Sven Wagner

Der dunkle Engel

Es war einmal ein Engel,der lebte im Himmel. Der Engel war traurig und einsam,weil ein dunkler Schatten auf seiner Seele lag. Er konnte die Freude nicht so fühlen wie all die anderen Engel. Und die anderen Engel mieden ihn.Gleichsam als könnte seine schwarze Seele ihre verderben.

Und so wurde der Engel zornig. Er trat vor Gott und schrie :
"Warum? Warum hast du mich auf diese Weise erschaffen? Warum muss ich so leben?"
Und Gott wendete sein Antlitz und schaute auf ihn herab.
Er sprach : "Also bist du endlich gekommen"
Der Engel wusste nicht,was er mit diesen Worten anfangen sollte.
Und er fragte Gott :"Wie meinst du das? Du hast erwartet,das ich zu dir kommen würde?"
Gott nickte und sprach "Ja.Ich habe dich früher erwartet. Aber ich habe dich stark gemacht.Damit du das Leiden lang genug ertragen kannst"
Der Engel war erschüttert und Tränen rannen seine Wangen hinab.
"Du wolltest mich von Anfang an leiden lassen? Es war noch nicht einmal ein Fehler. Du wolltest das ich bin wie ich bin...warum? Warum sollte irgendjemand so etwas wollen?"
Und Gott weinte mit dem Engel und antwortete "Es schmerzte mich dich leiden zu sehen. Aber es musste so sein.Du hast eine Aufgabe. Und keiner deiner Brüder kann sie erfüllen. Weil ich sie nicht dafür erschaffen habe"
"Aber welche Aufgabe? Ich habe niemals nach so etwas gefragt. Ich habe es niemals gewollt. Und ich kann nicht hier leben."
Und Gott sprach "Nein,du kannst hier nicht leben. Es war niemals beabsichtigt,das du hier lebst."
Der Engel war voller Verzweiflung. Er wendete sich von Gott ab und ging.
Und Gott sass dort schluchzend und flüsterte "Leb wohl mein Kind. Unsere Liebe wird dich schützen"

Der Engel wanderte durch die Ebenen von Raum und Zeit. Er suchte einen Platz den er Heimat nennen konnte. Aber wo auch immer er hinkam,kein Ort schien zu passen. Etwas fehlte immer. Und so zog der Engel weiter.
Er kam an dunkle Orte.Das Chaos wirbelte um ihn herum.Es verletzte seine Flügel aber der Engel kümmerte sich nicht darum. Wenn er keinen Ort zum rasten fand würde er sie sowieso nicht brauchen. Das Böse drang in seinen Körper aber der Schatten auf seiner Seele schützte ihn. Er hiess die Dunkelheit willkommen und umarmte sie. Und sie konnte seinem Innersten keinen Schaden zufügen.

Er kam an einen trostlosen und einsamen Ort.Es war dunkel und gefährlich hier aber der Engel war so müde.Er musste sich ausruhen. Er wusste nicht ob es eine ewige Ruhe sein würde aber er wollte auch nicht endlos durch die Ebenen ziehen. Und so fuhr er hinab auf diesen Platz und faltete seine Schwingen.Er setzte sich auf die kalten Steine und schaute zum Himmel.Dort draussen gab es nichts. Nicht das lebendige "Nichts" der Weiten des Alls sondern eine Abwesenheit von Allem.
Der Engel konnte diesen Anblick nicht ertragen. Er schloss seine Augen und eine einzelne Träne verliess seinen linken Augenwinkel. Sie floss seine Wange hinunter und fiel auf den trockenen Boden.
Da begann die Erde unter seinen Füssen zu beben und er hörte einen Schrei. Nicht mit seinen Ohren sondern mit seinem Herzen und seiner Seele. Und der Engel fürchtete sich. Er öffnete seine Augen und schaute sich um. Er sah den Eingang zu einer düsteren Höhle in der Nähe.
Obwohl er sich wunderte,weshalb er sie nicht schon zuvor erblickt hatte und obwohl er voller Angst war,war der Engel auch begierig darauf diese Höhle zu erkunden. Etwas zog ihn dorthin.

