Karl Bednarik

Das Zeit-Triebwerk

 
Die Idee zu diesem Triebwerk stammt aus dem Roman "Time wants a skeleton" (auf deutsch: "Ring der Verdammnis", Utopia SF 93) von Ross Rocklynne, aus dem Jahre 1941.
 
Fürst Klaus von Irrwitz ging von der Vorstellung aus, daß elektrische Felder nicht nur den Raum überbrücken, sondern auch die Zeit. Beim klassischen Ionentriebwerk von DS1 (NASA: Deep Space one) befindet sich in Flugrichtung ein positives Gitter, und hinten ein negatives Gitter. Positive Xenon-Ionen werden in den Zwischenraum gebracht, und durch das Feld nach hinten beschleunigt. Das erzeugt den Schub nach vorne. Natürlich findet das alles im Hochvakuum statt.
 
Fürst Klaus von Irrwitz dachte sich, wenn man einen HF-Generator mit 300 MHz, also einer Wellenlänge von einem Meter, und einer Ausgangsspannung von 10 kV, an zwei weit voneinander entfernte Gitter anschließt, dann ist die zeitliche Feldstärke größer als die räumliche Feldstärke.
 
Denn in der Zeit ist ein positives Gitter, und das selbe Gitter wenn es negativ geladen ist, nur einen halben Meter voneinander entfernt. Das ergibt dann eine Feldstärke von 10 kV pro 0,5 m. Das andere Gitter sollte 10 m weiter weg sein, und wird später in analoger Weise genutzt.
 
Immer dann, wenn vor einem Nulldurchgang der Spannung eine positive Ladung an das Gitter angelegt war, und nach diesem Nulldurchgang eine negative Ladung an das Gitter angelegt werden wird, werden periodisch positive Xenon-Ionen während des Nulldurchganges in die Nähe des Gitters gebracht. Danach erst wird das Gitter auf eine negative Ladung gebracht. Die positiven Xenon-Ionen haben in ihrer Vergangenheit ein positives Gitter, und das selbe Gitter in ihrer Zukunft ist negativ geladen. Die Xenon-Ionen sollten also in Richtung Zukunft beschleunigt werden, und das erzeugt einen Schub in Richtung Vergangenheit.
 
Bei den Nulldurchgängen von minus nach plus dürfen natürlich keine Xenon-Ionen eingebracht werden, denn das würde einen Schub in Richtung Zukunft erzeugen. Jene minus nach plus Durchgänge kann man aber dazu verwenden, Elektronen in die Zukunft zu senden. Das ist notwendig, da sich sonst das Triebwerk negativ auflädt. Auch DS1 emittiert Elektronen zwecks Ladungsausgleich.
 
Das zweite Gitter, das räumlich 10 m entfernt ist, ist in der Zeit ebenfalls alle 0,5 m positiv oder negativ. Daher können dort ebenfalls zu den richtigen Zeitpunkten positive Xenon-Ionen (Xe+) oder Elektronen (e-) eingebracht werden, was den Schub verdoppelt.
 
Mit mehr MHz und mehr kV funktioniert dieses Zeitionentriebwerk natürlich noch besser. Daß diese 0,5 m Zeit imaginär sind, kann nicht stören, denn die Xenon-Ionen sollen ja auch in die imaginäre Dimension emittiert werden.
 
Die Zeit ist imaginär, weil in der Lorentz-Invarianz das Quadrat der Zeit negativ ist:
 
ds^2 = dx^2 + dy^2 + dz^2 – dt^2 * c^2
d = delta, Differenz zwischen zwei Orten oder Zeiten
s = raum-zeitlicher Ort
^2 = zum Quadrat erhoben
x, y, z = räumliche Koordinaten
t = Zeit
c = Lichtgeschwindigkeit, 300.000.000 Meter pro Sekunde
( i * c * t )^2 = minus c^2 * t^2
i = imaginäre Zahl
i^2 = minus eins
1 / 300.000.000 Sekunde = ein imaginärer Meter
( 1 / 300.000.000 Sekunde )^2 = minus ein Quadratmeter 
300 MHz = 300.000.000 Schwingungen pro Sekunde
300 MHz = hat eine Wellenlänge von einem Meter, Ultrakurzwellen (UKW)
M = Mega, eine Million 
Hz = Hertz, Schwingungen pro Sekunde
 
Das Unipolar-Triebwerk nach Klaus von Irrwitz:
 
Fürst Klaus von Irrwitz kam dieses Verfahren viel zu umständlich vor. Er beschloß deshalb aus der Not eine Tugend zu machen, indem er die unvermeidliche negative Aufladung bei der Emission von Xenon-Ionen, und die positive Aufladung bei der Emission von Elektronen einer praktischen Nutzung zuführte.
 
