M. Kupfer

Reisetagebuch der Abschlussfahrt Venedig (21.9.08-26.9.08)

2. Tag (Dienstag)


Liebes Tagebuch,

Nun sind wir schon den zweiten Tag in Venedig und es ist schon viel passiert.
Soviel, das ich erst jetzt zum aufschreiben komme.
Vorgestern um circa 19:00Uhr ging unserer Fahrt los. Gestartet in Bonn auf den 14 Sündigen Weg nach Venedig, einer der faszinierendsten Städte der Welt.
Die Busfahrt war wie lange Busfahrten eben sind. Anstrengend, aufregend, hin und wieder langweilig, lustig und vor allem getränkt in ungeduldiger Vorfreude.
Wenn man Glück hatte kam man in der Nacht zu 6 Stunden Schlaf. Ich schätze, dass ich selber nur 4 Stunden geschlafen habe.
Ich erwachte um halb sieben. Der nächtliche Frost saß mir noch in den Gliedern, doch ich merkte ihn kaum, gefesselt von der schönen italienischen Landschaft und dem Winken des Sonnenaufganges.
Müdigkeit und der Drang nach einer langen, heißen Dusche zügelte die allgemeine Laune und wir atmeten alle erleichtert auf als wir um circa 10 Uhr an unserem Hotel ankamen und aus dem Bus stiegen.
Doch da wussten wir noch nicht, dass ein weiteres Problem schon auf uns wartete.
Anscheinend hatte etwas mit der Überweisung nicht geklappt und so durften wir wieder einpacken und zu einem anderen Hotel im Ort fahren. Wir meisterten jedoch auch diese Schwierigkeiten.
Am morgen durften wir auch sofort die Gegend erkunden. Svenja, Gala, Samy und ich bildeten eine Gruppe, durchstöberten die glitzernden, durcheinander gewürfelten Läden und rannten voll Hysterie den Strand entlang, den schäumenden Wellen entgegen.
Die Sonne im Nacken und das salzige Meer Italiens zwischen den Zehen empfand ich diesen Ort als den Schönsten den ich mir vorstellen konnte.
Lido de Jesolo ist ein sympathischer Ort. Jede 20 Meter kann man mit einer Bar und jede 200 Meter mit einem Hotel rechnen. Die Läden sind meist Krimmskramläden voll Schmuck, Muscheln und Postkarten. Wie es sich für einen Touristenort nun einmal gehört.
So nun zum Hotel. Die Leute hier sind sehr freundlich, das Essen bisher köstlich, die Zimmer erfüllen zwar nicht unsere Träume dennoch unsere Erwartungen und die Kanarienvögel in der Empfangshalle sind süß. Was wollen wir mehr?
Der Ausblick aus unserem Zimmer ist zwar nicht der eines rauschenden Meeres aber einer Häuserwand, dessen Fenster den azurblauen Himmel spiegeln. Und das Meer ist sowieso innerhalb weniger Minuten zu Fuß zu erreichen.
Im Moment will ich mich jedoch nicht mit dem Rückblick beschäftigen, da der Blick nach vorne so gewaltig ist, dass ich vielleicht später noch einmal auf unseren ersten Venedigtag eingehe.
Gerade sitze ich in der Fähre, auf dem Weg zu meinem zweiten Besuch der faszinierenden Stadt. Der Wind fällt mir ins Gesicht und wir alle blinzeln abenteuerlustig und erwartungsvoll in die Ferne, auf das am Horizont auftauchende Venedig.
Was wird uns wohl heute erwarten, zwischen den schlängelnden Gassen und dem Tauben überflogenen Gedränge des Markusplatzes?



