Ulla Meyer-Gohr

WIE RENTIER RUDI SEINE ROTE NASE BEKAM

 

Es war eine dieser besonders hellen Nächte. Der Mond stand wie eine große, silberne Scheibe am Himmel und verzauberte die Welt. In den dunkelblauen Mantel des Firmamentes schmiegten sich blinkend die Sterne. Selbst die Erde lag im tiefem Frieden. Der Himmel öffnete sich und lauschte den Wünschen.

   " Stille Nacht ! Heilige Nacht !" hörte man in weiter Ferne singen.

Knecht Ruprecht verließ mit seinem Schlitten die Milchstrasse und zog am Mond vorbei. In der Helligkeit konnte er die lange Wunschliste der Erdenbürger ohne Brille lesen. Holpernd fuhr sein Dreiergespann über eine Wolke. Aber auf seine Rentiere war verlass. Das Alphamännchen Rudi gab das Tempo an und löste aufkommende Probleme zur Weiterfahrt. Der Himmelsbote horchte in das gleichmäßige Getrappel der Hufe.

 

Auf einem Hügel sitzend, hob sich die magere Gestalt eines Wolfes ab. Der Graue legte den Kopf in den Nacken und ließ ein schauriges Heulen ertönen. Vor lauter Gier tropfte der Speichel aus seinem Maul. Der Wunsch den Mond zu fressen, und mit niemandem teilen zu müssen, brannte in dieser Nacht besonders in seinen Eingeweiden. - Plötzlich wuchs sein Maul bis sich die Zähne in den Mond verbeißen konnten. Knurrend schlug er sich den Bauch voll. Eine völlige Finsternis herrschte danach im Weltall. Knecht Ruprecht  riskierte eine Vollbremsung. Alles purzelte durcheinander. Rudi das Rentier trippelte nachdenklich im Halbkreis soweit sein Geschirr es zuließ. Vom anstrengendem Nachdenken " WAS  TUN ? " wurde seine Nase rot und leuchtend.

Der alte Mann rückte die, ins Gesicht, gerutschte Mütze zurecht und fühlte nach, ob bei dem TOHUWABOHU, noch alle Geschenke auf dem Schlitte lagen. Dank Rudis rotem Notlicht konnten die Reisenden sich orientieren. -  Ein lautes Würgen hinter Ihnen klärte die Bescherung des Unglücks. Dem Wolf war beim Schlingen schlecht geworden. Er kämpfte und wollte seine Beute nicht wieder hergeben.

   " Dein Wunsch zu fressen wird dir erfüllt ! - Nur hinunterschlingen kannst du den Mond nicht. Du wirst durch deine Gefressigkeit dein eigener Gefangener sein !" sprach Knecht Ruprecht ernsthaft mit dem Nimmersatt. Das Schicksal des Isegrim war besiegelt. Es blieb nur noch ein großes Maul von ihm übrig, welches 14 Tage lang versuchte den Mond zu fressen. Gezwungen durch die Unverdaulichkeit des Mondes gab der Wolf nach bis der volle Mond wieder am Himmel stand. Die zwanghafte Wiederholung des Grauen löste den immer gleichen Ablauf aus.

DER  MONDZYKLUS  WURDE  IN  DIESER  NACHT  GEBOREN  !

Knecht Ruprecht stieg von seinem Schlitten und klopfte Rudi den Rücken,streichelte seine Schnauze und berührte liebevoll das Wunderwerk  " Nase ".

   " Danke, mein Guter für deine geniale Erfindung. Ohne deine neue Lampe säßen wir jetzt in der Patsche. Jahr für Jahr würde die Erde umsonst auf uns warten. Der Glaube an eine Himmelsmacht wäre gefährlich gestört !"

Ab diesem Zeitraum war Rudi das Rentier stolz auf seine leuchtend rote Nase. Vor jeder großen Reise leckte er seine neue Errungenschaft besonders sauber, damit das Licht weithin leuchten konnte. 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.11.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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