Gaby Schumacher

Eindrücke von Mallorca

1.Die Anreise

 

Unser Ziel ist Cala Rajada an der hohen NO-Küste Mallorcas.

 

Ich jedenfalls leide nicht an Reisefieber - iich nicht! Wir werden ja bloß nach Mallorca fliegen und Mallorca ist schließlich nicht Australien. Vorsichtshalber stelle ich meinen Wecker auf 1.30 Uhr. Um 3.15 Uhr soll mich ein Wagen zum Flugplatz bringen. Um 21 Uhr schlafe ich ein, wache dann gegen 23.30 Uhr das erste Mal auf und schaue aus dem Fenster. Es ist Vollmond.

„Heute verschlaf ich garantiert nicht!“ 

 

Und richtig: Nachdem ich jede halbe Stunde vor dem so-gar-nicht-Resefieber hoch geschreckt bin, stehe ich dann um 1.30 Uhr endgültig auf. Gegen 3.00 Uhr stecke ich meinen Nachbarn noch eine kurze Nachricht in den Postkasten und drehe mich nichtsahnend um.

„Huch!“

Vor mir steht der Fahrer des Wagens.

„Meine Güte, sind Sie pünktlich!“

 

Zwanzig Minuten später betrete ich das Flughafengebäude. Um 5.50 Uhr soll die Maschine abheben. Aber da nicht genügend Verladepersonal zur Verfügung steht, verzögert sich der Start um vierzig Minuten. Gegen 6.30 Uhr ist es endlich soweit. Etwa eine Stunde später liegen schon die schneebedeckten Gipfel der Alpen unter uns.

„Wahnsinn! Einsamkeit, Stille und ewiges Eis ... !“

 

Allmählich wandelt sich das Bild. Die bizarren Berge bleiben in der Ferne zurück. Stattdessen schauen wir auf sanfte, bewaldete Hügelketten, die riesige Ebenen mit weit verstreut inmitten ausgedehnter Felder liegenden Ortschaften einschließen. Nach einer weiteren Stunde dürfen wir uns am Anblick des im gleißenden Sonnenschein tiefblau glitzernden Mittelmeeres erfreuen. Ab und an tauchen winzige Felseninseln auf - ansonsten nur wogendes Wasser bis zum Horizont. 

 

Nach insgesamt 2 Stunden 10 Minuten landen wir bei wolkenlosem Himmel auf dem Flugplatz von Palma de Mallorca. Uns empfängt eine brütende Hitze. Zwar haben wir damit gerechnet, aber trotzdem bedeutet es eine enorme Umstellung. Vor dem Gepäckband stehen wir uns dann eine halbe Stunde lang die Beine in den Bauch und bewundern mindestens fünfzehn Sonnenschirme, zwei Kosmetikkoffer und etliche Buggys, bevor dann endlich unsere Koffer erscheinen.

 

Eilig marschieren wir zum Bus, der uns nach Cala Rajada bringen wird. Nach der über einstündigen Fahrt kommen wir völlig erschöpft dort an. Überall gähnende Gesichter. Unser Hotel, 500 m vom Strand entfernt an der Cala Agulla gelegen, ist zwar mit drei Sternen ausgezeichnet, aber in Spanien ist ein solches Haus nicht unbedingt mit dem deutschen Gegenstück gleichzusetzen. Es entpuppt sich als eine jener typischen Bettenburgen und besitzt 127 Gästezimmer.

 

Ziemlich gemischter Gefühle betrete ich darum die Empfangshalle und bin dann sehr angenehm überrascht. Sie ist gut gestaltet und alles strahlt vor Sauberkeit.

„Na, mal abwarten, wie es oben aussehen wird!“

Ein Lift bringt uns in die vierte Etage. Das Zimmer erweist sich als recht geräumig und das Bad hat sogar eine Badewanne plus Dusche. Auch hier ist es blitzsauber. Von dem Balkon aus genießen wir zur Linken einen traumhaften Blick aufs Meer und zur anderen Seite hin beobachten wir den Trubel um die Andenkenläden herum.

 

Nachdem wir unser Gepäck verstaut haben, erkunden wir die Räumlichkeiten. Das Haus bietet einen Speisesaal mit einem traumhaften Ausblick aufs Meer, einen Gesellschaftssaal, mehrere Bars, ein Solarium, einen Sportraum mit Billardtisch und Tischtennisplatte, einen großen Außenpool, mehrere Sonnenterrassen und eine Bühne, auf der abends Musik und Live-Gesang geboten werden. Klar, dass wir keine Tanzgelegenheit auslassen.

 

Selbstverständlich erfüllen wir unsere Pflicht als Touristen und klappern brav die Souvenirmeile ab, rein in den Kitsch, fix wieder raus und husch in den noch größeren. Die Fantasie kennt da keine Grenzen. Fast vergessen wir, dass wir hier fremd sind, denn von allen Seiten klingen uns deutsche Sprachfetzen entgegen. Eher könnten wir annehmen, statt uns Deutschen wären die Spanier die Gäste.

 

Morgens plündern wir das umfangreiche Frühstücksbüffet. Sogar der Kaffee schmeckt, obwohl ... Ehe wir den so richtig genießen können, gibt es noch etwas zu beachten, aber wir lernen ja schnell. Meistens bildet sich eine kurze Wareschlange vor dem Kaffeeautomaten und vielleicht ist dies unser Glück, denn eine junge Frau hat Mitleid mit uns Unkundigen und erklärt uns die Tücke des Objektes.

