten, welche Vorort waren, verweilen gegenwärtig in der Küche. Oben befinden sich zurzeit zwölf Tatverdächtige und drei Beamte und hier unten, dort hinten“, der Polizist deutet in die Richtung, „abermals sechs Verdächtige und zwei Kollegen.“
„Wurden Spuren gesichert?“
„Wir selber haben nichts berührt Herr Kommissar. Es wurden nur Fotos gemacht, selbst der Pathologe durfte noch nicht ran.“
„Sehr gut“, lobte Ripkis, „wie heißen Sie?“
„Bern, Streifenpolizist zweiten Ranges Robert Bern.“
„Ich werde ihren Einsatz lobend in meinem Bericht erwähnen“, Ripkis entließ damit den Beamten, „der Polizeiarzt kann nun seine Pflicht tun und ich benötige einen Raum, der gut abgeschieden ist, um die ersten Verhöre zu führen. Und als erstes, möchte ich nun vorerst den Hausherren sprechen.“
Rogers hatte sich in der Zwischenzeit etwas gründlicher in dem Salon umgesehen. Er konnte nichts Ungewöhnliches entdecken, das Gesellschaftszimmer hatte an drei Seiten, breite Panoramafenster, alle waren verschlossen und unbeschädigt. Von außen also, konnte keiner Hinzugekommen sein… Falls die Fenster nicht erst danach geschlossen worden sind!
Diese Überlegung gab der Inspektor an den Kommissar weiter.
„Das werden wir gleich mal Erfragen“, äußerte sich dieser, „der Ermordete war jedenfalls stark angetrunken. Wirklich wehren konnte er sich nicht. Dennoch konnte der Mörder kein besonders leichtes Spiel haben!“
Der Polizeipathologe trat ein. Hinter ihm, tauchte auch Polizist Bern mit Paul Ländler auf. Zuerst sprach Ripkis mit dem Arzt, er bat um die exakte Todeszeit und eventuell darum, ob dem Manne der Alkohol unter Zwang eingeflösst worden war.
„Untersuchen sie ihn auch nach Druck, Fessel- und Gewaltspuren. Ich möchte auch wissen, ob es ein Täter, oder eventuell mehrere waren.“
„Sonst noch einen Wunsch Kommissar?“ fragte der Pathologe spöttisch, „Soll ich den Mörder womöglich auch noch auf dem Silbertablett servieren?“
„Na wenn ihnen das möglich ist Brandner“, feixte kurz Ripkis gelassen, „dann nur zu.“
Murrend machte sich der Arzt an seine Arbeit. Ripkis kannte den Pathologen und wusste, das er immer so drauf war. Die berühmte raue Schale mit dem weichen Kern. Dann widmete er sich den Hausherren…
„Guten Abend, oder viel mehr schon schöne Nacht Herr Ländler.“ Ripkis nahm die angebotene Hand an, „was können sie mir in kürze, zu diesem Endergebnis sagen?“
Ländler stieß heiße Luft aus, er schaute in Richtung des Toten.
„Ich bin Entsetzt Herr Kommissar“, sagte er trocken, „Manfred Wurm ist sein einem Jahr mein Schwiegersohn. Ich kann nicht behaupten, das ich begeistert von ihm bin. Er kann Launisch, rechte Gewalttätig und auch äußerst provokant sein. Doch so ein Ende, wünscht man nicht mal seinen schlimmsten Feind.“
Rogers kam hinzu, grüße den Hausherren und blieb zunächst im Schatten des Kommissars.
„Provokant?“, fragte Ripkis belustigt, „na wie provokant, oder besser abartig ist denn ein Mörderspiel?“
Paul Ländler stockte. Darauf wusste er keine plausible Antwort. Schließlich sagte er.
„Das war nicht meine Idee. Und im Grunde war nichts Böses dabei, ein simpler Spaß, der meine Gäste und natürlich auch uns unterhalten sollte.“
„Gestatten sie mir“, hinterfragte der Kommissar nun, „hier und jetzt, ihre Gäste, nebst eigener Familie zu Befragen?“
„Ich kann schwer nein sagen“, konterte zunächst Ländler offen, „ich muss ja wohl davon ausgehen, das wir alle, das Personal mit eingeschlossen, Verdächtig sind.“
„Leider ist es so“, bestätigte Ripkis auf seine lockere Art, „es sei denn, sie sagen nun, das eines, oder auch alle Panoramafenster während des Spiels offen waren und der Täter ebenso gut von außen gekommen sein kann!“
„Das waren sie leider nicht“, gab Paul Ländler ohne umschweife zu, „die Panoramafenster können nur per Knopfdruck, automatisch ein stück gekippt werden. Raus oder rein, kann aber dennoch keiner.“
Da es ja nichts weiter in diesem Bezug zu sagen gab, führte Ländler die beiden Beamten der Kripo in das Obergeschoss. Auf dem Weg dahin, fragte der Hausherr.
„Sie sind doch Kommissar Ripkis?“
„Ja“, bestätigte dieser, „haben sie von mir gehört? Oder sind wir uns schon mal begegnet?“
„Begegnet nicht. Aber ich habe von Ihnen gelesen, sie haben doch den Mord an Franz Schaummeer aufgeklärt?“
„So war es Herr Ländler“, auch diese Aussage konnte Ripkis anerkennen, „und ich muss zu meinem Bedauern eingestehen, das in diesem Fall, ebenfalls ein Polizist mit von der Partie war.“
„Na der Halstuchmörder“, gab Ländler kund, „war doch auch einer von euch?“
„Stimmt auch“, gab zum ersten Mal in Ländlers Gegenwart, Rogers ein Wort von sich, „leider gibt es in allen Sparten und auf allen Ebenen schwarze Schafe.“
Paul Ländler brachte die Beamten zu den Gästequartieren, wo allesamt zurzeit Untergebracht waren. Der Hausherr stelle den Kommissar vor und dieser wiederum übernahm es Rogers Bekannt zu tun.
„Meine Herrschaften“, begann dann Ripkis, „ich weiß es ist spät und viele werden müde und erschöpft sein. Aber dennoch, wir haben einige Fragen an sie. Und bitte vergessen sie nicht, einer von ihnen, oder womöglich sogar einige davon, tragen für diese Tat Schuld.“
Paul Ländler regte noch an, das ebenfalls das Personal den Mord begangen haben könnte. Doch Ripkis ging Augenblicklich nicht darauf ein. Warum hätte ein Angestellter den Schwiegersohn des Hauses ermorden sollen? Ob er nun beliebt war oder nicht, so oder so ergab dies keinen Sinn. Dennoch würden die Bediensteten nicht außer acht gelassen werden…
Polizist Bern hatte den gewünschten Raum auserkoren und teilte dies nun dem Kommissar mit. Ripkis bat nun alle, sich zu versammeln und richtet seine Worte an die Menge.
„Wir werden nun beginnen, einen nach dem anderen zu Befragen. Doch zuerst möchte ich wissen, wer für das amüsante Mörderspiel die Verantwortung trägt. Wer von Ihnen, hat dieses Spiel angeregt?“
„Das war Vik“, wurde eine Stimme laut, „Ja genau, Viktor.“, sagte ein anderer. „Vik hat es organisiert“, riefen nun viele. Auch Paul Ländler gab dies zu. „Es stimmt, Viktor Geier, unser Kanzleiorganisator hat dieses Spiel, so wie alle Unterhaltungsprogramme bisher, an uns weiter gegeben.“
„Und wer von Ihnen ist Viktor Geier?“
Ein hagerer Mann trat aus der Runde und stelle sich vor.
„Ich bin Vik Geier“, der Mann machte einen sehr vernünftigen Eindruck, „und um es gleich vorweg zu sagen Herr Kommissar, dieses Spiel mag für sie vielleicht abartig sein. Ich finde, es war ein sehr aufregendes Spiel. Es war mal was neues, ich habe es als amüsant empfunden und genau deswegen habe ich es auch Vorgeschlagen.“
„Und woher kannten sie es? Wie funktioniert es eigentlich?“
„Aus den Spielern werden zwei Personen ausgelost“, antwortete Viktor offen, „der Täter und der Detektiv. Dazu werden einfach Zettel genommen, die in einem Hut liegen. Es gibt so viele Zettel, wie Spieler. Nur auf zweien steht etwas geschrieben, nämlich Mörder und Detektiv. Wer einen leeren Zettel zieht, ist ein vermeintliches Opfer. Der, der denn Mörder Zettel bekommt ist der Täter und der andere der Aufklärer.“
„Soweit kann ich folgen“, gab zwischendurch nun mal Ripkis zu verstehen, „ich nehme an, der Detektiv muss den Raum verlassen?“
„So ist es“, bestätigte Geier, „sonst könnte er ja beobachten, wer sich als Mörder durch das Zimmer bewegt.“
„Schon klar. Und wer von Ihnen war der Detektiv?“ diese Worte war an alle Anwesenden gerichtet.
„Ich Herr Kommissar“, es war eine weibliche Stimme, „ich bin Rena, die Tochter des Hauses.“
„Angenehm“, Ripkis verneigte sich leicht vor der jungen Frau, „damit haben sie vorerst einmal ein kleines Alibi, bitte treten sie neben mich.“
„Warum sollte ich meinen Ehemann töten?“ während Rena Wurm an die Seite des Kommissars trat, stellte sie diese Frage.
