Steffi Pilz

Good Morning, America

Lange Zeit schien es ein Traum bleiben zu müssen... eine USA-Reise... erst standen Mauern im Weg, dann war es der finanzielle Aspekt. Aber 1993 ging es doch (endlich!!!) auf große Tour.

Bei der Planung half mir ein Prospekt der "Dude Ranchers' Association", in dem ich unheimlich viele Ranch-Adressen und -Infos fand. Denn ich hatte beschlossen, die Hälfte der Zeit auf Ranches zu verbringen.

Flug nach Newark, Einquartierung für die erste Nacht in einer Jugendherberge in Manhattan, ein nächtlicher Central-Park-Bummel mit einem in der Jugendherberge getroffenen Hamburger. So begann das "Abenteuer Amerika".

Per Greyhound ging es dann über Cleveland, Chicago, Minneapolis nach Billings, Montana. Für die Fahrten mit den Greyhound-Bussen hatte ich mir schon in Deutschland die günstigen "Ameri-Pässe" besorgt, mit denen man 4/7/14 oder 30 Tage auf allen Strecken uneingeschränkt fahren kann. Diese Pässe muß man sich unbedingt vor der USA-Reise besorgen. Sie sind in den USA nicht erhältlich!

Ein paar Tage zum "Eingewöhnen" in Billings, ein kurzer Trip zum Little Bighorn Battle Field, dann wurde ich abgeholt. Wir fuhren nach Lovell, Wyoming auf die Schively Ranch, zum Cattle Drive. Mit ca. sechshundert Kühen und Kälbern ritten wir von der Farm in Wyoming in Richtung Norden durch die Wild Horse Range, entlang der Pryor Mountains auf die Sommerweiden zu den Ranches in Montana.

Während des Trecks wurde in Tipis übernachtet, auf der Dryhead Ranch angekommen bezogen wir für die restlichen 3 Tage ein zünftiges Bunkhaus. Jetzt waren wir damit beschäftigt, nach ausgerissenen Bullen zu suchen, Kühe und Kälber zu impfen, Ohrmarken zu checken. Einfach gesagt: Cowboy-Jobs waren zu erledigen.
Wunderbare Landschaft, super Pferde (ca. fünfundachtzig Quarter Horses), tolle Versorgung. Als es nach einer Woche wieder zurück nach Billings ging hätte ich viel drum gegeben, noch eine Woche bleiben zu können. Der nächste Viehtrieb war leider schon ausgebucht. Und so meldete ich mich für 1994 an. Schon nach einer Woche hatte mich die "Amerikanitis" voll erwischt.

Von Billings aus machte ich eine kleine Tour in die Black Hills, South Dakota. Natürlich Mount Rushmore, Crazy Horse Monument. Dann fuhr ich wieder in Richtung Westen. Trotz Buspass versuchte ich es mit trampen. Per Truck - natürlich! Und hatte Erfolg. Wenn es auch nicht grad' einfach ist, einen Fahrer zu finden, der Fremde mitnimmt. Die Versicherungen haben zu strenge Bestimmungen. Es war einfach irre, im Riesen-Truck über die Highways zu fahren... Da ich keine feste Route hatte fuhr ich einfach mit, wohin mich jemand mitnahm. Und so landete ich in Denver, Colorado.

Da mir der Bus nach Laramie vor der Nase weggefahren war und ich eh' den Buspass hatte fragte ich nach dem nächsten Bus in Richtung Westen und landete so in Salt Lake City. Die Fahrt über die Rockies war unheimlich beeindruckend. Nach einer Stippvisite auf dem Truck Stop "Little America" (= größter Truck Stop der Welt) schaffte ich es dann doch irgendwie, noch pünktlich in Laramie zu sein.

Da durch einen Sturm die Telefonleitungen defekt war, konnte ich meine nächste gebuchte Ranch nicht erreichen. Sie wollten mich von Laramie abholen. Aber wann und wo?!? Kein Problem. Ich hatte die Adresse, die Ranch sollte bei Tie Siding sein. Und so ging es mal wieder per Anhalter los.