 

„Sie müssen zweimal auf den Knopf drücken, dann ergibt es eine volle Tasse!“

Arglos und auf solcherlei Finessen nicht eingestellt, haben wir der heimatlichen Kaffeeautomaten gedacht, die Tassen so wie immer darunter gestellt und den besagten Knopf betätigt - aber nur einmal. Die Tasse hat sich nur halb gefüllt. Auf den Rat den Frau hin drücken wir den Knopf ein zweites Mal und haben die zweite Hälfte des Kaffeegenusses dann ihr zu verdanken.

 

An den Tagen danach erleben wir es dann mehrmals, dass einer der beiden Kaffeeautomaten seinen Dienst gänzlich verweigert und deshalb die Warteschlange vor seinem Kollegen mindestens doppelt so lang ausfällt. Zusätzliche Nervenstärke erfordert auch das extrem laute Geschirr- und Besteck- Klimpern, wenn die Tische abgeräumt wurden. Doch bekanntlich ist alles eine Sache der Gewöhnung, also beeile ich mich hiermit, denn im Urlaub möchte ich mich ja erholen und nicht etwa als psychische Zitterespe nach Hause zurückkommen.

 

Wenn ich von jener nervtötenden Frühstücks-Hintergrundmusik absehe, gibt es wirklich nichts zu beanstanden. Auch abends ist das Buffet sehr reichhaltig. Alle Gäste benehmen sich ordentlich, keiner pöbelt des Abends etwa durch die Hotelgänge und sogar in den Bars geht es sehr gesittet zu. Bezüglich des Letzteren habe ich mich vorsichtshalber auf alle Eventualitäten eingestellt. Auch der Zimmerservice klappte hervorragend. Kehren wir vom Frühstück zurück, sind die Betten bereits gemacht, die Handtücher ausgewechselt und es ist bereits  gründlich geputzt worden. Wir können mit unserem Hotel wirklich zufrieden sein.

 

2. Cala Rajada und der Strand Cala Agulla

 

Wir zählen nicht zu denen, die sich weder von ihrem Hotel noch dem Pool weg bewegen. Dagegen haben wir uns vorgenommen, dem Touristenrummel abgesehen von den Strandbesuchen möglichst fern zu bleiben und das wirkliche Mallorca zu erkunden.

 

Unser Urlaubsort Cala Rajada wie auch Cala Lliteras, Canyamel, fort de sa Cala, Pedruscada, Son Moll Provensals, Es Carregador, Cala Gat und Cala Mesquida gehören zur Gemeinde Capdepera, einem Ort mit ungefähr tausend Einwohnern. Es gibt dort eine Burg, von der aus man einen wunderbaren Weitblick auf die Berge hat. Der höchste von ihnen, Puig de Raco, ist 371m hoch. Der Hafen von Capdepera besteht seit dem 17. Jahrhundert. Es werden Rochen und Langusten gefangen.

 

Cala Rajada ist der zweitwichtigste Fischereihafen Mallorcas. Während des Sommers boomt das Geschäft mit dem Tourismus.

„Wie aber wird es hier im Winter sein, wenn die Fremden fort sind?“

Ich nehme an, dass dann viele Einheimische einer Zweitbeschäftigung nachgehen, weil sie sonst über die fremdenlose Jahreszeit hinweg finanziell kaum klar kämen.

 

Doch jetzt ist es Hauptsaison, Trubel ohne Ende, Touristen schwärmen durch den Ort, machen Cala Rajada zu einem internationalen Treffpunkt und bevölkern einem riesigen Bienenschwarm gleich die in der Nähe liegenden Strände Cala Agulla, Cala son Moll und Cala Gat. 

 

Unser Hotel liegt nur 5oo m weit von der Cala Agulla entfernt, dem größten und schönsten Strand von Cala Rajada. Beinahe jeden Morgen genießen wir den Marsch durch den wunderbar sauberen Sand. Ab und an nur stören winzige Steine und den allerorts bekannten Touristenmüll wie die Zigarettenkippen entdecken wir nur selten. Hotelzimmernachbarn haben uns praktischerweise vor ihrer Abreise den Sonnenschirm überlassen, der uns nach ausgiebigem Sonnenbad die Flucht in seinen schützenden Schatten ermöglicht.

 

Wir beobachten die Menschen. Außer den Deutschen trifft man auffällig viele Italiener. Die Spanier sind eindeutig in der Minderheit. Cala Agulla ist der ideale Strand für Familien mit kleinen Kindern. Das Ufer fällt sehr flach ab, so dass man weit ins Meer gehen kann, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren. Man tritt auf weichen Sand, nur an wenigen Stellen ragen Steine hoch, die aber durch das klare Nass bestens zu erkennen sind. Das Wasser ist angenehm warm. Hier zu baden ist einfach herrlich!

 

Ich habe übrigens noch nie so viele tätowierte Menschen gesehen. Ein Mann mittleren Alters hat sich am Kopf und am ganzen Körper tätowieren lassen. Es sieht gruselig und ordinär aus. Uns stößt es ab.