„Sagen sie es mir“, konterte Ripkis auf Renas Anspielung, „nur weil er ihr Gatte war, könnten sie dennoch seine Mörderin sein.“
„Aber das verbitte ich mir nun“, versuchte Paul Ländler Ripkis zu rügen, „ich sehe zwar ein, das einer von uns der Mörder sein muss, aber warum gerade meine Tochter? Sie selber sagten doch, das sie nun ein Alibi hätte!“
„Ich sagte sie habe momentan ein kleines Alibi“, bestätigte gelassen der Kommissar, „es muss erst erwissen sein, das sie keine Möglichkeit hatte, unbemerkt in den Raum zurück zu kommen.“
„Und wie hätte sie ihn wieder verlassen?“, verteidigte Ländler weiterhin seine Tochter, „als wir den Schrei hörten, wurde sofort das Licht wieder angemacht. Sie wäre nicht mehr hinaus gekommen, zumal ja auch Licht herein gefallen wäre und das war nicht der Fall.“
„Warum regen sie sich so auf?“, fragte nun Rogers eindringlich, „wir wollen nur alle Eventualitäten berücksichtigen. Es muss doch auch in ihrem persönlichen Interesse sein, zu Erfahren, wer ihren Schwiegersohn gekillt hat!“
Danach fuhr Ripkis fort.
„Und nun, wer durfte den Mörder spielen?“
„Kommissar, den durfte ich Verkörpern.“ Ein junger Mann trat vor, Rena erschrak und hielt sich die Hände vor den Mund. Sie wurde bleich und es wollte ein lauter Schrei aus ihr heraus…
„Sie sind“
„Peter Steinert, ich bin Kompagnon von Herrn Paul und Georg Ländler.“
„Verstehe“, und zu dem Hausherrn gewandt fragte er, „wer ist Georg Ländler?“
„Mein Vater“, war die kurze Antwort, „er gründete seinerzeit die Kanzlei“, setzte Paul Ländler fort, „jedoch gedenkt er, sich von der aktiven Mitarbeit zurück zu ziehen. Vater möchte in Zukunft nur mehr stiller Teilhaber sein.“
„Ist Georg Ländler auch hier?“
„Natürlich bin ich hier“, eine feste, aber dennoch schon müde klingende Stimme erklang, „wohin hätte ich denn gehen sollen?“
„Guten Abend, schön sie alle kennen zu lernen. Wollen wir nun fort fahren?“
Da kein Widerwort kam, ging Ripkis zum letzten Punkt zurück.
„Herr Geier, wie sollte das Mörderspiel nun gestartet werden?“
„Nachdem die beiden Rollen besetzt waren, musste sich der Detektiv zu erkennen geben. Der Mörder hatte Stillschweigen zu bewahren, immerhin war es ja Ziel des Spiels, das der Detektiv den Mörder entlarven sollte.“
„Und wie sollte er das bewerkstelligen?“, diese Frage kam von Inspektor Rogers, „ich meine, jedes Spiel braucht seine Regeln. Ixbeliebig Losraten, das bringt doch auch nichts und kann nur wenig amüsant sein!“
„Daran habe ich gar nicht gedacht“, Vik Geier musste dies eingestehen, „wir sind ja auch gar nichts so weit gekommen. Als das Licht wieder an ging, sahen wir ja alle, das aus Spaß… “,
„Bitterer Ernst geworden war.“ Vollendete Ripkis Viktor Geiers Satz.
„So war es, ja.“
„Lassen wir die Regeln des Spiels vorerst mal außen vor“, übernahm nun wieder Ripkis das Wort, „ich möchte nun mit der Befragung beginnen. Frau Wurm, sie sind als erste an der Reihe. Bitte kommen sie in fünf Minuten in den Raum, den ihnen Polizist Bern nennen wird.“
 
Kommissar Ripkis überblickte den kleinen Raum, den Streifenpolizist Robert Bern ausgewählt hatte. Es war eine Art Notfallbüro, es gab einen Schreibtisch, eine Lampe und zwei Stühle. Auf dem Tisch, stand ein Notebook. Kein Fenster, nichts, was einem Ablenken konnte…
Ripkis nahm hinter dem Schreibtisch Platz und wartete. Nachdem die fünf Minuten vergangen waren, klopfte es kurz ab der verschlossenen Tür und Frau Rena Wurm trat ein.
„Bitte nehmen sie platz“, gebot der Kommissar, „es wird bei Ihnen wahrscheinlich nicht lange dauern.“
„Wie stehen sie zu ihren verstorbenen Ehemann?“
„Nun“, stammelte etwas verlegen die junge Frau, „wir sind seit einem Jahre verheiratet. Kennen tun wir uns seit fünf Jahren, ich habe Manfred auf der Uni kennen gelernt. Eigentlich komisch“, sinnierte kurzzeitig Rena nach, „zu dritt hatten wir damals immer recht viel Spaß. Doch als Manfred dann abging, und ich erkannte, das ich ihn Liebte, da wurde es danach nicht mehr dasselbe.“
„Wie meinen sie das? Wer war der dritte?“
„Na Peter Steinert“, gab Rena weiterhin verlegen kund, „Peter, Manfred und ich studierten das Immobiliengeschäft, zuzüglich die Kaufmannschaft. Peter und ich promovierten vor zwei Jahren, Manfred verlor auf halben Weg das Interesse an jenem Studium und brach ab. Ich glaube er hatte danach in die Medizin gewechselt.“
„Also sind sie eigentlich Doktor auf diesem Gebiet?“
„Ja Herr Kommissar.“
„Und Peter Steinert ebenso?“
Wieder stimme Rena Wurm zu.
„Was wurde aus der Freundschaft zwischen Ihnen?“
„Zwischen Peter und mir Oder Peter und Manfred?“
„Zuerst mal zwischen Ihnen beiden!“ sagte Ripkis.
„Peter und ich verstehen sich gut“, dabei senkte Rena kurz den Blick, „Peter ist en Freund sagte sie danach fest, „wenn ich ihn brauche, dann ist er für mich da.“
„Und Herr Steinert und ihr Mann?“
„Manfred konnte früher Peter ganz gut leiden. Dich als wir begannen uns richtig zu Verlieben, ab da, konnte Manfred keinen anderen Mann mehr an meiner Seite sehen. Und Peter gehört als Kompagnon von Papa ja fast zur Familie, ich glaube sogar das Dad in Peter den Sohn sieht, denn er niemals hatte.“
„Auch Schwiegersohn?“
„Das glaube ich nicht“, abermals senkte Rena verlegen den Blick, „Papa weiß das ich Manfred aus Liebe geheiratet habe. Und er war immer gut zu mir!“ mit fester Stimme, wollte Rena diese orte sprechen, doch es gelang ihr nicht so ganz.
„Immer gut?“ wiederholte Ripkis Renas letzte Aussage, „sind sie da ganz scher? Ihr Vater sagte zumindest, das Manfred Wurm Launisch, Gewalttätig und auch Provokant sein konnte!“
„Ja das schon“, gab nun Rena leise zu, „aber zu mir war er dennoch immer gut. Er war hat etwas wild, manchmal auch zu sehr Eifersüchtig, aber das war es dann auch schon… “.
„Vorerst eine letzte Frage Frau Wurm“, Ripkis lehnte sich zurück, „nach ihren Empfinden, hatte ihr Gatte Feinde? Oder einen stillen Nebenbuhler, der ebenfalls Anwesend ist?“
Rena wurde knallrot, sie schluckte und biss sich auf die Lippe.
„Feinde?“, versuchte sie auszuweichen, „das glaube ich nicht. Zumindest hat Manfred niemals davon gesprochen. Und einen Nebenbuhler? Na das kann gut sein, wenn der betreffende Still geblieben ist, dann kann es ja keiner wissen.“
„Und hat sich ihnen, oder einem anderen gegenüber, jemand Erklärt? Ist ihnen da etwas zu Ohren gekommen, oder fühlen sie es bei irgendjemanden?“
Kurzes schweigen, dann schüttelte Rena langsam den Kopf und verneinte.
„Bedaure nein Herr Kommissar, davon weis ich absolut nichts. Und ich liebe meinen Mann!“ der letzte Satz sollte aufrichtig klingen, doch ganz überzeugend kamen die Worte doch nicht über Renas Lippen.
Lange musterte Ripkis die junge Frau. Er sagte nichts, sondern schaute sie nur an und fixierte dabei ihre Augen. Sie wichen ständig ab, blickten zu Boden, versuchten, aus dem Blickfeld des Kommissars zu gelangen.
„Gut Frau Wurm, belassen wir es dabei. Sie können gehen und schicken sie mir bitte Peter Steinert herein. Nur halten sie sich bitte dennoch noch zur Verfügung!“
„Natürlich Herr Kommissar.“
Rena stand auf, als sie aus der Kammer ging, trat Inspektor Rogers in dieselbe, da er vor ihr postiert war. Ripkis bat ihn herein, als er sie hinter sich schloss, sagte der Kommissar.
