Daniela Nitz

3. Oliver macht einen Ausflug

Der Herbst stand vor der Tür und die Tage wurden kürzer. Es war ein kühler, sonniger Morgen und die Blätter schimmerten besonders bunt, als Oliver aufstand. Acht Uhr erst, las er auf seinem Wecker neben dem Bett. Also war noch Zeit zum Schlafen, schließlich brauchte er wegen des Feiertages heute nicht zur Schule und somit stand ein verlängertes Wochenende an. Wenigstens etwas positives, bei all der Quälereien gewisser, zweier Lehrer, an die Oliver nicht gerne denken wollte. Nun es hatte wenig Sinn sich wieder hinzulegen, da er doch nicht mehr schlafen konnte. So rieb er sich die Augen und machte sich langsam für das Frühstück fertig. Eigentlich hatte er vorgehabt, seine Eltern zu überraschen, in dem er es diesmal vorbereiten wollte, doch als er aus dem Bad kam, hörte er es unten klappern. Seine Mutter war auch schon aufgestanden um alles vorzubereiten.

Heute würde er mit seinen Eltern ein Picknick im Park machen, denn seit Oliver zur Schule ging und sein Vater in der Redaktion sehr viel zu tun hatte, waren solche Ausflüge eher selten geworden. Umso mehr freute er sich natürlich darauf. Für ihn hatten diese Aktionen immer einen besonderen Wert im Leben dargestellt. Denn normalerweise verbrachte er sehr viel und sehr oft Zeit mit seinen besten Freunden Sailor und Rico. Keiner der beiden war zu Hause geblieben. Rico war gestern Abend schon losgeflogen, seinen Vater in Käfercity zu besuchen, denn kurz nach der Einschulung trennten sich seine Eltern ganz plötzlich. Unverständlich, wenn man bedachte, dass Ricos Eltern schon seit Kindertagen als unzertrennlich galten. Und jetzt sowas. Das war einfach zu viel für Rico gewesen. Er brauchte erstmal Zeit für sich, um alles zu verarbeiten und zu begreifen, was geschehen war.

Letzteres fiel Rico am Schwersten und so manches Mal hatte er sich die Frage gestellt, ob er vielleicht sogar der Grund für die Trennung war. Natürlich hatten seine Eltern das bestritten und meinten nur, dass sie sich nicht mehr verstehen würden und mehr Zeit für sich selbst bräuchten. Deshalb würde jeder seiner Wege gehen und er bräuchte sich auch keine Sorgen darüber machen, denn er konnte seinen Vater sooft sehen wie er wollte. Das alles vertraute er Oliver und Sailor am letzten Schultag an. Oliver erzählte seinen Eltern von der Trennung und seine Mutter erklärte ihm daraufhin: „ Manchmal trennt man sich eben Oliver. Nicht jeder Grund ist nachvollziehbar und manche sind einfach nur lächerlich. Wieder andere haben nicht mal einen Grund oder geben sich selbst die Schuld. Doch mach dir darüber noch keine Gedanken. Meist bewirkt eine Trennung auch positives. Die Leute verstehen sich danach komischerweise viel besser oder auch nicht. Je nachdem wie die Trennung verlief.“ Dann gab sie Ihrem Sohn einen Zettel und Oliver erkannte Sailors Handschrift.

Der war nämlich mit seinen Eltern übers Wochenende zu den Großeltern geflogen, da er sie schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. Oliver selbst hatte keine mehr, denn die Eltern seines Vaters fielen den Fröschen zum Opfer und die seiner Mutter starben an Altersschwäche. Er hatte nie die Gelegenheit gehabt, sie kennenzulernen, aber seine Eltern zeigten ihm viele Fotos von ihnen oder erzählten so manche Geschichten. Oliver ging auf sein Zimmer, um dort in Ruhe lesen zu können. Er faltete den Zettel auseinander und las: >> Hallo Oliver. Komme am Samstag wieder. Wir können uns ja dann am kleinen Bach so gegen zwei Uhr treffen. Bis dann, Sailor. << Natürlich würde er hingehen und vielleicht war Rico dann auch da. Oder vielleicht gerade, weil er da sein würde, würde das Treffen stattfinden, um Rico zu zeigen, dass er nicht allein war mit seinen Sorgen.

