Roland Zulehner

Die Trinkkultur

 

 

Wir Menschen sind ja Abenteurer, manchmal auch wenn es wir gar nicht sein wollen. Doch lauern uns immer wieder neue Geschichten und Erlebnisse auf. Keine Chance zu entkommen wir stecken mittendrin. Heute geht es um Trinken, Schlucken, Saufen. Was soll sonst noch beim Trinken als Kultur gehandelt werden. Früher dachte ich, mit der Trinkkultur versteht man das Trinken, Zubereiten und Darbieten von alkoholischen Getränken und von Getränken, die als Genussmittel bezeichnet werden. Also Genuss. Ich war schon soviel unterwegs auf Partys, Feiern, Kneipen, Disko, Pubs und so Läden wo man nicht so genau weiß warum es geht. Vermutlich ist in der Disko die Musik noch am erträglichsten. Warum ich jetzt auf einmal von Musik schreibe?

 

Ja da liegt der Hund begraben, da geht man schon mal in eine Kneipe um ein zünftiges Bier zu trinken und schon beim öffnen der Eingangstür schlägt das erste Trauma zu. Das was da herausklingt die Oberschreiner-Krölebuben oder manchmal auch schlimmeres. Na gut das wird halt eben in den Charts gespielt. Auch zu schnischna Schnappi ja da wird das Bier schmecken. Insider haben mir schon dazu erklärt, das es dem Bier nichts aus macht und dem Bier absolut egal ist was gespielt wird. Da unterscheide ich mich eben von einem Glas Bier.

 

Bei diesem Punkt, ich werde glaub auch nie kapieren wie das funktioniert und wer sich solche Musik kauft und welche Verschwörung dahinter steckt. Langsam beginne ich auch an die geheimen Botschaften zu glauben. Manchmal habe ich diese Musik im Kopf so wie alle anderen Zombies auch. Ferngesteuert von Aliens, Sekten oder anderen Geheimbünden, welchen nichts anderes wollen als die Weltherrschaft an sich zu reißen.

 

Man könnte natürlich meinen ok, dann gehe ich in einen anderen Laden, vielleicht so einen Club erst ab 18 die sind bestimmt vernünftiger. So gesehen die Musik war etwas leiser vielleicht auch weil das Trauma vom ersten Besuch noch anhält. Doch uhh, ahh, was ist das, eigentlich hab ich früher den Rauch von Zigaretten vertragen, aber seit wann werden jetzt Räucherstäbchen geraucht? Genau diese aus Fernost. Da macht schon die Schnupperprobe high. Ich muss aufpassen, das ich nicht umkippe, panischer Fluchtmodus ist angesagt. Mir ist momentan dazu alles so ziemlich egal, auch wenn die Leute da drin denken was für ein Weichei.

 

Da werden so manche Abenteuer aus der Jugend wach. So in der Zeit wo man in seinem Wahn alles Mögliche ausprobiert. Da gab es mal so eine Schachtel parfümierter Zigaretten aus Singapur. Es gab keinen anderen Tag in meinem Leben an dem es mir schlechter ging. Auch nicht an dem Tag wo bei einer Party die große Flasche Stroh Rum gelehrt worden ist. Das Zeug kann man auch anzünden. Jedoch was schweife ich ab, der Durst ist groß.

 

Von dem Räucherstäbchen inspiriert und weil es auf dem Weg war, habe ich in ein Internetkaffee hinein geschaut. Eigentlich gehöre ich nicht dahin aber einen Versuch wollte ich Doch wagen. Alle Plätze hinter den Rechnern waren besetzt nur hinter der Theke niemand anzutreffen. Damit rückte irgendwie das Bier welches in dem Kühlschrank hinter der Theke war, in unerreichbare Weiten. Den Mut einen der Zombies zu wecken hatte ich wirklich nicht und damit löste sich auch diese Möglichkeit als reine Illusion auf. Damit wurde mir auch klar, was will ich hier als einzigster auffallen der kein Cola sondern Bier trinkt und nicht durch den Bildschirm in die unendlichen Weiten des Web starrt?

 

Illusionen hat man eben, besonders wenn man durch eine Wüste läuft und das Verlangen nach etwas trinkbaren einem die kompletten Sinne vernebelt. Wenn man so durch die Stadt zieht kommt man an so vielen Lokalitäten vorbei man glaubt es kaum. Jedes mal, wenn man eine scheinbar gute Option auftaucht ist diese voll. Oder wenn gerade ein Platz frei wird, taucht aus der vorher nicht erkennbaren Schlange Jemand auf und das war es eben.

 

Auch war ich nie wirklich der Freund davon, mich in irgendeiner Ecke zu verstecken um dann auf einen freien Platz zu warten, der dann vielleicht erst in einer Stunde frei wird ,wenn man Glück hat. Mein Glück war zu diesen Zeitpunkten vermutlich mit anderen Dingen beschäftigt. Es ist auch nicht mein Ding nach dem warten sich wie ein Geier auf den freien Platz zu stürzen um diesen dann mit brutalster Gewalt zu erobern.

 

Ich dachte auch daran mich in eine Eisdiele zu setzen, die Italiener sind immer sehr Freundlich und wissen auch gutes Bier zu schätzen. Von dieser Seite ein guter Ansatz der von der Putzfrau jäh unterbrochen wurde. Es tut mir Leid, wir schließen in einer halben Stunde. Den ganzen Abend in eine halbe Stunde packen zu wollen geht irgendwie nicht. Das habe ich dann auch eingesehen. Schade auch irgendwie, hier wäre die Musik angenehm leise im Hintergrund gewesen.

