Rainer Tiemann

Stumme Kälte

Wenn völlige Lautlosigkeit sich ausbreitet in deinem dunklen, kalten Zimmer und endlose Einsamkeit durch jede Ritze der undichten Türen und Fenster kriecht, stellst du entsetzt fest, dass außer dir nur noch ein sprachloser Gast da ist, der sich stumme Kälte nennt.

Bei jedem Gang vernimmst du leise Geräusche. Aber der, auf den du wartest, macht sie nicht, weil er nicht kommt oder bei dir ist. Du hörst lediglich das Knarren des alten Holzfußbodens, der immer dann, wenn du deine Schritte zum Fenster lenkst, klagende und ächzende Töne von sich gibt.

Allein bist du mit deinem alternden Spiegelbild, das das halbblinde Fenster erbarmungslos zurückwirft. Und dabei hast du irgendwo gelesen, man solle im Dunklen nicht sein Spiegelbild betrachten. Brutal zeigt es dir, dass niemand bei dir ist oder sein wird. Außer der stummen Kälte.

Warme und gute Gedanken erhoffst du dir von der kommenden kalten, doch erbarmungslosen Nacht. Aber ein erquickender Schlaf will sich nicht einstellen, da der permanent prasselnde Regen unwirkliche Dialoge mit dem Glas der trüben Fensterscheiben hält.

Was dir bleibt, ist eine vage Hoffnung auf den Tag, an dem die stumme Kälte entflieht, und Platz wird für einen warmherzigen Menschen, der dein mühseliges Leben mit angenehmer Wärme und heißer Liebe erfüllt.

 

RT 2008 

 

 

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