Bianca Hard

Blutige Tränen - Kapitel 1

 

Mit Gebrochene Flügel liege ich da.
Blutige Tränen hab ich vergossen.
Oh Herr der Finsternis
Wann wirst du meinen Ruf erhören?
 


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Kapitel 1 
 
 
 
„Nein hab ich gesagt!“ schrie Bianca und knallte die Tür von ihrem Zimmer zu und schloss ab. Wie sehr sie es hasste immer von ihrem Vater bevormundet zu werden. Immerhin war sie schon 23 Jahre alt. Auch wenn er ihr das Studium zahlte und ihr sonst an nichts fehlte, konnte sie es auf den Tod nicht ausstehen wenn er sie mal wieder herumkommandierte.
 
„Aber Bianca!“ Kam von es von vor der Zimmertür, „du brauchst das Training dringender als dir vielleicht Bewusst ist!“ Als Antwort, drehte sie ihre Musikanlage auf. Laut dröhnte das Lied von den Böhsen Onkelz >>Lieber stehend sterben, als Kniend Leben<< aus ihren Boxen und übertönten damit alles andere um sie herum. Seufzend legte sie sich auf den Bauch auf ihr Bett und blätterte in dem Buch das sie im Moment las. Ich liebte dieses Buch, ein junges Mädchen zog in eine andere Stadt zu ihrem Vater und lernte in der Schule einen interessanten Jungen kennen. Er war ein Vampir. Genauso wie seine Familie. Die beiden verliebten sich. Doch dann wollte ein anderer Vampir sie töten. In letzter Sekunde gelang es ihm dann aber seine Geliebte zu retten. Zwar war es eine etwas kitschige Teenager Geschichte, aber irgendwie gefiel sie mir trotzdem so gut das ich das Buch nun mindestens zum fünften Mal las.
 
Leise Seufzte ich.
 
Wie es wohl war jemanden zu finden den man wirklich liebte? Dem man restlos Vertrauen konnte? Konnte es so etwas überhaupt geben? Mit dem man einfach nur sein konnte? Der immer genau die richtigen Worte im richtigen Augenblick sagte und einem das Gefühl gab alles für ihn zu sein? – Nein so etwas gab es nicht.
 
Klar hatte Bianca schon den einen oder anderen Freund gehabt. Mit einem war sie sogar fast drei Jahre lang zusammen gewesen, aber so wirklich was Ernstes war es nicht. Sie zweifelte auch sehr daran dass es sich irgendwann einmal ändern würde. Gerade wenn man so einen errückten Vater und Bruder hatte die sich nachts auf Vampir- / Geister- und Werwolfjagd machten. Unglaublich das überhaupt jemand ernsthaft daran glaubte.
 

 
Während sie ihren Gedanken nachhing wurde es immer später. Als sie endlich mit dem Buch fertig war und auf die Uhr schaute, zeigte diese schon halb drei in der Nacht. Die Musik hatte sie zwischenzeitlich wieder leiser gemacht um ihren Vater dann doch nicht ganz zu verärgern.
 
Bei dem Gedanken daran dass sie morgen zur Uni musste wurde ihr schon fast schlecht. Wie sehr sie diese Lernerei satt hatte! Wäre es nach ihr gegangen dann hätte sie schon längst eine Ausbildung gemacht und einen gut bezahlten Job.
 
Sie war eh einmal gespannt wie es auf der Uni werden würde, den morgen, pardon, später war ihr erster Tag dort. Das war jetzt schon die dritte Uni auf der sie ist. Alle paar Jahre zogen sie um und ihr Vater wollte sie nie alleine zurück lassen. So musste sie wohl oder über mit.
 
Oh wie sehr sie es hasste wenn sie irgendwo neu war. Dann starrten sie immer alle an und versuchten freundlich zu sein, oder es wurde gleich ab dem ersten Tag über sie gelästert und sie total ignoriert.
 
Schon lange hatte sie es aufgegeben richtige Freunde finden zu wollen. Dafür war ihre Familie viel zu komisch. Und sie selbst wahrscheinlich ebenfalls.
 
Mit sorgenvollen Gedanken schlief sie ein.
 