Später im Wassertaxi:


Das Wetter ist herrlich. Wir werden von den Wellen gewogen und bewundern die am Wasser mundenden Bauten Venedigs. Die Sonne lässt das Meer glitzern und Möwen fliegen über die Schiffe und Boote, die überfüllt von Touristen sind, hinweg.
Der typische venezianische Baustil hat mich in seinen Bann geschlagen. Viele Fenster in vielen verschiedenen Formen, Ziegeldächer die teilweise schon so alt aussehen als könnten sie in jedem Moment in sich zerfallen, hohe sich regenseitig überragende Türmchen und das stetige auf uns ab der Häusergrößen, die sich, ohne Zwischendistanz aneinander schmiegen. Nur hin und wieder gibt ein Spalt gnädig die Möglichkeit in die Stadt einzudringen.
Ganz selten strecken sich Bäume über den Dächern hervor, wie Ertrinkende. An manchen Häusern bröckelt der Putz ab und bringt den Backstein oder Zement zum Vorschein aus dem die Gebäude erbaut worden sind.
Besonders schön und in gewisser weise auch niedlich sind die unzähligen kleinen Balkone und die liebevolle Art, mit der die meisten Gebäude verziert wurden. Um einen Hauch von grün zu zaubern verzieren die Venezianer gerne alles Mögliche mit Kletterpflanzen oder lassen Blumen auf ihren zierlichen Balkonen sprießen. Trotzdem ist Venedig eher pflanzenarm.
Es ist eben die Stadt der Stein und Marmorstatuen, der hohen Säulen, der tausend Brücken und der auf dem Wasser treibenden Gondeln.
Dauernd fahren wir an schmalen in das innere der Stadt abzweigenden Kanälen vorbei und wenn ich hinein schaue verlieren sie sich zwischen den Engen der Häuser und ich frage mich wohin sie wohl führen mögen.
Venedig ist eine geheimnisvolle Stadt. Voller Winkel und Gässchen. Nicht ein ganzes Leben würde ausreichen um jede Stelle erkunden zu können.
Ich höre gerade das Glockenspiel, der berühmten Uhr des Markusplatzes, das zur zwölften Stunde spielt...


19.05Uhr im Bus zurück zum Hotel.

Unsere Reise geht dem Ende zu. In unseren Köpfen wirbeln noch die bunten Eindrücke Venedigs. Nachdem wir einige Sehenswürdigkeiten, wie dem Campanile, der sich mit seinen hohen Glockenturm als das höchste Gebäude Venedigs auszeichnet.
Von rund 98 Metern über dem Wasserboden hatten wir eine atemberaubende Aussicht über ganz Venedig, das wie man nun besser erkennen konnte, aus ganzen 190 Inseln besteht.
Danach durften wir „ganz alleine“ in Gruppen die geheimnisvollen Gassen  und lockenden Läden erkunden.
Die Stadt zog uns klammheimlich in ihre Fänge. Geschäft um Geschäft lockte uns weiter und wir folgten dem bunten Glitzern und den verzogenen Grimassen der Masken, wie die Tauben den Brotkrumen. Es war als ob uns die Stadt immer weiter in sich hinein führen wollte um uns zu ihren ewigen Gefangenen zu machen. Es kam schon vor, dass wir durch die Gassen wandelten und plötzlich merkten, dass wir im Kreis gelaufen waren.
Auch hängen geblieben sind mir die pickfeinen Restaurants, die sich unmittelbar in ein kleines Gässchen schmiegten.
Nun freuen wir uns auf unser leckeres zweites Abendessen...


3. Tag (Mittwoch)


Liebes Tagebuch,

Wieder ein Mal startet ein neuer Tag. Das Wetter sieht viel versprechend aus.
Heute besuchen wir Murano und Burano. Das sind 2 der 190 Inseln Venedigs.


11.50Uhr in Burano an der Anlegestelle der Fähre.

Wir warten auf die Fähre.
Burano hat sich als ein zuckersüßes Inselchen heraus gestellt. Mit Häuschen in regenbogenfarben und aus den Fenstern wehenden Laken und gestreiften Gardinen. Die Wäsche wird, an einem Seil, von Fenster zu Fenster, an die rote, gelbe, grüne, blaue (...) Häuserwand gespannt.
Ein Kanal, der gerade breit genug ist, dass man ihn nicht im Sprung überqueren könnte, zieht sich durch das aufweckende Bunt. Fischerboot drängt sich hier neben Fischerboot.
Dann gibt es hier auch noch einen Markt, wo man alles kaufen kann was man zum leben benötigt. Die Einwohner hier haben ein warmes Lächeln. Ich weiß nicht ob ich Massen von Touristen in meinem eigenen Zuhause so freundlich empfangen könnte.
Interessant und erwähnenswert war auch der Grund warum hier die Häuser bunt gestrichen waren; Früher als die Fischer im Nebel zurück kehrten, mussten sie ja irgendwie ihre eigenes Haus unterscheiden können. So strichen sie es eben individuell,
Ich bin gespannt wie Murano so ist.