„Einerseits glaube ich ihr“, Rogers nahm vor dem Schreibtisch platz, „sie war es sicherlich nicht. Doch sie verheimlichte mir etwas. Mehrmals wurde sie rot, und sie ließ ihren Blick ständig abschweifen. Ich denke, das sie Peter Steinert mehr mag, als sie bereit ist zu zugeben.“
„Vielleicht hatten sie ein Verhältnis?“
„Nein, da hätte sie sich anders verhalten“, Ripkis hatte Bern noch gebeten, das er je eine Kanne Kaffee und Tee, zusätzlich noch zwei Tassen besorgen sollte. Beides hatte die Streife zuvor auch gebracht und der Kommissar bot Rogers Kaffee an, er selber, da er sich ja nicht besonders wohl fühlte, blieb beim Tee.
„Ich möchte meinen, das Steinert ein waches Auge auf das Mädchen geworfen hat. Rena möchte nun nicht das Peter Verdächtigt wird und hat mir sicherlich keinen Bären aufgebunden, aber eben das Gefühlsechte zwischen ihnen weggelassen.“
Es klopfte abermals, Rogers trank seinen Kaffee aus und öffnete danach die Tür. Kompagnon Peter Steinert stand draußen und Ripkis forderte ihn auf einzutreten.
„Nur um es gleich klar zu stellen“, noch bevor der Kommissar etwas Fragen konnte, äußerte sich Steinert, „ich weine diesen Kerl nichts nach. Einst waren wir Freunde, doch das ist lange her und Heute, wo er mit Rena verheiratet ist, da könnte ich ihn am liebsten auf den Mond schießen. Er hat bekommen, was er meiner Meinung nach verdient hat!“
„Sag schon Peter“, konterte Ripkis trocken, „wer hat schon so einen Tod verdient?“
„Es mag hart klingen“, Steinert schritt an den Schreibtisch heran, beugte sich etwas weiter zu dem Kommissar und sprach weiter, die Fäuste dabei auf die Tischplatte pressend, „mich sogar Verdächtig machen, aber Manfred Wurm hat diesen Tod verdient. Nicht nur einmal, Hundertmal, Tausendmal.“ Schrie er schon fast. „Tausend Tode für jeden Schlag, den er Rena jemals versetzt hat. Und noch weitere, für jede Beleidigung und Demütigung, welche er ihr fortlaufend zuteil hatte kommen lassen.“
„Gut Peter, ich kenne nun deinen persönlichen Standpunkt und ich respektiere ihn auch. Aber wie stand es mit Rena? Oder Ihren Vater?“
„Rena ist ein Mädchen das zu ihrem Wort steht. Und Paul Ländler ist ein absoluter Ehrenmann, er ist über jeden Verdacht erhaben und möchte nur das Glück seiner Tochter.“
„Das Glück mit wem?“
„Mit dem, denn Rea eben haben wollte. Also mit Manfred!“
„Und sie? Was wollen sie für Rena?“ Ripkis musterte nun auch Peter Steinert genau. Der junge Mann, hatte sich etwas gefasst und nahm nun Platz.
„Ich möchte, das Rena den Mann findet, der zu ihr passt und der sie wirklich Liebt. Der sie respektiert und auch Beschützt. Der ihren Intellekt vervollständigt!“
„Also einen Mann wie sie einer sind?“ diese Frage war eigentlich sehr provokant gestellt, doch Peter Steinert bleib weiterhin offen.
„Korrekt Herr Kommissar“, sagte er ohne zu zögern, „ich wäre der ideale Ehemann. Bei mir und mit mir, hätte Rena das Paradies auf Erden!“
„Und wären sie auch der ideale Schwiegersohn?“
„Paul Ländler liebt mich wie einen Sohn“, gab Steinert offen zu, „ich habe mich als Kompagnon bei ihm verdient und ich weiß, das er mich so respektiert, wie ich ihn respektiere. Wir können über alles offen und frei sprechen und ich muss nichts vortäuschen, oder verheimlichen um an mein Ziel zu kommen!“
„Und dein Ziel ist es“, Ripkis beugte sich nun seinerseits etwas näher zu Peter Steinert, „Rena für dich zu gewinnen. Um jeden Preis, komme was da wolle und sei es auch ein Mord. Der Mord an ihren Ehemann Manfred Wurm, den sie seit dem Studium, wo sie und Rena vor zwei Jahren promovierten und welches Manfred abgebrochen hatte, liebte!“
„Ja“, keuchte etwas erregt Peter heraus, „ja ich liebe sie. Ich habe sie immer geliebt und ich werde sie immer lieben. Damals, als ich noch konnte, wollte ich unsere Freundschaft nicht riskieren, dann, als ich den Mut fasste, war es zu spät. Da hatte se sich schon in diesen Looser Manfred verguckt. Doch ich habe ihn nicht getötet, ich bedaure es nicht das er verstorben ist, aber ich war es dennoch nicht. Ich habe Manfred mit keiner meiner Hände berührt… “
„Wie alt sind sie?“ wechselte Ripkis urplötzlich das Thema. Irritiert hielt Peter Steinert in seiner Ausführung inne.
„28.“, perplex blickte Steinert den Kommissar an, „im Dezember wurde ich geboren.“
„Und wie alt war Manfred Wurm?“
„Fred war um ein gutes Jahr älter als ich“, gab Peter widerwillig kund, „er wurde vor einer Woche bereits 29.“
„Und Rena ist 25.“, äußerte sich Ripkis lächelnd, „wann genau hat sie Geburtstag?“
„Am 27. November“, leise gab Peter das zu Verstehen, „vier Tage vor mir. Nur ich verstehe nicht“, wandte sich Steinert an den Kommissar, „was diese Fragen mit dem Mord an Fred zutun haben!“
„Nichts“, gab Ripkis offen zu, „ich wollte mich nur etwas lockerer mit Ihnen Unterhalten, dachte nämlich, das Sie jeden Augenblick explodieren.“
Der Kommissar erhob sich nun und meinte zu Peter Steinert, „Im Augenblick habe ich nur noch eine einzige Frage an Sie“, Steinert musterte den Kriminalisten unsicher, „wie war das Verhältnis zwischen Rena und Manfred Wurm? Wie sind sie miteinander umgegangen?“
Peter stutzte, er wusste zunächst nicht was er darauf sagen sollte. Schließlich zog er ein schiefes Lächeln auf und sagte.
„Rena ist jene, die diese Liebe aufrecht hält“, Steinert schlug sich mit der Faust in die hohle Hand, „Fred triezt sie wo er nur kann. Schlägt sie, und ich bin mir sicher“, gab Peter weiters offen kund, das er sie auch Betrog. Auf die eine oder weise, es würde diesen Mistkerl ähnlich sehen.“
Damit war vorerst der junge Kompagnon Steinert entlassen. Nachdem er die Kammer verlassen hatte, trat abermals Rogers ein.
„Er hätte ein Motiv“, gab Ripkis kund, „Rache, Liebe und Geld sind die ältesten Motive wenn es um Mord geht. Peter Steinerts Motiv wäre eindeutig die Liebe, aber alles an ihm lässt mich Zweifeln, das er es wirklich getan hat. Er müsste wissen, das Mord keine wirkliche Lösung ist. Liebe kann man nicht erzwingen, oder gar durch eine Bluttat erhalten. Außer… “
„Außer sie haben es gemeinsam getan?“
„Der Kommissar nickte, „Ja, außer sie stecken gemeinsam unter einer Decke. Doch wenn ich ehrlich bin, dann kann ich das auch nicht glauben. Sie mögen sich eventuell, Lieben sich vielleicht sogar. Aber ich kann ihn ihrem Gebären keinen einzigen Funken des Todes entdecken.“
„Die Nacht ist noch jung“, Rogers nahm kurz Platz, „noch kann bei einem der anderen etwas Verdächtiges heraus kommen.“
„Ja, hoffen wir es“, Ripkis streckte etwas die Beine von sich, „ich habe zu Steinert gesagt, das er in zehn Minuten“, der Kommissar blickte auf die Uhr, „das wäre also in vier Minuten, den nächsten, Renas Vater nämlich, hier herein schicken soll. Mal sehen ob Herr Paul Ländler nicht doch noch interessantes zu Sagen hat. Und danach möchte ich etwas Überprüfen. Sie sorgen dafür“, sagte Ripkis zu seinem Partner, „das der Salon danach für einen Augenschein bereit steht. Ich möchte alle anwesenden von zuvor, exakt an jenen Platz haben, wo sie bei dem besagten Mörderspiel gestanden, Gesäßen oder was auch immer sind. Frau Rena Wurm soll dann mit einem beamten an die Stelle gehen, wo sie war, als man im Salon das Licht ausmachte!“
Rogers nickte, er ging um die Vorbereitungen zu treffen. Drei Minuten später klopfe es kur an die Tür der Kammer und Paul Ländler trat ein.