 

Mit viel Freude dagegen schauen wir den Kindern beim Sandburgen bauen und beim Plantschen zu. Ein kleines Mädchen zieht unseren Blick auf sich. Es benimmt sich viel unbekümmerter und kecker als die übrigen, marschiert ohne jede Scheu durch das Wasser und lacht jeden fröhlich an. Es stellt sich heraus, dass es nicht etwa eine Spanierin, sondern eine kleine Landsmännin ist.

 

Begeistert spazieren wir am Wasser entlang, genießen den Blick auf das weite Meer, lauschen dem leisen Geplätscher der Wellen und spüren den feinen Sand unter unseren Füßen. Vorbei an einer Reihe von Strohschirmen, mehreren Tretbooten und einem Imbisstand laufen wir bis zum hinteren Ende des Strandes, wo sich sanfte Dünen abzeichnen. Dort entdecken wir mehrere direkt ins angrenzende Waldgebiet führende Wanderwege, die sich auch gut für Fahrradtouren eignen.

 

Zwei Stunden am Strand reichen uns. Erhitzt kehren wir in das Hotel zurück und freuen uns auf eine erfrischende Dusche.

 

 

3. Ein Abend am Hafen...

 

Abends bummeln wir durch die Einkaufsstraßen von Cala Rajada zum Hafen. Dort treffen Menschen aller Nationen zusammen. Es wird geplaudert, gelacht und selbstverständlich am laufenden Band fotografiert oder auch gefilmt.

 

Längs der Promenade quetschen sich die im romantischen Stil gebauten Restaurants gehobener Klasse mit ihrer internationaler Speisekarte eng aneinander. Im Schein der Laternen, der vielen, vielen bunten Lämpchen auf den Tischen oder auch bei Kerzenschein sitzen die Leute entweder in gemütlichen Sitzecken vor den Lokalen oder direkt an den Fenstern der Restaurants vor weiten Rundbögen und haben einen fantastischen Blick auf die Promenade, die kleinen Yachten und auf das Meer.

 

Wir setzen uns auf die Promenadenmauer, reden nicht viel, sondern schauen versonnen in die Ferne. Noch immer sind es an die 28 Grad, aber nach der extremen Hitze des Tages empfinden wir es als angenehm kühl und wir fühlen uns erfrischt. Für eine kurze Weile scheint der Trubel um uns herum weit entfernt zu sein. Dann aber reißen uns ein paar laut plappernde Kinder aus den Träumen, die Realität hat uns wieder, wir drehen dem lauten Treiben den Rücken zu und schlendern gemächlich zum Hotel zurück. 

 

4. Nach Arta...

 

Wir mieten uns für einen Tag einen Leihwagen gemietet, um auf eigene Faust das Innere der Insel zu erkunden. Weit weg von dem Touristenrummel, hinein in die ländliche Stille. Unser erstes Ziel soll die 60 km von Palma entfernte Kleinstadt Arta im NO von Mallorca sein.

 

Arta zählt zu den 53 selbstständigen Gemeinden auf Mallorca und ist der Verwaltungssitz der Gemeinde in der Region Llevant. Im Westen grenzt das Gemeindegebiet an die Bucht von Alcudia, im Norden ans offene Mittelmeer gegenüber der Nachbarinsel Menorca.

 

In langsamer Fahrt geht es über schmale Straßen und durch -zig enge Kurven an Äckern, kleinen und auch größeren Fincas vorbei, entlang an Steineichenbeständen sowie Mandel-, Feigen- und Johannisbrotbäumen. Die Besitzerhöfe sowie auch die Felder sind durch niedrige Mauern aus Trockenmauerwerk voneinander getrennt. Wir sehen armselige Katen mit winzigen Fenstern, die nahe vor dem Zusammenbruch zu stehen scheinen, aber im Gegensatz dazu auch prachtvolle Villen, umgeben von riesigen Palmen, deren Fächer Kühle zuwedeln.

 

Ich bestaune Agaven von einem Meter Umfang, bewundere fast zwei Meter hohe Scheibenopuntien und gedenke des Stolzes, den ich beim Anblick meiner winzigen Scheibenkaktee zu hause empfinde:

"Eine von diesen hier hätte ich gerne daheim im Garten!"

Überall ranken Bougainville mit großen lila und fliederfarbenen Blüten. Es ist ein entzückendes Bild und wir sehen uns daran einfach nicht satt.

 

Manche der Besitzerhöfe und auch der Villen befinden sich recht einsam weit ab der größeren Verkehrswege.

"Ohne Wagen biste hier verloren!", meine ich dazu.

Andererseits haben die Leute hier den großen Vorteil, dass die gewohnte Hektik der Städte ausbleibt. Wohltuende Ruhe umgibt uns.

"Ob wir es schaffen würden, für längere Zeit in einer solchen Stille zu leben oder würde uns denn doch das abwechslungsreiche Stadtleben fehlen?"

Zum Gemeindegebiet von Arta gehören auch acht Berge, von denen der Puig Morei mit seinen 371 Metern der höchste ist. In den Bergen, vor allem in den Bergen de Serres de Llevant, gibt es weitläufige, unbewohnte und nur karg bewachsene Flächen. Ansonsten findet man dort Olivenbäume, Zwergpalmen, wilde Ölbäume und vereinzelt Kiefernwälder.

