Daniel Siegele

Geschichten aus der “Dummen Katze“

 

In einer noch sehr ländlichen Gegend im südlichen England gibt es ein besonderes Pub: Es heißt „Zur dummen Katze“ und wird von den in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnenden Mäusen mit großer Begeisterung und äußerst regelmäßig besucht. In der „Dummen Katze“ herrscht – vor allem zu vorgerückter nächtlicher Stunde (denn eine Polizeistunde kennen die Mäuslein nicht!) fast immer ein sehr lebhafter und fröhlicher Betrieb, alldieweil die hier zusammenkommenden englischen Landmäuse gewiß keine Kinder von Traurigkeit sind.

Die „Dumme Katze“ wird hauptsächlich von Junggesellen besucht, die hier ihre unkomplizierte Fröhlichkeit sowie einen ausgeprägten Hang zu ländlicher englischer Skurrilität ausleben, wovon allein schon der Name des Pubs ein erstes Zeugnis ablegt. Das Innere der „Dummen Katze“ bietet den vertrauten Anblick eines rustikal-gemütlichen, englischen Landgasthauses, wobei die Wände der Gastube allerdings sämtlich mit Bildern von wirklich sehr einfaltigen und tolpatschigen Katzen bemalt sind – zwei besonders boshafte Karikaturen zeigen den britischen Premierminister sowie den Schatzkanzler hierbei als geradezu bedauernswert einfältige und regelrecht verblödete Katertiere, welche überdies Motten im Fell haben!

Als trink- und feierfreudige Junggesellen verbringen die kleinen Stammgäste der „Dummen Katze“ hier oft und gerne ganze Nächte, in deren Verlauf als Folge der Trinkfreudigkeit der Gäste auch die allgemeine Munterkeit und ein gewisser Tatendurst um sich greifen: Zwei besonders regelmäßige und ausdauernde Gäste überkommt ab einem gewissen Grad fortgeschrittenen Guinness-Genusses mindestens während jedes zweiten Besuchs in der „Dummen Katze“ der unbedingte Wunsch, noch in der selben Nacht nach Amerika zu reisen.

Weil unseren beiden reisefreudigen Mäuslein – die wir hier einmal George und Frederick nennen wollen – von der Geographie der Welt außerhalb ihrer selbst erforschten ländlichen Umgebung nur eine sehr vage Vorstellung haben und von der tatsächlichen Entfernung zwischen ihrer britischen Heimat und Amerika – oder dem Vorhandensein des Atlantischen Ozeans – erst recht nichts wissen, fällt ihnen der Entschluß, in einer einzigen Nacht (zu Fuß!) tatsächlich bis nach Amerika zu kommen, doch ziemlich leicht.

Weder vom Atlantik oder auch nur von der Nordsee jemals etwas gehört habend – und schon jeden Dorftümpel gewohnheitsmäßig in weitem Bogen respektvoll umgehend – machen sich unsere beiden Mäuslein also bald nach Mitternacht unverzagt auf den Weg, wobei es der Zufall bei jeder neuen nächtlichen „Weltreise“ dahin bringt, daß sie in der Dunkelheit ihrer weiten nächtlichen Grafschaft in einem mehr oder weniger großen Bogen im Kreise herumlaufen, wodurch sie nach einigen Stunden des Herumwanderns – welche die beiden Mäuslein ihrer Gewohnheit folgend verbringen, indem sie sich in aller Harmlosigkeit über Verschiedenes wundern und dabei beinahe ohne jede Pause ein einfältig-skurriles Gespräch über ihre Erlebnisses in ihrer ländlichen Mäusewelt führen – mit erstaunlicher Zuverlässigkeit letzten Endes immer wieder aufs Neue am hinteren Eingang der „Dummen Katze“ ankommen!

