Ingrid Grote

TOPP, die Wette – Wie es begann...2


Leider ist bei einer nachträglichen Änderung was schiefgegangen, dabei hatte ich doch gerade eine Möglichkeit gefunden, über ein html die Formatierung ganz korrekt hinzukriegen, aber dieser neue Editor hat alles zerschossen. Schade...


ZUHAUSE BEI IRMA

 

Irma steigt mit Ralf in Annas Auto. Es lohnt sich eigentlich nicht für die paar Meter, aber Anna möchte sie unbedingt nach Hause fahren. Anna ist echt lieb.

Der Rest der Bande – dazu gehört auch Chris – will zu Fuß gehen, ist ja nur ein paar Straßen weiter. Und anscheinend weiß er noch, wo sie wohnt. Welche Ehre, Irma kichert lautlos in sich hinein. So eine Situation hat sie noch nie erlebt. Zwei Unbekannte hoch drei, das ist höhere Mathematik, Schicksal – oder es hat überhaupt nichts zu bedeuten. Und wie sieht ihre Wohnung aus? Aufgeräumt ist sie, und keiner wird es wagen, drüber zu meckern, sonst fliegt er raus. Rotwein ist auch genug da, und irgendwo müsste noch ein Kasten Bier stehen. Ist vielleicht ein bisschen warm, aber was soll’s...

Anna und Markus wollen nicht mehr mit reinkommen, beide haben Sehnsucht nach ihrem Bett, also steigt sie mit Ralf alleine aus.

 

Was hat sie überhaupt an? Und steht es ihr? Irma sieht an sich herunter, sie trägt eine helltürkisfarbene Bluse aus einem zarten weichen Stoff. Sie steht ihr ausgezeichnet, sie ist sogar ein bisschen sexy, denn durch den leichten Stoff hindurch kann man gewisse Rundungen sehr gut erkennen... Dazu trägt sie eine schwarze etwas weit geschnittene Leinenhose. Diese Hose lässt sie hilflos und zerbrechlich erscheinen. Und vor allem solide. Irgendwie hat sie das Gefühl, Chris mag solide und vor allem nicht aufgedonnerte Frauen. Ist sie solide? Na ja, in letzter Zeit war sie nicht sehr solide, ist mit einigen ins Bett gehüpft, nur mit IHM nicht. Ätsch! Irma kichert in sich hinein, denn die vielen Gläser Rotwein haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Aber weiter: Ihre Schuhe sind genial, es sind geschnürte Turnschuhe aus geflochtenem schwarzen Leder, und sie passen sich perfekt ihren Füßen an. Waren ja auch teuer genug... Okay, sie sieht nicht übel aus. Ihr braunes Haar fällt locker und glatt auf ihre Schulter, ihre Haut ist zwar etwas blass, aber in diesem Sommer gab’s kaum Möglichkeiten, sich zu sonnen, und Bräunungsstudios mag sie nicht. Ihre Augen sind grünbraun und mandelförmig, ihre Nase ist unbedeutend und ein bisschen zu breit, aber ihren Mund findet sie sehr schön. Was noch? Ach ja, ihr Körper, darüber hat noch keiner gemeckert. Fazit: Sie ist zwar nicht die Schönste, aber bestimmt auch nicht abstoßend.

 

Sie sitzt mit Ralf im Wohnzimmer auf dem Fußboden und legt gerade Schallplatten auf, als die restliche Meute Sturm klingelt. Sie hat sich nämlich einen dieser nostalgischen Schallplattenspieler zugelegt, mit denen man nebenbei die alten Scheiben auch digitalisieren kann, sehr praktisch!

Irma drückt die Tür nur auf und setzt sich sofort wieder ins Wohnzimmer auf den Boden. Ralf hockt neben ihr, und sie lachen gerade über ein uraltes Plattencover.

Sie schaut kurz hoch und sieht Chris an der Tür stehen. Hinter ihm erscheinen noch andere Leute, der Typ, den sie flüchtig aus dem E-body kennt, er unterhält sich mit Chris, und Chris nennt ihn Siggy. Siggy hat eine hübsche rothaarige Frau mitgebracht. Und dann erscheint, oh Schreck, diese Kuh Olivia mit ihrem Ab-und-zu-Stecher. Olivia, die Schlampe mit der unschuldigen Anmache. Aber sie ist wirklich makellos schön und außerdem noch intelligent und interessant. Die will bestimmt Chris an die Wäsche, hat ja bei der Party schon damit angefangen. Aber wen juckt’s? Wenn er die will, ist er es selber schuld.