 

Die Stadt Arta selber ist seit 1232 bekannt und ist von dem Beginn der Besiedlung Mallorcas an bewohnt gewesen. Vom 16.-18.Jahrhundert hat sich sich neben der Landwirtschaft noch eine Textilindustrie entwickelt.

Es lohnt sich, die Wallfahrtskirche zu besuchen, deren Terrasse einen tollen Ausblick auf die Plantagen, den Torre de Canymel und die gotische Pfarrkirche bietet. Außerdem besitzt Arta ein im Jahre 1927 gegründetes Regionalmuseum mit einer ethnischen, archäologischen und einer naturgeschichtlichen Abteilung. 

 

5. Von Arta aus zur nördlichsten Spitze von Mallorca, dem Cap Formentor...

 

Wir verabschieden uns von Arta und fahren hoch bin zur Nordspitze Mallorcas, dem Cap Formentor. Wiederum passieren wir großzügig angelegte Fincas, deren prächtige, bis zu vier Metern hohe Palmen die Herrenhäuser malerisch einrahmen.

 

Auf den kargen Feldstücken grasen vereinzelt ein paar Pferde, Schafe und Ziegen. Einmal sind wir während eines Ausfluges auch zwei der wilden Hunde begegnet, doch sie haben einen deutlichen Sicherheitsabstand eingehalten. Jetzt, in den Sommermonaten, sind sie gut genährt, werden wahrscheinlich von Touristen mit Leckereien verwöhnt. Wie aber mag es ihnen im Winter ergehen? Ich grübelte lieber nicht länger darüber nach.

 

Nach einiger Zeit bleiben die letzten Fincas zurück, wir erreichen die wilde, unbewohnte Bergregion. Rechts und links schauen wir auf Felsenplateaus unterschiedlicher Größe, auf denen außer niedrigen Nadelgewächsen kein Grün mehr zu finden ist. Das lebhafte Treiben im Tal und dagegen hier nun die uns umfangende Stille, die nur noch vom Motorengeräusch der sich die Serpentinen hinauf kämpfenden Fahrzeuge und dem stetig kräftiger werdenden Blasen des Windes unterbrochen wird ... Es ist ein Gegensatz, der uns stumm werden lässt.

"Diese bizarren Felsen - und die auf Mallorca!"

 

Ja, bis hierher hat sich der Trubel noch nicht vorgekämpft und wird es auch in Zukunft nicht, denn viele Landstriche sind zu Naturzonen erklärt worden und dürfen weder bebaut noch anderweitig genutzt werden.

 

Auf halber Berghöhe etwa kommen wir an dem Aussichtspunkt von Cap Formentor an. Trotz Höhenangst spaziere ich die lange Steintreppe hoch, die uns auf eine breite Aussichtsplattform führt. Mir zittern ein wenig die Beine und mein Puls jagt. Leider kann ich beides nicht verhindern.

"Zum Glück schützt hier eine Mauer. So werde ich nicht als deutsches Gratis-Souvenir fürs Mittelmeer enden!"

 

Als Lohn für meine Tapferkeit erwartet mich ein überwältigender Anblick. Wir hier oben zwischen einsamen Felsen, dort tief unter uns das schier endlose Mittelmeer, dessen Wogen in der Sonne stellenweise türkis blitzen ... Der mittlerweile stark böige Wind verstärkt noch das Gefühl von Freiheit. Wie gewaltig Schönheit sein kann ...

Derweil ich noch sprachlos gebannt hinunter schaue, erspähe ich dort in den Wellen eine Yacht, die das Wasser teilt und einen breiten, blendend weißen Gischtstreifen auf dessen Oberfläche malt. Die Bläue des Meeres, die weiße Yacht, die von hier oben wie ein Spielzeugschiff wirkt und dahinter die hoch spritzende Gischt ... Es ist einfach atemberaubend!

 

Tief beeindruckt reißen wir uns schließlich los. Die weitere Fahrt über die dann steileren Serpentinen ersparen wir uns, kehren stattdessen um und setzen auf schmalen Straßen unsere Tour in Richtung Manacors fort ...

 

6. Über Pollenca nach Manacor und weiter...

 

Wieder begrüßen uns die Plantagen, die Villen mit ihrem zauberhaften Blütenrahmen und wedeln uns die Palmen sanft zu. Wieder fühle ich mich wie verzaubert.

 

Etwas südlicher landeinwärts zieht Pollenca an uns vorbei, wohl eines der attraktivsten Dörfer Mallorcas. Der Ort liegt eingerahmt von Bergen, zum Beispiel des Puig de Calvari, am Ende eines sich zur Küste öffnenden Tales.

Pollenca hat ungefähr 16.500 Einwohner, ist bekannt für seine Web- und Lederarbeiten sowie für ein gr0ßes künstlerisches und auch kulturelles Angebot. Ein außerordentliches Ereignis sind vor allem die Sommerfestspiele im Kloster Santo Domingo (gegr. 1578) im August und September, an denen weltberühmte Stars wie Montserrat Caballé mitwirken.

Pollenca bleibt hinter uns zurück. Unser nächstes Ziel sind die berühmten Tropfsteinhöhlen von Porto Cristo direkt an der Küste. Über eine längere Strecke geht es weiter südlich auf die Ostküste zu.

