Christa Eva Walter

Als Gott die Erde erschuf... 2. Reisegeschichte 3.Fortsetzung

 

Am Abend trafen wir uns wieder ein. Der nächste Tag war dem Einkaufsbummel, dem Klönen am Hafen und dem Klatsch am Ort gewidmet, denn zu erzählen gab es immer was, Iren waren die besten Geschichtenerzähler. Meinen Nachmittagskaffee nahm ich gern am Ende der Straße ein, hier wurde ein ganz altes Gebäude umgebaut und zu einem Treffpunkt für Alt und Jung mit Kaffee und Kuchen und vielen interessanten Büchern und Zeitschriften gestaltet, man konnte sich zurückziehen, oder auch in gemütlicher Runde plaudern. Diese Entspannung tat so richtig gut, da durfte es auch mal ein bisschen regnen. Mit dem Wetter hatten wir bisher viel Glück, nach kurzen Regenschauern setzte sich immer wieder die Sonne durch und bescherte uns oftmals einen wunderschönen Regenbogen. Ich hatte immer soviel von einem regnerischen Irland gehört, das stimmte nicht ganz, hier unten im Südwesten war das Klima sehr milde und der ganze Sommer hindurch konnte sehr warm sein, so 25 Grad waren da durchaus die Regel. Wir gingen so langsam den letzten Urlaubstagen entgegen und beschlossen nun noch einen Abstecher zum Staigue Fort zu machen. Es ist das besterhaltene Ringfort in Irland. Mit seinem satten Grün ringsherum und den hohen Mauern,  fügte es sich wunderbar in die Landschaft ein.

Es entstand immer wieder ein Bild von ungewöhnlicher Schönheit, so als würde man ein Buch aufschlagen und der Betrachter befindet sich in einer Traumwelt, die es in Wirklichkeit nicht geben konnte. Aber dieses Irland gab es! Man konnte es sogar anfassen, ich bekam nie genug davon und hätte am liebsten eine Ewigkeit hier verbracht, in einer unendlichen  Zeit,... denn wer von uns weiß schon, wo die Ewigkeit liegt und wie sie ausgerichtet ist für uns Menschen. Als sich vor vielen Jahren hier noch Kelten und Römer gegenüber standen, ging es immer nur um Mach, und selbst in den eigenen Stämmen war man sich stets uneins,... das machte das gesamte Volk schwach und somit hatten Eindringlinge ein leichtes Spiel. Da es über Kelten selbst keine Aufzeichnungen gibt, können wir nur aus den Schriften der Römer und Griechen etwas erfahren. Als die Mauern von Staigue Fort noch mit Leben erfüllt waren, lebten hier in Irland 150 verschiedene keltische Königreiche. Das war zuviel und musste unweigerlich zu ständigen Kämpfen führen. Die Kampfeslust schien so groß, dass man sich vor dem Leben lieber den Tod wünschte, nur um zu siegen! Man versucht sich vorzustellen wie die Menschen sich immer wieder wehren mussten und ihr einziger Schutz die kleinen Höhlen in den starken Mauern waren.

Wir verließen Staigue Fort,... das nun ganz verträumt in der Abendsonne lag. Den nächsten Tag wollten wir im Ort verbringen, mit Einkäufen und was wir sonst noch so brauchten. Mit ein bisschen Wehmut ging ich die Straßen entlang, warf hier und da einen Blick in die Geschäfte und wäre doch am liebsten hier geblieben, hier in Irland. Noch in Gedanken versunken, hörten wir plötzlich ein lautes Zuschlagen der Türen, die Geschäfte, die Pubs und ebenso die Fischhallen schlossen ihre Türen und dabei war es gerademal erst Nachmittag, daher schien uns dies sehr ungewöhnlich. Erschrocken stellten wir fest, dass auch die Leute nicht mehr zu sehen waren. Was war geschehen? Wir liefen durch den Ort, der einsam und verlassen schien und dies machte uns ein wenig bedrückt. Wir gingen noch einmal in Richtung Hafen,... an den Fischhallen vorbei,... vor einer großer Halle, die weit geöffnet war, sahen wir mit Erstaunen, dass hier viele Leute versammelt waren. In ihren Händen hielten sie zwei Blumensträuße und einige hatten Tränen in ihren Augen. Wir hielten Abstand, denn wir konnten uns denken, dass hier etwas passiert sein musste. Als die Leute schweigend die Halle verließen und das Tor noch geöffnet blieb, konnte auch ich in den Raum sehen, der voll mit Blumen geschmückt war. Ich konnte einen jungen Mann erkennen,... der aufgebahrt war,... und mit vielen Blumen bedeckt,... schweigend ging ich wieder zurück und wir gingen still weiter.