 
Viel zu früh, klingelte ihr Wecker. Schlecht gelaunt stand sie auf, zog sich an, packte ihre Sachen und begab sich runter in die Küche. Ihr Bruder Mike war auch schon, oder immer noch wach. Jedenfalls begrüßte er sie fröhlich als sie in die Küche kam. Wie sehr sie es hasste wenn er gute Laune hatte. Sie verdrehte die Augen und murrte ein unfreundliches „Guten Morgen“ zurück.
 
Amüsiert schaute Mike mich an.
 
„Bist wohl mit dem falschen Fuss aufgestanden oder was?“ Grinste er. Sie warf ihm nur einen finsteren Blick zu und löffelte Lustlos ihr Müsli.
 
„Ach Schwesterchen...“ gespielt genervt stand er auf und legte ihr einen Arm um die Schulter. „... so schlimm wird es bestimmt nicht. Warte es ab! Dort gibt es bestimmt voll die süßen Typen!“ säuselte er. „Na toll, als ob das was bringen würde, bei der Familie.“ Grummelte ich zurück.
 
Er dagegen lachte nur und verschwand ins Wohnzimmer um die Morgen Nachrichten zu schauen.
 
Ein kurzer Blick von ihr auf die Uhr und sie wusste genau dass sie gleich am ersten Tag zu spät kommen würde. Leise Fluchte sie, nahm im hinausgehen ihren Schlüssel von dem Schlüsselbrett und ging zu ihrem Auto in die Garage.
Sie war stolz darauf den immerhin hatte sie es selbst bezahlt und ein bisschen umgebaut. Es war ein metallic blauer Ford Focus Sport.
 

 
Den Weg zur Uni fand sie dank ihres Navis ohne Probleme. Nur der Parkplatz war ein Problem. Weit und breit sah alles danach aus das alles besetzt war. Sie hasste diese Stadt jetzt schon.
 
Doch dann erblickte sie zwischen all den anderen Autos, alles schon ältere Modelle, einen lackschwarzen neuen BMW mit dunkel getönten Scheiben und direkt neben dran war wie durch ein Wunder noch ein Parkplatz frei.
 
Sie warf nur noch einen kurzen Blick auf ihren Plan und machte sich dann auf den Weg zu ihrem ersten Fach. Physik.
 

 

 

Gelangweilt saß er da. Er lauschte mit seinen Gedanken was seine Mitschüler im Raum alles dachten. Manchmal musste er einfach nur darüber schmunzeln wenn sie sich schon wieder Gedanken darüber machten ob ihre Frisur noch in Ordnung ist, oder wenn sie sich ärgerten dass ihnen wieder ein Nagel abgebrochen ist. Bei den Jungs waren es eher solche Fragen ob sie letzte Nacht gut genug im Bett waren und welche sie sich als nächstes ins Bett holen würden.
 
Typisch Mensch. So dumm wie Vieh. Und trotzdem auch manchmal faszinierend. Wie sehr sie sich in Kleinigkeiten vertiefen und vor allem erfreuen konnten. Für ihn hatte das alles an Reitz verloren. Tag für Tag, Nacht für Nacht hatte er Zeit. Und das unendlich viel. Am Anfang war das alles noch toll und neu und er konnte gar nicht genug von der Welt bekommen. Er wollte alles sehen und kennenlernen. Aber jetzt 356 Jahre später, ödete ihn das alles einfach nur noch an. Wie gerne würde er zur Abwechslung einmal schlafen und von vergangen Zeiten Träumen. Doch das war ihm nicht gegönnt.
 

 
Es hieß zwar in uralten Legenden dass sie schlafen könnten wenn sie ihren passenden Gegenpol gefunden hatten, aber er glaubte da nicht wirklich dran das er jemals seine „Auserwählte“ finden würde.
 
Kora und Ryan waren dafür aber der beste Beweis. Die zwei liebten sich abgöttisch und konnten fast keinen Augenblick ohne den anderen sein. Ihnen war es vergönnt zu schlafen und darin etwas Ruhe zu finden.
 
Aber für ihn hatte es das Schicksal wohl nicht so gewollt.
 

 
Halbherzig hörte Herrn Brown zu was er Ihnen dort vorne erzählte. Ein kurzer Gedanke an eine neue Schülerin die wohl noch nicht aufgetaucht ist, durchzucke seinen Geist. Bestimmt schon wieder so eine Tussi wie die anderen dachte sich Raffael gelangweilt.
 