Die Freunde unserer beiden unternehmungslustigen Mäuslein – die während Georges und Fredericks nächtlichem Ausflug in der „Dummen Katze“ sehr munter weiterfeiern – können den Zeitpunkt, zu dem die beiden „Amerikareisenden“ wieder am Ausgangsort ihrer Expedition eintreffen werden, inzwischen recht gut abschätzen, weshalb sie zu entsprechender Zeit damit beginnen, sich mit kleinen Wildwesthüten und Pistolengürteln einerseits als Cowboys, sowie mit kleinen, an den Kopf gesteckten Federn und angemalten Hackebeilchen andererseits als Indianer zu verkleiden, um George und Frederick Amerika eben so vorzuspielen, wie die englischen Landmäuse es sich in ihrer beschaulichen Ahnungslosigkeit vorstellen.

Das Amerikabild unserer Landmäuslein ist wirklich fast nur aus gängigen und beliebten, „uralten“ Klischees zusammengesetzt, wie sie George, Frederick und ihre Freunde seit Jahren – und immer wieder aufs neue – in Wildwestromanheftchen und unfreiwillig komischen Kinofilmen finden; Deshalb sind die kleinen haarigen „Helden“ unserer südenglischen Provinzgeschichte zum Beispiel auch fest davon überzeugt, daß in einem echten amerikanischen Saloon kein einziger Tag vergehen kann, an dem nicht mehrmals so sehr typische Sätze gesagt werden wie:

„Ist das ihr Pferd da draußen, Sir?“, „Sie sind wohl neu in der Stadt, Sir?“ oder „Was, Sie bezahlen ihre Spielschulden? – Sie sind wohl nicht von hier, Sir!

Unsere Mäuslein sind außerdem davon überzeugt, daß es in jeder richtigen Wildwestgeschichte unbedingt einen „Einsamen Reiter“ geben muß; Wieso das so sein muß und was der „Einsame Reiter“ von der ganzen Sache eigentlich haben soll, wissen die kleinen haarigen „Cowboys“ und „Indianer“ zwar durchaus nicht – aber daß der „Einsame Reiter“ bei alldem unbedingt dazu gehört, das wissen sie ganz genau! Zu den ganz besonderen Augenblicken gehört an solchen Abenden auch der Moment, in dem eins der Cowboy-Mäuslein plötzlich wegen irgendeiner (meistens selber ausgedachten) Sache laut sagt, „Daß es so etwas zwischen hier und dem Rio Pecos noch nicht erlebt hat!“ – Dabei haben die Mäuslein natürlich wieder überhaupt keine deutliche Vorstellung, wo der Rio Pecos liegt und was der Rio Pecos eigentlich sein soll.

Während ihrer Rundwanderung durch die nächtliche englische Ländlichkeit ihrer heimatlichen Grafschaft gelangen unsere beiden Mäuslein auch jedesmal mit erstaunlich sicherer Zufälligkeit zu einem sehr großen und alten Baum, über dessen dicke Wurzeln sie in der nachmitternächtlichen Dunkelheit dann auch zielsicher stolpern, woraufhin sie sich sagen können, daß sie jetzt in Amerika – dem gelobten Land, in welchem Käse so groß wie Wagenräder auf den Feldern wachsen – seien, denn so große Bäume gäbe es zu Hause in England einfach nicht. Ein Freund von George und Frederick hat sich auch schon einmal einen ganz besonderen Scherz erlaubt, indem er die beiden Mäuse während ihrer „Amerikareise“ an ihrem gewohnheitsmäßigen „Stolperbaum“ abgepaßt hat, um im richtigen Augenblick einen Pfeil in den Baumstamm zu schießen, worauf die beiden erstaunten Rundwanderer auch prompt mit dem gemeinsamen Ausruf „Hier gibt’s ja schon Indianer!“ reagiert haben.

Wenn sich unsere Mäuslein dann ab und zu doch einmal ein wenig im Wald verlaufen, sagen sie nicht etwa zueinander: „Du, wir müssen uns wohl irgendwie verlaufen haben!“ – Nein, sie meinen mit der unerschütterlichen Selbstsicherheit kleiner, betrunkener Mäuslein „…daß hier wohl irgend jemand seit dem letzten die Bäume anders hingestellt hat!“ Regelmäßig fallen unsere beiden Mäuslein während ihrer nächtlichen Wanderung dann auch in den einen oder anderen uralten, ausgetrockneten Entwässerungsgraben, um sich danach noch lange darüber zu wundern, weil der Graben beim letzten Mal aber ganz bestimmt noch nicht da gewesen sei!