Mit einer Frequenz von dreißig Gigahertz geschieht nun folgendes:
Zuerst wird ein Xenon-Ionen-Puls emittiert,
und das Triebwerk ist danach negativ geladen,
anschließend wird ein Elektronen-Puls emittiert,
und das Triebwerk ist danach positiv geladen.
 
Wie man sieht haben die positiven Xenon-Ionen
ein negatives Triebwerk in ihrer Zukunft,
und ein positives Triebwerk in ihrer Vergangenheit,
was sie in die Zukunft beschleunigt.
 
Die negativen Elektronen haben aber
ein positives Triebwerk in ihrer Zukunft,
und ein negatives Triebwerk in ihrer Vergangenheit,
was sie ebenfalls in die Zukunft beschleunigt.
 
Die Frequenz von dreißig Gigahertz entspricht einem zeitlichen Abstand von nur fünf Millimetern zwischen den positiven und den negativen Zuständen. Verluste durch ein räumliches Feld zu einer zweiten Komponente eines Dipols existieren nicht, weil es nur einen Pol im Raum gibt, wenn man vom weit entfernten restlichen Universum absieht.
 
Um eine räumliche Beschleunigung auszuschließen, müßte man sowohl die Xenon-Ionen als auch die Elektronen in mindestens zwei entgegengesetzte räumliche Richtungen emittieren. Es ist aber vorteilhaft, eine räumliche Beschleunigung zu erzeugen, um eine Stauchung der Weltlinie zu vermeiden.
 
Eine räumlich ruhende Triebwerks-Kugel stellt in der vierdimensionalen Raumzeit eine senkrechte zylindrische stabförmige Weltlinie dar. Wenn man eine räumlich ruhende Kugel in die Vergangenheit schieben wollte, so müßte man den Stab zusammenstauchen, denn das in der Vergangenheit existierende Triebwerk ist dem aus der Zukunft kommenden Triebwerk im Wege.
 
Eine räumlich bewegte Triebwerks-Kugel stellt in der vierdimensionalen Raumzeit eine schräge zylindrische stabförmige Weltlinie dar. Wenn man eine räumlich bewegte Kugel in die Vergangenheit schieben wollte, so müßte man den Stab verbiegen, denn das in der Vergangenheit existierende Triebwerk ist dem aus der Zukunft kommenden Triebwerk nicht mehr im Wege.
 
Graf Frederik von Hombug meint aus eigener Erfahrung, daß das ein Gefühl ist, als würde man in einem rotierenden Lift in die Tiefe katapultiert werden. Da aber Graf Frederik von Hombug des öfteren zu Übungszwecken aus orbitalen Truppentransportern abspringt, ist er solche Gefühle gewohnt.
 
Graf Frederik von Hombug stellte sich nun die Frage, wie man mit Hilfe eines Unipolar-Zeit-Triebwerks in die Zukunft zurück reisen könnte. Fürst Klaus von Irrwitz konnte ihn aber beruhigen. Fürst Klaus von Irrwitz hatte ein zweites Triebwerk zur Gänze aus Antimaterie angefertigt, welches an starken Magnetfeldern in einer Hochvakuum-Kapsel aufgehängt war. Da schon Richard P. Feynman erkannt hatte, daß Antimaterie nichts anderes als in der Zeit zurücklaufende Normalmaterie ist, erzeugt solch ein Triebwerk einen Schub in die Zukunft, während es negative Anti-Xenon-Ionen und Positronen in die Vergangenheit sendet.
 
Wie von selbst kam Graf Frederik von Hombug der Gedanke, die Mirgs bereits in der Vergangenheit auszulöschen, bevor sie begonnen hatten, unsere Galaxis zu erobern. Es gab aber zwei Probleme an der Sache, erstens hatten die Mirgs schon vor zweihunderttausend Jahren unsere Galaxis überfallen, und zweitens beherrschten sie die Andromeda-Galaxie schon seit mehr als einer Million Jahren. Das übersteigt momentan noch die räumliche und zeitliche Reichweite von Graf Frederik von Hombug und Fürst Klaus von Irrwitz. Aber wir arbeiten an diesem Problem, pflegen die beiden zu sagen.
 
 


Bilder-Links sind hier nur noch im Autorenkommentar erlaubt:

Zeit-Ionen-Triebwerk Schema:

http://members.chello.at/karl.bednarik/ZEITION.jpg

Zeit-Ionen-Triebwerk Kraftfelder:

http://members.chello.at/karl.bednarik/ZEITION2.jpg

Zeit-Ionen-Triebwerk Grundlagen:

http://members.chello.at/karl.bednarik/ZEITION3.jpg

Zeit-rückläufige Elektronen:

http://members.chello.at/karl.bednarik/FEMADI-3.jpg

Zeit-rückläufige Materie ist Antimaterie:

http://members.chello.at/karl.bednarik/MOHAWK-2.jpg


Karl Bednarik, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.09.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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