Nadja Lazar

Liebe holt dich immer ein egal wie schnell du läufst

Liebe holt dich immer ein egal wie schnell du läufst

 

 

 



 

Prolog

Kein einziger Lichtschimmer dringt durch die Dunkelheit. Es muss doch einen Weg geben, die Dunkelheit zu zerstreuen. Das Licht muss seinen Weg hierher finden, früher oder später. Ich hoffe verzweifelt und fühle die Kälte die verbissen an mir nagt. Etwas erhebt sich aus den Schatten und nimmt Konturen an. Es ist nur undeutlich wahrnehmbar. Warum fällt es mir plötzlich so schwer zu atmen? Mein Gesicht fängt an zu glühen und meine Augen füllen sich mit Tränen. Es ist der Sarg. Jetzt erkenne ich es – Ich bin wieder auf der Beerdigung.

 

1.      Albträume

Ein qualvoller Schrei drang aus Dashas Kehle. Mit zitternden Händen ertaste sie ihre Nachtischlampe und knipste das Licht an. Sie starrte mit vor Schreck geweiteten Augen ins Leere. Ihr Atem war ungleichmässig. Sie führte ihre Hand zu ihrem Herz und wartete darauf, dass es wieder langsamer wurde.

Ein Alptraum.

Als sie aufgehört hatte nach Luft zu schnappen und auch ihr Herzschlag sich angefangen hatte zu normalisieren, strich sie sich mit beiden Händen die Haare aus dem Gesicht. Da bemerkte sie, dass heisse Tränen aus ihren Augen quollen. Kraftlos liess sie sich aus ihrem Bett gleiten und schlich sich leise in die Küche um dort ein Glas Wasser zu trinken. Nachdenklich lehnte sie gegen den Küchentresen. In der einen Hand hielt sie das Glas und mit der anderen strich sie sich abwesend durch ihre langen goldblonden Haare, die sie am Abend zuvor zusammengebunden hatte. Ihre Wangen glänzten feucht, ihre Augen, die in einer wunderbaren tiefblauen Farbe für gewöhnlich verspielt funkelten erschienen jetzt in der nicht erleuchteten Küche schwarz und hingen noch immer an einem unsichtbaren Punkt in Mitten der Luft. Ihre sanften Gesichtszüge waren völlig verkrampft. Sie trank einen Schluck Wasser und schüttete den Rest zurück ins Becken. Sie spülte das Glas, rieb sorgfältig die Wassertropfen von der Oberfläche und stellte es wieder ins Regal.

Dasha seufzte erschöpft, als wieder in ihrem Bett lag und die Decke eng um sich gewickelt hatte, da sie plötzlich fror.

Jede Nacht dasselbe.

 

2.      Dicke Luft

Dasha Thwing war 17 Jahre alt. Sie wohnte in Norfolk im Staat Virginia und ging auf die Lake Taylor High School. Sie wohnte in einem kleinen Haus, zusammen mit ihren Eltern ihrem Zwillingsbruder und ihrem Grossvater. Ihre Leidenschaft galt dem Laufsport und dem Reiten. Sie war eine der schnellsten Läuferinnen und besetzte bei den alljährlichen Wettkämpfen der Schule stets einen Platz in den oberen Rängen. Dementsprechend war ihr Zimmer voll mit Auszeichnungen und Trophäen. Dasha war ein durchaus aufgestelltes, fröhliches junges Mädchen.

Vor einigen Jahren geschah jedoch etwas, das einen Schatten auf Dashas Leben warf. Etwas, das ihr seither Alpträume bereitete. Jede Nacht aufs Neue. Immer und immer wieder.

Der Traum war nicht immer derselbe, aber er drehte sich immer um dasselbe Ereignis. Die Alpträume liessen Dasha jedes Mal dieselbe unheimlich vertraute Kälte und das Gefühl von Verlorensein empfinden. In dem Sarg, der ebenfalls jedes Mal auftauchte lag Marc. Dashas Exfreund. Er starb, als er 15 Jahre alt war.

 

Der Wecker riss Dasha aus einem unruhigen Schlaf. Ihre Hand schlug genervt auf den Wecker. Sie kniff die Augen eng zusammen, da sie seit zweieinhalb Jahren niemals mehr die Fenster verdunkelt hatte und die Sonne ihr nun voller Freude ins Gesicht strahlte. Vorsichtig blinzelte sie durch ihre Finger, die über ihrem Gesicht lagen.

„Die Sonne scheint.“, murmelte sie leise und ein müdes Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit. Nun öffnete sie die Augen ganz und trat ans Fenster. Die Luft, die in ihr Zimmer wehte, als sie das Fenster öffnete war kühl und strich ihr angenehm über die Haut. Von der Strasse her winkte ihr der Postbote zu. Sie lächelte und nickte. Aus dem Nachbarhaus trat eine Frau mit einer hellgrünen Regenjacke, die ihre beiden Kinder an der Hand führte.

„Dasha! Dasha!“, rief das kleine Mädchen an der Hand der Frau.

„Guten Morgen!“, rief Dasha und winkte dem Mädchen, seiner Schwester und seiner Mutter zu.

„Dasha, kommst du nach der Schule raus zum spielen?“, rief das Mädchen.

„Mal sehen. Viel Spass in der Schule ihr beiden. Bis später Mrs Baker.“, antwortete sie.

„Tschüss Dasha!“, riefen alle drei im Chor und winkten.

Dasha machte sich auf den Weg ins Badezimmer, wo sie ihrem Zwillingsbruder Akins über den Weg lief.

„Morgen, Dash.“, sagte er, kratzte sich am Hinterkopf und gähnte mit weit aufgerissenem Mund.

Dasha klopfte ihm auf die Schulter und verschwand im Badezimmer.

Ihr Spiegelbild sah ihr mit zerzausten Haaren, aber lebendig blitzenden Augen entgegen. Sie löste die Schleife aus ihrem Haar und es fiel ihr über den Rücken bis knapp zur Taille hinab. Ihr Haar glänzte seidig in den verschiedensten Goldtönen. Einzig die dunklen Ringe unter ihren Augen liessen erahnen, dass sie eine unerholsame Nacht hinter sich hatte. Sie wusch sich das Gesicht mit eisigem Wasser und schauderte, als das Wasser ihre Haut berührte. Nachdem sie warm geduscht, frische Kleider angezogen und die Augenringe gekonnt verschwinden lassen hatte, raubte einem ihre Schönheit beinahe den Atem.

Sie stieg die Treppe hinab und ging in die Küche, wo ihr Vater und ihr Bruder beim Frühstück sassen. Ihre Mutter war noch bei der Arbeit. Sie arbeitete als Krankenschwester und musste oft in der Nacht arbeiten. Ihr Vater war Musiker. Er komponierte Filmmusik. Und da er sich inzwischen einen rechten Namen in dem Business gemacht hatte, verdiente er ziemlich viel „Kohle“, wie es Akins gerne ausdrückte.

Dasha griff sich ein Brötchen, biss ab und liess sich auf den Stuhl neben Akins plumpsen.

„Dad…“, brachte sie kauend hervor, „Kannst du mich und Macy heute Nachmittag von der Schule abholen?“

„Wieso nimmst du nicht den Wagen?“, fragte ihr Vater.

„Heute ist Freitag.“, sagte Dasha und warf ihrem Vater einen viel sagenden Blick zu, während sie das Brötchen mit Butter bestrich.