Er lief ins Innere der Höhle. Nicht lange und seine Augen konnten nichts mehr erkennen. Und so schloss er sie und liess sein Herz und seine Seele seinen Körper führen.Und sie zogen ihn tiefer und tiefer. Nachdem er einige Minuten so gegangen war,die sich wie Stunden anfühlten,schimmerte ein schwaches Licht durch seine Augenlider. Er öffnete sie wieder und erkannte,das er in einer grossen Kammer stand. Er sah etwas am anderen Ende dieser Kammer kauern.Als er versuchte einen genaueren Blick darauf zu werfen stoppte ihn eine Stimme.
"Wer bist du? Und was willst du hier?". Die Stimme war voller Verzweiflung aber sanft und warm.
Das Herz des Engels schlug schneller als er antwortete :"Ich bin ein Engel.Und ich habe nirgendwo anders wohin ich gehen könnte. Ich musste den Himmel verlassen und Gott liebt mich nicht"
"Du gehörst nicht hierher."sprach die Stimme. "Du solltest gehen"
Und der Engel schluchzte und sprach "Ich gehöre nirgendwohin.Ich kann nicht gehen.Ich wüsste nicht wohin"
"Du verletzt mich. Du hast mich aufgeweckt. Als deine Träne den Boden traf erwachte ich aus meinem Schlummer.Warum tust du mir das an?"
Der Engel fühlte das überwältigende Verlangen einen Blick von demjenigen zu erhaschen,der zu ihm sprach und trat näher.
Die Stimme schrie "Nein!! Halt!! Komm nicht näher. Ich möchte nicht,das du mich siehst. Ich bin hässlich,ich bin böse und ich werde dich verletzen. Und du machst mir Angst"
Aber der Engel hielt nicht an und er sah etwas wunderschönes dort in den Schatten knien. Er fühlte eine Wärme aus seinem Herzen fliessen,die seinen ganzen Körper überflutete.
"Nein. Du bist wunderschön. Niemals habe ich etwas so schönes wie dich gesehen. Nicht im Himmel,nicht auf Erden und nicht in all den Ebenen durch die ich gewandert bin."
Dann sah er die Stümpfe auf dem Rücken. Stümpfe die einst Flügel waren. "Du...du bist auch ein Engel?"
Und der Engel,der sich in den Schatten versteckte hob sein Gesicht und schaute ihn an. Er sah das Gesicht einer Frau und erkannte,das sie lange geweint haben musste.
"Nein..nicht mehr.Ich wurde so oft verletzt. Und meine Flügel verloren ihre Federn. Ihr Anblick brachte mir Schmerz.Ich erinnerte mich an all die Dinge,die ich durchlebt hatte und ich riss sie ab"
Der Engel fühlte eine grosse Traurigkeit in seinem Inneren als er die Worte der Frau vernahm.Aber da war noch etwas.Er fühlte einen Frieden,den er nie zuvor gefühlt hatte. Er breitete seine Schwingen aus und hielt ihr seine Hand entgegen.
"Komm mit mir. Ich werde dir meine leihen"
Die Frau hatte Angst vor dem Licht,das der Engel ausstrahlte aber sie reichte ihm ihre zitternde Hand und schloss sie um die seine. Er zog sie an sich und hielt sie fest. Die helle Seite des Engels verschmolz mit ihrer ebenso wie ihre dunklen Seiten dies taten. Endlich fühlte der Engel die Freude,nach der er so lange gesucht hatte. Sie schauten hoch und die Decke der Höhle öffnete sich, um sie ziehen zu lassen. Der Engel fühlte eine Kraft in sich,die ihm keine Rast der Welt hätte geben können.
Und mit kraftvollen Flügelschlagen flogen sie hinaus in die Dunkelheit aber sie konnte sie nicht anrühren. Die Ebenen selbst falteten sich um das Paar und bildeten etwas neues. Es war keine Dunkelheit und es war kein Licht. Es war irgendetwas dazwischen. So wie die Dämmerung zwischen Nacht und Tag.Und sie landeten an diesem Ort und schauten sich um.
"Dieser Ort ist wundervoll" sprach die Frau. Und der Engel nickte. "Ja das ist er.Und es ist unser Ort. Unser Heim". Er schaute auf seine Schwingen und lächelte. Er riss sie ab..eine nach der anderen."Was tust du?" fragte die Frau. Er schaute sie an und sein Lächeln wurde heller."Ich brauche sie nicht mehr.Ich habe gefunden wonach ich gesucht habe und meine Reise ist zuende.Ich weiss nun warum ich bin wie ich bin. Ich wurde für dich erschaffen und du für mich." Er trat auf sie zu und küsste sie.Und als sie sich küssten wurde der Ort um sie herum mit neuem Leben erfüllt.

Gott lächelte und hob seinen Blick von dem Paar vor ihm. Er sandte einen letzten Gedanken zu ihnen "Ja meine Kinder.Alles ist so wie es sein soll.Und ich habe euch niemals verlassen. Ich war immer an eurer Seite. Jetzt kennt ihr die ganze Wahrheit"

 

Diese Geschichte wurde in einer Zeit geschrieben,die mir nun weit entfernt scheint ... und doch nah an meinem Herzen liegt.
Depression und Liebe. Anders sein. Und vielleicht grade deshalb jemanden zu finden,der dies mit einem teilen kann.
Sven Wagner, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.03.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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