 

Schließlich passieren wir die landeinwärts gelegene Stadt Manacor. Mit ihren 38. 000 Einwohnern ist Manacor die zweitgrößte Mallorcas und landwirtschaftlicher Mittelpunkt des Ostteils der Insel.

Es gibt hier eine Möbelindustrie, für die die Hotelketten die wichtigsten Auftraggeber sind.

Außerdem ist Manacor für die Herstellung künstlicher Perlen bekannt, die aus Glas und pulverisierten Fischschuppen gefertigt werden. Der Besuch einer der vielen Produktionsstätten wie der Perlas Orquidé am Plaza Ramón Llull 14 ist sehr empfehlenswert.

 

Etwas zur Geschichte der Stadt: Wie durch zahlreiche Funde, vor allem die christlich-römische Basilika „Son Pereto“ bewiesen, hat hier bereits zur Römerzeit eine ansehnliche Siedlung eyistiert, die aber leider im 6. Jahrhundert zerstört worden ist. Die Reste der wahrscheinlich im 4.-5. Jahrhundert erbauten Basilika sollte man sich auf jeden Fall ansehen. Alle Beweisstücke sind im Museo Arqueológico Municipal aufbewahrt, das sich in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche befindet.

 

Zudem bietet Manacor als Sehenswürdigkeiten noch das Palastmuseum Museo del Palau im Torre de Homenaje mit seiner Miniaturmöbelsammlung, zusätzlich noch mehrere Kirchen und den Rest des Verteidigungsturmes Torre de Ses Puntes, der vom archäologischen Museum aufbewahrt wird.

 

Manacor entschwindet wieder unseren Blicken, wir steuern gen Porto Christo und erreichen kurz vor der Stadt unser Ziel, die Cuevas, die berühmten Tropfsteinhöhlen von Porto Christo.

 

(7) Die Tropfsteinhöhle von Porto Christo...

 

Nach ungefähr 15 Kilometern erreichen wir kurz vor Porto Christo unser Ziel. Wir entschließen uns zum Besuch der etwas kleineren Tropfsteinhöhle.

 

In einer überschaubaren Gruppe von nur dreißig Leuten steigen wir einen schmalen, langsam abfallenden Weg und über Minitreppen in die wunderbare Untergrundwelt Mallorcas hinunter, leise Musikklänge begleiten uns und verstärken noch die zunehmend mystische Stimmung.

 

Die Unterhaltung verstummt und wir lauschen den dreisprachigen (Deutsch, Englisch, Spanisch) Erklärungen des Führers. So erfahren wir, wie es zur Bildung von Tropfsteinen und damit zur Entstehung dieser Höhlen kommt:

„Treffen Wassertropfen mit gelöstem Kalk auf eine feste Oberfläche, tritt Kohlendioxyd aus dem Wasser aus und es setzt sich kristalliner Kalk ab. Es entstehen die von der Höhlendecke herab hängenden Stalaktiten.

Das Wasser fließt dabei äußerst langsam (1 Tropfen/Minute), jedoch mit zunehmender Luftbewegung sowie höherer Temperatur schneller. Das fließende Wasser verliert an Geschwindigkeit, bildet Tropfen und gibt dabei Kohlendioxyd ab. Dieses lagert sich als Kalziumkarbonat auf dem Boden ab. Es bilden sich Stalagmiten.

Dieser Auskristallisierungsprozess dauert über -zig Jahrtausende an. Die Cuevas von Porto Christo sind sogar schon mehrere Millionen Jahre alt.“

 

Die Höhlenkammern gehen zum Teil wie durch Durchbrüche geteilte Salons ineinander über. Die Vielzahl der sandfarbenen, bizarren Säulenformen läßt uns staunen. Während aus den Lautsprechern eine sanfte Stimme passende Lyrik- sowie Prosa- Texte vorträgt, schlägt meine Fantasie Purzelbäume. Die gewaltigen, mit ihrer Länge von mehreren Metern imponierenden Stalaktiten- und Stalagmitengruppen werden zu Schlössern und Wäldern, die mittelgroßen zu Städten sowie Dörfern und die kleineren Säulen zu Menschen und Tieren.

 

Im Hintergrund sehe ich Geschöpfe des Waldes, im Vordergrund Prinzessinnen und Prinzen, die scheinbar in der Nähe des Schlosses lustwandeln. Es herrscht eine allumfassende Stille und ein tiefer Frieden. Im Anblick dieser gewaltigen, uns fremden Schönheit denke ich:

„Wie klein und unbedeutend sind dagegen wir!“

 

Aber uns erwartet ein weiterer Höhepunkt, der uns denn völlig entrücken soll. Wir marschieren hinter unserem Führer her durch die nur spärlich beleuchteten Gänge bis vor eine sehr breite wie auch tiefe Kammer und stehen plötzlich vor dem im fahlen Licht eines Strahlers geheimnisvoll glitzernden, ruhig da liegenden, unterirdischen See, genannt ´das Venediger Meer`. Jenes Venediger Meer ist am Rande etwa einen Meter und in seiner Mitte immerhin über drei Meter tief. Wohl, um dessen Größe noch klarer zu machen, wird das Ganze illuminiert und zu Ehren Mozarts das „Magical Mozart“ aufgeführt.