„Ah…jaah.“, machte er und tat so, als hätte er verstanden.

„Dad, freitags braucht Akins den Wagen. Jeden Freitag fahren Akins und Jiro nach der Schule…“

„…ins Fussballtraining. Klar! Weiss ich doch!“, beendete Albert Thwing den Satz und grinste verlegen.

„Dad.“, sagte Dasha und lachte kopfschüttelnd.

Akins, der im Halbschlaf einen Löffel Müsli in seinen Mund stopfte und diesen noch beinahe verfehlte brummte genervt.

„Was ist mit ihm?“, fragte Albert und sah Dasha fragend an, da sie ihren Bruder besser kannte, als sonst jemand.

„Er hat sich mit Macy gestritten.“, erklärte Dasha.

Alberts Ausdruck wandelte sich von leichter Verwirrtheit zu absolutem Unverständnis.

„Mit Macy? Kein Mensch streitet sich mit Macy!“, meinte er empört.

„Dad.“, flüsterte Dasha und nickte mit dem Kopf in Akins Richtung, der unglücklich in seinem Müsli herumrührte.

„Oh.“, machte Albert und sah seinen Sohn mitleidig an.

Dasha kicherte. Ihr Vater war ein sehr sensibler, feinfühliger Mensch, wenn es um seine Arbeit ging. Im alltäglichen Leben allerdings benahm er sich meistens ein wenig ungeschickt, wenn es um Gefühle ging – meistens.

„Lach nicht so blöd.“, murmelte Akins und blickte seine Schwester finster an.

„Ich lache nicht deinetwegen!“, verteidigte sie sich.

„Ist mir doch egal.“, murrte er sauer.

„Tut mir Leid, Kins!“, sagte Dasha und rammte ihm ihren Ellbogen versöhnlich in die Seite.

Er reagierte nicht, ausser, dass er sie weiter finster anstarrte.

Dasha gab den Versuch ihren Bruder aufzuheitern auf, stattdessen plauderte sie mit ihrem Vater.

„Dad hast du nächste Woche Zeit mit mir für Algebra zu büffeln? Ich brauch dringend deine Hilfe, sonst fall ich durch!“

„Das lässt sich einrichten.“

„Du bist der Beste! Gibst du mir den Frischkäse?“

„Hier“, er reichte ihn ihr, „müsst ihr euch nicht langsam auf den Weg zur Schule machen?“

„Doch.“, meldete sich Akins zu Wort und stand auf.

Sein Stuhl ächzte laut über den Fliessboden.

Akins Grösse wirkte äusserst bedrohlich, wenn er schlechter Laune war.

Er starrte auf Dasha nieder, die ihn aus dem Augenwinkel anblickte.

„In zehn Minuten fahr ich los.“, sagte er und seine Augen verengten sich zu Schlitzen.

„In Ordnung!“, sagte Dasha mit unbeschwerter Stimme.

„Wenn du dann nicht draussen stehst fahr ich ohne dich los!“

„Okay!“

Akins schritt dramatisch aus der Küche. Seinem Abgang folgte ein kurzes Schweigen.

„Wieso ist er jetzt sauer auf mich?“, fragte Dasha und nahm sich nochmals ein Brötchen. Sie hatte grossen Appetit, was man ihr aufgrund ihrer Statur niemals zugetraut hätte.

„Ich habe keine Ahnung. Stell mir keine Fragen über meine Kinder. Sie sind mir ein Rätsel.“, sagte ihr Vater und blickte den Türrahmen, durch den Akins gerade verschwunden war ratlos an.

Dasha kicherte wieder.

„Was ist denn nun, Dad? Kannst du uns holen nach der Schule, oder nicht?“

„Ich werde da sein. Wenn ich es nicht schaffe, ruf ich dich gegen Mittag an, okay?“

Dasha nickte.

„DASHA!“, donnerte Akins Stimme.

Sie warf ihrem Vater einen ängstlichen Blick zu.

„Meinst du er lässt mich am Leben, bis wir in der Schule sind?“

„Ich hoffe es. Aber sicher bin ich mir nicht.“

„Oh Dad!“, rief sie bestürzt und fiel ihm um den Hals.

„Sei tapfer, Tochter! Nimm es, wie ein Mann!“

„Ich gebe mein Bestes, aber dein Sohn ist eine Bestie!“

„So, ab jetzt mit dir, sonst fährt er tatsächlich ohne dich los!“, lachte ihr Vater und schubste sie sanft.

„Das würde er nicht wagen. Tschüss, Dad!“, rief sie, als sie aus der Küche ging.

„Und Dad…?“, sagte sie, während sie in ein Paar hellbraune Stiefel schlüpfte.

„Ich vergesse es schon nicht! Geh jetzt! Schnell!“

„Okay! Bis dann!“

3.      Der erste Streit

Akins sass hinter dem Steuer, das er in einer eingefrorenen Pose umklammert hielt und knurrte tonlos und ohne aufzusehen: „Endlich.“

Dasha setzte sich immer auf die hinteren Sitze, da sie auf ihrem Weg zur Schule immer noch zuerst Macy abholen gingen. Macy Brooks war eng mit Dasha befreundet und zudem seit eineinhalb Jahren Akins Freundin. Sie war ebenfalls 17 Jahre alt. Ihre schulterlangen Haare hatten eine Farbe, wie das Licht der Morgensonne. Sie glühten rot und überwältigten einem zugleich durch ihren ruhig schimmernden Glanz, wie ein Tanz kleiner Flammen. Sie war sehr klein für ihr Alter. Ihre Haut war schneeweiss, ihre grossen, unschuldigen Augen bargen ein Geheimnis auf ihrem kakaobraunen Grund und sie hatte das wohl bezauberndste Lächeln der Welt. Macy lebte bei ihrem Vater, der vor vier Jahren mit ihr nach Norfolk gekommen war. Ihre Eltern waren geschieden. Ihre Mutter und ihre ältere Schwester lebten in New York. Sie sprach selten von ihnen, aber sie fehlten ihr sehr. Macy war überdurchschnittlich schüchtern. Manchmal bemerkte man sie kaum und wenn doch, fürchtete man sie würde nicht atmen, so still wie sie sich immer verhielt. Auch litt Macy an Selbstzweifeln, was sie selbst immer abstritt. Deswegen auch der Streit mit Akins – der erste Streit überhaupt. Macy hatte Schwierigkeiten Nähe zuzulassen und sie glaubte stets nicht gut genug für Akins zu sein. Was sie allerdings nicht sehen wollte war, dass Akins sie liebte, von ganzem Herzen. Dasha konnte das Verhalten ihres Bruders verstehen. Manchmal war es schwer Macys ewige Güte und Sanftheit zu ertragen, während sie sich selbst keinerlei Wert zuschrieb.

Akins raste viel zu schnell die Strasse hinunter.

„Äh…Kins, wir müssen erst Macy abholen.“, sagte Dasha und schnallte sich vorsichtshalber den Sicherheitsgurt um.

Das weiss ich!“, antwortete er, lauter als nötig gewesen wäre.

„Dachte du hättest es vielleicht vergessen.“, murmelte Dasha kleinlaut.

Akins kochte vor Wut.

„Weißt du was mich nervt?“, fragte er zornig.

Ohne eine Antwort abzuwarten sprach er weiter: „Wenn ich mich mit Macy streite, nimmt jeder automatisch an, dass ich daran Schuld sei! Ich bin immer der Böse!“

Dasha kniff die Lippen zusammen. Was hätte sie sagen sollen, er hatte Recht. Niemand würde auch nur daran denken, das Macy einen Streit anfangen würde.