Alle verschwinden in die Küche, und nach einer angemessenen Weile steht Irma auf und geht mal gucken...

Siggy, seine Rothaarige, Olivia und ihr Ab-und-zu-Stecher haben den Küchentisch besetzt und tun so, als wären sie hier zu Hause. Na gut, die Gäste sollen sich wohl fühlen, aber ein bisschen unverschämt findet Irma das schon. Vor allem, als die Kuh Olivia nach Kaffee fragt. „Kaffee gibt’s hier nicht, nur Bier, Wein oder Cola.“ Die sollen froh sein, wenn sie hier überhaupt was kriegen!

Wo ist Chris? Irma lässt unauffällig ihre Blicke schweifen und entdeckt ihn halb hinter sich, er steht vor der Küchentür, lässig an den Türrahmen gelehnt.

Aus den Augenwinkeln sieht sie, dass Chris sich einen abgrinst, er hat’s wohl mitgekriegt, das mit dem Kaffee, den es nicht gibt.

„Kommst du klar?“, fragt sie ihn, denn er steht ausgerechnet da, wo sie vorbei muss. Absicht von ihm?

„Natürlich“, wieder dieses anzügliche Grinsen. „Ich glaube, ich weiß, wo der Kühlschrank ist...“

So ein Blödmann! Will wohl drauf anspielen, dass er schon mal hier war. Da ist er aber nicht so richtig zum Zuge gekommen, und jetzt muss Irma grinsen und verzieht sich wieder ins Wohnzimmer.

Sie legt ein paar alte Scheiben auf, die sie von ihren Eltern geerbt hat. Der Witz an der Sache ist, ihre Eltern haben mittlerweile nur noch einen CD-Player, wollten aber die alten Schallplatten nicht wegschmeißen.

„Wow, eine Vinylparty!“ hört Irma. Und kurz darauf kommt ein netter Typ ins Wohnzimmer und wühlt in den Schallplatten herum. Und dann kommt noch einer, wow, wirklich nette Männer sind das, wenn auch ein bisschen uninteressant, aber man kann schließlich nicht alles haben. Und Irma führt bald ein tiefsinniges Gespräch über die Musik der achtziger Jahre mit ihnen. Sie reden über John Peel, den ersten wahren DJ, sie reden über die alten Plattentitel und über das Gefühl, eine wahrhaft echte Schallplatte in der Hand zu fühlen. Sie reden und reden, und es ist lustig. Eine unglaublich üppige Frau stößt zu ihnen, sie ist unheimlich nett, und sie heißt Dani. Was tut sie hier? Es stellt sich heraus, dass sie mit einem der Typen zusammen ist. Und schwanger ist sie auch, aber das merkt man gar nicht.

