Giuseppe Rinaldi

Der Romantiker

In der kleinen Bücherei ist es normalerweise nicht allzu voll, es passiert nur selten, das sich mehr als fünf Leute hier aufhielten, nur heute waren es mehr als Fünfzig, es war nämlich ein Mann da, der wunderbare, gefühlvolle Gedichte schrieb und noch dazu Bilder malte, die einfach traumhaft waren. Er hatte sein erstes Buch fertig geschrieben und es noch selber illustriert, es hieß : Traumwelten. Er war bekannt, hatte schon einige Gedichte veröffentlicht und auch im Internet schon gemalte und geschriebene Sachen online gestellt, demzufolge hatte er schon eine kleine Fangemeinde, natürlich vorwiegend weibliche Fans.
Nun sitzt er hier am Tisch, hat gerade einige Gedichte vorgelesen und beantwortet jetzt Fragen und gibt ab und zu ein Autogramm.
Die meisten Frauen fragen nichts, sie schwärmen ihm vor, das er romantisch ist, lieb und nett, sensibel und überhaupt so was von einzigartig, seine Gedichte sind voller Poesie, kraftvoll und romantisch, manche traurig und melancholisch, aber so schön geschrieben, das man nur träumen kann, wenn man sie liest.
Auch seine Bilder werden gelobt, sind genauso schön wie seine Gedichte, kraftvoll, romantisch, einfach einzigartig.
Er lächelt bloß, beantwortet ab und zu eine Frage, lässt sich mit einer Verehrerin fotografieren und bleibt geduldig.
Nach einer Stunde steht er auf, bedankt sich bei allen Anwesenden und bei den Inhabern der Bücherei, packt seine Sachen zusammen, lächelt einer Frau zu, die sich die ganze Zeit abseits gehalten hat, nimmt sie in den Arm und geht mit ihr auf den Ausgang zu.
Kurz bevor er sie erreicht, springt die Tür auf, ein großer Mann stürmt herein, guckt sich hektisch um, sieht den Mann mit der Frau im Arm und fängt an zu schreien :“Duuuuu, du Saukerl, ich bring dich um, du nimmst mir meine Frau nicht weg, so leicht mach ich es dir nicht, ich mach dich alle !!“. Mit einem Mal ist es ruhig im Raum, alle Anwesenden gucken erschrocken zum Ausgang.

„Hey, bleib ruhig“ : sagte der andere Mann, „mach kein Blödsinn, ich geh doch nur mit deiner Frau was essen, mehr nicht“.
„WAS ESSEN ?? Du Schwein, du machst mit ihr was ganz anderes, aber nicht essen, ich mach dich fertig, du Schwuchtel !!!!“: schrie der große Mann mit roten Kopf.
„Nein, ich möchte mit ihr nur Essen gehen, mehr nicht, kannst ja mitkommen, ok ? Und beruhige dich bitte“ : antwortet der andere Mann.
„Ich beruhige mich nicht und essen tu ich schon gar nicht mit dir, du bist jetzt dran… „ : rief der große Mann und holte ein Messer aus seiner Tasche.
Alle schrien auf und drängten sich in einer Ecke des Raumes zusammen, jemand rief nach der Polizei und die Frau neben dem Mann erbleichte und ging ein paar Schritte zurück.

„Ey, du, hör auf..mach kein Blödsinn, lass das….“ : sagte der Mann. „Jetzt biste dran, du Arsch, du schwule Socke, du Memme, du Feigling !“ : schrie der große Mann und ging, mit den Messer fuchtelnd auf den anderen zu.
Der Mann geht langsam zwei Schritte zurück und sagte dabei : „Bitte, mach kein Blödsinn, leg das Messer weg…lass das“.

„Dir werd ichs zeigen „: sagt der große Mann und stieß dabei mit dem Messer in Richtung seines Bauches, der andere Mann griff mit seiner linken Hand zum Messer und schlug gleichzeitig mit der rechten Hand gegen den Hals des großen Mannes. Der zuckt zusammen und fing an zu röcheln und fässt sich mit der freien Hand an den Hals, seine Messerhand wurde verdreht und der andere Mann schlug dann mit aller Kraft auf den Ellenbogen des Armes, es kracht laut und das Messer fiel aus der Hand, der große Mann schrie laut auf und sackt auf seine Knie. Da holt der andere Mann mit der rechten Hand aus und verpasste den Großen ein wuchtigen Schlag auf die Nase, es knackte wieder und das Schreien ging in ein Wimmern über.
Schließlich hockt der Große auf seinen Knien, wimmert und hielt sich die blutende Nase, „Warum“: nuschelte er, „wieso…., dachte, bist ein Weichei..“. „Tja, nicht jeder, der romantisch und sensibel ist, ist auch ein Weichei, tut mir leid, ich wollte es  nicht“ : sagt leicht zitternd der andere Mann, drehte sich um und ging zur Tür hinaus. Dort wartete er auf die Polizei und den Rettungswagen, den die Leute in der Bücherei schon gerufen haben.
Der Arzt untersucht auch ihn, er hat nur ein leichten Schnitt am Bauch, aber der Große, der wurde in den Rettungswagen gepackt und er hat einen geprellten Kehlkopf, einen gebrochenen Arm und die Nase war auch lädiert.
Die Frau guckt ihn vorwurfsvoll an und steigt zu ihrem Mann in den Rettungswagen.
Nachdem die Polizei seine und auch andere Aussagen aufgenommen haben und wegfuhren, geht er langsam nach Hause und denkt dabei darüber nach, wieso so was passieren konnte und für eine Weile verspürt er keine Lust, irgendwas romantisches zu malen oder zu schreiben.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.10.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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