 

Nach ungezählten Versuchen kam dann endlich die Einsicht, es gibt kein Entkommen, für mein Bierchen werde ich leiden müssen. Schließlich vom vielen herumlaufen bekommt man nur mehr Durst. Schön und na gut, dann eben doch rein zu den Krölebuben.

 

Vielleicht bin ich einfach zu alt und zu pingelig. Hätte ja auch lernen können Räucherstäbchen zu essen, mich besser mit Türstehern zu verstehen, die sich morgens das übrig gebliebene Frittenfett vom Vortag in die Haare schmieren. Vielleicht sollte ich auch keine Angst vor dunklen Höhlen haben, wo man besser nie das Licht anmacht. Ja was das Licht anbelangt da sind alle sehr vernünftig, mein Geschmack geht da in Richtung schummerlicht, weil man davon nicht wach wird und man gerade so nicht erkennt was man bekommt.

 

So ist das, mit den Grotten und Kühlschrankwirtschaften bin ich noch nie klar gekommen. Schon mal in einer Kühlschrankwirtschaft gewesen? Man kommt rein, weises kaltes Licht wie im Kühlschrank. Wie das Licht, so auch das Personal. So nebenbei könnte man mir noch erklären warum Kühlschranklicht höhere Preise rechtfertigt? Selbst wenn ich an etwas warmes schönes denke, in so einem Laden läuft mir immer ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter.

 

Oder schon mal ein Grottenerlebnis gehabt? Man setzt sich nichts ahnend wo hin und irgendwann taucht dann ein Alien auf und versucht einem die Zunge bis in den Hals zu schieben. Ich bin froh das ich noch lebe, vermutlich hatte ich sehr großes Glück. Kann auch nicht vielmehr davon erzählen was das war.

 

Zurück zu den echten Dingen.

 

Die Karte am Eingang verspricht wenigsten etwas aus dem Fass – was ja schon was gutes sein soll. Nur unter uns gesagt das Fass ist auch nur der große Bruder von der Dose die aus dem selbigen Blech ist. Auch altes abgestandenes Bier mit Aquamax wieder neu gemacht. Wenn ich mir recht überlege, ich nehme doch das aus der Flasche. Die Brauerei wird schon etwas Gutes hinein gefüllt haben.

 

Hier kann ich meine ganze Bewunderung an die Brauereien aussprechen. Die Brauereien schaffen es, den Stoff so gut zu verpacken, so das dieser im Halbwegs guten Zustand bis zu mir auf den Tisch kommt.

 

Auf jeden Fall, ich habe meinen Platz und die Bedienung ist wenigstens freundlich und ich hatte genug Zeit zum Auswählen, die Karte dreimal komplett zu lesen und um mir die neuesten Aufdrucke auf den Bierdeckeln anzusehen. Jaja die Aufdrucke, früher musste man 18 sein um solche Bilder im Kino sehen zu dürfen. Heute gratis in der Kneipe Horrorszenarien von abgestützten Jugendlichen. Menschen am Boden liegend mit einer Gesichtsfarbe die an Alien 1 und folgende erinnert. Stopp jetzt kommt dann auch schon mein Bier.

 

Jetzt muss man nur noch schnell genug reagieren – halt stop ich schenke selber ein. Nicht das ich kein vertrauen habe aber welcher Kellner nimmt sich schon die Zeit ein Bier richtig einzuschenken. Nach dem Warten bis der Schaum weg ist --- ein warmes Bier soll ja wenigstens magenfreundlich sein. Pech für mich, ich war zu langsam. Im Glas ist gerade der Boden mit Bier bedeckt und der Rest voller Schaum. Dann mal Prost, das warme Bier wird mir dann schon schmecken wenn es dann mal im Glas ist.

 

Also alles kein Problem, weil der Abend ist ja lang und das Ziel ist ja auch ein bisschen zu relaxen, kein Stress, die Erholung wartet auf dich.

 

So gesehen kann ich ja glücklich sein, ich habe mein Bierchen bekommen und es ist gemütlich warm. Nicht das es schlimmer kommen könnte. Aber woher sollte ich auch wissen das mein Tischnachbar ein neues Handy hat und alle Klingeltöne ausprobiert. Die tollsten sounds, ich weiß jetzt auch, das es in einer Telefonzelle muhen kann und die Freundin vom Tischnachbar Kopfweh hat und nicht kommen wird.

 

Das mit der Wärme war dann auch nicht sehr anhaltend, nachdem aus dem Grund du kennst ihn nicht, die Tür sperrangelweit offen stand. Das ergibt so in etwa das Gefühl, als würde man seine Füße in eine Tiefkühltruhe hinein baumeln lassen.

 

Dann endlich nach viel spannender Unterhalten, Krölebuben, Handy, weltlichen Problemen habe schon mittlerweile vergessen um was es alles ging, habe ich es geschafft das Bier in mein Glas hinein zu bringen. Dieses runter zu exen, schnell an der Theke zu zahlen. Mir ist mittlerweile vieles egal auch der Nachgeschmack der warmen Plörre.

 

Das nächste mal werde ich eben mein Bier wieder bei Aldi holen, mich mit einer Decke in den Park setzen, wo ich mir von der Hastemalneneuro-Gang meine Ruhe für genau einen Euro erkaufe und mich daran erfreue das Aldi mir nichts schlechtes verkauft hat.

 

Prost und guten Schluck

 

 

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