Als ich in Tie Siding ankam goss es in Strömen. Das ganze "Dorf" bestand aus einem Antik-Shop mit Getränke- und Süßwaren-Verkauf, einem Feuerwerks-Shop und einem Wohnhaus. Man sagte mir, es wären nur noch etwa 4 Meilen bis zur Ranch. Die Hälfte der Strecke "dirt road". Und immer noch keine Telefonverbindung. Na, super. Und nun kam wieder mal die wunderbare Hilfsbereitschaft ins Spiel ... man fuhr mich zu Ranch raus!

Das gab ein Riesenhallo, als ich auftauchte. Weil nämlich jemand von der Ranch in Laramie war, um mich zu suchen. Er kam dann irgendwann abends und hatte wirklich herausgefunden, daß ich in Laramie war, zur Ranch will und per Anhalter fahre.

Die Woche auf der Two Bars Seven Ranch verging auch viel zu schnell. Ich war einzigster Gast, da es noch sehr früh in der Saison war. Ab dem zweiten Tag war es (freiwilligerweise!) "mein Job", die für den Tag benötigten Pferde aus den Bergen zur Ranch zu treiben. Viel reiten, Vieh treiben, ein paar Ausritten mit "Tages-Gästen". Ansonsten war es mir freigestellt, mich zu erholen oder beim Arbeiten zu helfen. So waren wir tagelang mit Zäune-reparieren beschäftigt. Dieses Mal konnte ich den Abschied aber eine Weile herausschieben ... eine Verlängerungswoche war möglich."Strawberry", mein Lieblings-Reittier, hätte ich am liebsten mitgenommen.

Der nächste Urlaub auf der Ranch war leider nicht mehr so toll und nach meiner Stippvisite im Herbst 2002 beschloss ich, diese Ranch nicht mehr zu besuchen. Gut, tolle Landschaft, gute Pferde. aber die Launen und Marotten der Inhaber brauche ich mir in meinem Urlaub nicht mehr antun.

Wohin ging es dann? Wieder mal ein Stück in Richtung Norden. Ich fuhr zur Covered Wagon Ranch in der Nähe von Bozeman, Montana. Das war keine Cattle Ranch sondern "nur" eine Gast Ranch am Rande des Yellowstone Nationalparks, in den auch einige der wunderbaren Ausritte gingen.

Reiten soviel man wollte; zwei Halbtagesritte oder ein Ganztagesritt waren ständig im Angebot. Inzwischen war es Mitte Juni und trotzdem ging es manchmal durch solch hohen Schnee, dass die Pferde kaum vorwärts kamen.
Nach der Woche auf dieser Ranch kam "Pferde-freie Zeit": per Greyhound nach Portland, Oregon, den Küsten-Highway 101 runter bis kurz vor San Francisco, ein Abstecher zum Lake Tahoe... Als alter "Bonanza"-Fan kann man doch nicht an der Ponderosa Ranch vorbei fahren. Dort war man grad' bei den Dreharbeiten für die Filme über die Cartwright Familie / die nächste Generation.

Weiter ging es nach San Francisco. Diese Stadt wäre es wert gewesen, länger zu bleiben. Aber leider war ich in Zeitdruck, da ich mit einer Freundin in L.A. verabredet war. So blieb ich nur zwei Tage. Gleich in der Nähe der Jugendherberge fand ich einen Club, wo abends Live-Musik lief. "Today in Concert: Neil Young". WOW!!! Tja, Glück muss man haben!

Am nächsten Tag fuhr ich weiter nach L.A. ... Ein paar Tage ausruhen vom "Reise-Stress", baden, Freunde treffen, die wirklich sehenswerten "Universal Studios/Hollywood" besuchen...

Und weiter ging die Reise über Riverside, Kalifornien (Besuch bei Freunden) nach Flagstaff, Arizona. Eigentlich wollte ich weiter nach Texas, dann Louisiana, Kentucky. Aber der "Stadt-Frust" hatte mich gepackt. Also buchte ich mich in einer völligen Blitzaktion auf einer Ranch in der Nähe von San Antonio, Texas ein. Es waren exakt fünf Minuten von Entschluss-Fassung bis zur Abfahrt des einzigen Busses zum Grand Canyon. Und ich schaffte es, die Leute von der Ranch zu erreichen, mich anzumelden und dann den Bus zu erwischen.