 

~~~~~~~~~~~

 

HAUT DOCH ALLE AB! ODER AUCH NICHT...

 

Zwischendurch trinkt Irma wieder Rotwein, und ab und zu geht sie in die Küche, um zu sehen was da los ist. Auch die anderen pendeln in der Wohnung hin und her.

Nur die Viererbande sitzt immer noch am Küchentisch. Als Irma in die Küche kommt, verstummen sie und glotzen sie irgendwie blöd an. Irma wundert sich zwar, stellt sich aber locker zu ihnen und versucht, ein Gespräch in Gang zu bringen. Sie will nur nett sein, so als Gastgeberin.

Das soll ihr aber schlecht bekommen, weil die seltsamerweise nicht auf Gespräche mit ihr scharf sind, zumindest die Frauen nicht. Die Rothaarige, die irgendwas mit Siggy zu tun hat, bläst sie hinweg mit einer blöden Bemerkung. Irma ist zwar von dem vielen Rotwein schon ein wenig betäubt, aber sie merkt, dass es sich um eine Beleidigung handelt. Irgendwas hat die gegen ihre Tapeten. Was hat die rothaarige Zicke gegen die? Sie sind zwar ein bisschen gewöhnungsbedürftig, denn sie sind schwarz-weiß gestreift, und Irma hat sie diagonal an die Wände geklebt - aber was soll das? Sie hat der blöden Nuss doch nix getan. Oder wissen die irgendwas über Chris und sie? Blödsinn, da ist nichts zu wissen. Aber vielleicht spüren sie die Spannung, die unzweifelhaft zwischen ihr und Chris herrscht. Oder sie haben mitbekommen, wie er das mit dem Kühlschrank sagte und wissen jetzt, dass man sich kennt? So ein Quatsch! Was können die schon groß wissen! Alles Einbildung von ihr, denn in Wirklichkeit kennt sie Chris doch gar nicht, und er interessiert sie einen Dreck – gerade jetzt ist er auf dem Balkon, er raucht eine Zigarette und unterhält sich mit dieser unglaublich üppigen Frau, man könnte sie auch dick nennen, aber üppig hört sich netter an. Aber wenigstens ist die auch unglaublich nett, im Gegensatz zu diesen anderen beiden Gurken...

Seltsam, obwohl sie ihn kaum beachtet, weiß sie genau, wie er aussieht. Sie weiß, dass sein Körper fantastisch ist und dass sein Gesicht mit dem arroganten Ausdruck auf viele Frauen und auch Männer sehr anziehend wirkt. Sie weiß, was er anhat. Komisch, das weiß sie, obwohl sie ihn den ganzen Abend lang nicht wirklich angeschaut hat. Er ist ganz schlicht gekleidet, Jeans, ein T-Shirt und darüber eine gerade geschnittene dunkle Jacke. Sieht elegant aus, aber es liegt wohl daran, wie er diese schlichten Sachen trägt. Er trägt sie unnachahmlich, muss wohl an seiner Arroganz liegen…

Steht er immer noch auf dem Balkon? Aaah ja... Sie sollte nicht so offenkundig nach ihm Ausschau halten, das ist ja schon krankhaft, und hoffentlich fällt es den anderen nicht auf. Am besten wieder ins Wohnzimmer gehen...

Als sie das nächste Mal in ihre Küche kommt, sieht sie ihn sofort. Er ist ja auch nicht zu übersehen. Er steht lässig angelehnt an ihren alten dunkelrot gestrichenen Holzschrank. Und Scheiße! Olivia steht neben ihm und redet auf ihn ein. Sie macht wieder ihr blödes hilfloses Anmachgesicht. Und sie sieht so wunderschön aus.

Na super! Dann ist es jetzt wohl gelaufen, also Tschüss Chris und viel Spaß mit der Schlampe, auf die alle Männer stehen! Tröstlich zu wissen, dass du auch nicht anders bist als die anderen.

Nein, es ist überhaupt nicht tröstlich, sondern eigentlich furchtbar. Irma fühlt sich aus unbekannten Gründen leer und enttäuscht und tritt den Rückzug ins Wohnzimmer an. Sie widmet sich wieder den alten Schallplatten, bemerkt aber irritiert, dass ihre Mundwinkel etwas hysterisch zucken. Muss am Rotwein liegen.

Und sie hat keine Lust mehr, fremde Leute in ihrer Wohnung zu ertragen, die sollen alle abhauen mit ihren diversen Flittchen, sie hat keinen Bock mehr! Ihre Wohnung ist schließlich kein Institut für Partnervermittlungen!

Irma setzt diesen Entschluss postwendend in die Tat um, und sie geht kurzentschlossen in die Küche, um alle zu verabschieden. Haut bloß ab, ihr verdammten...

Aber wie durch ein Wunder sitzt die Viererbande wie gewohnt wieder am Küchentisch, und die schöne und interessante Olivia sieht ein wenig sauer aus. Und die Rothaarige auch.

„Wo ist Chris?“ Diese Worte verlassen Irmas Mund, ohne dass sie es verhindern kann. Okay, der viele Rotwein...

„Steck ihn dir doch an den Arsch!“

Irma glotzt Olivia verständnislos an. Was will die Kuh von ihr? Sie hat ihr doch gar nichts getan. Und Chris ist doch der Übeltäter, der bringt alle Weiber in Aufruhr, nimmt sich dann zurück und lacht sich drüber kaputt. Aber über mich wird er sich nicht kaputtlachen, denkt Irma rebellisch. Und sie hat die Nase voll, die sollen alle abhauen, vor allem Chris! Sie stürmt aus der Küche heraus und überlegt sich, wie sie allen beibringen kann, dass jetzt Schluss ist. Schluss mit lustig, Schluss mit Chris!

„Du siehst besser aus als damals“, sagt Chris zu ihr. Wo ist der denn auf einmal hergekommen? Hat sich bestimmt unterm Küchentisch versteckt? Und hach, wieso geruht er auf einmal, das Wort an sie zu richten. Welche Ehre!

„Oh, ja wirklich?“ Sah sie vor zwei Monaten tatsächlich so schlecht aus? Und schon ist er wieder weg! Himmeldonnerwetter, sie wollte ihn doch gerade raus schmeißen, wieso lässt sie sich dann auf ein Gespräch mit ihm ein. Quatsch, es war gar kein Gespräch, nur so ein kleiner hingeworfener Brocken. Und sie hat sich den Brocken auch noch einverleibt. Was ist los mit dem Kerl? Irgendwas muss er doch vorhaben. Und warum geht er ihr aus dem Weg? Will er nicht, dass die Leute erfahren, dass er schon mit ihr zu tun hatte? Hat er Angst vor einer weiteren Abfuhr? Und wieso sieht er aus wie ein Kater, der sich in Kürze ein Schüsselchen Sahne einverleiben wird? Aber wo zum Geier ist die Sahne?

Und wieso kann er sich nicht normal mit ihr unterhalten, sonst quatscht er doch mit jedem, er unterhält sich sogar mit Ralf, der ihn zuerst misstrauisch beäugt, sich aber dann von seinem Charme einwickeln lässt. Ralfi, Ralfi, du bist auch nicht besser als ich. Irma muss wieder kichern. Aber immerhin ist SIE mittlerweile schlauer geworden...

Sie sieht, wie Chris sich an den Küchentisch begibt, er erzählt ein bisschen was, und beide Frauen – egal ob zickig rothaarig oder wunderschön und interessant – himmeln ihn an und hängen an seinen Lippen. Das ist echt zum Piepen, findet Irma. Denn Chris ignoriert die beiden so total, dass es fast schon beleidigend wirkt.

Irma schlendert langsam wieder ins Wohnzimmer, um Schallplatten aufzulegen und mit Ralf und den anderen zu quatschen. Und um Rotwein zu trinken natürlich... Irgendwie hat sie so ein hilfloses Gefühl, sie hat keinerlei Einfluss auf das, was er tun wird, er lässt sich von niemanden beeinflussen. Er blockt die Anmache der schönsten Frauen einfach ab, und sie selber hat keinerlei Chancen bei ihm, sie spielt nicht in seiner Liga.

Hmmm, immerhin wollte er mit ihr ins Bett gehen, auf diese saublöde unverschämte Art. Und es blieb ihr ja gar nichts anderes übrig, als ihn hinaus zuwerfen. Also wirklich, es gibt Grenzen, auch wenn die Kerle noch so verführerisch sind…

 

