Sabine Wagenknecht

Käthe un Änne beim Friseur

Zur Vorgeschichte (für alle, die bisher weder Änne noch Käthe kennen):

Änne Kowalski, die gutmütige, recht  beleibte Ruhrpöttlerin, hat sich die beste Kittelschürz’ angezogen, ein neues Päckchen Tempos inne Kitteltasche gesteckt und is’ beim Friseur am sitzen.

Dat Käthe Schiesselowsky, wat die angeheiratete Frau vonner Änne ihrem Bruder is, - oder besser war, weil die hat den Alfred regelrecht mit dat Klappern von ihre Gebissprothese un ihre rechthaberischen Kanzlerinnenmundwinkel innen Tod getrieben, -also, dat Käthe hat sich die Änne angeschlossen un lässt sich die blaustichige Silber-Maggi-Thatcher-Gedächtnisfrisur auf kleine Röllekes wickeln. Etepetete, wie sie nu mal is, hattse sich dat beste altfrensche Kostümken angepellt, den „Knirps“ innet Täschken gedeut, nur mal wieder verpennt, innet Hörgerät neue Batterien rein zu tun.

Uns Änneken hat die Rollerei hinter sich, sitzt unner der Haube und schmökert inne Frauenzeitschriften. Inne strassenköterblonde Haare hat dat Chantal ihr son paar winzig dünne weißblonde Strähnkes eingefärbt, weil, sacht dat Chantal, dat peppt son bissken auf un macht dat Änne mindestens zwei Jahre jünger.



Änne: Hömma, Käthe…hasse dat gewusst?

Käthe: Hasse wat von Frust gesacht, Änne? Wer hat Frust?

Änne: GEWUSST! Pass auf, hier in dat Zeitungsblättchen steht drin, datt dat arm Dier, dat Karin M., über dat wir doch letztens erst inne vergangene Woche gelesen haben…

Käthe: Du hass’ Blasen? Dat is’ abber nich gut. Sach einfach dä Chantal, dattse die Haube nich’ immer so heiß machen soll. CHANTAAAAL…kommse ma gucken bei die Änne?

Chantal: Häää? Wat issen los?

Käthe: Mit die Änne stimmt wat nich. Die hat Probleme mitte Blasen…

Chantal: Dat Klo is dahinten!

Änne: Lass man gut sein, Chantal. Ich les die Käthe nur wat ausse Zeitung vor…

Käthe: Isset jezz besser mittem Blasen?

Änne: Jau! Hör zu: Karin M., das bedauernswerteste Menschenkind unter Deutschlands Sonne…erlebte wenige Wochen nach unserem Besuch bei ihr eine dramatische Wunderheilung. Lesen Sie weiter im Innenteil…

Käthe: Wat willste denn mittem Haarteil? Wo dat Chantal dich doch richtich schöne Strähnkes gemacht hat!

Änne: Jezz hör mich ma zu…also, ….ach, da isset …Paß auf…eine dramatische Wunderheilung, Punkt, Wie uns Dr. P. mitteilte, natürlich unter dem Siegel der Vertraulichkeit und Wahrung des Arztgeheimnisses, wurde durch die Spenden unserer Leser für Karin M. die Möglichkeit zur Teilnahme an einer neuen, unerprobten jedoch hoffnungmachenden Therapie ermöglicht.
Der aus dem Iran stammende, als laufender Perserteppich bekannte, Wunderheiler A. Ch. Mahinedschad legte ihr in einer Sitzung seine yogibärischen Hände auf.

Käthe: Mach hinne, Schatz? Redste mit mich? Ich gib dich ja schon nen Hustinettenbär.

Änne: Watt hasse wieder mitte Bonbons? Un lass dat Klappern mit dat Gebiss sein, ich komm aussem Takt!
…Der Therapiebegleitende transzendentale Flugunterricht zur Heilung gleichgeschlechtlicher Anwandlungen musste wegen der Vermutung eines Komplotts des Irans abgesagt werden. Wahrscheinlich ist es darauf zurückzuführen, dass die Gesundung von Karin M. nicht vollständig ist.