Eigentlich wollte ich einen Muli-Ritt in den Grand Canyon mit machen. Aber das war schon auf Monate hinaus ausgebucht. Wenn man ein paar Tage in einem der Hotels am Grand Canyon ist kann man sich auf eine Warteliste eintragen lassen und muss dann also Tag für Tag hingehen und abwarten, ob jemand den Ritt absagt. Nun ja, eine kleine Chance wäre es gewesen. Aber Zeit war wieder mal knapp ... und außerdem herrschte Mitte Juni schon oben am Canyon-Rand solch eine Affenhitze, dass ich es doch vorzog, nur einen Ritt am Rande des Canyons entlang mitzumachen und später ein bisschen herumzuwandern. Der Ritt war etwas langweilig. Touristenpferde und Mulis halt, die einfach in einer Reihe latschten. Man war Passagier, das war's.

Das IMAX Kino sollte man unbedingt besuchen!!!

Mit dem Abendbus fuhr ich wieder nach Flagstaff zurück und weiter in Richtung Texas. Da wir kurz vor San Antonio in einem Stau steckten verpasste ich meinen (lokalen) Anschlussbus. Kein Problem! Ein Busfahrer sagte, er würde die selbe Route fahren, aber eigentlich nicht in Hondo halten. "Mein Gott, da mache ich einfach mal einen Extra-Halt. Ehe Du sechs Stunden auf den nächsten Bus warten musst!" ... Wunderbar!

Von Hondo aus wurde ich abgeholt. Und wieder war reiten angesagt. Ich bekam einen braunen Wallach als "eigenes Pferd" für die Woche. Mit "Umtauschrecht". Aber nach dem ersten Testritt habe ich meinen "Tequila" nicht mehr heraus gerückt.

Die "Silver Spur Ranch" ist auch "nur" eine Gast Ranch. Sogar noch etwas komfortabler als die "Covered Wagon Ranch". Und bei dem heißen Texas-Wetter ließ man sich den Swimming Pool auch gefallen, den man im kühleren Montana nicht vermisste. Auf "Silver Spur" ist man auch auf Familien mit Kindern eingerichtet.

Das Reitgelände ist nicht so schwer wie in Montana oder Wyoming. Wen wundert es: ich buchte drei Tage nach. Und musste mich dann unheimlich beeilen, dass ich meinen Flieger in New York erwische.

Diese Ranch werde ich aber auch nicht mehr besuchen, es störte mich etwas, dass die Rancherin mich bei der Rückfahrt zu den Zeugen Jehovas bekehren wollte. Sorry, so bitte nicht!

Insgesamt war ich zwölf Wochen unterwegs. Und - wie schon geschrieben - die Hälfte der Zeit auf Ranches.

Was für alle Ranches gilt: Man gibt sich unheimlich Mühe mit dem "Gäste-Betrieb". Super Service, tolles Essen, die Quartiere sind rustikal, aber doch mit Komfort. Oft mit eigenen Badezimmern. Es war unheimlich einfach, mit den Pferden umzugehen. Ich bin während der gesamten Zeit kein einziges Mal "abgestürzt", obwohl ich nur zu den Freizeit-/Gelegenheits-Reitern zähle. Und im gesamten Gäste-Reitbetrieb wurden wunderbar ausgebildete Pferde eingesetzt. Meist Quarter Horses, Appaloosas. Einige Araber, mexikanische Pferde,...

Die Ranch-Urlaube sind auch für Anfänger kein Problem, bei den Cattle Drives sollte man dagegen schon etwas Erfahrung und Ausdauer haben, da oft acht bis zehn Stunden am Tag geritten werden. Ohne Pause; abgesehen von einer kurzen Rast zum "Futter-Fassen" für die Reiter.

"Cowboy for a Week" ... wenn ich das auf "Schively" gekaufte Video sehe packt mich die Reisewut. Aber ich weiß: nicht mehr lange, dann bin ich wieder dort... Für 1994 sind "Schively" und "Two Bars Seven" schon gebucht. Und dann vier Wochen auf einer "ganz echten" Ranch, wo es eigentlich keinen Gästebetrieb gibt. Sozusagen zwei Monate "Wilder Westen pur"

Und die nächsten Jahre? ... Wie ging es weiter?
GO WEST! ... Amerika! Was sonst?!?

www.pony-post.de/ranchgeschichten

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.11.2002. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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