„Sie ist… Sie hat auch… Verdammt! – Immer wenn ich…“, er brach ab und legte seine Stirn in Falten.

„Sie ist unsicher. Lass ihr noch etwas mehr Zeit.“, sagte Dasha.

„Ich geb ihr Zeit. Dash, eineinhalb Jahre sind eine lange Zeit! Ich weiss nicht was ich noch tun soll.“

„Du willst doch nicht eure Beziehung beenden nur wegen einem dummen Streit!“

„Natürlich nicht.“

„Was ist denn dann das Problem?“

„Vielleicht liebt sie mich einfach nicht.“

„Red keinen Unsinn! Natürlich liebt sie dich.“

Akins schüttelte lachend den Kopf. Es war ein humorloses, trauriges Lachen.

„Du fährst noch vorbei, fahr langsamer!“, warnte Dasha.

Quietschend kam der Wagen vor Macys Haus zum stehen. Sie stand bereits da, wie jeden Morgen. Die Arme um ihr zerbrechliche Figur geschlungen und mit offenem, strahlendem Lächeln auf den Lippen. Dasha beobachtete, wie Akins Augen vor Zärtlichkeit zerschmolzen, als er sie auf den Wagen zugehen sah. Es schien, als schwebe sie einige Zentimeter über dem Boden. Ihre Schritte verursachten keinerlei Geräusche. Eine Engelsgleiche Gestalt.

„Morgen, Leute.“, sagte sie mit ihrer glockenhellen Stimme, als sie den Kopf zur Tür herein streckte.

„Hi.“, sagte Dasha und lächelte.

Akins blickte von ihr weg und versuchte wieder wütend auszusehen, was ihm kläglich misslang.

„Bist du noch böse wegen gestern?“, fragte Macy und schloss die Tür.

Akins startete wortlos die Motoren.

Dasha verkniff sich ein Grinsen, bei dem Anblick, wie schwer es Akins fiel so zu tun, als wäre er tatsächlich böse auf Macy.

„Du hast Recht, dass du wütend bist. Ich überlege mir, wie ich es wieder gut machen kann, ja? Verzeihst du mir dann?“, sagte Macy versöhnlich.

Akins hielt durch und blieb stumm.

Macy seufzte.

Bis zur Schule sprachen Macy und Dasha über Schularbeiten und Lehrer, während Akins weiter schwieg, jedes Wort aber höchst aufmerksam mit verfolgte.

Auf dem Weg vom Parkplatz bis zum Schulgebäude hielt Akins Abstand zu den zwei Mädchen. Vor der Eingangstür standen Schüler versammelt die miteinander redeten und lachten. Akins gesellte sich zu seinen Freunden. Macy drehte sich suchend nach ihm um, da er sie sonst immer bis zu ihrem Klassenzimmer begleitete.

„Wo bleibst du Mace?“, rief Dasha.

Macy riss ihren Blick los und betrat mit Dasha das Schulhaus.

 

4.      Aller Anfang ist…betrügerisch

Vor dem Klassenzimmer wartete schon Eva auf die Beiden. Eva trug immer die neusten Designerklamotten. Zwei Tage hintereinander dieselben Kleider zu tragen, kam Evas Ansicht nach, einer Todsünde nahe. Eva war sehr dünn, Dasha bezeichnete es eher als mager, doch Eva wollte davon nichts hören. Sie hatte braune, lange Haare, die wunderschön gewellt waren. Doch Eva war der Ansicht, dass ihre Haare besser aussahen, wenn sie keine Wellen vorwiesen, deswegen verbrachte sie jeden Morgen eine Stunde damit ihre Haare mit einem Glätteisen zu begradigen. Ihre Augen waren grau und verliehen ihrem Blick einen gewissen Zauber. Ihre Lippen waren sinnlich, ihre Nase war klein und süss, doch auch an der hatte Eva einiges auszusetzen. Sie meinte, dass ihr einer Nasenflügel beträchtlich grösser wäre, als der andere. Vielleicht stimmte es sogar, aber Dasha war es bisher einfach noch nicht aufgefallen. Eva war 18. Sie lebte in der Wohnung ihres 25-jährigen Freundes, seit sie es mit 16  bei ihren Eltern nicht mehr ausgehalten hatte. Sie war eine sehr talentierte Kunstturnerin und interessierte sich ansonsten für Mode. Sie wusste immer genau was sie wollte und was nicht. Seit dem letzten Sommer hatte sie eine Affäre (wenn man es so nennen konnte) mit einem ihrer Klassenfreunde. Sein Name war Sam. Er war ein grosser, gutaussehender, etwas zurückgebliebener Baseballspieler. Eva machte kein Geheimnis daraus. Insgeheim genoss sie es, dass sie ihren Freund bewusst betrog, ganz nach dem Motto: Was er kann, kann ich auch. Doch auf die Idee die Beziehung zu ihm zu beenden war sie komischerweise nie gekommen.

„Na, ihr Schlampen.“, begrüsste Eva die beiden anderen.

„Hi Eva.“, sagten Dasha und Macy und gaben ihr je einen Kuss auf die Wange.

„Wo ist denn unser Romeo?“, frage Eva und sah Macy verheissungsvoll an.

„Er ist draussen bei den anderen. Wir haben uns gestern gestritten.“, erklärte Macy.

„Kaum zu fassen. Das Traumpaar der Schule schiebt ne Krise. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.“

Macy lächelte verlegen.

„Mace, ich sag‘s dir nicht gern, aber wenn du den armen Kerl nicht bald ranlässt, läuft er dir ganz bestimmt davon.“, sagte Eva, die mit den Händen ringende, wild gestikulierende Dasha ignorierend.

Dasha funkelte Eva zornig an.

„Sieh mich nicht so an! Ist doch so.“, sagte Eva zu Dasha.

„Halt dich da raus, Eva. Das geht dich gar nichts an!“, zischte Dasha zurück.

„Lass nur, Dasha. Ist schon gut.“, sagte Macy ruhig.

„Hör zu Macy, ich will dir doch nur helfen. Hör auf meinen Rat und tu es endlich mit ihm! Da  ist nichts weiter dabei!“

Dasha wollte schon was sagen, doch Macy kam ihr zuvor.

„Danke für deinen Rat. Ich werde darüber nachdenken.“

Sie lächelte beiden zu, sah dann zu Boden und ging ins Klassenzimmer.

„O, hör auf mich so anzusehen, Dash! Das nervt.“

„Manchmal bist du ein richtiges Miststück.“, sagte Dasha, bevor auch sie ins Klassenzimmer ging.

Sie mussten gleich in der ersten Stunde eine Englischarbeit schreiben. Dasha versuchte sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, doch ihr Blick huschte immer wieder zu Macy hinüber, die in Gedanken versunken aus dem Fenster sah. Ob Evas Worte sie so sehr beschäftigten? Eigentlich redete Eva immer so und Macy hatte einfach immer darüber hinweggesehen. Doch ihr Blatt war noch immer blank.

„Psst! Mace.“, machte Dasha und lehnte nach vorn.

Macy reagierte nicht.

„Mace!“, flüsterte sie etwas lauter.