Oliver hoffte trotzdem inständig, dass der Ausflug mit seinen Eltern ihn auf andere Gedanken bringen würde, denn er wollte sich nicht mit solch traurigen Nachrichten befassen. Auch wenn es dabei um seinen besten Freund ging, sollte man sich von solchen Dingen nicht den Tag verderben lassen. Sogleich machte er sich mit diesem Vorsatz daran, seine Tasche für nachher fertig zu machen. Er packte diverse Dinge ein, darunter seinen Fotoapparat, ein Buch seines Lieblingshelden „Die Abenteuer des Prinz Eisenherz“, ein Brettspiel und Karten. Neben seinem Rucksack legte er das Capi hin, denn dieses durfte natürlich auf keinen Fall fehlen. Dann hörte er die Stimme seiner Mutter, dass das Frühstück fertig sei und er herunter kommen solle. Wie hatte sie nur bemerken können, dass er schon wach war? So manches Mal überraschte ihn seine Mutter immer wieder aufs Neue.

Beide saßen bereits am Tisch als er die Küche betrat. Sie hatten noch nicht angefangen zu essen. Er liebte es zu frühstücken, weil der Tisch dann immer so lecker gedeckt war, wie auch heute. Seine Mutter hatte sich wieder selbst übertroffen. Erdbeermarmelade zu seiner Linken, Erdnussbutter und ein extra großes Glas Nuss-Nougat-Schokolade zu seiner Rechten. Vor ihm stand im grünen Eierbecher ein weich gekochtes Frühstücksei, Früchtetee aus dem Garten, frisch zubereitet wie eh und je und ein Korb mit Brötchen. Für seinen Vater lagen meist noch Käse, frischer Quark und verschiedene Wurstsorten bereit, da er den Süßkram, wie er es nannte, nicht besonders mochte. Oliver nahm sich erstmal eine kleine Schüssel aus der Mitte und schüttete Müsli hinein. Er konnte sich zwischen Milch und Joghurt entscheiden, wie er das Müsli essen wollte. So nahm er sich schließlich den Joghurt und gab dazu noch ein paar Früchte hinein. Das Ganze ließ er weich werden und machte sich währenddessen ein Erdnussbutterbrötchen mit Erdbeermarmelade und Honig fertig und aß.

Seine Mutter hatte das Radio zwischendurch eingeschaltet, um Nachrichten und das Wetter zu hören. Besonders das Wetter war wichtig, denn darüber wurde entschieden ob der Ausflug stattfand oder nicht. Doch wie schon seit Tagen vorausgesagt, sollte es weiterhin sonnig bei 24 Grad bleiben. Für September noch normal. Oliver machte sich nun über sein inzwischen eingeweichtes Müsli her. Nachdem alle sattgegessen waren, wurde der Tisch abgeräumt und anschließend das Geschirr gespült. Einiges musste fürs Picknick noch vorbereitet werden.

Frau Fröhlich liebte Salate und machte sich mit einem Korb auf dem Weg in den Garten. Dort angekommen, sammelte sie allerlei Kräuter, Kopfsalat, Paprika, Zwiebeln, Gurken und Tomaten. Sie hatte sich überlegt, einen gemischten Salat und ihren berühmten, wahnsinnig leckeren Kartoffelsalat zu machen. Allerdings musste sie für letzteres nochmal in die Stad, um einen Sack Kartoffeln zu besorgen und was sie sonst noch brauchte, wie Schinken, Schnittkäse, Gewürzgurken, Mayonnaise und nicht zu vergessen, Nachfülltüten für die verschiedenen Gewürze. Nachdem sie ins Haus zurückkehrte und den Korb geleert hatte, nahm sie etwas Geld aus der Keksdose und schrieb den herausgenommenen Betrag in ein von ihr geführtes Haushaltsbuch, das unter der Dose immer griffbereit lag.

Dann machte sie sich mit dem riesen Korb auf den Weg in die Stadt. Sie hatte dort ihren Lieblingssupermarkt. Alles was sie brauchte gab es dort und natürlich für wenig Geld. Insgesamt gab es zwei große Supermärkte in Käfercity. Dort angekommen, stellte sie fest, dass alle Einkaufswagen vergriffen waren. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, sah sie sich die neuesten Angebote und Aktionen an. Abgelenkt davon, bemerkte sie nicht, dass ein Wagen frei wurde und just in dem Augenblick wo sie selber zuschlagen wollte, kam ihr jemand zuvor. Zu spät, dachte sie bei sich und ärgerte sich ein wenig. Sie sah nur noch von hinten eine elegant gekleidete Frau in einem langärmeligen, cremegelben Satinkleid und passendem Handtäschchen. Zudem trug sie Handschuhe und ein dazugehöriges rotgestreiftes Halstuch. Die Dame drehte sich kurz zu Frau Fröhlich um und grinste triumphierend, ehe sie im Supermarkt verschwand. Sie erkannte in ihr sofort Ida Großmaul. Eine alleinerziehende Mutter eines ebenso arroganten, wie ekelhaften Jungen und schwerreiche Witwe. Ihr Mann war vor einiger Zeit verstorben und jeder bezweifelte ihre melodramatische Trauer bei der Beerdigung. Doch bei einer Sache waren sich die Leute ganz sicher gewesen, nämlich dass sie das Geld ihres Mannes mehr liebte als sie ihn jemals liebte. Falls sie überhaupt etwas für ihn empfunden hatte.