„Peter sagte mir das sie nun mich sehen wollen.“
„Korrekt Herr Ländler“, antwortete Ripkis kurz, „ich möchte nun weitere Informationen über den Verlauf de Mörderspiels. Sagen sie mir, wo standen sie genau und was haben sie zuvor und nachdem das Licht aus und an ging, beobachtet?“
„Warum fragen Sie das nicht besser Vik? Er hat das Spiel ja organisiert!“
„Das werde ich noch Herr Ländler“, der Kommissar wurde etwas ungehalten, „weichen Sie bitte meiner Frage nicht aus. Beantworten Sie sie!“
Mürrisch lehnte sich Ländler zurück. „Ich befand mich an einem der Panoramafenster. Und zwar, um es genau zusagen, an dem westlichen. Zusammen mit meinem Vater, Georg wollte, obgleich ich ihm darum gebeten hatte, bis Morgen zu warten, nochmals über seinen aktiven Ausstieg reden. Ich habe aber nur mit einem halben Ohr zugehört. Mein Blick haftete irgendwie ständig auf Manfred, der wie ein irrsinniger von einem Champagner Glas zum anderen torkelte. Er gab auch lautstark seinen Unmut über dieses Spiel, welches er als Schwachsinn abtat, kund!“
„Reagierte irgendjemand auf Herrn Wurms Tun?“
Ländler schüttelte den Kopf, „Nicht wirklich Herr Kommissar“, Paul lächelte verächtlich, „Manfred gab sich wiederholt von seiner wirklich besten Seite. Er war wie eh und je und es wunderte schon keinem mehr, oder es regte sich auch keiner mehr auf. Außer eben Rena, der das immer sehr zu Herzen ging, wenn sich Manfred volllaufen hatte lassen und in Folge seiner Ungehobeltheit freien Lauf ließ.“
„Und an Herrn Wurm, ist ihnen an ihm etwas ungewöhnliches aufgefallen? War etwas anders als sonst?“
„Anders als sonst?“ wiederholte Ländler die Frage, „wie meinen Sie das Herr Kommissar?“
„Na ich meine, mich hat nur gewundert, das Herr Wurm eine zerdrückte, gelbe Nelke im obersten Jackettknopfloch hatte. Von seiner Frau?“
„Nelke“, echote Ländler sichtlich verwirrt, „ich kann mich an eine Nelke nicht erinnern. Zuminderst trug er keine im Knopfloch, als er und Rena ankamen. Wenn er eine hatte, dann muss er sie hier erhalten haben. Nur ich habe ihn vor dem Dunkel werden, nur von hinten gesehen, daher kann ich darüber nichts sagen.“
„Und danach? Als er Tot am Boden lag?“
„Zuerst dachte ich“, versuchte sich Paul Ländler zu erinnern, „na so was, der Partymuffel Manfred als Überraschungsleiche. Alle Achtung, Hut ab vor diesem mutigen Schritt. Er scheint doch nicht so ein Arsch zu sein, wie ich immer gedacht hatte.“ Kurz schwieg Ländler, auch Ripkis sagte nichts darauf. Dann setzte er fort.
„Nur jeder konnte sofort den Brieföffner erblicken, der in seinem Herzen steckte. Da war sofort mit dem heiteren Spiel Schluss. Ich habe den Notarzt und auch die Polizei verständigt!“
„Stand noch jeder auf seinem Platz? Oder hat einer der Anwesenden seine Position drastisch verändert?“
„Das kann ich leider nicht sagen“, Paul Ländler zuckte mit den Schultern, „darauf habe ich nicht geachtet. Es ging ja auch viel zu schnell. Das Licht ging wieder an und wir sahen Manfred da liegen, zunächst eben noch Spaß und im kommenden Moment, wurde daraus bitterer Ernst!“
„Wir werden nun gleich“, gab Ripkis etwas müde kund, „das Geschehen im Detail Nachstellen. Dazu möchte ich insbesondere Sie bitten, mich und meine Kollegen zu Unterstützen. Ihre Beobachtungsgabe und ihr Gedächtnis ist hierbei äußerst gefragt!“
„Ich verstehe Herr Kommissar“, Ländler nickte, „haben Sie noch eine Frage an mich?“
„Ja, eine. Woher stammte der Brieföffner?“
„Von wo? Oder ob er aus dem Haus ist?“ abermals versuchte Ländler einer Frage etwas auszuweichen.
„Ob er aus ihrem Haus ist?“ gab der Kommissar leicht verstimmt zu Verstehen.
„Ja“, gab Paul Ländler zu, „er ist aus meinem Arbeitszimmer. Aber das ist eigentlich niemals verschlossen und jeder hätte in von dort nehmen können. Es wäre keinem Aufgefallen, wenn er sich kurz davon geschlichen hätte.“
„Mag ja sein“, gab Ripkis zurück, „aber wer weiß schon das sie diesen Brieföffner in Form eines Aztekenschwerts besitzen? Und wo er sich befindet?“
„Wenn ich das nach meiner persönlichen Meinung beantworten soll“, zögerte Ländler, „dann müsste ich sagen, Rena, eventuell mein Vater und natürlich ich. Aber auch das Putzpersonal muss es wissen, da sie ja die Räumlichkeiten pflegen.“
„Ich schlage vor“, gab der Kommissar kund, „das wir das Personal mal außen vor lassen. Ich glaube nicht, das bei diesen Leuten, der Mörder zu finden ist!“
„Kommen Sie schon Ripkis“, knurrte Ländler nun los, „sagen Sie es schon. Wo glauben sitzt der Mörder von Manfred Wurm? Bei meinen Gästen? Bei uns selber?“
„Sie sagen es Herr Ländler, „unverblümt erklärte der Kommissar weiter, „ich denke, das der Mörder nicht beim Personal und auch nicht bei den externen Gästen zu finden ist. Der Mörder von Manfred Wurm kann nur, entweder Peter Steinert, ihre Tochter Rena, oder Sie sein. Einer alleine, oder zwei, vielleicht sogar alle drei Zusammen. Das ist meine gegenwärtige Meinung z diesem Fall Herr Ländler. Sorry wegen meiner Offenheit!“
Ländler blieb einen Augenblick die Luft weg. Er hatte im Grunde damit gerechnet, es lag ja auch klar auf der Hand, aber es nun so direkt zu hören, gab dennoch einen schmerzhaften Stich ab.
„Ich werde alles daran setzen“, gab Ländler offen kund, „den Verdacht meiner Familie gegenüber zu enthärten. Verfügen Sie über mich, wie sie es als Richtig empfinden. Sie werden jegliche Unterstützung von mir erhalten!“
Es klopfte und Inspektor Rogers steckte seinen Kopf in den kleinen Raum. Ländler schwieg nun, auch Ripkis blieb stumm.
„Verzeihen sie die Störung Kommissar“, Rogers winkte Ripkis zu sich, „aber ich wollte nur sagen, das der Salon nun zum Augenschein bereit steht. Ich habe mir erlaubt Viktor Geier dazu zu holen, er war mir eine große Hilfe.“
Rogers hatte leise gesprochen, Ripkis nickte und raunte dem Inspektor zu.
„Eröffne dem Publikum, welches Szenario nun folgt. Ausnahmslos ein jeder, auch das Personal soll an seinem Platz verweilen, soll sich an den letzten Ausgangspunkt begeben, wo er vor dem beginn des Mörderspiels war. Und zuvor soll noch Georg Ländler mir die Aufwartung machen!“
„Verstanden“, Rogers nickte und entfernte sich. Der Kommissar kehrte zu Paul Ländler zurück.
„Inspektor Rogers wir nun alle Informieren“, sagte er, „ich würde Sie nun bitten, das Sie meinen Partner Unterstützen und in Folge Ihren Platz von zuvor einnehmen!“
Paul ging und Georg betrat kurz darauf die Kammer. Er zeigte sich gelassen und schien auch das ganze nicht so richtig zu Verfolgen.
„Nur ein paar kurze Fragen“, sagte der Kommissar zu den ältlichen Mann, „es dauert nicht lange.“
Georg Ländler nickte, er hielt ständig seinen rechten Daumen in der Faust verborgen und Ripkis beobachtete dies eine Zeitlang.
„Können Sir mir etwas zu den Vorfällen im Salon sagen?“
„Bedaure Nein“, ich kann Manfred Wurm nicht leiden. Er war einst mal sehr Unhöfflich zu mir, seither sprechen wir kein Wort mehr miteinander!“
„Haben Sie gesehen, von wem Herr Wurm die gelbe Nelke erhalten hatte?“
„Ich dachte eigentlich das er sie schon mitgebracht hatte“, Georg Länder begann mit den Fingern der rechten hand zu spielen, immer wieder ließ er sie auf und ab wandern. Dennoch blieb der Daumen weiterhin von ihnen verdeckt…
„Nur bei uns gibt es immer und in Hülle und Fülle gelbe Nelken, wenn er sie erst hier bekommen hat, dann sicherlich von Rena, seiner Frau. Nur sie mag diesen Tunichtgut wirklich!“
„Nun zu einer persönlichen Frage“, das Fingerspiel gab dem Kommissar keine Ruhe, „haben Sie sich am Daumen verletzt?“
Georg Ländler lächelte, der alte Mann öffnete langsam seine Hand, und streckte den Daumen etwas nach oben.