Käthe: Kompott, dat wär wat jezz. Da hätt ich Hunger drauf… sach ma, Änneken…warum lieste mich eigentlich die Rezepteseite vor un nich die Geschichte vonnet Karin M.?

Änne: …Bis auf die Knotenbildung im mittleren Suomi-Lappen und eine geringfügige Magersucht (verursacht durch exzessives Betrachten der Seiten über die Mailänder Modewoche) gilt sie jedoch als geheilt, so erzählt uns Dr. P. . Karin M. aus E. wartet den ganzen Tag auf einem Stuhl neben der Haustüre sitzend, öffnet nun  beim erstmaligen Türklingeln lachend ihre Pforten und hält auch die Fenster Tag und Nacht sperrangelweit geöffnet…

Käthe: Ach, Du meine Güte. Dat is ja schrecklich.

Änne: Wat meinste?

Käthe: Wat hasse gesacht?

Änne: Wat Du meinst. Wat is schrecklich?

Käthe: Ja, dat et Karin M. bei ´nem Gerangel defloriert wurde.

Änne: Wat is die? Wat hörst Du da eigentlich dauernd?

Käthe: Also, dat verbitte ich mich abber jezz.

Änne: Wat denn? Wat is  jezz wieder los? Hasse die Batterien nich aufgeladen oder wie?

Käthe: Dat sachst Du nich nomma zu mir, datt ich huren tät un Bakterien hätt. Ich hab den Alfred nie betuppt un diese Viechers kriechse nur, wenne fremd gehen tus! Dat is ne Unverschämtheit. Is dat! Dat nimmsse sofort zurück. Hörsse?!

Änne: Dat hab ich ga nich gesacht. Boah, wat bisse doof auffe Ohren!

Käthe: Chantall, CHAANTAAALL… nimm mich de Röllkes raus! Abba flottikowski! Hier halt ich dat keine Minute länger aus. Ich geh. Is mich ganz egal, wat mit dat Karin M. passiert is. Wat gehtet mich an? Dat is nur wat für Schlüssellochkucker wie dat Frau Kowalski hier neben mich. Primitiv is dat. Und dann noch dem Alfred und mein Liebesleben ausspinösen und hier bei die Friteuse breit walzen. Du bis ne ganz fiese Möpp, Änne. Nee, ich tu Dich nich mehr kennen!!!


Käthe steht auf und stapft entrüstet vonne Bildfläche. Dat se noch zwei Röllekes hinten innem Nacken am hängen hat, tut se gar nich merken. Dat Änneken kuckt bedröppelt unter ihre Haube hinterher. Dann tut se breit grinsen und sacht: „Habbich doch gewusst, datt da wat mit dem Heinz Molchhausen war…“

 

"Käthe un Änne" sind ein Gemeinschaftsprodukt von Kirsten Wilczek und Sabine Wagenknecht. Wer Käthe und wer Änne ist - DAS bleibt unser Geheimnis... :)

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Sabine Wagenknecht).
Der Beitrag wurde von Sabine Wagenknecht auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.09.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Licht und Schatten von Sigrid Fischer



Licht und Schatten - Wege die Schizophrenie zu besiegen

Persönlichkeit und Gedanken von Schizophrenen wirken oft undurchschaubar und verworren auf die Umwelt. Als betroffene möchte ich dem interessierten Leser einblick in meine Seelenwelt und in das ständige auf und ab der Krankheit geben. So lassen mich Stimmungen und Gedanken ständig ins Wanken kommen. Dieses versuchte ich in diesem Buch durch Tagebuchaufzeichnungen und Gedichte wiederzuspiegeln.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Skurriles" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Sabine Wagenknecht

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der Tach der deutschen Einheits-Kartöffelkes von Sabine Wagenknecht (Skurriles)
Er war BEIRUT von Dieter Christian Ochs (Skurriles)
Abschied von Emma von Claudia Savelsberg (Trauriges / Verzweiflung)