Nun Frau Fröhlich dachte nicht weiter drüber nach, sondern ging endlich mit einem Wagen hinein, immer darauf bedacht, Ausschau nach dieser unangenehmen Person zu halten. Sie wollte es vermeiden, sich mit ihr unterhalten zu müssen. Sie kam am Gemüsestand an und kaum hatte sie den Sack Kartoffeln in den Wagen gepackt, ertönte hinter ihr auch schon eine schnarrende Stimme. „Hallo Frau Fröhlich. Dachte ich mir doch, dass sie es sind. Ich habe sie natürlich sofort erkannt, bei der bescheidenen Mode, die sie tragen. Wie geht es denn ihrer Familie? Ich habe von dem kleinen Malheur ihres Sohnes gehört. Nun ich hoffe es geht ihm gut. Naja sie und ihr Mann waren ja auch keine Fliegerasse, da überrascht es niemanden, wenn so etwas passiert. Zum Glück hat mein Sohn Maik alle guten Eigenschaften von mir geerbt. Er ist ja auch ein so lieber Junge. Und ihr Mann scheint in letzter Zeit viel zu tun zu haben, da kommt ja dann auch endlich mal Geld in die Kasse.“ Bei dem ganzen Geschwafel zupfte sie entweder an ihrem Kleid oder rückte ihre Frisur zurecht, immer mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Frechheit, wenn Frau Fröhlich eines nicht ausstehen konnte, dann waren es Leute wie Ida Großmaul, die dachten sie seien etwas besonderes, nur weil sie Geld besaßen. Andere nieder zu machen, war für sie die einzige Befriedigung um sich wohl zu fühlen. Wie armselig, dachte Frau Fröhlich nur.

Trotzdem wollte sie ihr nicht die Genugtuung geben, ihr Mann und Oliver seien Verlierer. Darum entgegnete sie entschieden: „Nun, erstens hat Oliver sein kleines Malheur, wie sie es nennen, in den Griff bekommen. Ja sogar überwunden. Zweitens weiß er im Gegensatz zu ihrem Sohn gutes Benehmen zu schätzen, darum ist er auch so beliebt bei den Lehrern. Und was meinen Mann angeht; er arbeitet sehr hart, um die Familie zu ernähren. Er ist ein guter Vater und Ehemann. Schönen guten Tag noch, Frau G r o ß m a u l.“ Wobei sie den Namen extra betonte. Sie lief an der völlig verdutzt, dreinblickenden Frau vorbei und rieb sich innerlich genüsslich die Hände. Lächelnd blieb sie schließlich vor einem großen Regal, voll gestopft mit allerlei Gewürze stehen. Sie brauchte einige Zeit, bis sie fand was sie suchte und nahm je 2 Päckchen süße Paprika, schwarzen und weißen Pfeffer, Salz, Zimt, Oregano und Muskatnuss. Ihren Einkaufszettel immer abstreichend gelangte sie zum nächsten Gang, wo die Marmelade, Konfitüre und Nougatcremes zu finden waren. Weiter an den Tiefkühltruhen vorbei, stand sie vor dem Käse- und Wurststand.

Sie brauchte 4 Packungen Gouda und ebenso viel Schinken. „Nur noch 2 Zutaten.“, murmelte sie leise vor sich hin. Beim nächsten Regal fand sie das Glas Gewürzgurken. Frau Fröhlich brauchte sich nur einmal um sich selbst zu drehen und stand vor dem Regal mit allerlei Salatsoßen, Ketchup und…Mayonnaise. Sie nahm eine Flasche von der Joghurtmayonnaise, da diese erstens fettarm war und zweitens lecker schmeckte. Damit hatte sie laut Liste alle Zutaten beisammen und grade als sie fertig war nochmals zu kontrollieren, sah sie aus dem Augenwinkel Frau Großmaul in der Abteilung Backwaren stehen. Schleunigst drehte sie mit dem Wagen um und lief am Rande des langen Ganges entlang. Normalerweise benutzte sie ja den Mittelgang als direkten Weg zur Kasse, um sich das Eine oder Andere noch anzusehen. Doch wollte sie so schnell wie möglich aus diesen Laden verschwinden, denn irgendwie hatte sie das Gefühl vielleicht doch etwas zu grob reagiert zu haben. Allerdings schüttelte sie dies schnell ab, denn sie hatte sich und ihre Familie nur verteidigt.