 

Im Hintergrund an den umgebenden Felswänden erscheinen Figuren aus seinen Werken wie Papagena und Papageno. Gleichzeitig gleitet eine Gondel fast lautlos über den See. Bei dieser Vorführung muss ich zwar unwillkürlich an eine Hollywoodinszenierung denken, bin jedoch trotzdem in jenen Minuten einfach hingerissen.

Noch völlig verzaubert, verlassen wir diese Traumwelt. Die Schlösser, Städte und Dörfer sowie die Menschen und Tiere wandeln sich wieder in Stalaktiten wie auch Stalagmiten. Oben empfängt uns der grelle Sonnenschein und versetzt uns wieder in die Wirklichkeit zurück.

 

Nach der aufregenden Besichtigung verspüren wir Hunger und gönnen uns zwei Rechteck-Pizzen. Dies hätten wir besser nicht getan. So verlockend sie sich auch präsentiert haben, schmecken sie dagegen wie mürbe, überzuckerte Pappe.

„Igitt! Ist ja schrecklich!!“

Allerdings lassen wir uns dadurch keinesfalls die gute Laune verderben, marschieren zurück zum Parkplatz, auf dem uns in der Menge der Fahrzeuge zum Glück schon von weitem der königsblaue Mietwagen entgegen leuchtet und starten zur Heimfahrt nach Cala Rajada.

 

 

 

Die große Inselrundfahrt 

 

Mit der Fahrt zum Cap Formentor und dem Besuch der Tropfsteinhöhle liegen bereits zwei traumhafte Erlebnisse hinter uns, doch nun naht der absolute Höhepunkt unseres Aufenthaltes, nämlich die große Inselrundfahrt.

 

Schlaftrunken taumeln wir gegen 6.30 Uhr aus dem Bett und eilen um kurz vor 8. 00 Uhr zum Frühstück. Zu so früher Stunde sind wir selbstverständlich die Einzigen, mümmeln an unserem Toast und schielen alle paar Sekunden auf die Uhr – nicht, dass wir etwa den Bus verpassen.

 

Diese Sorge erweist sich als total unnötig. Pünktlich um 8.15 Uhr holt er uns vor dem Nachbarhotel ab und kurvt dann noch kreuz und quer durch Cala Rajada, um die anderen Teilnehmer der Tour einzusammeln. Vor einem der Hotels kommt es zu einer kurzen Verzögerung. Ein junges Mädchen hat anscheinend irgendetwas im Hotel vergessen und spurtet zurück. Wir warten und warten ... 

„Na, das kann ja heiter werden!“

 

Dann geht es endlich los. Unter sternenklarem Himmel und in nächtlicher Stille steuern wir gemächlich über Petra auf Inka zu. Allmählich weicht das Nachtschwarz über uns einem lichten Grau, ein neuer Tag bricht an und bald blendet uns wieder die sengende Sonne.

 

Die mit ihren Gassen und den Häusern aus goldbraunem Bruchstein sehr charmante Kleinstadt Petra lebt einerseits von ihren Reparaturbetrieben für Landmaschinen und andererseits vom Weizen- und Weinanbau. Auf den Weinfeldern wächst ein sehr guter Weißwein. Erwähnenswert ist auch das Sandsteinvorkommen, das der Stadt ihren Namen gegeben hat. (Petra - Stein).

 

Weiter geht es nach der in der Ebene von Mallorca gelegenen Stadt Inka, die mit ihren 20.000 Einwohnern die drittgrößte der Insel ist. Inkas Kellerrestaurants sind weithin bekannt. Sie bieten eine typisch mallorquinische Küche und, imponierend anzuschauen, sind längs der Wände mächtige Weinfässer übereinander aufgestapelt.

 

Wirklich berühmt aber ist die Stadt wegen der dort ansässigen Lederindustrie. In der City reihen sich die Ledergeschäft aneinander, die bezüglich der Art der Lederwaren keine Wünsche offen lassen. Ein gründlicher Qualitäts/Preis-Vergleich ist jedoch auf jeden Fall anzuraten. Zusätzlich zu den Geschäften hat Inka noch mehrere Fabrikverkaufsstellen, in denen man die unterschiedlichsten Artikel aus wunderbar weichem Leder erstehen kann.

 

Vor einer solchen Verkaufsstelle stoppt unser Bus und alle strömen begeistert in die Halle, um sich an den Handtaschen, Schuhen, Geldbörsen und aparten Lederjacken zu erfreuen. Das Angebot ist qualitativ sehr hochwertig, die Preise allerdings zeugen von der enormen Fantasie der Geschäftsleute. Manche der Kurzjacken kosten mehrere tausend Euro. Trotzdem verfallen viele Touristen in den Kaufrausch. Ich dagegen verzichte, sogar ohne Bedauern.

 

Nachdem wir uns etwa eine halbe Stunde lang so die Beine vertreten haben, brechen wir zur Fahrt über die Berge nach Sa Calobra auf. Mit dem Bus können wir Sa Calobra nur über die Serpentinenstraße MA-2141 erreichen. Ansonsten müssten wir übers Meer fahren.

