Wolfgang Scholmanns

Wildschwein statt Pilze

Ein blassgrauer Herbstmorgen. Wie lange ich mich hinter diesem Baum versteckt habe, ich weiß es nicht. zehn bis fünfzehn Minuten mögen es vielleicht gewesen sein. Dem Keiler bin ich entkommen, aber echt nur mit viel Glück und durch den Mut meines treuen Hundes.

„Komm Aron, wir gehen in den Wald. Ein paar Pilze brauche ich noch., eine bestimmte Sorte, weißt du. Ich will sie trocknen um in der pilzarmen Zeit nicht auf ihren vorzüglichen Geschmack verzichten zu müssen. Hole du schon mal dein Halsband, ich werde nachsehen ob der Korb im Keller steht.“ Als ich aus dem Keller zurückkomme, sitzt mein Hund schon oben an der Türe. Sein Halsband hat er geholt, und wartet nun schon unruhig darauf, dass ich es ihm anlege. „Ist ja gut, wir gehen sofort los.“ Der Korb war leider nicht im Keller, ich werde mal in der Garage nachsehen. Bestimmt habe ich ihn dort abgestellt. Na klar, im Kofferraum steht er, der alte Pilzkorb. Ich hatte ihn vor ein paar Tagen selber dort hineingestellt. „Werde doch wohl nicht vergesslich, oder was meinst du? So wie du mich ansiehst, bist du wohl noch ganz zufrieden mit mir. Dein Futter bekommst du doch regelmäßig und über deinen täglichen Auslauf kannst du dich ja wohl auch nicht beklagen.“ Aron bellt, nicht dass er mir antworten will nein, er will raus, raus in die Natur. „Ja ja, es geht gleich los.“ 

Nach einer halben Stunde Fahrzeit erreichen wir das Waldgebiet, welches mir zur Herbstzeit immer eine Vielfalt der unterschiedlichsten Pilzarten präsentiert. Na ja, die Anzahl der Exemplare hat wohl um fünfzig bis siebzig Prozent abgenommen und einige Arten tauchen gar nicht mehr auf, aber der versierte Pilzsammler kennt so viele Speisepilzsorten, dass er doch immer eine gute Mahlzeit für sich und die Familie zusammenbekommt. Damals, vor dreißig, ja noch vor zwanzig Jahren, zog ich mit zwei großen Körben in dieses Gebiet. Die wurden auch jedes Mal voll, und das mit den leckersten Köstlichkeiten. Steinpilze, Maronenröhrling, Butterpilze usw.. Raubbau getrieben haben wir allerdings nie. Im Gegenteil, wir haben immer ne Menge stehen lassen.

Die Wege sind matschig. Dafür hat ergiebiger Regen gesorgt, der sich in den letzten Tagen hier niedergelassen hat. Heute ist es zwar kalt und die Luft ist feucht aber es regnet wenigstens nicht. Auf den Seitenwegen und im Unterholz, werden Spuren von Wildschweinen sichtbar. Ich meine hier nicht nur Fußspuren, sondern auch derbe Wildschäden, die diese Tiere verursachen.  

Das Knurren meines Hundes macht mich auf eine Wildschweinrotte aufmerksam, die in etwa fünfzig Metern Entfernung zu erkennen ist. Irgendetwas scheint die Tiere zu beunruhigen. Ich nähere mich ihnen auf ca. zwanzig Meter um den Grund für das nervöse Verhalten zu ergründen, da kracht plötzlich ein auf dem Boden liegender Ast unter meine Fuß. Sofort hat der mächtige Keiler mich erspäht und rast auf mich zu. Ich flüchte im Zickzacklauf, lasse dabei den Korb fallen und laufe zu einer mächtigen Eiche, hinter der ich mich verstecken und auf die ich im Notfall auch klettern kann. Inzwischen hat Aron den Keiler angegriffen. Wild kläffend  rennt er neben ihm her und versucht ihn in die Beine zu beißen. Der Keiler versucht den Spieß umzudrehen,  erwischt Aron mit dem mächtigen Kopf und schleudert ihn in eine Suhle. Gott sei Dank kann dieser sich schnell aus dem Matschloch befreien. Durch ein krachendes Geräusch, das durch einen anderen Keiler verursacht wird, der durch das Tannendickicht bricht, werden Aron und sein Gegner von ihrer nächsten Runde abgelenkt. Grunzend und quiekend stürmen die beiden Wildschweinherren nun aufeinander los und  liefern sich einen erbitternden Kampf. Aron, dem mittlerweile  auffällt, dass sein Herr nicht mehr da ist, nimmt meine Spur auf und ist  schon bald bei mir. „Gut gemacht, mein lieber Freund. Ist dir auch nichts passiert?“ Ich untersuche ihn oberflächlich, taste ihn ab und verschaffe mir auch einen optischen Eindruck. „Das ist ja noch mal gut gegangen. Scheinst den Kampf ohne Verletzungen überstanden zu haben. Bist ein tapferer Hund! Die Wildschweine haben sich nach einer Weile wieder beruhigt. Der fremde Keiler, der wohl der Grund für ihr nervöses Verhalten war, ist von dem alten Chef der Rotte, in die Flucht geschlagen worden und nun gehen sie alle wieder ihrem Tagesgeschäft nach, nämlich fressen und suhlen. Aron werde ich zuhause erst einmal gründlich mit Wasser und Hundeshampoo bearbeiten müssen, denn der stinkende Modder sitzt tief in seinem Fell.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.10.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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