In diesem Moment wurde die Tür zum Vorlesungssaal fast aufgerissen. Alle verstummten und schauten verwundert an die Tür. Auch Herr Brown.
 
„Ah das ist ja schön das ist ja schön das sie uns auch noch mit Ihrer Anwesenheit beehren!“ spöttisch schaute er das Mädchen an das eben den Saal betrat. Verärgert schaute diese ihn an.
 
„Tut mir leid aber ich war noch im Sekretariat.“ antwortete Sie.
 
„Ja das sagen sie alle. Jetzt beeilen sie sich und suchen sich einen Platz, damit wir endlich weiter machen können.“ Und schon wandte sich Herr Brown seinem Lehrstoff zu.
 
Raffael versuchte die Gedanken von dem Mädchen zu lesen. Doch irgendwie war es als ob sie eine Mauer in Ihrem Kopf hatte durch die er nicht hindurch konnte. Verwirrt runzelte er die Stirn. Das war ihm bisher noch nicht passiert. Eigentlich gab es kein Mensch der es beherrschte seine Gedanken zu verbergen. Irgendetwas an ihr war anders als an den anderen.
 
Noch während er sie beobachtete, wie sie sich einen Platz suchte und gerade seine Gedanken wieder zurückziehen wollte, zuckte sie zusammen und sah ihn direkt in die Augen. Hatte sie ihn etwa bemerkt?
 
Ein, zwei Sekundenlang starrte sie ihn nur an und setzte sich dann auf den nächsten freien Stuhl.
 
Er saß ihr jetzt im Rücken und konnte sie ideal beobachten. Na das scheint doch noch eine Interessante Stunde zu werden, dachte er sich. Und wieder strecke er seinen Geist nach ihr aus und wieder stieß er an diese Mauer.
 
Sie schien es wohl aus irgendeinem Grund zu spüren und schielte über ihre Schulter zu ihm hinüber.
 
Er erwiderte den Blick nur mit einem angedeuteten Lächeln. Sofort sah sie wieder weg. Marie saß neben ihr und versuchte ein Gespräch in Gang zu bringen. Doch Bianca, so hieß sie wohl, antwortete immer nur relativ kurz und knapp. Wenn er schon nicht Biancas Gedanken lesen konnte so konnte er trotz allem ihre Gespräche mit anderen durch ihren Gesprächspartner belauschen.
 

 

 

 

 
Es war noch nicht genug dass Herr Brown sie so vor der ganzen Klasse bloßstellte, nein, als sie an ihren Platz ging spürte sie plötzlich eine Berührung in ihrem Geist. Sie wusste sofort von wo die Berührung her kam und schaute direkt in zwei dunkelblaue leuchtende Augen. Sie gehörten zu einem unglaublich gut aussehenden jungen schlanken Mann der ein paar Tische weiter hinten saß.
 
Nur mit Mühe konnte sie sich losreißen. Am liebsten hätte sie nie wieder aufgehört in seine Augen zu schauen. Aber dennoch war ihr unheimlich zu Mute als sie ihn so anstarrte. Sie fühlte sich auf einmal bedroht.
 
Schnell setzte sie sich an einen Tisch neben einem nett aussehenden Mädchen. Dieses stellte sich als Marie vor und begann sogleich Bianca über ihr Leben auszufragen und achtete nicht mehr auf den Unterricht von Herrn Brown.
 
Bianca folgte ihr aber nur halbherzig. Der Typ hinter ihr beschäftigte sie immer noch. Und dann spürte sie es wieder. Und wieder kam es von ihm. Möglichst unauffällig schaute sie über ihre Schulter um ihn anschauen zu können und hoffte dass er ihren Blick nicht merken würde, doch sie hatte Pech.
 
Mit einem leichten spöttischen Lächeln blickte er sie direkt an. Schnell wandte sie sich wieder ab. Nicht das er sich noch etwas darauf einbildete.
 
Bianca versuchte sich daran zu erinnern was sie von dem Freund ihres Vaters gelernt hatte, sie versuchte nun ebenfalls ihn mit ihrem Geist zu berühren. Aber es wollte ihr nicht gelingen. Schon lange hatte sie es nicht mehr versucht, trainiert. Ein paar mal hatte sie es früher geschafft aber nur mit viel Ruhe und Konzentration. Doch hier, in diesem Raum fühlte sie sich von IHM beobachtet, Marie redete auf sie ein und das flaue Gefühl im Magen vor Aufregung an einer neuen Schule zu sein machte es ebenfalls schwerer. Sie kam noch nicht einmal über ihre eigene Gedankenmauer hinaus.
 