Sie kippte ihren Stuhl noch etwas mehr und verlor beinahe das Gleichgewicht, wenn nicht ihr Sitznachbar ihren Stuhl festgehalten hätte. Sie hielt sich erschrocken am Schreibtisch fest. Die Lehrerin hatte den Kopf gehoben und starrte in ihre Richtung. Sie verdrehte ihre Augen und sagte mit monotoner Stimmte: „Thwing, Nolan. Sie können ihre Prüfung abgeben und nach draussen gehen.“

„Aber…“, stammelte Dasha.

„Sie kennen die Spielregeln Miss Thwing, wer abschreibt gibt die Arbeit ab und verlässt das Klassenzimmer.“, sagte die Lehrerin gelangweilt.

Unglücklich übergab sie ihre halbfertige Prüfung an die Lehrerin und warf Varro (der, der ihren Sturz vom Stuhl verhindert hatte) einen entschuldigenden Blick zu.

Er zuckte mit den Schultern, als wollte er sagen: Solange nichts Schlimmeres passiert.

Sie hielt Varro, der seine Prüfung ebenfalls abgegeben hatte die Tür auf und liess sie hinter ihm leise wieder ins Schloss fallen. Er liess sich der Wand entlang auf den Boden des Korridors gleiten. Dasha liess sich neben ihm nieder.

„Tut mir Leid.“, nuschelte sie.

„Schon gut. Kannst ja nichts dafür.“, sagte er.

Varro Nolan besuchte mit Dasha den Englischunterricht, das war der einzige Kurs, den sie gemeinsam hatten. Varro war gross. Er hatte schwarze, etwas vernachlässigte Haare (Vielleicht gehörte es auch zu seinem Look, dass er sie aussehen liess, als würde er sie nicht kämmen). Aber da er meistens ein Baseballcap trug, sah man sowieso nicht viel von seinen Haaren. Die Kleider, die er trug waren viel zu gross, standen ihm jedoch gut. Seine Augen waren dunkelgrün, ein Grün, wie das des Meeres in einer sternenklaren Nacht im Mondschein. Varro spielte in der Fussballmannschaft der Schule. Dasha redete selten mit ihm. Nicht weil sie ihn nicht mochte, sondern weil sie es nicht anders gewohnt war.

Dasha legte die Arme um ihre angezogenen Knie und seufzte tief.

„Alles okay?“, fragte Varro.

„Ja, mir geht’s gut. Ich hab nur ein schlechtes Gewissen, dass du meinetwegen auch rausgeflogen bist.“

„Ich steh im Moment ganz gut in Englisch. Ausserdem schaden zu viele gute Noten meinem Image.“, sagte er und grinste frech.

„Spinner.“, sagte Dasha und schüttelte den Kopf.

„Danke übrigens noch, dass du meinen Stuhl festgehalten hast.“

„Kein Problem.“

„Falls ich mich irgendwie revanchieren kann, sag‘s einfach.“

„Klar.“

Sie warteten, bis die Stunde vorüber war und die Lehrerin ihnen gestattete wieder hereinzukommen.

 

5.      Ricky und die Versöhnung

Die Glocke läutete zur Pause und die Schüler strömten auf den Flur.

„Sieht so aus, als wärst du deinem Geliebten zu langweilig geworden. Aber mach dir keine Sorgen, ich steh dir jederzeit zur Verfügung, falls du dich entscheidest deine Jungfräulichkeit zu verlieren!“, grölte Ricky über Macys Schulter, als sie hinaus in die Pause ging.

Ricky war der ewige Ruhestörer und hatte es auf Macy abgesehen, nicht zuletzt, wegen ihrer Schönheit, sondern auch weil er sich über ihr zurückhaltendes Verhalten lustig machte um vor seinen Jungs als harter Kerl dazustehen.

„Halt dein Schandmaul, Ricky!“, schrie ihn Eva an und legte Macy schützend einen Arm um die Schulter.

„Von dir weiss ich, dass du dich von jedem Typen flachlegen lässt. Bist auch noch stolz drauf, was? Aber die unschuldige Macy ist bestimmt die schärfere Braut im Bett als du! Man sagt doch: stille Wasser gründen tief!“, antwortet Ricky und seine Kumpels hinter ihm johlten vor lachen.

Plötzlich tauchte Akins aus der Menge auf, wie ein Gespenst löste er sich aus der Menge und warf sich mit eisigem Blick auf Ricky. Er packte seine Handgelenke und drückte ihn gegen die Wand. Ricky war völlig verdutzt und ächzte, als sein Kopf gegen die Wand schlug.

„Lass sie in Ruhe.“, zischte Akins mit zusammengebissenen Zähnen, ganz nah an Rickys Gesicht.

Ricky lachte hämisch.

„Sieh an, Jungfrau Maria, dein Retter hat doch noch nicht genug von deinem prüden Getue.“

Akins Hände schlossen sich, wie eiserne Handschellen um seine Handgelenke und er starrte ihn an.

„Entschuldige, Akins. Sie gehört ganz dir. Nicht zu fassen, was du an so einem Stockfisch findest.“, gluckste Ricky.

Akins liess ihn los und raunte ihm noch zu: „Verschwinde.“

„Kommt Jungs.“, rief Ricky und winkte seinen Freunden zu. Doch bevor er um die Ecke verschwunden war zwinkerte er Macy noch mit einem falschen Lächeln auf den Lippen zu.

Akins ging auf Macy zu und nahm sie in die Arme. Die Menge um die beiden fing an sich wieder zu zerstreuen, da sie feststellen mussten, dass es keinen erhofften Kampf geben würde. Eva und Dasha lächelten sich an und gönnten ihnen dann ein wenig Privatsphäre, indem sie sich auf den Weg zur Mädchentoilette machten.

„Tut mir Leid Macy. Ich lass dich nie mehr allein.“, flüsterte Akins und küsste ihr Haar.

Macy schmiegte ihren Kopf an seine Brust und lächelte glücklich.

„Ich bin froh, dass du nicht mehr wütend bist.“, flüstere Macy zurück.

Er zog sie noch enger an sich heran und wiegte sie leicht hin und her.

„Nicht so fest. Ich krieg keine Luft mehr.“, flüsterte Macy lächelnd.

„Entschuldige.“, sagte Akins und lockerte seine Umarmung.

Er hatte die Augen geschlossen und genoss den Augenblick Macy so nah bei sich zu spüren.

„Hör zu, ich hab mir überlegt, wie ich alles wieder gut machen kann.“, sagte Macy und hob ihren Kopf um ihm in die Augen sehen zu können.

Er streichelte ihr Gesicht.

„Vergiss es, Mace. Der ganze Streit war meine Schuld. Du hast überhaupt nichts falsch gemacht!“

„Doch, das hab ich.“, flüsterte Macy, so leise, dass Akins es nicht verstand.

„Was hast du gesagt?“

„Nichts.“, sagte Macy und lehnte ihre Wange wieder an seinen Körper.

 

6.      Verlassen im Regen

Der Tag ging schnell vorüber. Draussen zogen langsam Wolken auf. Es sah ganz danach aus, als würde sich erneut ein heftiger Sommerschauer über Norfolk niederlassen. Die Mädchen kamen gegen drei Uhr aus ihrer letzten Lektion. Im Mädchenklo vom zweiten Stock warteten Dasha und Macy auf Eva, die ihr Make-up neu auftragen mussten. Da hatten sie immer ungestört Zeit, zu tratschen.

„Der war so mies gelaunt, wie schon lange nicht mehr.“, sagte Dasha lächelnd.

