Norbert Wittke

Navis


Waren es früher in der griechischen Mythologie die Sirenen, die Seefahrer mit
ihrem Gesang in den Tod lockten, bei uns die verführerische Rheinnixe Loreley,
die ähnliches auf dem Rhein machte, so sind es heute die Damen in den unzähligen
Navis, die diese Aufgabe übernommen haben.

Mit ihren eindrucksvollen Stimmen versuchen sie, uns vom rechten Weg abzu-
bringen. Des weiteren verursachen sie auch noch Streitigkeiten zwischen Fahrer
und Beifahrer. Ein Ehepaar erzählte mir neulich, wie sich das abspielen kann.
Sie hatten sich ein Navigationsgerät zugelegt. Natürlich wollten sie es ausprobieren
und fuhren eine Stecke, die sie gut kannten.

Er: " Ich fahre jetzt so wie die Holde es mir angibt, die da drin sitzt. Möchte doch
mal sehen, wo sie uns überall hinlocken will."

Sie:" Ja, probier es mal aus. ich bin sehr gespannt."

Es dauerte nicht lange. Sie: " Hätten wir da nicht links abbiegen müssen?"

Er:" Nein, sie hat geradeaus gesagt."

Sie: " Aber das ist doch viel weiter."

Er: " Sie wird es schon wissen, sie wird ja dafür bezahlt."

Sie: " Aber wenn ich etwas sage, machst du es nie. Einer wildfremden Frau
vertraust du so einfach."

Er: " Wir wollten es doch ausprobieren und fahren, wie sie es sagt."

Sie: " Das bedeutet doch aber nicht, dass wir ihr einfach trauen. Sie kennt sich
hier nicht aus, weil sie ortsfremd ist."

Er. " Schatz das ist keine Sie, das ist ein Navi!"

Sie: " Aber wir fahren doch verkehrt. Wenn ich was sage, hörst du nie auf mich!"

Er: "Aber wir wollten es doch ausprobieren."

Sie: " Das bedeutet doch nicht, dass wir falsch fahren müssen. Überleg doch was
dieser Umweg an Benzin kostet, und ob wir überhaupt ans Ziel kommen."

Er: " Lass mich doch einfach in Ruhe. Fährst du oder ich?"

Sie: "Dein Ton gefällt mir überhaupt nicht.Auf Fremde hörst du immer, aber auf mich
nie. Und außerdem kennst du die Frau doch gar nicht. Wer weiß, was die mit uns
vor hat?"

Es eskalierte in einen kräftigen Streit. Nach der Versöhnung stand fest, die Frau fliegt
wieder. Wie kann man auch nur fremde Frauen so einfach mit nehmen und noch
nach ihrer Pfeife tanzen?

Wir haben uns auch so ein  Gerät  zugelegt. Ausprobiert haben wir es auf der Strecke
nach Köln zu unseren Enkelkindern. Wir kamen gut hin, haben aber nicht immer auf
sie gehört. Vor der Rückfahrt meinte meine Frau: " Die brauchen wir nicht mehr. Ihr
Gesabbel geht mir auf die Nerven!" Sie packte sie in unsere Reisetasche.

Unterwegs auf einmal von hinten ein Gebabbel: Wir hörten: " Links. rechts, geradeaus,
usw." Wir stellten fest wir hatten ein Mitfahrerin, die uns von hinten den Weg weisen
wollte, obwohl sie gar nichts sehen konnte. Die Erklärung ganz einfach, meine Frau
hatte beim Einpacken versehentlich den Anknopf gedrückt. So ging es also auf der
ganzen Fahrt nach Hause.

Schließlich zu Hause angekommen, stellte meine Frau die Tasche ins Wohnzimmer.Da kam
die Stimme aus der Tasche: "Verlassen Sie bitte den Kreisverkehr an der dritten Aus-
fahrt."
Ich nur: "Du bist wohl balla, du blöde Kuh. Wir stehen hier in unserem Wohnzimmer."

Seit der Zeit fange ich nichts mehr mit fremden Frauen an, die mich dauernd voll quatschen.
Ich habe sie in eine Schublade gelegt. mag sie doch da mit sich selber reden und vereinsamen.

12.11.2008             Norbert Wittke

(Wirklich so passiert)



 

 



 



 



 

 



 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.11.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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