Seufzend gab sie es auf und schwor sich, zuhause die nächsten Tage damit zu beschäftigen.
 

 
Marie schien wohl doch nicht ganz so übel zu sein wie Bianca bisher dachte. Nach der Physikstunde, zeigte sie ihr wo sie als nächstes hin musste. So ging es den ganzen Vormittag weiter. Nur noch einen Kurs hatte sie mit dem Typen aus Physik, aber auch hier saß er so weit weg wie es ging und würdigte sie keines Blickes.
 

 
Als Bianca in der Mittagszeit mit Marie und ihren Freunden, Paul, Lukas, René und Nicole in die Cafeteria gingen, sah sie ihn ganz am Ende der Cafeteria sitzen. Aber er saß nicht alleine. Neben ihm saß eine Hübsche rothaarige, deren Haare ihr fast bist zur Hüfte reichten. Eben kam auch noch ein Blonder kräftiger Typ hinzu, der aussah als ob er ein Bodybilder wäre oder zumindest regelmäßig ins Fitnessstudio ging.
 
Alle drei zusammen stachen aus der Menge heraus wie bunte Hunde. Sie waren so unglaublich schön.
 
Vor lauter gucken wäre Bianca fast in das Mädchen vor ihr hineingerannt, das gerade mit seinem Tablett bezahlen gehen wollte. Zum Glück hatte sie Marie vorher am Arm festgehalten, weil sie gemerkt hatte dass Bianca nicht so recht bei der Sache war. „Hey alles ok mit dir?“ fragte Marie, „Ja, ... Ja alles ok...“ stammelte Bianca und konnte sich endlich von dem Anblick der drei losreißen. Marie grinste sie an. „Ich kann mir schon denken wenn du da so angestarrt hast. Das macht jeder der neu hier ist.“ Meinte sie. „Was? Wenn den?“ verwirrt sah Bianca sie an. „Na die drei Badricks, natürlich!“ und deutete auf den Tisch mit den dreien, den sie eben noch angestarrte hatte.
 
„Badricks...“ wiederholte Bianca den Namen leise.
 
Marie lachte, „Komm lass uns zu den anderen gehen, bevor das Essen kalt wird. Dann erzähl ich dir was über SIE.“ Mit diesen Worten ging sie zu dem Tisch an denen der Rest von ihnen schon saß.
 
„Also“ begann sie, „die Badricks sind Geschwister...“ „Oh nein“ stöhnte Nicole auf „Nicht schon wieder diese Geschichten über DIE. So langsam hab ich es echt satt das jeder sie bewundert und so tut als wären sie was Besonderes!“
 
Bianca hörte aus Nicoles Worten mehr als nur das gesagte, wahrscheinlich war sie wohl schon bei ihnen abgeblitzt.
 
„Ist doch egal. Außerdem kennt Bianca die Geschichten noch nicht.“ Schaltete sich René ein. Bianca nickte zustimmend. Sie wollte unbedingt mehr von ihnen erfahren.
 
„Also noch mal, die drei sind Geschwister und wohnen irgendwo außerhalb der Stadt. Ihr Vater, wenn man ihn so nennen kann Arbeitet hier an der Uni als Professor. Glaub mir, wenn du den gesehen hast dann kannst du an nichts anderes mehr denken!“ schwärmte sie. „Marie hör auf mit deinen Schwärmereinen und erzähl weiter!“ meinte Paul.
 
„Leute ich tu mir das jetzt nicht an. Wir sehen uns später.“ Sichtlich genervt stand Nicole auf und verschwand aus der Cafeteria.
 
„Naja jedenfalls, haben Prof. Badrick und seine Frau die Drei adoptiert als diese noch ganz klein waren. Ja und seitdem leben sie bei ihnen. Die ganze Familie ist irgendwie sonderbar. Sie bleiben meistens unter sich und man hat kaum eine Chance sich mit ihnen zu unterhalten.“ Fuhr Marie fort.
 