„Verletzt“, echote Ländler sanft, „ja, vor sehr langer Zeit. Als ich noch Soldat war. Mein Daumen wurde in einem Gefecht von einer Kugel gestreift, damals gab es ja noch keine plastische Chirurgie und so wurde kurzerhand der Daumen etwas verkleinert. Man kann die Narben noch sehr gut sehen, und schmerzhaft, ist es auch ab und zu!“
Ripkis beugte sich etwas näher, und konnte sehen, das der Daumen wirklich etwas kleiner war. Über die gesamte Fläche der gegenwärtigen Spitze, befanden sich feine Narben…
„Ich zeige meinen Daumen nicht sehr gerne, deswegen verberge ich ihn laufend in meiner Faust. Irgendwie schäme ich mich deswegen!“
„In Ordnung“, der Kommissar hatte zurzeit keine weiteren Fragen an den alten Mann, „bitte begeben Sie sich nun auch zu dem Lokalaugenschein, ich folge gleich.“
 
Paul Ländler stand zu seiner Zusage. Er erklärte allen, wie wichtig es wäre, an diesem Lokalaugenschein teil zu nehmen. „Nur so kann dieses Verbrechen gelüftet werden“, artikulierte sich Ländler, „tut alle das, was ihr auch zuvor getan habt. Die Rolle Manfreds, wird ein Beamter übernehmen. Ich habe den Kommissar exakt darüber informiert, was sich ereignet hat und welches Tun mein Schwiegersohn getätigt hatte. Lasst keinen Verdacht gegen euch aufkommen, und bleibt ruhig und bei der Wahrheit.“
Diese Worte schienen besonders an Rena Wurm und Peter Steinert gerichtet zu sein. Paul Ländler schien sich wirklich Sorgen zu machen um die beiden. Und es lag keine Angst um sich selber in seinem Tun. Ländler agierte Zielgenau und Kompetent!
Es gab zwar hi und da ein kurzes Murren, aber im Grunde nahmen alle Anwesenden besonnen ihre Plätze ein. Ripkis hatte Rogers nun seinerseits zur Seite genommen und kurz mit ihm gesprochen. Dann war er zu dem Lichtschalter getreten und überblickte von dir, den gesamten Salon.
Viktor Geier sprach zu den Leuten, er  erklärte ihnen noch einmal, so wie zuvor, die Regeln des Mörderspiels. Paul und Georg Ländler standen, sich unterhaltend, am westlichen Panoramafenster und Ripkis konnte auch deutlich erkennen, das Ländler wirklich, immer wieder zu Manfred Wurm, der in diesem Fall von Polizeileutnant Bern verkörpert wurde, blickte.
Manfred Wurm stolperte Betrunken durch den Salon und ließ kein einziges Champagner Glas aus. Hin und wieder kamen leicht obszöne Rufe von ihm und so manchen anderen, rempelte er grob an.
„Ich habe hier exakt so viele Holstäbchen wie Spieler Anwesend sind“, verkündete Vik Geier lautstark, um auch alle zu erreichen, „zwei dieser Stäbchen sind besonders Markiert. Eines Rot, das andere Schwarz. Rot steht für den Mörder und Schwarz für den Detektiv. Ich mische nun die Stäbchen, stecke jedes in einen verschlossenen Umschlag und mische diese nun abermals durch.“
Ripkis verfolgte gewisse Abläufe und warf auch hin und wieder einen Blick auf Viktor Geier.
„Nun zieht ein jeder einen Umschlag und öffnet in. Je nach Farbe, rot, schwarze oder natur, befindet er sich im Spiel. Die naturellen Stäbchen symbolisieren die potenziellen Opfer!“
Inspektor Rogers schlenderte durch die Anwesenden und stellte hin und wieder ein paar Fragen. Auch Vik Geier wurde von dem Beamten angesprochen und einige Zeit unterhielt sich Rogers mit dem Kanzleiorganisator.
„Weder die Opfer, noch der Mörder selber darf sich nun zu erkennen geben“, richtete Geier seine Worte nun wieder an die Anwesenden, „nur der Detektiv hat sich zu Offenbaren.“
„Das wäre dann wohl ich“, Rena Wurm trat vor und hielt das schwarz Gekennzeichnete Stäbchen hoch, „was muss ich nun tun Vik?“
„Du gehst als Detektiv des Spiels nun aus dem Salon, schließt die Tür hinter dir. Wir werden nun für genau fünf Minuten das Licht löschen und zuvor die Jalousien herunterfahren. Der Raum muss im absoluten Dunkel liegen… der Mörder hat genau fünf Minuten Zeit, um sein Opfer, das er frei Wählen kann, zu killen. Sobald der Todesschrei ertönt, werden wir das Licht anmachen. Danach, oder eben nach Ablauf der gesetzten Frist!“
Während dieser Worte, verließ Rena Wurm den Salon. Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, sprudelte Manfred Wurm abermals lallend los, „Was ist denn das für ein scheiß Spiel?“, er hielt ein halbvolles Champagner Glas hoch und prostete allen zu, „Auf ein Sinnloses und vor allem Lächerliches Spiel meine Damen und Herren, ich werde mir in der Zwischenzeit am köstlichen Champagner wohl tun. Das ist ohnedies das Beste!“
Die Rollladen wurden herab gelassen und dann erlosch das Licht. Nach einer Minute trat Kommissar Ripkis an die Tür und öffnete sie geschwind. Ein Lichtschein fiel herein, rasch blickte er hinaus und sah Rena Wurm, unweit der Küche stehen und mit einem Bediensteten sprechen. 30 Sekunden danach war diese Überprüfung auch schon abgeschlossen…
 
So wie es Paul Ländler ausgesagt hatte, blieb es für genau vier Minuten Dunkel, dann ertönte ein Todesschrei und der Kronleuchter erstrahlte darauf im hellen Licht.
Ripkis beobachtete. Jeder blickte sich um. Keiner hatte wesendlich seine vorige Position verändert. Nur in den Augen von Paul Ländlers flammte kurzzeitig ein seltsamer Glanz auf, dieser Zustand dauerte nicht lange an und der Kommissar konnte auch nicht feststellen, welchen Umstand dieser Blick galt. Noch nicht…
Schon zuvor hatte Ripkis eine kleine Digitalkamera gezückt. Nun machte der Kriminalist schnell einige Bilder. Dann winkte er Rogers zu sich.
„Geh auf den Flur und rede mit dem Personal in der Küche“, ordnete der Kommissar an, „stelle fest, ob Rena Wurm wirklich zuvor mit einem der Angestellten gesprochen hat. Doch im Grunde hat sie als einzige bisher ein wirkliches Alibi!“
„Verstanden“, Rogers nickte, „was dann?“
„Dann beginnen wir mit der Befragung neu. Abermals ist als erste Rena Wurm an der Reihe!“
Danach trat Ripkis selber zu einigen der Anwesenden, und befragte sie in einem speziellen Punkt. Er wollte ganz sicher sein und Rena Wurms Alibi auch von anderen Bestätigt wissen!
Eins Stunde später, saß der Kommissar wieder in dem Verhörraum und hatte zuvor Paul Ländler um die Benutzung des Computers gebeten. Gespannt hatte er die Digitalbilder von der Kamera auf den PC geladen und nun blickte er Rena Wurm freundlich an.
„Zuerst einmal“, begann Ripkis, „möchte ich mein Beileid zu ihrem Verlust aussprechen. Zuvor habe ich das leider außer Acht gelassen, das war unverzeihlich und vor allem Respektlos. Es tut mir sehr leid Frau Wurm. Und nun“, Rena nickte und meinte nur, das es im Eifer des Gefechts schon mal vorkommen konnte, „zu ihren Alibi. Wie es scheint, ist ihre Aussage, das sie nicht im Salon waren und auch nicht in den selben gekommen sind in der Dunkelheit, bestätigt. Von mehreren Aussagen, unabhängig von einander, wurde dies Kundgetan!“
Ripkis hatte von vielen Erfahren, das eben kein Lichtschein vor dem Todesschrei, in den Salon gefallen war. Etwa vier Minuten war es absolut Dunkel gewesen. Auch der Bedienstete in der Küche gab an, das er wirklich zu jenem Zeitpunkt mit Rena Wurm gesprochen hatte. Ob es dem Kommissar nun gefiel oder nicht, Fr. Wurm war damit aus dem Rennen, zumindest was die Tat direkt betrifft!
„Und wissen Sie nun auch schon wer für den Tod an meinem Mann verantwortlich ist?“
„Bedaure nein“, antwortet Ripkis offen, „aber wir sind ja auch erst am Anfang. Ich kann Sie nun ausschließen, aber es bleiben noch immer ihr Vater und auch Peter Verdächtig. Denn vergessen Sie nicht Fr. Wurm, einer von ihnen, muss der Täter sein. Das liegt ja auf der Hand!“
„Das verstehe ich ja“, äußerte sich Rena leise, „aber ich kann nicht glauben das einer von ihnen Manfred erstochen hat. Beide wissen, das mein Herz ihn wirklich Liebt!“
Ripkis entließ die junge Frau, bevor er sich abermals Peter Steinert kommen ließ, läutete sein Handy und der Kommissar hob ab. Das Labor war dran und berichtete, das die Untersuchung der Mordwaffe nicht viel ergeben hat.
„Der Brieföffner ist an beiden Seiten scharf geschliffen“, sprach der Kollege, „es war keine besondere Kunst, den Mann zu töten. Fingerabdrücke gibt es zwar einem auf dem Griff des Aztekenschwerts, aber er ist so stark verwischt, das man nicht wirklich etwas damit anfangen kann. Das Register hat ihn bereits durch die Akten laufen lassen, bei denen gibt es kein Gegenstück. Ich kann da nur hoffen, das Sie ihn verwerten können. Ein Kollege ist mit dem Unterlage, es befindet sich auch der Pathologische Befund dabei, bereits zu Ihnen Unterwegs. In weniger als einer Stünde müssten Sie die Befunde und auch den Print haben!“
Danach legte Ripkis auf. Ein schlechter Fingerabdruck, war besser, als überhaupt keiner. Und er hatte schon eine Idee, wie er unauffällig an zwei bestimmte Vergleichsstücke kommen konnte.