Wenn die beiden „Amerikareisenden“ in einem bewußten stillen Waldwinkel an einem bestimmten flachen Stein vorbeikommen, passiert es dann auch sehr oft, daß eines der beiden Mäuslein hinaufklettert, sich aufrichtet, und – als wäre es in London an der „Speakers Corner“ – wildentschlossen eine reichlich verworrene Rede über die Weltrevolution und ein durch und durch mausiges Dasein nach der Revolution (die Katzen werden den Mäusen den Käse hinterher tragen) von sich gibt. Während das eine Mäuslein auf dem flachen Stein lautstark seine unausgegorenen Ansichten ausbreitet (wobei es bald lebhaft mit einer Pfote in der milden Nachtluft herumwedelt), stellt das andere Mäuslein das begeisterte Publikum dar, indem es abwechselnd „Hört, hört!“, „Bravo, recht hat er!“ oder „Nur immer weiter so!“ ruft.

In dem besagten und meistens auch tatsächlich sehr stillen Waldwinkel ist eine Eule zu Hause, die von ihren Nachbarn inzwischen nur noch „Tante Eule“ genannt wird. Die „Tante Eule“ – ein vornehmes „altes Mädchen“ mit ländlich-britischem Standesbewußtsein – fürchtet allerdings diejenigen Nächte, in welchen George und Frederick auf dem Weg nach Amerika sind. Es genügt der alten Eule bereits, daß sie das munter-sinnlose Gequassel der beiden betrunken „Weltreisenden“ in der nächtlichen Waldesstille schon lange im Voraus hören kann – wenn eines der beiden Mäuslein dann aber auch noch auf den flach Stein steigt und lautstark seine Weltrevolutionsrede hält, ist unser „vornehmes altes Mädchen“ mit seiner Geduld allerdings am Ende:

Unsere beiden Mäuslein hören dann einen lauten Knall, weil die alte „Tante Eule“ die Haustür ihrer Baumhöhlenwohnung zugeknallt hat, um sich mit einer plötzlichen, heftigen Migräne ins Bett zu legen, wobei sie frustriert noch „Sie haben es also mal wieder geschafft!“ zu sich selber sagt; Die kleine Szene endet damit, daß sich unsere beiden Amerikawanderer betroffen ansehen und wie aus einem Mund „Oje, da warn wir wohl mal wieder zu laut!“ zueinander sagen.

Einmal – ein einziges Mal – hat die alte „Tante Eule“ dann auch den Versuch unternommen, die beiden betrunkenen Mäuslein mit den Worten „Kinder, muß man sich denn unbedingt so sehr vollaufen lassen?“ ein wenig zur Ordnung zu rufen – als Antwort erhielt unser vornehmes, besorgtes, altes Mädchen allerdings nur den zweistimmigen Zuruf „Man muß, Tante Eule, man muß!“.

Auf dem allerletzten Stück ihres Weges zur „Dummen Katze“ erleben unsere beiden unternehmungslustigen Mäuslein manchmal auch noch eine abschließende kleine Seltsamkeit, so wie diese hier:

Nur noch wenige Schritte von der „Dummen Katze“ entfernt, sitzt Michael mit dem Kopf zwischen den Vorderpfoten am Wegesrand auf einer Baumwurzel; George und Frederick bleiben bei ihrem Freund und Trinkgenossen stehen und fragen ihn teilnahmsvoll, was ihn denn plagen würde – Michael schaut mit einem Ausdruck Guinness-seeliger Nachdenklichkeit zu den beiden (auch ihrerseits noch nicht unbedingt wieder nüchternen) „Amerikareisenden“ auf und erklärt ihnen, daß er versucht, sich zu erinnern. Auf Georges oder Fredericks Frage, woran er sich denn erinnern möchte, erwidert Michael ein wenig betroffen, daß er das eben nicht mehr weiß – darum sitzt er ja hier!