Sie fand eine leere Kasse und der Kassierer, der sich eben noch langweilte und fast einschlief, saß plötzlich kerzengerade als er sie kommen sah. Er begrüßte sie mit einem Lächeln und zog langsam die Waren über den Tisch. Frau Fröhlich packte alles in den Korb, bezahlte und verließ schnellen Schrittes den Supermarkt. Sie wollte Ida Großmaul einfach nicht nochmal über den Weg laufen und ihr Gelegenheit geben, weiter über sich und ihren Sohn herumzuprahlen. Ihr ach so toller Sohn, der dafür gesorgt hatte, Oliver vor den Anderen lächerlich aussehen zu lassen. Ach wie gern wäre sie dabei gewesen, als er am nächsten Tag zur Schule flog, um die Gesichter derer zu sehen, die ihn zuvor auslachten. Sie war sehr stolz auf Oliver gewesen und sah darüber hinweg, dass er die Schule geschwänzt hatte. Er hatte niemals aufgegeben und sich seinen Herausforderungen immer gestellt. Eine Eigenschaft, die er von seinem Vater hatte. Schmunzelnd und vollbepackt, flog sie nach Hause. Dort angekommen, nahm ihr Mann ihr sofort den schweren Korb ab und sah, dass er bereits das Gemüse klein geschnitten hatte. Ihre Augen leuchteten vor Freude und machte sich sogleich ran, die eben gekauften Zutaten zu bearbeiten. Herr Fröhlich füllte währenddessen die leeren Pfeffer- und Salzstreuer wieder auf und verstaute die restlichen Gewürze ins Regal.

Gegen Mittag waren sie mit den Salaten, Appetithäppchen und Bouletten fertig und packten alles in den Picknickkorb. Ein paar Würstchen, Geschirr und Besteck, frischer gekühlter Früchtetee, gebackenes Brot, Brotaufstrich, sowie Ketchup und Senf landeten ebenfalls geordnet im Korb. Oben drauf kam noch eine Schüssel mit Obst und ein kleines Radio. Während Oliver schon mit Rucksack und Capi vor der Tür stand, schaute seine Mutter sich in der Küche nochmal um und vergewisserte sich, dass der Herd und alle anderen Elektrogeräte ausgeschaltet waren und nahm dann die Decke. Herr Fröhlich nahm den Korb und ging als Letzter aus dem Haus. Sogleich flogen alle drei los. Die Baumhöhle und der Garten wurden immer kleiner und entfernten sich allmählich aus Olivers Blickwinkel.

Der Park befand sich mitten in Käfercity. Wunderschön angelegt mit Pavillons, kleinen Cafés rund um einen künstlich angelegten See, eine riesige Spielwiese mit Spielplatz und nicht zu vergessen, als krönender Abschluss ein Springbrunnen, der verschieden farbige Wasserfontänen herausspritzte. Wie immer war der Park gut besucht und die begehrtesten Plätze schon besetzt. Der Park war für viele ein beliebtes Ausflugsziel. Für Geschäftsleute, die sich nach der harten Arbeit entspannen konnten, Familien mit ihren Kindern, Schulklassen oder Kindergartengruppen, Pärchen, Sportler und wer den Park sonst noch nutzte. Hier hatte man das Gefühl, die Zeit stünde still. Man konnte hier einfach einen schönen Tag verbringen, seine Sorgen hinter sich lassen, wie Oliver und seine Eltern es vorhatten. Beim Überfliegen des Parks entdeckten sie ein ruhiges und schattiges Plätzchen unter einer Kastanie. Frau Fröhlich landete als erste und breitete die Decke aus, so dass Oliver und sein Vater ihr Gepäck ablegen konnten.

Das Radio wurde auf den Klassiksender eingeschaltet und der Korb ausgepackt. Oliver holte sein Buch hervor, machte es sich auf der Decke bequem und fing an zu lesen. Seine Eltern unterhielten sich währenddessen über dies und das und auch das Treffen mit Frau Großmaul im Supermarkt wurde ausführlich diskutiert. Nachdem der Nachmittag angebrochen war und sie schon einige Runden Karten gespielt hatten oder einfach nur die Umgebung genossen, machte man sich über das leckere Essen her. Oliver aß gleich zwei große Portionen und kabbelte sich danach mit seinem Vater ein bisschen, während seine Mutter Fotos von den beiden machte. Sie fragte einen vorbeikommenden Jogger, ob er schnell mal ein Familienfoto schießen könnte. Er willigte ein und sie platzierten sich. Oliver in der Mitte, sein Vater zu seiner Rechten und die Mutter zur Linken. So hatte er sich den Tag vorgestellt.