„Mace, hast ihm wohl den Kopf ziemlich verdreht.“, sagte Eva und blickte sie durch den Spiegel hindurch an.

Macy blickte abwesend und wiegte sich mit verschränkten Armen leicht hin und her.

Eva sah Dasha vielsagend an.

Dasha winkte lachend ab.

„Ich glaube ihr geht’s nicht viel anders. Sie ist eben eine kleine Träumerin. Stimmt’s Mace?“

„Hast du was gesagt? – O, tut mir Leid, Leute. Ich bin nur… so durcheinander.“, sagte Macy und lächelte verlegen.

Dashas Lächeln verschwand. Sie legte Macy eine Hand auf den Rücken.

„Süsse. Vergiss das Gerede von Ricky und seiner Truppe! Machst du dir deswegen etwa Sorgen?“, sagte Dasha und liess ihre Hand auf Macys Rücken kreisen.

„Nein. Es ist nicht ihretwegen. Und doch muss ich mir eingestehen, dass sie Recht hatten, mit dem was sie sagten.“

Dasha sah Eva hilfesuchend an. Eva bewegte stumm die Lippen und starrte Dasha mit einem das-hab-ich-doch-gesagt-Blick an. Dasha kniff wütend die Lippen zusammen.

„Naja…du bist ja bald zwei Jahre mit ihm zusammen.“, fing Dasha zögernd an.

„Aber natürlich musst du nichts tun, was du nicht willst!“, fügte sie schnell hinzu.

„Ich weiss nicht, ob ich das kann.“, flüsterte Macy mit gequälter Stimme.

„Wo liegt denn das Problem? Er liebt dich. Du liebst ihn. Ende.“, sagte Eva und baute sich vor Macy auf.

Sie legte je eine Hand auf die Schultern von Macy und zwang sie ihr in die Augen zu sehen.

„Ich bin eben verklemmt, okay?“, sagte Macy verzweifelt und mit wässrigen Augen.

„Ach, komm her.“, sagte Eva und nahm sie in die Arme.

Zärtlich strich sie ihr übers Haar, wie eine Mutter ihrem verängstigten Kind.

„Ich verstehe zwar nicht, wo dein Problem liegt. Akins ist dir längst verfallen. Mit Körper und Geist. Aber wenn du warten willst, dann wird er dich bestimmt auch nicht drängen. Und von mir wirst du auch kein Wort mehr hören. Versprochen.“, sagte Eva.

Dasha lächelte und sah Eva stolz an. Das war Evas andere Seite, ihre sanfte verständnisvolle Seite.

Macy schluckte und brachte ein gebrochenes Lächeln hervor.

„Ich hab Angst ihn zu verlieren. Was wenn ich nicht gut genug bin?“, sagte Macy leise.

Eva hielt ihr Gesicht in den Händen und kam ihr mit ihrem eigenen Gesicht so nah, dass sich ihre Nasenspitzen berührten.

„So was will ich erst gar nicht hören. Sieh dich an. Du bist schön, intelligent und dazu noch das liebenswürdigste Mädchen, dass der Himmel je hervorgebracht hat.“

Jetzt lachte Macy und umarmte Eva so fest, dass die Beiden ins Wanken gerieten und Dasha ihre Arme um sie schlang um sie vor einem Fall zu bewahren. Das Lachen hallte durch den ansonsten leeren Waschraum bis hinaus auf den Flur, wo die Leute sich verwundert zur Tür drehten und dann lächelnd weitergingen.

 

Macy und Dasha kamen trotz einem rasanten Sprint quer über den Schulhof zu spät zum Lauftraining. Der Coach strafte sie mit einem bösen Blick und zehn Extra-Runden. Es fing an zu regnen, doch das Training wurde fortgesetzt. Gegen fünf Uhr, wurden die Mädchen klatschnass und müde endlich nach Hause entlassen. Um diese Uhrzeit war die Schule schon leer. Die Mädchen duschten, zogen sich frische, trockene Sachen an und warteten dann unter dem Vordach der Schule darauf, dass Dashas Vater sie abholen kam.

Der Regen war noch stärker geworden. Auf dem Parkplatz stand noch ein einziges verlassenes Auto. Ein weisser, alter Volkswagen. Eine Person stampfte von dem Auto herüber zu dem Vordach. Als er näher kam, erkannte Dasha Varro. Sein Gesicht war ganz nass und seine Haare klebten ihm auf der Stirn.

Er blickte auf und sah Dasha und Macy erstaunt an.

„Immer noch in der Schule?“, fragte er.

„Wir hatten Lauftraining. Und was machst du noch hier?“, fragte Dasha.

„Ich war noch in der Bibliothek. Und jetzt macht mein Wagen schlapp.“, er grinste und wies auf die Tür, „Ich werd dann mal telefonieren gehen. Bis dann.“

„Okay. Viel Glück.“, rief ihm Dasha nach.

„Danke.“, sagte er und lachte.

Fünf Minuten später fuhr der silbrige Ford ihres Vaters vor. Er öffnete die Beifahrertür und rief: „Entschuldigt die Verspätung, Mädchen. Hüpft rein.“

Sie schnallten sich an und fuhren los. Dasha sah Varro erneut aus der Tür treten. Sein Ausdruck war verzerrt.

„Eine Sekunde, Dad.“, sagte Dasha.

„Was ist denn?“, fragte Albert und trat auf die Bremse.

„Bin gleich wieder da.“, sie stieg aus dem Wagen und lief durch den Regen zurück zur Schule.

Varro lächelte als er sie auf sich zu rennen sah.

„Hey!“, sagte sie und wischte sich die Regentropfen vom Gesicht.

„Was ist los?“, fragte sie.

„Niemand zu Hause.“, sagte er und zog eine Grimasse.

„Können wir dich mitnehmen?“, fragte Dasha.

„Wenn’s euch nichts ausmacht. Das wär Klasse.“, sagte er dankbar.

„Natürlich nicht. Komm!“, sagte Dasha und winkte ihm zu.

„Dad, das ist Varro. Sein Auto hat den Geist aufgegeben. Es macht dir doch nichts aus, ihn schnell nach Hause zu fahren.“, sagte Dasha, setzte sich nach hinten neben Macy um für Varro den Beifahrersitz freizuhalten.

Ihr Dad nickte Varro freundlich zu, als dieser in den Wagen stieg.

„Varro…“, sagte Albert Thwing.

„Varro Nolan, Sir.“, sagte Varro und hielt ihm die Hand entgegen.

„Nenn mich Al.“, sagte Albert und nahm seine Hand.

Er wendete den Wagen und verliess das Schulareal.

Der Regen klatsche unaufhaltsam gegen die Scheiben und die Scheibenwischer kamen den sich aufstauenden Wassermassen kaum nach.

„Wohin soll’s denn gehen, Varro?“, fragte Albert.

„Hier vorne rechts und dann gerade aus bis Ecke Kale. Ich wohne in der neunten Avenue.“

„Alles klar.“, sagte Albert und stellte den Blinker ein.

„Nolan, sagtest du. Bist du der Neffe von Norman Brown?“, fragte Albert.

„Der bin ich.“, sagte Varro lächelnd.

