Rainer F. Storm

EINE SCHÖNE BESCHERUNG!

Es war Anfang Dezember des Jahres 1955, als wir alle miteinander die ersten Vorbereitungen für unseren "Super - Christbaum" tätigten.


So wurden zum Beispiel einzelne, doppelte und auch dreifache Schokoladenrippchen in Silberpapier eingewickelt, mit einem weißen Wollfaden zusammen gebunden, um mit diesem die Schokolade am Christbaum zu befestigen. Tannenzapfen, Engelchen, Sektfläschchen, Sterne und noch vieles mehr, natürlich alles aus Schokolade die zum Teil auch gefüllt war, wurden an einen Wollfaden gebunden. Lametta vom letzten Jahr wurde aus Sparsamkeitsgründen neu "gestylt", das heißt, schön gerade ausgerichtet und über einen Holzstiel aufgehängt. Auf jeden Fall war es eine Mordsprozedur, bis man sagen konnte, es ist hergerichtet für einen wiederum wunderschönen Christbaum.

So dauerte es nicht mehr lange und der 24. Dezember, der Heilige Abend war da.
Schon am Vormittag begann mein Vater mit dem Schmücken des Weihnachtsbaumes. Da er durch seinen Beruf als Schneidermeister ein sehr gutes Auge brauchte und natürlich auch hatte, kann man sich vorstellen wie peinlich genau alles aufgehängt wurde. Ich möchte heute noch behaupten, dass man an die Lamettastreifen die Wasserwaage hätte hinhalten können und jedem Maurer hätte das Herz gelacht. Ein Baum wie aus dem Bilderbuch, was heute noch einige der älteren Mitbürger bezeugen könnten. Sogar mit der Fotokamera sind etliche gekommen, um sich ein Bild von diesem Super - Baum zu machen.

Nun gut, nach etwa VIER!!! Stunden harter Arbeit war der Baum gerichtet und musste nur noch vom Boden auf einen Hocker gestellt werden. Das war natürlich auch kein Problem, nur an den Haken, welcher in der Wand angebracht war und als Befestigung für den Baum galt, dachte im Eifer des Gefechtes keiner mehr, so natürlich auch nicht unser Vater. Und das war ein Fehler!

Wir waren alle im Esszimmer versammelt um unser Heiligabend - Essen (Kartoffelsalat mit Würstchen - was denn sonst!!!) zu vertilgen, als es auf einmal mordsmächtig rumpelte, schepperte und klirrte. Für uns alle war klar: Der Baum ist gefallen!
Totenstille im Raum und alle schauten sich nur fragend an. Man hätte hundertprozentig die berühmt berichtigte Nadel fallen hören. Dann auf einmal hielt es meinen Vater nicht mehr auf seinem Stuhl und er begann fürchterlich zu schimpfen. Aber, wie es nicht immer der Fall ist, mit sich selbst!

Er öffnete die Wohnzimmertüre und da lag er, der Baum der Bäume. Meinem Vater war zum heulen zumute und wir wussten auch nicht ob wir jetzt lachen oder plärren sollten. Keiner traute sich irgend etwas zu sagen, nun ja,  fast nicht mal zu atmen, bis endlich unser Vater den Baum aufhob, auf den Hocker stellte und gleich festband. Miteinander wurde jetzt der einst so schöne Christbaum, so gut es ging wieder hergerichtet und es wurde trotz aller Vorkommnisse doch noch eine schöne Bescherung zu Weihnachten 1955.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.12.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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