Andreas Rüdig

Die Sado-Maso-Gastronomie

Der König von Mallorca. Dieser Titel ist ja schon vergeben. Ich werde der König des Sado-Maso. Das behaupte ich immer, wenn mit Erwachsene fragen, was ich mal machen möchte, wenn ich erwachsen bin. Nach einer kurzen Überraschungspause geben sie mir recht. Ich sei ja jetzt schon ein Quälgeist, hätte also als Kind schon die richtigen Veranlagungen dafür, meint fast jeder Fragende. Der König von Sado-Maso wäre die ideale Berufung für mich.

„Sado-Maso ist eine Sexpraktik, bei der sich die Teilnehmer verprügeln, auspeitschen, fesseln, zerquetschen und anscheinend auch noch Spaß daran haben.

Sado-Maso wurde in den Folterkammern von alten Burgen und Schlössern erfunden. Ziel war es eigentlich, Geheimnisse (z. B. über den Feind) zu entlocken oder die Leute zu bestrafen. Die Folterer merkten aber allerdings schnell, daß dies den Gefolterten gefiel und diese bis zu ihrem Orgasmus stöhnten. Die gemeine Bevölkerung hat deshalb absichtlich Verbrechen begangen, um selber mal in den Genuß von SM zu kommen. Der Sonnenkönig veranlaßte deshalb, die Folterkammer als Bestrafung abzuschaffen und hat statt dessen die Teletubbis erfunden, denen die Gefangenen nun stundenlang zusehen mußten. Die Verbrechen sanken innerhalb kürzester Zeit auf einen Wert von Null. Die Folterkammer wurde ab diesem Zeitpunkt an sechs Tagen die Woche von der Königsfamilie genutzt; ab siebten Tage diente es als erster Puff der Welt.

Die Frau (Domina) quält in der Regel den Mann (Sklave) und kassiert dafür auch noch Geld. Ein Peitschenhieb kostet in der Regel 10 Euro. Dominas sind also meistens reiche Leute, während die Sklaven aber noch reicher sind. SM ist folglich der Regelsex der Reichen. Sind die Rollen der Domina und des Sklaven vertauscht, fließt das Geld auch vom Mann zur Frau. Warum das Geld immer in diese Richtung fließt, konnte bis heute noch nicht herausgefunden werden. Bei schwulen SM-spielchen geht das Geld ebenfalls vom Mann weg, verschwindet allerdings im Nirgendwo. Bei lesbischen SM-spielchen kommt hingegen das Geld von irgendwoher zu den Frauen hin. Woher das Geld kommt, weiß keiner so genau. SM-Praktiken sind auspeitschen, fesseln, würgen, schlagen, kochen, kratzen, besamen, Brustwarzen 1 Meter lang ziehen oder Windelspiele,“ stellt die Internetenzyklopädie Studipedia den Sado-Masochismus vor.

Wieviel davon der Wahrheit entspricht? Keine Ahnung. Jonas! Jooonaaas! Wo steckst du? Wo bleibst du? Ich habe da einen Auftrag für dich. Im Venusviertel hat letzte Woche ein neues Etablissement aufgemacht. Es heißt „Sodom & Gomorrha“. Hier hast du eine Eintrittskarte dafür. Liefere mir Montag einen Bericht darüber.

(Duisburger Generalanzeiger, 30. Februar 2015)

Sodom & Gomorrha heißt der Sündenpfuhl in der Bibel. Die Menschen treiben dort Unzucht. Nichts ist ihnen heilig. „Sodom & Gomorrha“ heißt auch ein Etablissement in unserer Stadt. Dezentes Rotlicht weist den Weg dorthin. Am Eingang ist Einlaßkontrolle – ohne Eintrittskarte läuft nichts. Ganz in schwarzes Leder sind die Herren dort gekleidet, Catsuite und Peitsche bedeckt die weibliche Bedienung. Wer dort als Kunde auftaucht, ist dagegen gut betucht und sucht die Abwechslung. Erniedrigung und Demütigung wird erwartet.

„Von wegen,“ behauptet Frederick. „Hier ist alles anders. Wir Gäste müssen das Personal quälen. Bei den geringsten Fehlern dürfen wir sie schlagen. Gefallen uns die Damen, dürfen wir sie hemmungslos begatten. Hier ist alles anders herum. Ich muß es ja wissen, ich bin hier Stammgast.“

Heißt Sado-Maso eigentlich, daß der Chef erfährt, wie wir kleinen Leute leben und für kurze Zeit erlebt, wie es ist, wenn man im Leben zu kurz kommt? „Im Gegenteil. Hier wird der Chef nicht von Arbeitsgesetzen eingeschränkt, hier darf er sich austoben. Der Choleriker ebenfalls. Hier wird man nur korrigiert, wenn man mit dem Personal zu gnädig und gutmütig umgeht.“

„Ich war schon immer ein Quälgeist, schon als Kind und später als Erwachsener auch,“ berichtet Sigurd Sigurski, Inhaber des Etablissements „Wer bei mir anfängt, muß Leidensfähigkeit beweisen. Er muß sich aber auch zur Wehr setzen können. Manche Gäste glauben, sie könnten das Bedienungspersonal verprügeln, wenn dieses vermeintlich etwas falsch macht. Mein Personal hat die Erlaubnis, zurückschlagen zur dürfen, zumindest bei Männern. Es gab hier schon so manchen spektakulären Boxkampf. Drei Boxer begannen bei mir schon ihre Boxerkarriere. Und unsere Domanis sind ganz clevere Mädels. Sie tun nur so, als ob sie sich vergewaltigen lassen. Wir hatten hier schon drei Bauchmuskelzerrungen, weil sich die Damen über die mickrige Männlichkeit ihrer Kunden kaputtlachten. Lassen Sie sich also nicht ins Bockshorn jagen von der Rederei der Kunden.

Nagelbetten, Vogelkäfige in Menschengröße an den Decken, Peitschen, Keuschheitsgürtel und Peniszwinger – sie gehören zur Standardeinrichtung der Räumlichkeiten und vermitteln eine gruselig – wohlige Atmosphäre.

Rauh aber herzlich ist hier der Umgang. Bei meinem Besuch ging man friedlich miteinander um. Der Notarzt mußte nicht geholt werden. Schiedlich – friedlich trennten wir uns in den Morgenstunden.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.12.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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