Albert lachte und sagte: „Der gute Norman! Ein toller Kerl. Wir waren früher mal gut befreundet. Haben uns dann leider etwas aus den Augen verloren. Würdest du ihm liebe Grüsse von Albert Thwing ausrichten?“

„Sicher. Das mach ich. Woher kanntet ihr euch?“

„Wir gingen zur selben Schule und haben gemeinsam in einer Band gespielt. Er hat sich dann aber der Astronomie zugewandt und Alissa kennengelernt. Schreckliche Geschichte. Dein Onkel hat sich davon nie mehr erholt. Wie geht’s dem alten Knaben heute?“

„Es geht ihm gut.“

„Schön. Schön. Das freut mich zu hören. – Der gute alte Norman.“

Albert verlor sich in alten Erinnerungen.

„Komm doch mal vorbei. Er freut sich bestimmt.“, sagte Varro und riss ihn aus den Gedanken.

„Gute Idee, mein Junge!“, sagte Albert und klopfte ihm auf die Schulter.

„Ach, Dasha, “ sagte Varro, „wir können den Test übrigens wiederholen.“

„Was?“, kreische sie, „Wie hast du das denn angestellt?“

Varro lächelte und drehte sich zu ihr um.

„Ich hab ihr erzählt, dass du dich erschrocken hast, weil mir mein Heft runtergefallen sei und du deswegen beinahe vom Stuhl gefallen wärst. Ausserdem waren keine unserer Antworten identisch.“

Dasha lächelte ihn an, er lächelte zurück. Plötzlich fühlte sie eine Leichtigkeit, als ob ihr Magen völlig mit Luft gefüllt wäre und ein angenehmes Kribbeln. Sie schüttelte den Kopf und löste ihren Blick von seinen Augen.

„Hast du gut gemacht. Vielen Dank!“, sagte sie verlegen und faste sich an den Hinterkopf.

„Da wären wir.“, sagte Albert schliesslich und der Wagen kam zum stehen.

„Vielen Dank fürs Nachhause bringen. Al, ich hoffe du kommst uns bald mal besuchen. Dash, wir sehen uns morgen.“

Albert nickte ihm zu und Dasha sagte: „Bis morgen.“

 

7.      Schmetterlinge im Bauch

Als sie Zuhause waren, verschwand Macy in Akins Zimmer, Albert ging in die Garage, wo er sein Tonstudio hatte und Dasha ging in die Küche, wo ihre Mutter am Küchentisch sass und telefonierte. Dasha setzte sich neben ihre Mutter, Jillian Thwing. Ihre Mutter war klein und zierlich. Sie hatte volles, haselnussbraunes Haar und milchig blaue Augen. Ihr kleiner Mund, dessen einer Mundwinkel immer etwas erhöht war hatte etwas Neckisches an sich. Ihre Haare reichten ihr bis knapp zum Kinn. Meistens hatte sie sie mit einer Spange zusammengebunden, doch einzelne Strähnen verirrten sich immer in ihr Gesicht. Heute sah sie ziemlich müde aus, bestimmt von der Nachtschicht. Doch Jillian lebte für ihren Beruf. Sie liebte ihn und legte ihr ganzes Herz hinein. Die Klinik war ihr zweites Zuhause, wie sie es selbst zu sagen pflegte.

Dasha biss in einen Apfel. Ihre Mutter strich ihr über die Stirn und über die Haare. Dasha lächelte ihr zu. Bestimmt telefonierte sie mit ihrem Bruder, oder mit ihrer Schwester. Dasha stand auf, küsste ihre Mum auf die Stirn und ging nach oben in ihr Zimmer. Sie telefonierte kurz mit Eva, von der sie jedoch schnell abgewimmelt wurde, da sie noch für die Schule zu tun hatte. Im Klartext, sie wollte ungestört sein, entweder mit ihrem Freund, oder mit Sam. Also setzte sich Dasha vor den Computer. Sie gehörte einem Team von Schülern an, die zusammen eine Homepage der Schule gestalteten. Dasha schrieb regelmässig Berichte über das Läuferteam der Schule, die sie dann online stellte. Sie war gerade dabei die neue Trainingsmethode für den kommenden Herbst zu beschreiben, als sich ein Chatfenster öffnete.

Hi

Dasha sah auf den Username: Merope. Sie hatte keine Ahnung wer das sein könnte.

Hi. Kennen wir uns? , schrieb sie zurück.

J Ich bin’s: Varro

Ihr Herz machte einen Satz. Sie schalt sich in Gedanken dafür.

Seid ihr gut nach Hause gekommen? , schrieb er.

Ja. Was machst du nun wegen deinem Wagen?

Mein Onkel fährt mich nachher hin um ihn zu holen

Was machst du gerade?

Ich schreib einen Artikel über unser Training. Und du?

Ich mach grad nichts, ausser dir zu schreiben

Dasha schluckte. Ihr Mund war ganz trocken.

Was ich dir eigentlich sagen wollte: Morgen nach der Schule, also drei Uhr müssen wir uns bei Mrs Norris melden. Wegen dem Test

Ok. Danke für die Info! Dann sehen wir uns morgen

Gehst du?

Dasha stockte. Sie zögerte.

Nein

Sie biss sich auf die Unterlippe und kniff die Augen zusammen.

Weswegen verabschiedest du dich dann?

Ich muss noch was arbeiten

Ok. Ich wollte dich nicht stören

Tust du nicht

Dasha wartete fast ungeduldig darauf, dass er antwortete. Sie kannte ihn schon seit so langer Zeit, doch noch nie hatte sie ihn wirklich wahr genommen. Bis jetzt. Seit dem Moment im Auto, als er sie so süss angelächelt hatte… Dasha schlug sich mit der Hand vors Gesicht.

„Hör auf damit!“, zischte sie sich selbst zu.

Varro antwortete nicht mehr. Dasha trommelte mit den Fingern auf die Tastatur, ohne etwas zu schreiben. Schliesslich schrieb sie:

Was bedeutet dein Nickname?

Merope ist ein sehr schwach leuchtender Himmelskörper der Milchstrasse. Er gehört zu den Plejaden, einer Sternengruppe, die in den verschiedensten Mythologien vorkommt, zum Beispiel in der Griechischen

Wow! Beeindruckend was du alles darüber weißt

Mein Onkel arbeitet in einer Sternwarte. Da bekommt man so einiges mit J ausserdem haben meine Mutter und mein Vater sich damals in Israel unter dem Sternenhimmel kennengelernt und meine Mutter sagte immer, sie seien damals direkt unter dem Merope gestanden

Dasha lächelte berührt.

O tut mir Leid. Das interessiert dich bestimmt nicht

Doch, natürlich tut es das. Das ist sehr romantisch!

;-) Sag das bloss nicht meinen Freunden!

J mal sehen

Böses Mädchen

Dasha musste lachen

Ich finde es mutig, wenn ein Mann zu seinen romantischen Gefühlen steht. Das ist es, was einen wahren harten Kerl ausmacht

Wenn du das sagst, Dash

Dasha lächelte und fühlte wie sie rosarot anlief.

Hör zu, ich würd echt liebend gern mit dir weiterquatschen, aber ich muss jetzt gehen (Ich habe riesigen Hunger) Bis morgen!

Guten Appetit und bis morgen

Ich freu mich schon

Dasha zögerte.

Ich mich auch

J

Tschüss

 

8.      Flucht

 „Was ist nur los mit dir? Man könnte fast meinen du bist verliebt.“, beschwerte sich Eva, da Dasha heute schon zum zweiten Mal ihren Kaffee verschüttet hatte.

Dasha war schon den ganzen Tag über unkonzentriert und schusselig.