Glücklicherweise saß Bianca genau so, das sie den Tisch der Badricks ohne Probleme beobachten konnte. Bei Maries letzten Worten hob der Typ aus dem Physikunterricht den Kopf und schaute zu ihnen herüber. Seine dunkelbraune Haare waren hingen ihm frech ins Gesicht. Im Gegensatz zu seinem Bruder wirkte er schon fast schmächtig. Schon wieder lag ein Grinsen auf seinen Lippen.
 
Mit seinen durchdringenden Augen schien er schon fast durch Bianca hindurch schauen zu können. Ein Schauer lief ihr über den Rücken.
 
„Wie heißt den der mit den dunkelrotbraunen Haaren?“ fragte Bianca ohne den Blick von ihm wenden zu können. „Oh ja das ist Raffael. Der jüngste von den dreien. Ich glaube er ist 25 oder so. Und so ziemlich jedes Mädchen hier würde seine Seele dafür geben wenn sie seine Aufmerksamkeit bekommen würde. Aber sie sind ihm wohl alle nicht gute genug. Die kleine Schwarzhaarige ist Kora. Sie ist mit Ryan zusammen. Der Typ der aussieht wie ein Bodybilder.“ Endete sie.
 

 
Der restliche Tag verflog wie im Flug. Bianca konnte an nichts anderes mehr denken als an diese wunderbaren Augen von Raffael, auch wenn sie ihr ein bisschen Angst machten. In keinem der Kurse die sie an diesem Nachmittag hatte war er dabei. Jedes mal wenn sie einen neuen Raum betrat, hielt sie als erstes Ausschau nach ihm. Wurde aber immer wieder enttäuscht.
 

 
Nach der letzten Stunde wollte sie nur noch nach Hause. Sie war müde von dem langen Tag und den ganzen neuen Eindrücken.
 
Sie war schon fast am Parkplatz angekommen als die drei Badricks vor ihr ihren Weg kreuzten.
 
Ein Windstoß von hinten riss Bianca fast die Zettel aus der Hand, die sie mitgenommen hatte um sich über die verschieden Clubs an der Uni zu Informieren. Die Badricks vor ihr blieben wie angewurzelt stehen.
 
Erschrocken von ihrer Reaktion blieb auch Bianca einige Meter von ihnen entfernt stehen und starrte sie an. Blitzschnell drehte sich Raffael zu ihr um. Er hatte seine Zähne gefletscht und funkelte sie wütend an. Seine Augen, die sie den ganzen Tag als ein schönes dunkelblau wahrgenommen hatte, waren nun fast schwarz. Ein dunkles, angst einflößendes Knurren kam aus seiner Kehle. Auch seine Geschwister hatten sich nun zu ihr umgedreht und starrten sie an. Fast war es so, als wollte sich Raffael auf Bianca stürzen.
 
Doch Kora erwachte als erste die aus ihrer Starre, packte Raffael am Arm und zog ihn rum in Richtung Parkplatz. Schon fast sah es aus als ob sich Raffael aus ihrem Griff befreien würde, doch da packte ihn auch schon Ryan am anderen Arm und schleifte ihn mit sich.
 

 
Total verwirrt stand sie da. Die Badricks waren schon verschwunden. Hatte sie sich das eben nur eingebildet? Nein. Das glaubte Sie nicht. Aber die ganze Situation hatte zwar nur wenige Sekunden gedauert aber keiner der anderen Schüler schien das ganze mitbekommen zu haben.
 
Grübelnd ging sie zu ihrem Auto. Der schwarze BMW war schon weg. Und was ist wenn diese Visionen wieder anfangen, die ich früher immer so oft hatte? Warum gerade jetzt? Wo ich doch so lange Zeit ruhe davor gehabt hatte!
 
Nachdenklich fuhr sie nach Hause und beschloss niemanden von dem Vorfall zu erzählen. Wahrscheinlich hatte sie es sich wirklich nur eingebildet und würde nur wieder belächelt werden wenn sie es erzählte. So wie früher.
 

 

 

 

 
„Was sollte das eben?!“ schimpfte Kora los als alle drei in dem schwarzen BMW saßen. Ryan saß still auf der Rückbank, beobachtete aber seine „Geschwister“ ganz genau. Raffael seufzte genervt. „Ich weiß es doch selbst nicht. Ich hab sie auf einmal gerochen und konnte einfach nicht anders! Das ist mir noch nie, NIE passiert!“ wütend auf sich selbst und auf alle anderen motzte er zurück. „Und ich hoffe das passiert dir auch nie wieder! Verdammt, verdammt, verdammt!“ die sonst so ruhige, beherrschte und freundliche Kora spuckte nun einen Fluch nach dem anderen raus.
 