Alle Parkbesucher waren so mit sich und ihren Familien beschäftigt, dass zunächst niemand die Rauchwolke bemerkte, die über die Spielwiese zog. Plötzlich schrie irgendjemand „Feuer“ und eine Welle der Panik machte sich breit. Jeder packte hastig seine Sachen zusammen und auch Frau Fröhlich ließ sich von der Hektik der Anderen anstecken. Herr Fröhlich hingegen beschwichtigte seine Frau ruhig zu bleiben und zu Oliver sagte er: „Hilf deiner Mutter bitte beim Zusammenpacken. Ich werde mal nachsehen, was da los ist.“ Sein Instinkt als Reporter war soeben erwacht. Er vergewisserte sich, dass Notizblock und Stift in seiner kleinen Gürteltasche waren und machte sich auf den Weg in die Richtung, aus der der Rauch kam. Ein guter Reporter hatte schließlich immer was zu Schreiben dabei; man wusste ja nie was passieren konnte oder auch nicht.

Dort angekommen, war schon die Feuerwehr in vollem Gange mit den Löscharbeiten. Er fragte den ihm am nächsten Stehenden. Es war der Besitzer des Cafés „Blumenkranz“ und erklärte, dass es einen Kurzschluss in der Küche gab und alles sofort Feuer fing. Während Herr Fröhlich alles notierte, jammerte Herr Kranz über sein schönes Café und wie lange es doch gedauert hat es so herzurichten. Ein Vermögen hat die Einrichtung und Restaurierung gekostet. Und bei der Eröffnung war die ganze Stadt versammelt, weil das Café als historisches Denkmal galt und jetzt würde nichts weiter als eine schwarze Ruine zurückbleiben. Herr Fröhlich konnte sich an die Fernseh- und Zeitungsberichte erinnern und auch daran, dass Herr Kranz eine Auszeichnung bekam für den Erhalt und Wiederaufbau des Cafés. Schade, hier hatte er so manche Stunden mit seiner Frau verbracht, bevor Oliver geboren wurde. Auch Krankenwagen und Polizei waren bereits vor Ort, doch stellte sich zum Glück heraus, dass niemand verletzt wurde und sich auch sonst keiner im Gebäude aufhielt. Denn schließlich wurde erst um die Zeit das Café geöffnet.

Mittlerweile hatte sich eine Käfermasse um das brennende Gebäude gebildet. Voller Entsetzen und Trauer darüber was hier in dem Augenblick geschieht. Auch Frau Fröhlich und Oliver kamen dazu, mussten sich allerdings einen Weg durch die Menge bannen, um zu ihm zu gelangen. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um eine Absperrung einzurichten. Es gab doch immer wieder Schaulustige, die etwas zu übermütig waren und sich dem Feuer bis auf wenige Meter näherten. Endlich bekam sowohl die Feuerwehr als auch die Polizei alles in den Griff und Herr Fröhlich ging zu seiner Familie zurück. Er musste sofort nach Hause, seinen Bericht schreiben, bat Oliver aber vorher noch ein paar Fotos zu machen. Dieser tat wie ihm geheißen und schoss Bilder von der Käfermasse, dem brennenden Haus, der Feuerwehr und Polizei. Auch von dem Besitzer, denn er wusste, dass sein Vater in solchen Dingen immer sehr penibel war und je mehr Material ein Reporter hatte, desto mehr Gewinn machte die Zeitung und in Folge dessen, verdiente er auch mehr daran.

Zu Hause angekommen, verschwand er mit Notizblock und Kamera in seinem Arbeitszimmer und telefonierte gleich mit der Redaktion. Der Bericht sollte noch heute in der Abendausgabe erscheinen und sogleich machte er sich nach dem Telefonat an die Arbeit. Er blieb den ganzen Tag in seinem Zimmer und nur ab und zu bekam man ihn zu Gesicht, wenn er sich eine Tasse Kaffee holte. Oliver schrieb alles in sein Tagebuch, mit dem letzten Satz >>…und das war der aufregendste Ausflug meines Lebens. << Er hatte am Samstag einiges zu erzählen, wenn er Sailor und Rico traf.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.02.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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