Rogers brachte einige frischer Kaffeetassen und im Anschluss bat er Herrn Steinert zur weiteren Befragung.
„Nehmen Sie doch platz Herr Steinert“, Ripkis bot den jungen Mann Kaffee an und dieser nahm das heiße Gebräu dankend an, „so wie die Dinge gegenwärtig liegen, scheidet Fr. Wurm als Mörderin aus. Ihr Alibi ist unwiderlegbar. Meine Frage an Sie, wen haben sie als Opfer auserkoren und warum haben sie ihre Tat nicht umgesetzt?“
Peter trank einen großen Schluck des Kaffees und sagte dann, „Ich hatte eigentlich Vik als Opfer auserkoren. Er hat das Spiel eingebracht und ich dachte, es wäre nur Fair, wenn er die Ehre zum Tod erfährt.“
„Also ein ironischer Mord!“ lächelte Ripkis.
„Ja Herr Kommissar, reine Ironie.“ Sagte er und trank einen weiteren Schluck. „Ich stand beim Licht aus, auf der anderen Seite des Salons. Vik war in der Nähe von Renas Vater, ich war noch vorsichtig auf dem Weg zu ihm und hatte auch schon die Hand zum Stoss erhoben, als eben der Todesschrei erklang. Ich muss gestehen, ich bin wahnsinnig erschrocken… “
„Das kann ich Verstehen“, der Kommissar gähnte, „okay Herr Steinert, das wäre es fürs erste. Es kann aber sein, das ich später Sie noch einmal brauche. Bitte halten Se sich weiterhin zur Verfügung!“
Peter trank seinen Kaffee aus und stellte die leere Tasse ab.
„Wie sie wünschen“, sagte er, „ich werde bleiben.“ Danach erhob er sich und verließ rasch die Kammer. Ripkis zog sich seine Gummihandschuhe über, nahm Steinert Tasse in Gewahrsam und versah den Henkel mit einem spezifischen Namensschild. Dann verstaute er sie an einem Sicheren Platz.
Nun kam abermals Paul Ländler an die Reihe, auch ihm bot Ripkis eine Tasse Kaffee an und auch er nahm sie dankend entgegen.
„Es ist nun mal so“, sagte der Kommissar eröffnend, „das ihre Tochter Rena vorerst aus der Schusslinie ist. Es scheint so das sie ein Alibi hat. Es muss nur noch von anderen Quellen Bestätigt werden!“
Ländler trank seinen Kaffee auf einen Sitz aus und stellte die Tasse ab, dann fragte er.
„Konnte ihnen der Lokalaugenschein helfen? Erlangten sie neue Erkenntnisse?“
„Irgendwie schon“, gab Ripkis an, „besonders ein Umstand ließ mein Interesse erwachen. Und dieser Vorfall betraf sie. Als das Licht wieder anging, hatten sie ein sonderbares Leuchten in ihren Augen. Leider konnte ich nicht erkennen wem, oder was betreffend. Können Sie mir das nun sagen Herr Ländler?“
Paul stockte, er schob die leere Tasse beiseite und biss sich zunächst nur auf die Lippe. Doch schließlich sagte er.
„Ich weiß nicht ganz was sie meinen“, verlegen blickte er zu Boden, „kann sein das mir das Licht schmerzvoll in die Augen strahlte Herr Kommissar, aber ich kann mich an keinen Vorfall besinnen. Es tut mir leid!“
Schweigend nickte Ripkis. Paul Ländler erhob sich und ging. Zunächst krallte sich der Kommissar, seine Tasse und ging bei ihr, exakt wie bei Steinerts Exemplar vor. Diese beiden Prints hatte er gesichert. Sobald das Vergleichsstück da war, konnte er an die Auswertung gehen…
 
Kurz nach Mitternacht erreichte der Kollege mit den Unterlagen die Villa Ländlers. Ripkis schloss sich mit Inspektor Rogers in der Kammer ein und die Beamten wachten über die Anwesenden.
Während sich Rogers des Laborbefundes annahm, studierte Ripkis den Pathologischen Bescheid. Doktor Brandner vermerkte, das die Mordwaffe mit einem einzigen Stoss, direkt ins Herz getrieben worden war. Der Stich war sofort tödlich. Es gab weiters keine Anzeichen, oder Merkmale dafür, das Manfred Wurm festgehalten, gefesselt, oder gar bedeut worden war. Außer dem hohen Alkoholspiegel, den der Bereffende von sich aus zu sich genommen hatte, befanden sich keine Betäubungsmittelspuren in seinem Blut.
„Nicht viel“, äußerte sich Rogers schroff, auch er konnte nun ein Gähnen nicht mehr unterdrücken.
„Stimmt, aber mich interessiert nun mehr der schlechte Fingerprint. Eventuell mit ihm können wir etwas Ausrichten!“
Der Inspektor nahm sich schon mal den Print vor, und während Ripkis die beiden Abdrücke von den spezifischen Tassen nahm, knurrte Rogers.
„Wirklich nicht sehr gut erhalten“, immer wieder versuchte der Beamte mit dem Vergrößerungsglas definitive Muster zu erkennen, „es kann sein das wir den Print verwenden können, aber es kann auch genau so gut sein, das er wertlos ist.“
„Ich weiß“, Ripkis arbeitete genau, „aber ein Versuch ist es dennoch wert.“
Nachdem die gesicherten Fingerabdrücke von Steinert und Ländler vorlagen, machte sich der Kommissar an die Kontrolle. Peter Steinerts Print fiel sofort aus, keine einzige Übereinstimmung war vorhanden.
„Steinert scheidet aus“, Ripkis war auch nicht verwundert, „laut Augenzeugen, befand er sich auch wirklich, als das Licht an ging, in unmittelbarer Nähe zu Viktor Geier. Und dieser war wiederum in nächster Nähe zu Paul Ländler. Es ist zum aus der Haut fahren, damit kann es auch nicht der Vater Renas ein. Aber wenn es keiner von Ihnen war, wer dann? Und Warum?“
„Haben wir uns so verrannt?“ Rogers konnte das nicht glauben. Ripkis prüfte nun noch Paul Ländlers Abdruck genau, konnte aber auch hier keine Identität finden. Dennoch stutzte er, irgendetwas an dem verwischten Abdruck kam ihm bekannt vor…
 
Inspektor Rogers trat aus der Kammer, zielstrebig trat er an Viktor Geier heran und bat den Organisator zu Kommissar Ripkis. Nun saß dieser dem Beamten gegenüber und schaute dem Kriminalisten gespannt an.
„Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Mir ist eingefallen, das sie eine meiner anfänglichen Fragen bisher nicht beantwortet haben. Ich habe dem bisher keiner Bedeutung beigemessen, aber jetzt, wo sich ein weiterer Aspekt ergeben hat, ist diese Frage schon mal wichtig.“
„Eine Frage“, überlegte Geier, „welche Frage habe ich nicht beantwortet?“
„Woher kannten Sie das Mörderspiel?“ lauernd blickte der Kommissar auf den Kanzleiorganisator.
„Haben Sie selber dieses Spiel eingebracht? Oder wurden sie darauf Aufmerksam gemacht?“
„Nein, schüttelte Viktor Geier den Kopf, „ich selber habe das nicht Mitgebracht. Eigentlich hatte ich für diesen Abend etwas ganz anderes geplant. Nämlich einen Limbo. Mir wurde dieses Spiel angetragen, und ich muss sagen, ich befand es schon sehr interessant. Habe ja nicht damit gerechnet, das diesen Umstand ein anderer Aus… “
Vik stockte, er wurde bleich. Etwas irritiert fixierte er die Augen des Kommissars, dieser nickte stumm und behielt seinerseits den Blick Geiers fest.
„Das kann doch nicht sein“, stammelte Viktor Geier entsetzt, „das muss ein Irrtum sein. Ich weigere mich das zu Glauben!“
„Auch ohne Sie zu fragen“, leise sprach Ripkis auf den verstörten Mann ein, „kann ich den Namen des Betreffenden in Ihren Augen lesen. Doch der Form halber“, der Kommissar schob Vik ein Stück Papier und einen Stift zu, „schreiben Sie den Namen der Person bitte hier nieder und falten sie das Papier zusammen.“
Mit zitternden Fingern, langte Geier nach dem Stift und begann zaghaft zu schreiben. Er schüttelte dabei immer wieder den Kopf und versuchte die Realität hinter dieser Tatsache zu verwischen. Er wollte es einfach nicht Wahrhaben!
 
„Es würde passen“, sagte danach Ripkis zu Rogers, „so könnte es gewesen sein.“
„Ja“, war Rogers kurze Antwort, „aber wirklich beweisen können wir es ihm nicht. Und selbst Ländler scheint ihn zu denken. Wenn wir da einen Fehler machen, dann geht er uns durch die Lappen!“
Ripkis rieb sich die Augen. Seine Nase begann zu laufen und er musste die rasch putzen. Bisher hatte er seine steckende Krankheit nicht verspürt, doch jetzt machte sie sich allmählich bemerkbar.
„Das weiß ich auch“, der Kommissar überlegte, „ich habe eine Idee, doch zuvor möchte ich noch mal mit Georg Ländler sprechen. Hole ihn mir bitte Ronald, und danach sichte Herrn Steinert und Frau Wurm. Beide müssen nun abgeschirmt werden und… “ endete Georg Ripkis mit Nachdruck, „sorge auch dafür, das Paul Ländler diese Aktivität mitbekommt!“
 
Lange blickte Ripkis Georg Ländler an, beide schwiegen. Wie zuvor, schützte und versteckte er, seinen verstümmelten Daumen, in der Faust der rechten Hand.