 

Die Straße erstreckt sich über vierzehn Kilometer und überwindet einen Höhenunterschied von 780 Metern. Sie ist von dem italienischen Ingenieur Antonio Paretti geplant, dann im Jahre 1932 angelegt und ohne jeglichen Einsatz von Maschinen von Hand gebaut worden. Auch fehlen jegliche Stützpfeiler.

 

Der Bus kämpft sich an den Steilhängen der Küste Serpentine nach Serpentine der Straße durch die verflixt engen Kurven höher und höher, entlang an den stetig karger werdenden Wäldern sowie an den bis nah an der Fahrbahn liegenden Steinhaufen vorbei, die aussehen, als ob sie von Menschenhand aufgetürmt worden sind.

 

Von der wilden Schönheit der Natur fasziniert betrachte ich die gewaltigen, schroff-bizarren Felsenformationen, die mich ein wenig an die Dolomiten erinnern. An manchen Felsen entdecke ich riesige Höhleneingänge. Mein Blick wandert über die kahlen Gipfel und die Felsplateaus mit den vereinsamten Nadelgewächsbüscheln und ich horche auf Laute aus dieser mystisch anmutenden Welt. Weder höre noch sehe ich Raubvögel, verwilderte Ziegen oder Hunde - nichts. Umso mehr zieht mich alles in seinen Bann.

 

Nach wenigen Kilometern durchfahren wir den Nus de sa Corbata, den ´Krawattenknoten`, eine Kehre um 270 Grad. Hier steht die einzige Brücke der gesamten Strecke, auf der es ansonsten keinen einzigen Stützpfeiler gibt. Die Kurvenausfahrt verläuft unter der oberen Einfahrt hindurch. Nun führen uns die Serpentinen wieder talabwärts. Der Abschied von der friedlichen Bergwelt fällt mir schwer.

 

Nach weiteren zwölf Kilometern halten wir auf einem Parkplatz. Von dort aus schlendern wir auf einem befestigten Wege au diversen Ausflugslokalen vorbei entlang der malerischen Bucht. Schon erkennen wir den kleinen Kieselstrand. Er ist zwischen zwei riesige Felsformationen eingebettet und bildet die Flussmündung des ´Torrent de Pareis`. Wir tappen durch zwei in den Fels geschlagene Gänge, erreichen so die Schlucht und machen einen kurzen Spaziergang am Strand. Es ist ein märchenhafter Anblick. Beidseits erheben sich gewaltige, steile Felsen hoch, dazwischen schillert tiefblau das Meer. Leider haben sich sogar hier viele Sonnenanbeter nieder gelassen. Ohne sie wäre dieses Erlebnis noch viel eindrucksvoller.

 

Das winzige Dorf Sa Calobra (728m hoch) liegt etwa 32 km nordöstlich von Palma und etwa einen Kilometer oberhalb der Cala de Sa Calobra (Bucht von Sa Calobra). An Sehenswürdigkeiten zeigt das Dorf den Platja de Sa Calobra, die Cala Tuent und das Kloster von Lluc mit seinem Museum, der Kirche sowie dem Hügel Pujol dels Misteris i de la Trobada. An manchen Tagen halten sich bis zu 34.000 Touristen im Ort auf.

 

Der steinige Strand von Sa Calobra erstreckt sich nur über fünfzig Meter, bietet aber mit dem nahen Baumbewuchs sehr viel Schatten. Deshalb herrscht dort ein reger Trubel. Bei hohem Wellengang aber ist das Baden wegen des felsigen Untergrundes nicht ungefährlich, zumal die Badezone nicht durchgehend von Rettungsschwimmern überwacht wird.

 

Wir meiden jenes laute Treiben, marschieren stattdessen weiter in die Schlucht hinein, finden dort noch Ruhe und Stille und genießen die Schönheit der Naturlandschaft.

 

Nach einem kurzen Verweilen in der Schlucht gehen wir durch die beiden Felsengänge zurück auf den befestigten Weg entlang der Bucht und steigen kurz darauf die Treppe zum Hafen von Sa Calobra hinunter, in dem bereits ein großes Ausflugsschiff

wartet, das uns nach Puerto de Soller weiter nördlich an der Westküste bringen wird.

 

Die gewaltigen Felsen der Schlucht bleiben allmählich in der Ferne zurück. Das Schiff tuckert in beachtlichem Tempo seines Weges. Hinter ihm spritzen die Wellen, übertüncht mit einer blendend weißen Gischtkrone, fast einen Meter hoch. Nach der etwa einstündigen Fahrt an der Küste an der Küste entlang steuern wir in den Hafen von Puerto de Soller.

 

Der Fischerhafen Puerto de Soller wird von Tausenden von Touristen besucht und so gibt es viele Cafes und Restaurants. Er entpuppt sich als der ideale Standort für Urlauber, die Bergwanderungen unternehmen wollen. Zusätzlich ist es noch bemerkenswert, dass man mitten im Rummel des Ortes sogar einen schmalen Sandstrand vorfindet.

 

- - In der näheren Umgebung von Puerto de Soller erreicht man mitten in den Bergen der Tranuntana Valldemossa, das berühmteste und meist besuchte Dorf Mallorcas. Dort stehen original erhaltene Häuser aus dem 16. Jahrhundert und ein Kartäuserkloster mit einer interessanten Kirche.