Unsere beiden Mäuslein sprechen ihrem nachdenklichen Kameraden Mut zu und gehen dann in die „Dumme Katze“ hinein, um hier sehr munter von den zahlreich beieinander sitzenden „Cowboys“ und „Indianern“ begrüßt zu werden. Auf die Frage, wie die „Weltreise“ gewesen wäre und was sie so erlebt hätten, erzählen George und Frederick unter anderem, daß Michael draußen vor der „Dummen Katze“ nachdenklich auf einer Baumwurzel sitzt. Nachdem einige Minuten vergangen sind, wird plötzlich die Eingangstür geöffnet und Michael kommt seinerseits in die Wirtshausstube, um munter zu verkünden, daß er sich jetzt wieder erinnern kann – auf die neugierige Frage, was es denn sei, was ihm wieder eingefallen ist, hält Michael kurz inne um dann enttäuscht zugeben zu müssen, daß er vor lauter Aufregung doch wieder alles vergessen hat!

Bei ihrer Rückkehr in die „Dumme Katze“ sind George und Frederick immer noch davon überzeugt, daß sie nun in Amerika angekommen sind; Daß es hier genauso aussieht, wie an ihrer heimatlichen Lieblingstheke und daß die hier beieinander sitzenden Cowboys und Indianer ihren Freunden von zu Hause in geradezu erstaunlicher Weise ähneln, ist den beiden Mäuslein bei alledem einfach nur sehr recht, denn – was kann unseren beiden Weltreisenden denn lieber sein, als ein Amerika, in dem es genauso schön ist, wie im heimatlichen England! Nach der Rückkehr der beiden Rundwanderer in die „Dumme Katze“ verbringen die hier versammelten englischen Mäuslein die weiteren Nachtstunden bald wieder so, wie sie es vor Georges und Fredericks „Abreise“ auch schon getan haben, weshalb die beiden Letztgenannten es auch überhaupt nicht seltsam finden, in der nächsten oder übernächsten Nacht wieder ihre allererste Reise nach Amerika zu unternehmen!

George und Frederick sind in der „Dummen Katze“ durchaus nicht die einzigen Gewohnheitsgäste mit etwas eigenwilligen Angewohnheiten: Ein anderes Mäuslein – ich möchte es an dieser Stelle einmal Mortimer nennen – wird nach einigen in der „Dummen Katze“ verbrachten Stunden regelmäßig eher sentimental als unternehmungslustig, indem es – ebenfalls oft erst nach Mitternacht – beginnt, seiner so sehr geliebten, angeblichen schottischen Heimat nachzutrauern, wobei seine Gefühlsäußerungen vom Guinnessseligen (bemühten) Absingen sentimentaler Lieder bis zum echten Tränenvergießen reichen können.

Mortimers Freund haben inzwischen allerdings herausgefunden, daß er in seinem ganzen bisherigen Mäuseleben ebensowenig in Schottland gewesen ist, wie alle anderen Gewohnheitsgäste der „Dummen Katze“, trotzdem lassen sie ihn aber weiterhin ungestört seiner schrulligen Gewohnheit nachgehen, weil seine Ausbrüche vermeintlichen Heimwehs einerseits direkt schon bühnenreif sind und weil in der „Dummen Katze“ andererseits jeder seine Eigentümlichkeiten pflegen darf, solange er sich dabei zumindest einigermaßen anständig aufführt!

An dieser Stelle möchte ich eine kurze Geschichte erzählen, die mit dem Geschehen in der „Dummen Katze“ eigentlich in keinem direkten Zusammenhang steht – unsere Provinzmäuslein haben von ihr allenfalls durch die „Südenglische Landzeitung für neugierige Mäuse“ erfahren: Eine Gruppe sehr heimatbewußter englischer Mäuse hat vor ein paar Jahren eine Partei mit dem Namen „No French Cheese!“ gegründet, mit der sie England vor dekadenten französischen Mäusen und dem so unbekömmlichen (und ganz besonders dekadenten) französischen Schimmelkäse bewahren wollen!