17:45Uhr im Bus zurück

Murano war ebenfalls ein lohnendes Ziel gewesen. Die Insel war sehr viel größer als Burano und natürlich nicht so bunt. Dafür konnte man sie die Insel des Glases bezeichnen, denn hier entstehen die schönsten Glaskunstwerke die ich je gesehen habe. Wir haben sogar Glasgusskünstlern bei der Arbeit zusehen dürfen.
Dann fuhren wir gegen halb drei wieder ab. Das nächste Ziel war das Ghetto, worüber ich und Svenja einen Vortrag, über die Leidensgeschichte, der Juden hielten.
Das Ghetto ist etwas abgenutzter als die bisherigen Teile Venedigs. An vielen Häusern ist der Putz zu großen Teilen schon lange zu Staub zerfallen, der nun in der Luft umher schweift. Hier und dort konnte man auch Graffitis an den Wänden finden...
Nun ja wie auch immer danach durften wir uns aussuchen ob wir lieber Gondel fahren wollten oder die lange, umworbene Einkaufsstraße entlang schlendern wollten.
Ich habe mich für das letztere entschieden.
Aber auch dieser ereignisreiche Tag ging wie man sieht zu Ende...
Ach was von wegen zu ende! Nach unserem letzten Abendessen im Hotel wartet schließlich noch das Highlight unserer Abschlussfahrt auf uns: Venedig bei Nacht!
Oh was ist jetzt los?
Der Bus ist stehen geblieben. Ich schreibe später noch mal.
18:04Uhr
Der Bus steht noch immer. Wir sitzen und warten. Und das aus dem banalen Grund, dass wir von der italienischen Polizei angehalten worden sind.
Herr Dresen und Tom unser Busfahrer stehen gerade draußen und diskutieren mit zwei Polizisten. Wie es aussieht hatten wir illegaler Weise nicht für die Benutzung der Straße bezahlt!
So nun ist es klar. Wir dürfen 74 Euro blechen. Geht’s noch?!
Und nicht nur das auch unser Abendessen wartet schon seid vollen sechs Minuten. Niemand hat uns informiert, dass diese Zusatzregelung existiert.
Nun fahren wir endlich weiter und hinter uns wird direkt der nächste Reisebus angehalten. Na Prost Malzeit!


23:10 Uhr im Bett.

Wir sind wieder zurück. Ich kann nur sagen, dass diejenigen die nicht mitgekommen waren wirklich etwas verpasst haben. Nur ein drittel der Klasse ist nämlich mitgefahren. Die anderen lieber den letzten Abend im Hotel oder am Strand feiern. Also werde ich es extra gründlich beschreiben mit diese sich ein Bild machen können.
Um viertel vor neun legte unsere Fähre in Venedig an. Schon von weitem sah man die abertausend Lichter Venedigs aus der schwarzen Nacht heraus leuchten.
Und mit schwarzer Nacht meine ich schwarze Nacht. Als wir in der Fähre an Deck saßen konnten wir in manchen Richtungen nur Dunkelheit erkennen. Nicht einmal Schemen konnte man ausmachen. Es hatte etwas Unheimliches...
Nun als wir letztlich in Venedig waren konnten wir nur staunen welche komplett andere Stimmung die Stadt angenommen hatte. Wie als ob sie eine andere Maske aufgesetzt hätte.
Ich ließ mich über den Markusplatz treiben, betäubt von der Musik, der Geiger und Pianisten, die voller Gefühl, den romantischen Ort noch schöner machten. Die Laternen leuchteten gerade hell genug und nun hatten die kleinen Stände den Restaurants platz gemacht, die ihre verzierten Stühle und Tische ausgebreitet hatten. Ein Rosenverkäufer ging umher.
Es war wirklich zauberhaft. Doch leider konnten wir dieses Schaubild nur eine Stunde genießen bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen mussten.
Und nun liege ich hier und träume von diesem magischen Ort, der des Nachts, wie ein Schmetterling die Flügel aufschlägt und zu seiner vollen Pracht erblüht.




