„Keine Ahnung.“, murmelte sie und wischte mit den Servietten die Schweinerei vom Boden auf.

Eva seufzte.

„Kommst du Macy?“, rief sie ihr zu.

Macy lehnte gegen die Wand und hatte die Arme um Akins Nacken gelegt, der sie zärtlich küsste und sich durch nichts stören liess.

Eva verdrehte die Augen.

„Bin ich hier die Einzige, deren Hirn nicht von diesem Liebesquatsch zu Brei geworden ist? – Mace, ich bin draussen.“, „und du, Miss Ich-schweb-in-den-Wolken kannst ja nicht mitkommen, weil du den Test nachschreiben musst. Wir sehen uns dann heute Abend bei mir! Vergiss es nicht.“, sagte sie zu Dasha und stolzierte davon.

Heute Abend gab Eva eine Party bei sich Zuhause und Dasha fühlte sich, als würde sie krank werden, doch sie musste hin. Eva würde sie ansonsten lynchen.

„Mist die Prüfung! – Bis später Leute.“, sagte Dasha und rannte los.

Varro lächelte, als er sie erblickte. Ihre Haare flatterten hinter ihr her. Sie war wirklich schnell. Atemlos kam sie an und hielt sich die Hand auf ihr Herz.

„Grade noch geschafft, Miss Thwing.“, sagte Mrs Norris mit wie immer emotionsloser Stimme.

Sie lächelte Varro an und setzt sich in eine Reihe vor ihm.

Sie spürte seinen Blick im Rücken.

„Viel Glück.“, raunte er ihr zu.

„Dir auch.“, flüsterte sie immer noch etwas atemlos.

Varro war vor ihr fertig. Er gab die Prüfung ab und verliess das Klassenzimmer. Als auch Dasha nach draussen kam, stand er im Flur, die Hände in den Taschen seiner weiten Jeans und wartete.

„Hey.“, sagte er.

Dasha lächelte, obwohl sie es nicht wollte. Sie strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr.

„Na?“, sagte sie und sie gingen zusammen den Flur hinunter.

„Wusstest du was Euphemismus bedeutet?“, fragte er.

„Hm… Ich glaube das sind Wörter, die man benutzt um etwas schöner auszudrücken, als es wirklich ist. Zum Beispiel sagt man statt sterben, ableben.“, sagte sie.

„Ah…Genau, das hab ich auch geschrieben.“, sagte er und sah konzentriert vor sich her.

„Du Blödmann! Wolltest mich testen, was?“, sagte sie, lachte und knuffte ihn in die Seite.

Er wich zur Seite, lachte ebenfalls und antwortete: „Ich kontrollier nur, ob du im Unterricht aufpasst.“

„Na warte!“, sagte sie und begann ihn zu kitzeln.

Er grinste und versuchte vor ihr weg zu laufen. Natürlich hatte er keine Chance. Sie jagte ihn zum Spass durch die verlassene Schule. Als sie ihn eingeholt hatte, warf sie sich auf ihn und drückte ihn gegen die Wand. Sein Atem ging schnell. Seine Arme hatte sie gegen die Wand gedrückt und ihr Oberkörper schmiegte sich gegen den seinen. Es verging ein kurzer Augenblick, indem die beiden so verharrten, dann liess Dasha von ihm ab, trat einige Schritte zurück und sagte: „An deiner Kondition musst du noch arbeiten. Du schnaufst ja wie eine alte Lokomotive!“

Varro lachte.

Er machte einen Schritt auf sie zu. Plötzlich nahm er in ihrem Gesicht einen Anflug von Panik wahr. Sein Lächeln verschwand. Er streckte die Hand aus um die ihre zu greifen. Sie wich zurück und sah ihn erschrocken an.

Varro strich sich durchs Haar und sagte verlegen: „Dash, hast du Lust mal mit mir auszugehen?“

„Du meinst ein Date?“

„Ja, wenn du möchtest.“

Dasha sah zu Boden, dann suchte sie mit ihren Augen seinen Blick und sagte traurig: „Ich muss leider ablehnen. Aber heute Abend gibt Eva ne Party bei sich. Du kannst kommen, wenn du willst.“

„Und was ist mit…“, wollte er sagen, doch Dasha schnitt ihm das Wort ab.

„Varro. Ich muss jetzt gehen.“

Und dann ging sie.

Er sah ihr nach. Dann entdeckte er auf dem Boden ein gefaltetes Stück Papier. Es musst Dasha aus der Tasche gefallen sein, als sie durch die Flure rannten. Er wollte es einstecken und ihr geben, wenn er sie wieder sah, doch da huschten seine Augen über einen Satz, der da geschrieben stand: Wenn du das sagst, Dash

Es war die Unterhaltung, die sie am vergangen Tag im Chatroom geführt hatten.

9.      Gewissheit

Am Abend desselben Tages fuhren Akins, Macy und Dasha zusammen zu Eva.

„Dash, ist alles in Ordnung? Du bist so still.“, sagte Akins und sah seine Schwester im Rückspiegel besorgt an.

„Alles Bestens.“, sagte sie kraftlos.

 

Als sie auf der Party ankamen, konnte Dasha sich einfach nicht von der fröhlichen Stimmung anstecken lassen. Sie trank ein Glas nach dem anderen leer und wusste nicht mal, was es war, dass sie trank. Nach kurzer Zeit wurde ihr schwindlig, doch sie trank noch mehr. Sie wollte sich betäuben, um nicht nachdenken zu müssen. Es war so laut. Die Gedanken in ihrem Kopf redeten durcheinander. Sie wollte sie nicht mehr hören. Schweigen. Schweigen.

Dasha lag zusammengerollt auf Evas Bett, dort war wenigstens niemand, der sie fragte, was los war. Ohne, dass sie es bemerkte, öffnete sich die Tür und jemand betrat das Zimmer.

„Dash? Geht’s dir nicht gut?“, hörte sie jemanden sprechen, als würde es von weit her gerufen.

Varro setzte sich auf den Rand des Bettes und strich ihr über die Haare.

Dasha schloss ihre Augen, die vorher ins Nichts gestarrt hatten und genoss die zärtliche Berührung. Sie war so müde, aber sie wollte wach bleiben.

„Varro…“, sagte sie.

Er musste sich zu ihr hinunter lehnen um sie zu verstehen.

„Ich muss dir was erzählen.“, sagte sie und setzte sich ganz langsam auf.

Er stütze sie. Alles drehte sich. Als sie Halt gefunden hatte sagte sie: „Danke. Es geht schon. Ich hab nur etwas zu viel getrunken.“

„Hier trink etwas Wasser. Hast du heute schon was gegessen?“, sagte Varro und hielt ihr eine Flasche Wasser entgegen.

Dasha schüttelte den Kopf und trank dankbar einen Schluck Wasser.

„Ich hol dir was.“, sagte er und wollte aufstehen.

„Hör erst zu. Bitte.“, sagte sie und hielt ihn am Arm zurück.

Er setzte sich wieder.

Sie sah in seine grünen Augen, die geduldig zurückblickten.

Auf einmal überkam sie eine Welle der Zuneigung. Es geschah so schnell, dass sie es kaum merkte. Sie bückte sich nach vorne und gab Varro einen Kuss direkt auf den Mund. Dann schnellte sie auch schon wieder zurück. Auf ihren Lippen spürte sie, wo sie seine weichen Lippen berührt hatte. Erschrocken über sich selbst fuhr sie sich mit dem Zeigefinger über die Lippen. Varro sah sie fragend an.