~~~~~~~~~~~

 

DER FEIND IN MEINEM...

 

Es ist schon spät geworden, und die Reihen lichten sich allmählich. Ralf geht nach Hause, nicht ohne ihr vorher einen besorgten Blick zugeworfen zu haben. Hat er etwa Angst um sie? Auch das ist zum Piepen. Um sie braucht er keine Angst zu haben. Sie kommt gut zurecht, mit was auch immer...

Dann bricht die Vierergruppe vom Küchentisch auseinander. Alle bis auf Siggy sind auf einmal weg, sind einfach verschwunden ohne ein Wort. Und Irma atmet unbewusst erleichtert auf.

Sie weiß nicht, wer als nächster geht, so viele sind es ja nicht mehr, und sie kriegt das alles nicht mehr so richtig mit.

Und auf einmal ist sie mit diesem Siggy und mit Chris alleine. Irgendwie landen sie im Wohnzimmer, Chris lümmelt sich auf einem Sessel herum, und Irma setzt sich ziemlich weit weg von ihm hin.

Siggy macht einen niedergeschlagenen Eindruck, und er scheint etwas sauer zu sein.

„Warum bist du nicht mit der äääh... Rothaarigen mitgegangen?“ Irma kann sich diese Frage nicht verkneifen.

„Sie wollte alleine weg.“ Siggys Stimme klingt verkniffen, und nach einer kleinen Pause sagt er irgendwie noch verkniffener: „Ist eben freie Liebe.“

Das hätte er nicht sagen sollen, denn Chris fängt sofort schallend an zu lachen. Und Irma weiß auch genau, warum er lacht. Dieser Idiot Siggy ist gerade von seiner Freundin zurückgelassen worden und bezeichnet diese Niederlage als ‚Freie Liebe‘. So etwas würde Chris natürlich nie passieren!

Irma muss mitlachen. Eigentlich hasst sie sich dafür, vor allem weil Chris auch darüber lacht, aber sie kann nicht anders, denn der Ausdruck ‚Freie Liebe ist wirklich bescheuert, genauso bescheuert wie der Ausdruck ‚Selbstverwirklichung’. Logo, die Rothaarige hatte die Nase voll von Siggy, wollte es aber nicht so hart ausdrücken. Aber Männern kann man wohl alles erzählen. Okay, fast allen Männern...

 

Mittlerweile weiß Irma, dass Chris als letzter hier sitzen wird. Warum sie das weiß? Sie weiß es eben, alles deutet daraufhin und dann... Ja was dann? Irgendwie hat sie Schiss davor.