Raffael ignorierte sie einfach. Sie würde sich schon wieder beruhigen. Irgendwann. Was ist nur über mich gekommen, das ich auf einmal auf einen menschlichen Geruch so intensiv reagiere? Ich war doch erst vor ein paar Tagen auf der Jagd gewesen! – Aber sie roch so gut! So verführerisch. Ihr Geruch hing ihm immer noch in der Nase. Er spürte wie sein Blutdurst wieder stärker wurde und versuchte ihn zu kontrollieren indem er an etwas anderes dachte.
 
Kora raste durch die Stadt. Mühelos wich sie den anderen Autos aus. Nach einer Ewigkeit wie es ihm schien, gelangten sie endlich außerhalb der Stadt. Sie hatte sich so langsam wieder beruhig und redete nun in ihrem gewohnt ruhigen und beherrschten Ton.
 
„Keine Angst wir kriegen das in den Griff. Die anderen um uns herum haben es zum Glück nicht registriert. Aber wir müssen unbedingt sicher gehen das diese Bianca nicht davon erzählt. Ryan das ist deine Aufgabe.“ Kora schaute durch den Rückspiegel zu ihrem Geliebten. „NEIN.“ Raffaels stimme durchschnitt förmlich die Luft. „Das ist meine Sache, ich werde das erledigen.“
 
Ungläubig starrten die beiden anderen ihn an. „Das ist doch hoffentlich jetzt nicht dein Ernst oder?“ fragte Kora. „Ey Mann, komm ich hab damit echt keine Probleme, du weißt das ich dir eh noch einen Gefallen schulde.“ Ryan freue sich anscheinend schon richtig darauf, doch das konnte Raffael nicht zulassen.
 
„Ryan ich weiß, aber ich muss damit alleine klar kommen. Es kann doch nicht sein das mich ein MENSCH so dermaßen aus der Fassung bringt!“
 
„Ich denke wir sollten vielleicht als erstes mit Calvin und Tasha reden und dann entscheiden was wir machen sollen.“ Kam es nun von Kora. Sie bog geschickt um die letzte Ecke und kam vor dem Haus zum stehen.
 

 

 

 

 
Die Woche verstich im nu. Ihr einsames Training zuhause wollte auch nicht so recht funktionieren. Noch immer blieb sie immer wieder an ihrer Gedankenmauer hängen. Ihren Vater wollte sie nicht fragen, da er von diesem ganzen Hexereikram, wie er es nannte nicht viel hielt.
 
Bianca sah Raffael immer nur ganz kurz in der Cafeteria. Ansonsten umging er sie immer in einem größtmöglichen Bogen. Auch seinen Geist spürte sie nicht mehr in ihrem Kopf.
 
Dennoch kreisten ihre Gedanken nur um ihn. Er war ihr ein Rätsel. Selbst ihre neuen Freunde bemerkten das sie nicht ganz bei der Sache war.
 
„Wie sieht es aus, hast du Lust mit uns heute Abend in Honey Blood zu gehen?“ wurde sie am Freitagmittag von Marie gefragt. „Wer geht den noch alles mit?“ erkundigte sie sich. „Nur wir sechs. Also Paul,“ sie grinste frech, „René und Nicole und Lukas dann noch.“
 
Etwas Besseres hatte Bianca eh nicht vor und wieder einmal alleine zuhause rum sitzen wollte sie auch nicht, also sagte sie zu. „Oh super!“ Marie schien sich wirklich zu freuen, „Dann holen wir dich heute Abend um elf ab ok?“
 
„Ja ok.“ Sie freute sich schon auf die Abwechslung und konnte es gar nicht mehr erwarten bis es Abend wurde.
 

 
Endlich zuhause, durchwühlte sie als erstes ihren Kleiderschrank. Was soll ich bloß anziehen? Dachte sie sich. Was das wohl für ein Club war? Mit dem Namen Honey Blood? Hoffentlich rannten dort nicht nur Spießer rum! Oder Gruftis oder so...
 