„Wie es nun ist“, begann Georg Ripkis langsam, „ist der Fall Wurm gelöst. Und ich muss leider sagen, das es Herr Peter Steinert war, der die Tat ausübte. Wir müssen noch prüfen, ob Frau Wurm, oder sogar Paul Ländler selbst, als Anstifter in Betracht kommt. Vielleicht sogar alle beide zusammen… “,
Georg Ländlers Gesicht zuckte. Er holte tief Luft und sagte.
„Das kann doch nicht sein? Steinert ist vielleicht in Rena verliebt, aber ich kann nicht glauben das er deswegen einen anderen Menschen töten würde. Und Rena, oder sogar mein Sohn als Anstifter dazu? Das ist noch unglaubwürdiger!“
„Ich weiß das es schwer fällt, das Anzuerkennen“, sprach der Kommissar mitfühlend, „aber nach den vorliegenden Fakten, verbirgt Paul Ländler etwas vor mir, genauso wie Rena Wurm, beide haben mich bewusst hinters Licht geführt.“
„Aber Rena war doch gar nicht im Salon“, äußerte sich Georg Ländler, „sie war draußen, da sie ja der Detektiv war und sie haben selber festgestellt, das sie nicht unbemerkt in den Salon kommen hätte können!“
„Korrekt Herr Länder, das ist absolut Richtig. Doch das macht sie nicht unantastbar im Bezug auf eine Anstiftung!“
„Was folgt nun?“
Ripkis hob den Blick, und sagte trocken.
„Was kann nun folgen. Herr Steinert wird uns begleiten. In den kommenden Tagen, werden wir tiefer in das Verhältnis zwischen Ihren Vater, dem Kompagnon und Ländlers Tochter eintauchen. Rena oder Paul, einer von Ihnen oder beide gemeinsam, müssen Peter Steinert zum Mord an Manfred Wurm aufgefordert haben. Das sagt mir die gelbe Nelke, die er beim Eintreffen hier, noch nicht im Jackettknopfloch gehabt hat!“
„Peter Steinert ein Mörder?“ wiederholt schüttele Georg Ländler den Kopf, „Aber Peter stand doch bei Vik Geier, er war nicht mal in der Nähe von Manfred Wurm, als das Licht wieder an ging.“
„So sollte es aussehen“, gab Ripkis zurück, „aber beim Lokalaugenschein sah ich einen seltsamen Funken im Blick Paul Ländlers, er muss etwas gesehen  haben was nicht mit dem vorangegangenen Bild im Einklang war. Ich glaube, das es Peter war, den eben Paul an einer anderen Position sah, als er beim ersten mal war!“
„Sind sie absolut Sicher?“
„Sicher?“, der Kommissar blieb unberührt, „Wie kann man bei einem solchen Fall schon wirklich ganz sicher sein. Schon das Mörderspiel, welches von Viktor Geier nahegebracht wurde, ist schräg. Dann der eiskalte Mord an Manfred Wurm und die offensichtliche Tatsache, das mich Paul Ländler und Rena Wurm an der Nase herum führen wollten, das alles verhärtet meine Ansicht. Es muss so gewesen sein, denn ein anderer hätte kein Motiv!“
Man konnte in der Mine des alten Mannes sehen, das es ihm nicht gefiel was er da nun gehört hatte. Die Beweislage war seicht, aber dennoch nicht unlogisch. Irgendetwas nagte an Georg Ländler und Kommissar Ripkis erhob sich.
„Belassen wir es dabei“, langsam trat der Kriminalist um den Schreibtisch herum und half Georg Ländler auf die Beine, „ich kann ihre Haltung verstehen, es ist nicht leicht zu erkennen, das jemand, der einem s nahe steht, womöglich ein Mordanstifter ist. Und ich nehmen mal an, das Ihnen ihr Vater, und auch ihre Enkelin nahe stehen. Vielleicht sogar Peter Steinert auch… denn immerhin ist er der Kompagnon ihrer Kanzlei!“
Grübelnd, mit Tränen in den Augen, ließ sich der alte Mann aus dem Verhörraum führen. Er sagt nichts mehr, nur seine Augen sprachen eine deutliche Sprache. Eine mehr als eindeutige Sprache…
 
„Meine Damen und Herren“, Kommissar Ripkis sprach zu allen Anwesenden, „ich kann leider nicht sagen das dieser Mord bereits zu Hundertprozent gelöst ist, aber wir haben einen Tatverdächtigen. Er selbst wollte zwar mit seiner Scheins offenen Art von seiner Tat ablenken, aber nun, nach Sichtung aller vorliegenden Fakten und nach der Auswertung aller Aussagen, kann ich sagen, das und ich muss auch zugeben, das es mir nicht leicht fällt, den Namen zu nennen“, Georg Ripkis legte einen finale Pause ein, „das nur einer von Ihnen, und das war ja auch bereits zu Beginn klar, der Mörder an Manfred Wurm sein kann. Nämlich, kein anderer, als Herr Peter Steinert… !“
Ronald Rogers, zusammen mit anderen Kollegen, hatte längst Steinert isoliert. Auch Paul Ländler und besonders Rena Wurm, wurden weitab von dem Verdächtigen gehalten. Peter Steinert fuhr empört auf, auch Rena schrie ein „Nein“, doch Ripkis führte seine Überlegungen ohne Abweichung zu ende.
Viktor Geier trat unsicher an den Kommissar heran und raunte ihm etwas zu. Ripkis nickte, legte dem Organisator beschwichtigend die Hand auf die Schulter und sprach weiter.
„Paul Ländler versuchte mich zu täuschen, er wich Fragen aus, oder leugnete. Ebenso Rena Wurm, die sicherlich mehr für Peter Steinert empfindet, als sie bereit war zu zugeben. Beide kommen als Mörder nicht in Frage, insbesondere Rena, hat diesbezüglich ein Wasserdichtes Alibi. Aber“, abermals schwieg der Kommissar, „beide zusammen, oder auch nur einer von Ihnen, könnte Steinert zu dieser Tat veranlasst haben.“ Und zu den betreffenden gewandt, fragte Ripkis. „Wollen Sie ihr Gewissen nicht etwas erleichtern, und mir sagen, wer von Ihnen der Anstifter war? So oder so, wir bekommen es sicherlich heraus!“
„Ich habe keinen, z irgendwas Angestiftet“, äußerte sich Rena Wurm unter Tränen. „Genauso wenig wie ich“, gab Paul Ländler kund. In seiner Stimme schwang aufsteigende Wut mit.
„Und ich“, Peter Steinert versuchte sich aus der Umklammerung der Beamten zu befreien, „habe keinen Ermordet, weder Fred, noch sonst jemanden. Das ist alles ein Irrtum, ein Missverständnis. Wir sind Unschuldig, das müssen sie uns glauben Herr Kommissar!“
„Aber sie lieben Rena“, Ripkis richtete seine Worte direkt an Peter Steinert, „mehr als se sollten. Und sie wollten nicht, das Rena länger unter der Knechtschaft Manfred Wurms stand. Oder nicht?“
„Ja okay“, Steinert nickte, „es stimmt. Ich hasste Fred, nicht weil er sich Rena geangelt hatte, sondern weil er nichts wert war. Rena vergeudete ihre Liebe an diesem Mistkerl und ich konnte nur untätig daneben stehen und es mit ansehen!“
„Bis zu diesem Abend?“
„Ja und nein“, gab Peter zu, „ich habe mit Rena gesprochen, ihre Tränen gesehen und ich wusste, das es so nicht weiter gehen konnte. Ich habe mich an Renas Vater gewandt, wollte von Paul wissen, ob es nicht einen Weg gab. Doch Paul untersagte jede Einmissung. Er war dagegen!“
„Gegen was?“ bohrte nun Ripkis genauer nach.