Bald darauf geht auch Siggy, und er wirft er ihr und Chris einen misstrauischen Blick zu. Was denkt er sich wohl? Sie sind sich den ganzen Abend über beflissentlich aus dem Weg gegangen, sie haben sich total ignoriert, und Siggy kann sich bestimmt nicht vorstellen, ob und was zwischen ihnen abgeht. So wird es wohl sein, denkt Irma. Blöderweise weiß sie aber auch nicht, ob und was zwischen ihr und Chris abgeht...

Chris gähnt und fragt dann nebenbei: „Hättest du was dagegen, wenn ich hier schlafe? Ich könnte meinen Schlafsack aus dem Auto holen. Ist ja nicht weit...“

„Du kannst in meinem Bett schlafen.“ Irma deutet großzügig in Richtung Schlafzimmertür und wundert sich im gleichen Augenblick über das, was sie da gesagt hat. Sie möchte es eigentlich wieder zurücknehmen, denn das Sofa als Schlafplatz hätte doch voll genügt. Aber jetzt ist es gesagt, und sie würde das Gesicht verlieren, wenn sie einen Rückzieher macht.

Ein befriedigter Ausdruck überzieht sein Gesicht.

Irma lächelt ihn hinterhältig lieb an, denn sie weiß, was er denkt. So was ähnliches wie: Ich wusste es, die blöde Kuh war von Anfang an scharf auf mich...

Aber was SIE denkt, das kann er nicht wissen. Allerdings weiß Irma das auch nicht so genau. Sie hat spontan gesprochen und weiß absolut nicht, was bei der Sache herauskommen wird. Aber sie ist gewarnt, er könnte ihr gefährlich werden. Neiein, sie kennt den Schweinehund ja mittlerweile. Und vielleicht will er einfach nur hier übernachten, könnte ja sein…

„Ich muss noch aufräumen.“ sagt sie lässig. „Kannst ja schon mal vorgehen...“

Er nickt und schlendert langsam in Richtung Schlafzimmer. Irma blickt ihm verstohlen hinterher.

Sie räumt ziemlich lange auf, spült Geschirr, trocknet es ab und verstaut es penibel in den Küchenschränken, sie poliert die Spüle, fegt den Küchenboden und so weiter und so fort, all das dauert mindestens eine dreiviertel Stunde, denn sie hegt die Hoffnung, dass er bis dahin schon eingeschlafen ist. Sie weiß nicht recht, wie sie sich verhalten soll, was sie tun soll, falls er denn doch nicht...

Vielleicht könnte sie noch den Kühlschrank abtauen oder die ganze Bude putzen, Wäsche waschen, den Keller aufräumen...

Geh’ jetzt endlich ins Schlafzimmer, Irma! Was kann er dir schon groß antun? Entweder pennt er schon – oder er ist bestimmt ein lausiger Liebhaber. Wie alle...

Also seufzt sie auf und geht entschlossen und vor allem leise durch das dunkle Schlafzimmer ins Badezimmer. Die Aufteilung dieser Wohnung ist genial praktisch, das Bad ist nur vom Schlafzimmer aus erreichbar, und von der Diele aus kommt man in das Gäste-WC. Man kann also variieren, vor allem, wenn man auf eins der beiden Klos gehen will...

Irma hat reichlich Rotwein getrunken, und ihr Körper fühlt sich ziemlich taub und gefühllos an. Sie will eigentlich nur schlafen. Wenn da nur nicht dieser Typ in ihrem Bett liegen würde. Der Feind in meinem Bett, das kommt ihr automatisch in den Sinn. Aber so schlimm wird es nicht sein. Ja hoffentlich!

Er schläft mit Sicherheit schon. Irma lässt sich ein bisschen kaltes Wasser übers Gesicht laufen, und sie zieht das dünne indische Shirt an, das aussieht wie ein Minikleid, denn sie friert immer schnell an den Schultern, und außerdem hat sie keine Lust, sich nackt neben ihn ins Bett zu legen. Das wäre ja wie eine Einladung, falls er doch noch wach wäre...

Gut, sie geht barfuß zurück ins Schlafzimmer – leise, ganz leise – und schlüpft unter die Bettdecke.

Er liegt dem Himmel sei Dank hinten an der Wand, und sie versucht, sich leise und unauffällig neben ihn zu legen. Leise, ganz leise...

 

Fortsetzung folgt

 

 

Alle Irma-Chris Geschichten sind auf meiner Homepage, und zwar dort:
http://ingridgrote.de/html/bucher.html
Ingrid Grote, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.11.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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