Helga Siebecke

Rostige Exponate

 

Rostige Exponate und ihre Philosophie

 

Man sagte „Alteisen“ und meinte verrostetes Metall, welches der Wiederverwertung zugeführt wurde. Nun, im Großen und Ganzen wird das auch heute noch so gehandhabt. Ein sinnvoller Kreislauf!

 

Wie ich inzwischen lernen musste, existieren für rostige Metallteile noch völlig andere Ebenen. In der großen Welt der Künstlerpersönlichkeiten hat sich die Rostkultur entwickelt, die erstaunlicher Weise sich nicht nur vordergründig in verrosteten Exponaten in vielerlei Gestalt zeigt, sondern mir im unmittelbaren Hintergrund eine noch erstaunlichere Philosophie offenbart.

 

Rost ist das Leben

Rost ist das Sterben

Rost ist das Danach

Rost ist der Anfang

Und Rost ist das Ende

 

Kurz:

Rost verkörpert ALLES

Rost ist schlicht das NON PLUS ULTRA

 

Für jede These gibt es einen plausiblen Beweis, eine durchaus nachvollziehbare Erklärung. Beispiele dafür fallen uns spontan ein, denn keiner wird leugnen, dass der Rost ein ständiger Begleiter des Lebens ist und auch danach als Zeuge verschiedenster Ereignisse und Taten klagend seine rostigen Arme gen Himmel erhebt. Niemand wird je bestreiten, dass bei Rostansatz die Lebenszeit des betreffenden Objektes gezählt ist.

 

Ja, nun gehen wir sogar so weit, dass wir nicht alles Erdenkliche tun, um dem Rost zu entgehen, was natürlich kaum gelingen dürfte, sondern trachten vielleicht auch gerade deshalb nunmehr danach, den Rost in den schönen Künsten zu etablieren. Wer hätte das vermutet?

 

Ganz besonders beliebt sind die Monumentalwerke aus rostigem Metall. Stadtväter geben dafür zuweilen ein Vermögen aus, um sie mit großen, tief schürfenden, sehr ernsthaften Ansprachen begleitet, feierlich auf öffentlichem Platz errichten zu lassen.

Der Kunstschaffende steht bescheiden am Rande und lächelt milde in sich hinein.

Da steht sie nun:

Mächtig, symbollastig, alles sagend und verkörpernd…überwältigend!

 

Aber auch furchtbar hässlich, finde ich (aber ich sage lieber nichts) die Bürger gehen über den historischen Platz mit den wundervollen Fassaden alter Architektur, schütteln  die Köpfe. Sie verstehen sie nicht, die Rostkunst bleibt ihnen verschlossen.

Das Monument verrostet mit der Zeit vollends. Man baut es wieder ab und führt es der Wiederverwertung zu.

 

Dennoch, ich mache mir als kleiner, armer Poet auch Gedanken und fröne somit der Rostkultur auf meine Art:

 

 

 

 

 

Eine Schraube

 

Eine kleine Schraube dreht sich leise ins Gewinde

Und es passt

Bis der Rost ganz schrecklich nagt

Sie zu lockern scheint gewagt

Und das stresst

 

Eine kleine Schraube ächzt ganz leise im Gewinde

Denn es drückt

Bis der Rost ganz schrecklich nagt

Sie zu lockern ist nun angesagt

Ja, das schmerzt

 

Eine kleine Schraube lacht ganz leise jetzt im Winde

Sie sich dreht

Wenn der Rost auch noch so klagt

Rotation ist mehr gefragt

Denn das lohnt

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.10.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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