 

In dem Kloster kann man die Klosterapotheke, Originalmöbel aus der Zeit Chopins und weltberühmte Gemälde von Joan Miro und Pablo Picasso besichtigen.

 

Viele Cafes und Restaurants in der breiten Fußgängerzone vom Parkplatz bis hin zum Dorfzentrum laden zur genießerischen Rast ein. Die Souvenirs kauft man am besten im Geschäft Ca´n Gotxo, das zusätzlich noch eine bekannte Schnaps- und Likörabteilung besitzt. Dort sollte man unbedingt den berühmten mallorquinischen Mandellikör probieren. - -

 

In Puerto de Soller verlassen wir das Schiff und schlendern an der Promenade ein wenig längs der Lokale. Eine halbe Stunde ist uns vergönnt, danach will sich unsere Reisegruppe an der Haltestelle treffen, von der aus wir dann mit der Straßenbahn unsere Reise fortsetzen werden.

 

Deshalb schielen wir alle paar Minuten auf die Uhr, um ja pünktlich dort zu sein.

„Orientieren Sie sich an meinem Schirm!“, hat die Reiseleiterin angemerkt.

Also halten wir aufmerksam Ausschau nach ihrem gezähmten Regenbogen. Doch wir sind anscheinend mit Blindheit geschlagen und laufen denn zunehmend nervös im Zickzackkurs herum.

Dann:

„Daah!!“

Aufatmend rennen wir los und kommen noch gerade rechtzeitig an. Im Bummeltempo zuckelt die Bahn in Richtung der Stadt Soller.

 

Soller liegt im Nordwesten Mallorcas in einem quer zur Tramuntana-Bergkette verlaufenden, breiten Tal, das bis ans Meer reicht und 34 km von Palma entfernt. Die Stadt hat ungefähr 13.500 Einwohner. Mit ihren Stadtpalästen im Kolonialstil, Neobarock und Klassizismus aus dem 16. und 17. Jahrhundert am Gran Via, der Hauptstraße, ist sie eine wahre Augenweide. Es gibt dort Fassaden aus Marés, elegante Toreinfahrten und Innenhöfe sowie Fensterstöcke mit kunstvollen Schmiedeeisenarbeiten.

 

Auch an Sehenswürdigkeiten mangelt es Soller nicht: Die Pfarrkirche San Bartomeie (geb. 1236), ein ethnologisches sowie ein naturwissenschaftliches Museum und der botanische Garten. Zudem erinnert an dem im Jahre 1606 aus dem Can Mayol umgebauten Bahnhof eine Gedenktafel an Jeroni Estades, den Initiator der Soller-Bahn.

Das ethnologische Museum in der Celle de Mar zeigt traditionelle Einrichtungsgegenstände, Kleidung, Handwerkszeug, Instrumente, archäologische Funde wie auch Gemälde der Dauerausstellung, zum Beispiel einen Picasso und es finden dort auch Wechselausstellungen statt.

Der botanische Garten beherbergt heute ungefähr vierhundert heimische Pflanzenarten.

 

Soller lebt einerseits von der Olivenölherstellung und andererseits vom Handel mit Südfrüchten, die auf den die Stadt umgebenden, riesigen Plantagen wachsen. Es ist wahrlich ein exotischer Anblick für uns: Die Zweige der Bäume hängen schwer unter der Last der Zitronen und Orangen dicht an dicht. Immer wieder kommen wir an Olivenbaumpflanzungen vorbei. Unsere Reiseleiterin verrät uns, dass diese dunkelgrün belaubten Bäume sogar bis zu hundert Jahre alt werden können. Kurz darauf warten wir am Soller Bahnhof gespannt auf den als ´roten Blitz` bekannten Zug, bei dem es sich um die älteste Eisenbahn Spaniens handelt. Er wird uns nach Palma bringen.

 

Bei dem nostalgischen Anblick der rötlich-braunen Holzwaggons fühle ich mich in frühere Zeiten zurückversetzt. Der Zug schleicht ähnlich langsam wie zuvor die Straßenbahn durch die idyllische Landschaft, durch winzige Dörfer hindurch und knapp entlang der schönen Orangen- und Zitronenpflanzungen. Die Früchte sind wirklich zum Greifen nah.

„Sollen wir vielleicht ... ?“

Nein, selbstverständlich nicht! Stattdessen bedenken wir sie nur mit einem wehmütigen Blick.

 

Dann erreichen wir das Tramuntana-Gebirge und die Bahn drängt sich nun eng an die Felsen. Sie passiert immer wieder Tunnel. Der größte von ihnen ist tatsächlich 2,9 km lang ist. Interessant ist es, dass der Zug im Tunnel eine 180 Grad-Kehre fährt und dann Soller bei Tunnelaustritt plötzlich auf der anderen Seite liegt.

 

Allmählich flachen die Felsen ab und wir fahren durchs Innenland bis zur Endhaltestelle des Zuges kurz vor Palma, die sich direkt gegenüber eines Busparkplatzes befindet. Noch ganz erfüllt von unseren Erlebnissen, machen wir zum Glück recht fix unseren Bus ausfindig, der uns dann wieder nach Cala Rajada zurück bringt.

 

Es ist ein unvergesslicher Ausflug gewesen und gleichzeitig ein wunderbarer Abschluss für unseren Urlaub.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.09.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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