Zwar war sie selbst mehr oder weniger eine Hexe, aber mit den Gruftis und Gothics hatte sie nur wenig am Hut. Oh ja das ist es! Und griff zu einer Art Korsage Top, das sie schon lange nicht mehr angehabt hatte. Vorne hatte es einen Reisverschluss, das Top war mit ein paar Nieten versehen und hatte einen Kragen. Es war ärmellos und zum Glück nicht Bauchfrei. Genau das richtige für heute Abend! Dazu dann noch meine Schlagjeans und die weißen Turnschuhe.
 

 
Sie war zufrieden mit ihrer Auswahl und legte alles auf einen Stuhl um es für später parat zu haben.
 
Sie ging runter in die Küche um das Essen zu machen. Ihr Vater und ihr Bruder müssten auch bald wach werden. Ja seitdem die beiden fast nur noch Nachts unterwegs waren und  Tagsüber dann schliefen, war sie fast den ganzen Tag mehr oder weniger alleine. Und seit ihre Mutter gestorben ist machte sie den Haushalt und so auch das Essen.
 
Während die Steaks in der Pfanne brieten und die Pommes in der Friteuse vor sich hin brutzelten, schnappe sie sich noch schnell die Wäsche und stopfte sie in die Waschmaschine.
 
Verschlafen kam auch schon ihr Vater in die Küche. „Guten Morgen Dad, begrüßte sie ihn gut gelaunt. „Oh, du bist ja heute gut drauf, ist irgendwas besonderes passiert?“ fragte sie ihr Vater leicht verwundert.
 
„Ach Dad heute ist doch Freitag und Marie hat mich gefragt ob ich heute abend mit in einen Club hier in die Stadt komme. Und da ich ja eigentlich eh nichts besseres zu tun habe habe ich ja gesagt.“
 
„Mh, ich weiß nicht Bianca, ich hab kein gutes Gefühl dabei wenn du heute Nacht weg gehst. Weißt du wir haben in letzter Zeit hier viele Hinweise gefunden....“
 
„DAD! Hör endlich auf mit deinen Geistergeschichten! Ich werde nicht schon wieder nur hier rumzusitzen und mir davon MEIN Leben versauen lassen!“ unterbrach sie ihn wütend. „Aber Schatz, ich, wir wollen dir doch nichts böses! Es ist gefährlich hier einfach so Nachts hier herum zu laufen! Die Vampirrate muss wohl verdammt hoch sein!“
 
„NEIN! HÖR ENDLICH DAMIT AUF! Es GIBT KEINE VAMPIRE! WEDER HIER NOCH SONST WO!“schrie sie ihn an. „An Vampire und Werwölfe willst du nicht glauben, aber das du eine Hexe bist, Gedanken lesen kannst und sogar zum Teil die Zukunft sehen kannst, daran glaubst du natürlich!“
 
Jetzt reichte es ihr.n und stapfte wütend die Treppe hoch in ihr Zimmer und schrie  zurück, „Das ist etwas völlig anderes!“ und warf die Tür so fest zu wie sie konnte. Mal wieder drehte sie ihre Musik so laut auf wie es ging. Sie wollte nicht darüber streiten, was sie oder auch ihre Mutter war. Zu oft hat es dieses Gespräch schon gegeben. Seufzend ließ sie sich auf ihr Bett nieder und nahm ihr Buch in die Hand. Sie hatte noch einige Zeit bevor Marie und ihre Freunde sie abholen würden. Hausaufgaben hatte sie keine mehr also konnte sie sich auch noch genauso gut in ihr Buch vertiefen.
 

 
Schneller als ihr schon fast lieb war, wurde es Zeit sich anzuziehen und fertig zu machen. Marie würde in einer halben Stunde da sein.
 
Endlich fertig schlich sie sich leise die Treppe hinunter. Sie wollte nicht unbedingt ihrem Vater oder Bruder über den weg laufen. Aus dem Wohnzimmer drangen die leisen Geräusche vom Fernseher und leises Gemurmel. Ganz leise nahm sie ihre Jacke von der Gardarobe und den Schlüssel vom Brett und trat eiligst auf die Strasse hinaus. Kaum war ich an der Ecke von meinem Block hörte ich ein Auto hinter mir. Marie.
 