„Das wolltest du mir sagen?“, fragte er verwirrt.

„Nein.“, stammelte sie, „Du meine Güte. Es tut mir Leid. Ich…weiss nicht mehr was ich tue. Du bringst mich ganz durcheinander.“

Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen.

Er nahm ihre Hand, so dass er wieder ihr Gesicht sehen konnte und hielt sie fest, auch wenn sie sich dagegen wehrte. Er sah sie durchdringend an. Sie senkte den Blick.

„Lass mich los. Ich kann nicht nachdenken.“, sagte sie mit dünner Stimme.

Er öffnete seine Hand. Nachdem sie ihre Hand jedoch nicht weggezogen hatte, schloss er seine Hand wieder und drückte ihre Hand sanft.

„Okay, hör zu, ich denke, ich bin  nicht fähig wieder eine Beziehung zu führen. Es ist schon so lange her…seit –„, sie schluckte.

Sie suchte seine Augen. Er blickte sie aufmunternd an und lächelte sogar ein wenig.

Sie holte einmal tief Luft um die aufsteigenden Tränen am Überlaufen zu hindern.

In dieser Nacht erzählte sie zum ersten Mal, was in ihr vorging, seit Marc gestorben war. Sie fühlte sich sicher genug es Varro zu erzählen. Er strahlte diese Geborgenheit aus, die ihr gut tat.

Marc hatte sich umgebracht. Zu diesem Zeitpunkt war Dasha allerdings bereits von ihm getrennt. Marc war in ein Loch abgesackt. Er hatte mit Drogen und merkwürdigen Gestalten zu tun. Dasha machte seine hasserfüllte Einstellung dem Leben gegenüber immer mehr und mehr Angst. Deswegen trennte sie sich von ihm. Kurz darauf schnitt er sich im nahe gelegenen Wald die Pulsadern durch und starb. Dasha quälten seither Schuldgefühle. Vielleicht, wenn sie sich den Problemen gestellt hätte und ihm zur Seite gestanden wäre, wäre das nicht passiert.

Varro hatte aufmerksam zugehört und immerzu strich sein Daumen über Dashas kleine Hand.

Dasha hatte die Tränen nicht mehr aufhalten können. Sie liefen stumm ihre Wangen hinunter.

„Und deswegen, hab ich Angst vor einer neuen Beziehung. Bis jetzt konnte ich solche Gefühle gut abwehren…Bis du kamst.“, sagte sie mit schwacher Stimme, da sie nicht wollte, dass ein Schluchzer ihrer Kehle entwich.

Er wischte eine dicke Träne, die gerade über ihre Wange kullerte weg.

„Du glaubst ich will mich umbringen?“, fragte er lächelnd.

Dasha machte ein Geräusch, dass man weder als Lachen, noch als Weinen identifizieren konnte, doch ihr tränenüberströmtes Gesicht liess einen kurzen Blick auf ein Lächeln zu.

„Ich habe nur Angst, dass ich bei Problemen wieder weglaufen werde. Dass ich nicht in der Lage sein werde, gemeinsam Hindernisse zu überwinden.“

„Ich kann auf mich selbst aufpassen.“, sagte er.

Er strich ihr über die Haare und küsste sie sanft auf die Stirn.

„Ich möchte, dass du aufhörst, dir weiter Vorwürfe zu machen. Du bist nicht verantwortlich für seinen Tod.“, sagte er ernst.

Er zog sie an sich und hielt sie sicher in seinen Armen. Ihr Ohr lag direkt über seinem Herzen. Vorsichtig schob sie ihre Hand vor um seinen Herzschlag zu fühlen.

„Dein Herz schlägt schnell.“, flüsterte sie.

„Du lässt es schneller schlagen, Dasha Thwing.“, sagte er leise und lächelte.

Dashas Herz machte wieder einen Sprung. Sie legte langsam und vorsichtig, als wolle sie nichts zerbrechen ihre Arme um seinen Körper. Sie fühlte seinen Atem in ihrem Haar und spürte, wie sein Brustkorb sich hob und senkte.

„Ich glaub ich hab mich in dich verliebt.“, flüsterte sie erschrocken darüber, dass die Worte im Raum einen Ton erzeugten.

Er hob den Kopf um ihr in die Augen sehen zu können.

„Heisst das du gibst mir eine Chance?“, fragte er und lächelte sie halb amüsiert, halb ernst an.

Sie nickte.

Ihre Gesichter kamen sich näher, sie sahen sich in die Augen, bis sie sich so nah waren, dass alles verschwamm. Dann schloss Dasha die Augen. Varro gab ihr den süssesten, behutsamsten und schönsten Kuss, denn sie je gekriegt hatte. Als sich ihre Lippen wieder lösten und Dasha die Augen noch immer festgeschlossen hatte flüsterte sie glücklich: „Mein Herz schlägt, wie wild.“

 

Epilog

Zwei Jahre später:

 

Dasha und Varro waren seit jenem Abend vor zwei Jahren ein glückliches Paar. Durch Varros verständnisvolle Art hatte Dasha wieder den Mut gefunden ihr Herz jemandem zu öffnen. Akins und Macy waren verlobt. Eva behauptete seit dem Sommer vor zwei Jahren verliessen die beiden kaum noch das Schlafzimmer. Eva hatte sich endlich von ihrem Freund getrennt. Sie war nun mit Jiro zusammen, Akins bestem Freund. Jiro war genau so selbstverliebt und stur, wie Eva. Die beiden waren dauernd am streiten, doch die Finger konnten sie doch nicht voneinander lassen.

Und Dasha hatte seither nie mehr Alpträume.

 

„Weißt du eigentlich, was dein Name bedeutet?“, fragte Varro.

Es war dunkel, doch durch die Glasscheiben schien das Licht des Mondes und der Sterne. Varro und Dasha lagen zusammen auf dem Boden der Sternwarte und sahen durch die gewölbte Glaskuppe nach draussen ins weite Universum, als wären sie mittendrin.

„Sag es mir.“, bat Dasha.

„Es ist ein griechischer Name und bedeutet Geschenk Gottes.“, sagte Varro und küsste sie von der Seite auf den Haaransatz.

Dasha lächelte.

„O, schau! Eine Sternschnuppe. Mach die Augen zu und wünsch dir was.“, sagte Dasha und wies auf den Himmel.

Der Komet rauschte hell leuchtend über den Himmel und malte ihm ein Lächeln auf.

„Ich brauch nichts anders, als dich nah bei mir zu haben. Wünsch du dir was.“, sagte Varro und küsste sie.

Dasha schloss die Augen und wünschte sich von ganzem Herzen, dass das Glück, das sie fühlte niemals enden würde.

„Ich liebe dich.“, hauchte sie.

„Ich liebe dich auch, Dash. Mehr als alles andere.“

 

Ende

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Nadja Lazar).
Der Beitrag wurde von Nadja Lazar auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.01.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Liebe in Stücke von Paul Riedel



Pragmatische Rezepte können nur zusammengestellt werden, wenn man täglich kocht. Einer mag ein Gemüse nicht, andere wollen nur die Rosinen aus dem Kuchen, und so gestaltet sich der Alltag in der Küche.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebesgeschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Nadja Lazar

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Seidiges Rot von Claudia Jendrillek (Liebesgeschichten)
Nach mir die Sintflut von Rüdiger Nazar (Wahre Geschichten)