„Gegen eine Lektion. Ich wollte eigentlich Fred gehörig verprügeln, ihm nahelegen, das er Rena aus seinen Fingern lassen sollte. Es tut mir leid“, Steinert senkte seinen Blick und man konnte sehen das er knall rot war. Aus Liebe, vor Verlegenheit? Wahrscheinleich aus jedem etwas…
„Aber sie taten nicht?“
„nein“, wiederholte Peter offen, „Paul ist ein Ehrenmann, ich respektiere seine Meinung und ich respektiere Renas Liebe. Auch wenn sie besser daran wäre, einen anderen zu Lieben!“
„Sie zum Beispiel?“
„Es wäre nicht das schlimmste für sie“, gab Peter Steinert schroff zurück, „bei mir und mit mir, hätte sie wenigstens ein wirkliches Leben!“
„Und sie Herr Ländler“, nun wandte sich Ripkis an Paul Ländler, dem Vater Renas, „sie haben Peter Untersagt das er etwas gegen Manfred Wurm unternehmen dufte?“
„Vielleicht nicht mit diesen Worten“, gab nun Ländler zu, „aber so in etwa. Meine Tochter hatte diesen Mann, der Grund dafür ist mir unbekannt, leider auserwählt ihr Zukünftiger zu sein. Ich mochte ihn nicht und ich wollte ihn nicht. Ja es stimmt, ich hätte Peter viel lieber als meinen Schwiegersohn gesehen, aber Rena entschied sich nun mal anders und darum war für mich ihr Wille bindend. Ich hätte nichts Unternommen, oder zugegeben, wessen die Liebe meiner Tochter zerstören hätte können. Kein wirklich liebender Vater kann das!“
„Und warum haben sie das nicht gleich zugegeben? Warum haben sie mich diesbezüglich, alle beide“, damit deutete der Kommissar auf Paul Ländler und Rena Wurm, „angelogen? Dachten Sie wirklich, das wir die Wahrheit nicht doch ans Licht bringen würden?“
„Es war Dummheit“, gab Ländler offen zu, „wir wollten nicht, das wir in den Verdacht des Mordes gelangten.“
„Und alles was sei dabei wirklich erreichte haben“, konterte Ripkis trocken, „ist genau das, was sie zu vermeiden suchten. Sie machten sich Verdächtig. Und, sie haben ja auch noch in einem weiteren Punkt gelogen, nicht wahr Herr Ländler?“
Direkt auf Paul Ländler blickend, wartete der Kommissar auf die kommende Reaktion. Dieser senkte betroffen den Blick, und er schwieg einen Moment. Es sah ganz so aus, als würde der Immobilienmakler diesbezüglich nicht Farbe bekennen.
„Verdammt Ripkis“, knurrte er schließlich. Es sollte aber nicht böse klingen, sondern nur verzweifelt, „ja es stimmt. Ich habe auch noch in jenem Bezug gelogen, denn sie nun so blumig angesprochen haben. Aber was sollte ich tun, sagen sie mir Herr Kommissar, was sie an meiner Stelle getan hätten!“
„Ich weiß es nicht“, antwortete Ripkis sanft, „ich kann es nicht sagen. Eventuell hätte ich exakt so gehandelt wie sie. Aber desto trotz, ich kann den Mörder, bei aller Liebe und Wohlwolligkeit leider nicht laufen und ungeschoren davon kommen lassen. Das müssen sie nun wieder Einsehen Herr Ländler!“
Paul Ländler nickte… dennoch schwieg er.
„machen wir es kurz“, setzte Ripkis eine weitere Offerte, „ich erspare Ihnen es, denn Namen zu nennen. Ich an Ihrer Stelle werden nun den wirklichen Mörder Bekanntgeben!“
„Das Herr Kommissar“, eine entschlossene Stimme aus der Menge erhob sich, „wird nicht notwendig sein. Beenden Sie bitte diese Schmach, ich stelle mich Freiwillig. Denn eines habe ich nicht gewollt, das Peter, oder sogar Paul oder Rena in den Verdacht des Mordes gelangen!“
Ein ältlicher Mann, trat hervor und richtete seinen nassen Blick auf den Kriminalisten. Er kam betroffen auf den Kommissar zu und sagte.
„Ich gestehe es“, Mut und Aufrichtigkeit lag in seiner Stimme, „ich habe Manfred Wurm getötet. Ich war es, der Vik auf das Mörderspiel aufmerksam gemacht hat und von mir, hatte Manfred die gelbe Nelke erhalten. Ich alleine war es, weder Paul, noch Rena oder Peter hatten die Hand mit im Spiel. Ich konnte dem offensichtlichen Leiden Renas nicht mehr länger zusehen!“
Georg Ripkis blickte zunächst still auf Vik Geier, dieser nickte stumm. In Folge zog der Kommissar ein zusammengefaltete Stück Papier aus der Jackentasche und schlug es auf. In zittrigen Worten hatte Viktor Geier nur einen einzigen Namen darauf vermerkt…
„Ich danke Ihnen für Ihre Entscheidung“, Ripkis blickte den ältlichen Mann fest an, „ich hatte erhofft, das sie sich nun selbst Stellen. Denn auch ich glaubte stets, das sie Manfred aus Liebe getötet haben. Aus Liebe zu Ihrer Enkelin Herr Georg Ländler… !“
„Wie sind sie auf mich gekommen? Und wann?“
„Erst, als ich den stark verwischten Print des Mörders, mit denen von Peter und Paul verglich. Peter schied sofort aus, auch Paul kam nicht in Frage und da der Abdruck sehr unkenntlich war, hatte ich schon die Befürchtung, er würde mir nichts Nützen. Doch ich erkannte ein Merkmal, da sich zuvor kurz gesehen hatte… “
Georg Ländler hob seine rechte Hand, er streckte den besagten Daumen aus und nickte. „Ich Verstehe, mein verstümmelter Daumen hat mich also verraten!“
„Aber sie haben doch niemals Fingerabdrücke von uns genommen!“ Peter Steinert und auch Paul Ländler hinterfragen dies. „Wie konnten sie unsere Abdrücke it dem Print des Täters vergleichen?“
„Der Kaffee“, sagte Ripkis kurz, „die Kaffeetasse, welche ich Ihnen beiden angeboten habe. Ein Trick, um keine Wellen zu machen. Denn ich hätte ja jeder zeit, und direkt ihre Prints abnehmen können!“
„Und was war Vaters letzte Lüge nun?“
„Ich war es“, gestand Georg Ländler ein, „nachdem ich Manfred getötet habe und das Licht an ging, stand ich unweit Wurms. Als das Licht ausging, befand ich mich aber noch neben deinem Vater. Bei dem Lokalaugenschein, blieb ist stehen, wo ich zuvor gewesen war. Paul wird natürlich bemerkt haben, das ich zuvor nicht da war und er wird erkannt haben, was ich getan habe!“
„So war es“, legte nun Paul auch diese Lüge bei, „ich erschrak, als mir bewusst wurde, das Georg zuvor nicht mehr an meiner Seite verweilte. Bevor der Mord aufkam, und auch danach, maß ich diesen Umstand keine Bedeutung bei, erst bei dem Augenschein, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.“
„Rena“, der Großvater wandte sich an seine Enkelin, „es tut mir leid. Ich wollte nur, das du endlich Glücklich bist. Ich wollte nicht das du unter Verdacht gerätst, und noch weniger hätte ich dich, meinen Sohn, oder gar Peter in das offene Messer laufen lassen. Ich habe nicht wirklich Nachgedacht was ich da tat, ich tat es einfach. Aus Liebe zu dir!“
Rena Wurm weinte. Sie nahm ihren Großvater schluchzend in die Arme und sagte. „Ich verzeihe dir und bin dir nicht Böse Opa“, aufweinend vergrub Rena ihr Gesicht in der Brust ihres Großvaters, „es ist ja auch meine Schuld… “
„Und die meine!“, regte ebenfalls Peter Steinert an, „Du hast mich gehört, als ich mit Paul gesprochen habe?“
„Korrekt Peter“, ich habe es gehört und ich habe da beschlossen, das Manfred weg muss. Bitte verzeihe mir, das du wegen mir, in den Verdacht des Mordes gekommen bist!“
„Keiner von den drein“, äußerte sich nun Ripkis, „war zu dem Zeitpunkt, als ich meine Ausführungen vertrat wirklich Verdächtigt. Ich wollte damit nur eines erreichen, nämlich, ihnen die Gelegenheit geben, sich freiwillig zu Stellen. Nur eine Frage hätte ich noch!“
„Fragen Sie Herr Kommissar“, Georg Ländler nahm sanft seine Enkelin bei der Hand und führte die junge Frau zu Peter Steinert.
„Peter liebt dich Aufrichtig“, sagte er, „gebe dieser Liebe eine Chance, denn ich weiß, weil ich es deutlich in deinen Augen sehen, das auch du Peter liebst. Ihr beide seit wie für einander geschaffen und zusammen, könnte ihr wirkliches Glück finden!“
Peter nahm Rena in den Arm und auch Rena, schien nun diese Empfindung zu teilen. Paul Ländler trat hinzu und sagte.
„Ich habe immer deinen Willen respektiert. So auch Peter, doch so, ist es mir auch viel lieber meine Tochter!“
Nun kehrte Georg Ländler zu dem Kommissar zurück und meinte.
„Was ist nun ihre Frage Ripkis? Ich werde alles offenlegen!“
„Warum die gelbe Nelke?“
„Ganz einfach“, erläuterte Ländler ruhig, „ich hatte ja nicht viel Zeit und musste Wurm an einem spezifischen Merkmal erkennen. Sein Gelalle und auch sein torkeln waren zwar Eindeutig, aber im Dunkeln, wusste ich ja nicht ob er sich Bewegen würde. Da war mir die Nelke sicherer. Kein anderer hatte eine und so, als ich sie ertastete, wusste ich, das ich mein Opfer gefunden hatte!“
 
„Mord aus Liebe“, Oberkommissar Reumehr, legte die letzte Seite des Berichts in den Akt zurück. Es war drei Tage später.
„Tragisch, wenn man da keinen anderen Ausweg mehr sieht, als Mord.“
„Ja“, bestätigte Kommissar Ripkis, „nur ich kann hier nicht sagen, das mir das Opfer leid tut. Vielmehr fühle ich hierbei mit dem Täter und kann nur ehrlich hoffen, das hier der Richter etwas Gnade vor Recht ergehen lässt!“
 
« Das Einsatzteam
Fall 10,
Mord aus Liebe »
Kriminalfall von 2008
© Werner Alexander
„Literatur für Jung & Junggebliebene“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.08.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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