Alle waren gekommen um Abschied zu nehmen, dabei waren jegliche Geschäfte unwichtig. In ihrer Trauer hielten sie fest zusammen. Erst am späten Abend waren die Pubs wieder geöffnet. Die Leute waren gekommen um in der Stille der Nacht, zu erzählen was geschehen war. Da  waren frühmorgens ein paar junge Leute unterwegs, um mit ihren Booten auf das Meer zu fahren, das Wetter schien günstig und gegen Mittag wurde es auch richtig heiß. Einer kam auf die Idee, als sich die Boote ca. 50 Meter vom Ufer entfernt hatten, ein Wettschwimmen zu veranstalten. Das machte schließlich richtigen Spaß und wurde auch oft schon ausprobiert, aber diesmal sollte einer von ihnen das Ufer nicht erreichen. Ein kräftiger junger Mann von gerade mal 22 Jahren tauchte plötzlich unter. Was erst wie ein Spaß aussah, wurde bitterer Ernst. Als er bewegungslos auf dem Wasser lag, kamen schnell seine Freunde und brachten ihn an das Ufer. Angst und Entsetzen lagen in ihren Gesichtern,... sie holten sofort einen Arzt und versuchten in der Zwischenzeit, durch Wiederbelebung ihren Freund zu retten. Aber selbst der Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Diagnose war Herzversagen und führte zum plötzlichen Tod. Alle Anstrengungen halfen nicht... und so musste schließlich auch der Arzt aufgeben!... Die zwei Blumensträuße waren ein Symbol für die Trauer und für seinen Geburtstag am nächsten Tag. Er wäre dann 23 Jahre alt geworden. Es war alles sehr traurig,... seine Freunde trugen ihn zum letztenmal zu der Stelle wo er den ewigen Frieden findet und wo in den Menschen die Hoffnung wächst, auf ein Leben im Jenseits,... wo alle Fragen einmal eine Antwort finden.

Es war unser letzter Urlaubstag... und ich habe noch lange an diesen jungen Mann denken müssen. Auf dem Weg nach Kerry,... ließ ich einige Dinge Revue passieren, mir wurde klar, dass in der Hoffnung die Kraft lag... und wir nur wenig Einfluss haben auf das Leben selbst. Wir waren gut in Kerry angekommen und das Flugzeug startete pünktlich. Ich suchte meinen Fensterplatz,... um nocheinmal meiner Insel ganz nah zu sein. Es waren viele Leute an Bord gekommen und sie schienen mir sehr geschäftigt, also nicht nur Touristen sondern auch Geschäftsleute, die mit ihren Aktenkoffern herumirrten um bloß schnellstmöglichst ihren Platz zu finden. Ich dachte im Stillen, diese Leute sind sicherlich oft in Irland, dass sie nicht mehr den Zauber spüren, dem ich nicht widerstehen konnte. Ich lehnte mich an die Scheibe, und hing so meinen Gedanken nach. Plötzlich sprach mich ein Mann an, der wohl gerade Platz genommen hatte, sie sind bestimmt hier in Urlaub gewesen, fragte er freundlich. Ich nickte nur,... wissen sie, ich bin sooft hier in Irland und reise hin und her, aber glauben sie mir, es ist der schönste Fleck auf dieser Erde,... ich schmunzelte und konnte dies nur bestätigen.

Ich glaube man konnte Irland erleben,... um nie mehr wieder zu kommen, 
oder man hatte Irland für immer ins Herz geschlossen.
Ich hatte Irland  ins Herz geschlossen... und in mir war eine Sehnsucht
getragen von einem tiefen Gefühl...  

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.10.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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