Larissa Müller

Jahresmärchen

Es ist Frühling.

Die ersten Farben des Jahres, sie lieben es, den Zauber des Frühlings wie ein gemeinsames Geheimnis zu teilen. Er hört ihr Lachen, sie möchte seine Hand nie wieder los lassen. I’m falling head over heals for you.

Er hört ihr zu, sie liebt ihn für immer,  wo war er nur bisher?

Es ist der hellste Zeitpunkt des Tages, und doch sind sie alleine hier, nicht weit von der Stadt, aber weit von Allem. Er hält ihre Hand, was hat er ohne sie getan?

Man hört ihr Lachen, man versteht nicht, was sie sagen, nur er versteht sie, nur sie versteht ihn, I’m falling more in love with every single word you say.

Langsam wird es spät, die Zeit fliegt in diesen Stunden, dann bleibt er stehen. Sie träumt sie fliegt, er glaubt, er träumt, und dann küssen sie sich und er wird den Duft ihrer Haare niemals vergessen.

 

Mittsommernacht.

Die Musik durchdringt die Wärme, ihr Kleid fliegt, er fliegt mit ihr, es sind so viele da heute Nacht, aber er sieht nur ihn, und sie möchte bei niemand anderem sein.

Sie singen mit, hips starts shaking moving all around, es ist eine gute Nacht, I put my hand on your hips, es ist warm, und sie tänzeln durch die Menge, er folgt ihren langen Haaren. Ihre Augen glänzen, sie ist so aufgedreht, möchte nur tanzen. Ihr Haar wippt mir ihrer Bewegung und er weiß, er wird nie jemand anderen so sehen, wie sie.

Dann zieht er sie weg, weg von den anderen, hier sind sie allein. Hier ist es kälter aber man fühlt noch den Rhythmus der Musik und er nimmt ihr Gesicht in die Hände, als könnte es zerbrechen, jetzt hört man ihren Atem, ich liebe dich, flüstert er. Und sie antwortet mit einem Kuss, der nach Cocktail und ewig schmeckt.

 

Der Herbst beginnt.

Der Boden ist gesäumt vom rot braunen Laub, und sie liebt das Knistern ihrer Schritte. Sie sprechen und ihre Stimmen verfangen sich in den Bäumen der Allee, und ihr Lachen trägt der Wind fort ins Nichts. You told me you would never, never forget, these images.

Manchmal summt sie ein Lied, dass sie nicht vergisst, beginnt sich zu drehen, und er beobachtet sie still. Dann hält sie inne und beugt sich rüber und flüstert oft, dass sie ihn liebe, und er drückt sie an sich, you took my hand and danced with me.

Es wird kälter, die Tage kürzer und dennoch lieben sie es, im Halbdunkeln zu gehen, es ist fast wie früher, sie schmunzelt, als er  sie im Schatten der Bäume küsste, man durfte sie sehen, aber man sah sie nicht, es war dieses Kribbeln im Bauch, und das Laub raschelt unter ihren Füßen.

 

Ein kalter Dezembermorgen.

Schritte durch das nasse Laub. Sie beide durchqueren den Nebel. Hand in Hand, Schulter an Schulter.

Sie liebt es zu sehen, wie sich ihr Atem in der Kälte weiß kräuselt.

Er liebt ihre Wangen, wie sie rosa sind vor Frische.

You and me together, trough the days and nights.

Ihre Stimmen durchdringen die Stille der Frühe. Es ist schön hier alleine zu sein, der Tag ist noch nicht vollständig da, noch niemand kann sie hören, wie sie reden, von sich, von den anderen, von dem, was kommen wird.

Dann, kurz bevor sie die Straße erreichen, bleibt er stehen und hält sie zurück. Sie lacht kurz auf und lässt sich heran ziehen, so  nah, dass sie seinen Atem spürt, so nah, dass ihr ganz warm wird, so warm, wie am ersten Tag.

I just want you close, where you can stay forever.

Als sie sich küssen, ist es ganz still, nichts ist da, kein Geräusch, die ganze Welt schläft, nur die beiden stehen hier, für immer.

 

Irgendwann im Jahr.

Sie liegt auf ihrem Bett und starrt die weiße Decke an, wo ist ihre Zeit geblieben?

Er ist alleine und glaubt in der Leere des Raumes zu ersticken.

I can’t take it any longer, thought that we were stronger.

Schon lange spürten sie es, es ging nicht mehr, mit der Zeit verflog die Kraft. Doch jetzt waren sie alleine und die Überreste der Liebe hingen noch in der Luft, nicht zu greifen aber spürbar. All we do is linger, slipping through our fingers.

Aber es ist so unbegreiflich, wie es weitergeht, ohne, dass es so war wie zuvor.

Mit der Zeit lernen sie, das Alte loszulassen und Neues anzufangen.

Doch manchmal, in Mittsommernächten oder an Dezembermorgenden spüren auch sie noch, den Hauch des anderen in der Luft liegen.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.11.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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