4. Tag (Donnerstag)


Im Bus (16:33Uhr)

Ciao Venezia! Es war schön mit dir.
Meine Lippen schmecken noch nach Meersalz von dem Strand Lidos, den wir heute zum Abschluss noch besuchten.
Wir mussten schon um viertel nach neun mit Sack und Pack das Hotel verlassen und so gab es bereits um acht Uhr essen. Es war etwas stressig doch letztlich saßen wir fertig im Bus auf dem Weg nach Lido unserem letzten Ortbesuch in Venedig. Um halb eins konnten wir über den warmen, weißen Sand und Millionen angeschwemmter Muscheln laufen und unsere Füße in die Wellen tauchen.
Der Strand von Lido ist einer der schönsten Strände, die ich je entlang laufen durfte. Leuchtender, sauberer Sand und frische Seeluft. Muscheln aller erdenklichen Sorten zu finden im Sand und Palmen die im Wind wehen.
Und was das Beste war: Nun hatten wir eineinhalb Stunden um uns im Sand zu räkeln oder auf Muschelsuche zu gehen um vielleicht noch das perfekte Mitbringsel für zuhause zu finden.
Danach wartete ein längerer, unerwarteter Fußmarsch auf uns, den wir fast widerstandslos hinnahmen. Um circa drei Uhr saßen wir dann wieder im Bus.
Da die meisten noch für die lange Fahrt Proviant brauchten machten wir noch bei einem Supermarkt halt.
Nun ausgerüstet aber etwas müde sind wir auf dem Weg zurück nach hause. Doch ein Ereignis erwartet uns noch: Verona. Mal sehen ob die Stadt mit Venedig mithalten kann. Ich bin gespannt.


22Uhr im Bus

Verona, kann sich ohne schlechtes Gewissen, als die Stadt der Romantik charakterisieren. Alleine die Geschichte von Romeo und Julia gibt der Stadt etwas Besonderes.
Wir starteten unsere Erkundung und stießen nach nicht allzu langer Zeit auf eine sehr amüsante Statue eines Mannes der auf einem Podest hockte. Wir hielten diese Statue solange für eine bis sich der Mann bewegte, ein zwei mechanische Bewegungen machte und dann wieder in einer anderen Haltung erstarrte. Wir fanden schnell heraus, dass er das immer dann machte wenn jemand Geld in die Büchse zu seinen Füßen warf. Ich fragte mich wie er es Aushielt so selten zu zwinkern und hätte ihn, wegen meiner Bewunderung mein restliches Kleingeld gegeben. Wenn ich noch welches gehabt hätte...
Für mich persönlich war jedoch das Highlight, durch die Unterführung zu Julias (oder sollte ich vielleicht doch lieber Guilettes schreiben?) Balkon zu gehen.
Die kalten Steinwände waren tapeziert mit Herzerwärmenden und heißen Liebesschwüren. Dazu lag dort extra ein kleiner Block. Man brauchte also nur noch einen Stift zum schreiben und ein Kaugummi und schon konnte man sich in der Stadt der unsterblichen Liebe mit seinem Liebsten auf einem Stück Papier verewigen.  
Dann durften wir mal wieder auf eigene Faust die Stadt „erkunden“ was für uns aber eher „shoppen“ hieß.
Aber wir hatten nicht besonders viel Zeit da unsere Rückkehr nach hause schon ungeduldig wartete.
Achja und die Tatsache das es angefangen hat in Strömen zu regnen natürlich!
Also rannten wir eher zurück zum Bus als gingen. Es war recht kalt und der Regen durchnässte erbarmungslos unsere Kleider.
Umziehen ist nicht möglich. Mir graust es schon einzuschlafen und als Eisstatue aufzuwachen aber zum Glück hat Tom gnädig die Heizung angemacht. Oooh wie ich mich gerade auf mein warmes Bett zuhause freue...
Morgen um 8-9 Uhr dürfen wir wieder unsere Zurückgelassenen in die Arme schließen.
Ich freue mich, bin aber gleichzeitig auch traurig, dass die schöne Zeit schon beinahe abgelaufen ist...

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.11.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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