Wolfgang Scholmanns

Apport

 

Einer dieser trüben Herbsttage. Mittlerweile ist es schon 15 Uhr, doch der Hochnebel will sich nur zögernd auflösen. “Komm Aron“, rufe ich meinen Hund. „Raus geht´s, an die frische Luft.“ Das lässt er sich nicht zweimal sagen. Im Nu bringt er mir sein Halsband und setzt sich vor mich. „Gut gemacht, mein lieber Hund.“ Auf dem Hof scharren die Hühner im nebelfeuchten Sand. Die Enten und Gänse machen einen müden  Eindruck, werden aber dann, durch Arons erscheinen, aus ihren Träumen geweckt. „Aron, hier bei Fuß. Lass die Katzen zufrieden.“ Neben dem Gänsestall spielen zwei von unseren elf Katzen. Die hat Aron natürlich sofort entdeckt. Diese kleinen Tiger mag er gar nicht, er hat schon oft Jagd auf sie gemacht.  Ungern, doch sofort, kehrt er zurück und  setzt sich , noch ganz aufgeregt, neben meinen linken Fuß. „Brav der Hund, bist ein Guter.“ Ein Leckerchen und eine Streicheleinheit bekräftigen sein Verhalten. Dann geht`s weiter. Die Rheinwiesen sind feucht und ich bin froh, dass ich meine Stiefel angezogen habe.  Nach einigen hundert Metern Fußweg fällt mir ein Auto auf, das auf einer unserer Weiden geparkt hat. „Bestimmt ein Jäger.“, sage ich zu mir. Ich rufe Aron, der gerade damit beschäftigt ist ein Loch zu buddeln, zu mir, und lasse ihn „bei Fuß“ laufen. Es kommt schon mal vor, dass Hunde, wenn sie in Jagdrevieren hinter Wild herlaufen und dabei von einem Jäger erwischt werden, von diesem erlegt werden. Der Jäger ist in diesem Falle dazu berechtigt. Ob das richtig ist oder nicht, auf jeden Fall ist es gesetzlich so geregelt. Mir persönlich geht diese Regelung gewaltig gegen die Hutschnur!!

Richtig geraten, es ist der Revierpächter. Er ist gerade damit beschäftigt,  eine Fährte zu legen. An einer Schleppleine zieht er einen toten Hasen hinter sich her. Der Hund wird dann später auf die Spur angesetzt und, mit dem Befehl „Apport“, losgeschickt. Zwei-dreihundert Meter wird der passionierte Jäger wohl gelaufen sein, bevor er den Hasen ablegt und zu seinem Auto zurückkehrt. Sein Hund, eine Deutsch - Drahthaar Hündin, die schon ganz ungeduldig im Auto wartet, zeigt jetzt, wie gut ihre Nase ist. Ohne zwischendurch anzuhalten, eilt sie, die Nase immer am Boden, zielstrebig auf den ausgelegten Hasen zu, packt ihn, bringt ihn unverzüglich zu ihrem Herrn und legt das Beutetier vor seinen Füßen ab. Mit zwei Leckerchen und einem großen Lob, wird sie belohnt und muss dann wieder in den Jeep zurück. Die Heckklappe lässt der Jäger allerdings auf denn er weiß, dass die junge Hündin das Auto, ohne seinen ausdrücklichen Befehl, nicht verlassen wird. „Hat sie toll gemacht, Heinz.“ „Hallo Wolf! Ja, sie ist schon ganz ordentlich, bei der Spurarbeit. An Spurwille und Spursicherheit ist nichts mehr auszusetzen. Und was ist mit deinem Aron? Bildest du ihn immer noch selbst aus?“ „Ja, dass was er kann, habe ich ihm alleine beigebracht. Ich brauche dazu keinen Jagdhundeausbilder. Die gehen mir viel zu brutal mit den Hunden um.“ „Das ist auch manchmal so.“, bestätigte der Jäger. „Aber pass mal auf, Heinz.“ Auf mein Handzeichen hin legt Aron sich flach ins Gras.  Ich nehme die Schleppleine, befestige den Hasen daran und lege die Spur an einer Weißdornhecke entlang, die sich bis zum Rhein hinzieht. Das sind ca. dreihundert Meter. Danach kehre ich zurück und setze Aron mit einem „Apport“ auf die Spur an. Aron jagt, genau wie vorher die Deutsch – Drahthaar Hündin los, holt den toten Hasen und legt ihn vor meinen Füßen ab. Es folgt die übliche Belohnung und anschließend noch ein lustiges Spiel mit der Hundedame. „Das macht der Aron aber ganz toll, Wolf. Alle Achtung, da habt ihr wohl tüchtig geübt.“ „Ja, lieber Heinz, von nix kommt nix , sagt man doch immer so schön. So toll wie heute funktioniert das nicht immer, denn manchmal will der Aron seinen Dickkopf, durchsetzen.“ Na ja, ihre Mucken haben sie alle schon mal, so wie wir ja auch. So, aber nun geht`s ab nach Hause. Kaffee und Kuchen warten und meine Frau natürlich auch.“ „Dann bis demnächst, Heinz und grüß deine Frau von mir.“ „Das mach du auch, Wolf und pass gut auf deinen Aron auf, denn in der nächsten Woche sind einige Jäger, mit meiner Erlaubnis, hier auf Hasenjagd unterwegs.“

„Na dann komm, Aron auf uns wartet man sicher auch schon, und Kaffee und Kuchen gibt es mit Sicherheit auch.“

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.10.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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