 
Der Club in den sie mich schleppen lag im Industriegebiet am anderen Ende der Stadt. Überall nur alte Lagerhäuser, nirgends Wohnungen oder sonstige Anzeichen dafür dass hier nicht nur Obdachlose wohnten.
 
Der Club Honey Blood war nicht schwer zu finden. Über dem Eingang prangte ein blutrotes Neonreklame Schild, davor stand schon eine beachtliche Schlange von ca. 20 Personen die darauf warteten endlich eingelassen zu werden. Nachdem wir einen Parkplatz um die Ecke des Blocks gefunden hatten, machten wir uns auf den Weg in Richtung Eingang. Die anderen blödelten die ganze Zeit rum, nur Lukas war ungewöhnlich still und beobachte Bianca unauffällig aus den Augenwinkeln. Bianca merkte davon aber nichts. Sie fühlte sich auf einmal beklommen. Ihr war unwohl bei dem Gedanken in diesen Club zu gehen.
 
Dank Nicoles großen Bekanntenkreis, brauchten die sechs nicht lange warten und wurden ruck zuck von den Türstehen hineingelassen, auch den Eintritt brauchten sie nicht zu bezahlen, dank Nicoles Einfluss auf die Gästeliste zu kommen.
 
Als sie dann durch den Vorraum zu dem Hauptraum gingen wurde die Musik immer lauter. Man spürte jeden einzelnen Bassschalg in seiner Lunge. Die anderen waren jetzt erst Recht aus dem Häuschen. Auch Lukas hatte sich nun anstecken lassen und nahm Bianca am Arm um sie in dem Gedränge nicht zu verlieren. Sie machten sich auf zu ihrem Stammplatz auf einer der Emporen des Clubs.
 
René und Nicole verzogen sich tiefer in ihre Ecke um etwas ungestörter zu sein. Marie und Paul verschwanden nach einer halben Stunde grinsend nach unten.
 
Bianca beobachtete das Treiben unten auf der Tanzfläche. „Und gefällts dir?“
 
Erschrocken sah sie zu ihrer Rechten. Dort stand Lukas freundlich Lächelnd, dicht neben ihr. Damit sie ihn besser verstehen konnte hatte er sich nah zu ihrem Ohr gebeugt. Jetzt da sie registriert dass er so dicht neben ihr stand, machte ihr Herz einen kleinen Satz. Ihre Arme berührten sich und so konnte sie die Wärme seiner Haut an ihrer deutlich spüren.
 
Schüchtern nickte sie mit ihrem Kopf. „Magst du was trinken?“ fragte er sie. „Ähm, ja eine Dose Red Bull würde nehmen.“
 
„Ok bin gleich zurück.“ Und lies sie stehen um sich an die Bar durchzukämpfen.
 
Oh je! Dachte sie sich, ob er wirklich an mir Interesse hat? Das kann ich mir gar nicht so recht vorstellen. Immerhin sieht er schon verdammt gut aus. Ein Bild von einem anderen Jungen Mann mit dunkelblauen Augen durchzuckte ihr Gehirn. Nein. Der hatte bestimmt kein Interesse an mir. Aber Lukas... er scheint ja echt nett zu sein. Morgen muss ich unbedingt Marie über ihn ausfragen!
 
Nur wenige Minuten später stand er wieder neben ihr. Diesmal sah sie ihn aufmerksamer an. Er war groß. Mindestens 1,85 m der er überragte sie um fast einen Kopf. Er war zwar schlank, aber nicht mager. Trainiert eben. Seine dunklen Haare waren nicht ganz kurz aber auch nicht ganz lang und rahmten sein gebräuntes Gesicht wunderbar ein. Lukas hatte ein markantes männliches Gesicht mit sinnlichen Lippen und hellbraune Augen. Schmetterlinge machten sich in Biancas Bauch breit und zeigten sich in Form eines Lächelns auf ihrem Gesicht.
 
Lange unterhielten sich die beiden und kamen sich dabei immer ein Stückchen näher.
 
Und dann ganz plötzlich spürte Bianca etwas. Irgendetwas war anders. Was das konnte sie nicht sagen. Sie überkam eine innerliche Unruhe, die sie fast nicht mehr beherrschen konnte.
 

Der erste Teil ist zu Ende, aber die Geschichte geht weiter!
Über Kommetare würde ich mich freuen!
Bianca Hard, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.02.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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