Peinlicherweise hat man den Vorsitzenden dieser ohnehin als unseriös, oder doch zumindest als irgendwie „schmuddelig“ geltenden Partei vor kurzem in einer der heruntergekommensten Gegenden Ostlondons im Hinterzimmer eines reichlich fragwürdigen Mäuseetablissements überrascht, während er gerade im Begriff war, ein sehr großes Stück eingeschmuggelten französischen Schimmelkäses (!) zu verzehren!

Unsere Provinzmäuschen – von denen nur einige wenige überhaupt jemals im fernen London gewesen sind – haben von dem großen „Schimmelkäseskandal“ nur durch die „Südenglische Landzeitung für neugierige Mäuse“ erfahren, die auf ihrer Titelseite ein großes Bild des Parteivorsitzenden abgedruckt hat, welches ihn zeigt, während er gerade von mehreren Mäusereportern im bereits erwähnten Hinterzimmer überrascht wird, wobei er mit schreckgeweiteten Augen in die Blitzlichter der Photoapparate schaut und sich vergeblich bemüht, das große, angebissene Käsestück irgendwie zu verstecken.

Im zugehörigen Leitartikel der „Landzeitung“ wird dann auch darauf hingewiesen, daß in ebenjenem Ostlondoner Hinterzimmer gerade diejenige Maus während einer denkbar peinlichen „Schimmelkäseorgie“ überrascht worden wäre, welche sich in ihren lautstarken „Sonntagsparteitagsreden“ immer ganz besonders enthusiastisch für die unbedingte Bewahrung des „Britischseins“ stark gemacht habe – ein Abenteuer mit leichtlebigen Mäusemädchen würde man dem Vorsitzenden ja noch verzeihen, seine heuchlerische „Schimmelkäseorgie aber ganz bestimmt nicht!

Es gibt ein regelmäßig wiederkehrendes Ereignis, das die kleinen mausefelligen Gäste der „Dummen Katze“ fast noch mehr verabscheuen, als die Begegnung mit einer hungrigen echten Katze, nämlich die einsetzende Morgendämmerung nach einer so wunderbar eigenwillig verbrachten Nacht.

Wenn unsere Provinzmäuschen nach einer solchen Nacht – während der viel Guinness getrunken, in der ländlichen Nacht herumgewandert, eigenwilliges Zeug ausgedacht und eine erstaunliche Menge skurrilen Unsinns geredet wurde – mit ihren kleinen Brummschädelchen durch die Vordertür der „Dummen Katze“ in die erste Helligkeit hinausstolpern, sind sie über jedes Fetzchen morgendlichen Nebels froh, das ihnen den ganz direkten Anblick der Morgensonne erspart, am liebsten ist ihnen hierbei jedoch ein mit möglichst dicken Wolkenschichten verhangener Herbsthimmel, der den Übergang von der Nacht zum Tag erst spät und allmählich sichtbar werden läst.

Die Abscheu unserer Mäuschen vor der Morgendämmerung reicht sogar soweit, daß sie ihren Wirt schließlich dazu gebracht haben, absolut lichtdichte Rollos an sämtlichen Fenstern anzubringen, wodurch es ihnen jetzt möglich ist, eine sosehr schön durchfeierte Nacht zumindest innerhalb der schützenden Wände der „Dummen Katze“ noch um einige Stunden in den neuen Tag hinein zu verlängern!

Der Traum von Amerika:

Wenn George und Frederick im wahren Leben auch kaum jemals aus ihrer heimatlichen Grafschaft herauskommen, haben sie zu ihrer eigenen Verwunderung doch genug Phantasie, um sich die Erlebnisse während einer echten Amerikareise zumindest in einem gemeinsamen Traum sehr lebhaft ausmalen zu können:

Der Amerikatraum – den George und Frederick tatsächlich zur selben Zeit und genau in der gleichen Weise träumen – beginnt für unsere beiden pelzigen Weltreisenden im Hafen von Cardiff, nachdem sie – wahrscheinlich als blinde Passagiere in einem Güterzug – jedenfalls bis hierher gelangt sind. Unsere beiden Helden sitzen inmitten der Betriebsamkeit dieses Seehafens also recht verloren vor einem großen Frachtschiff, welches – wie es zumindest eine ortskundige Hafenmaus behauptet hat – noch am selben Nachmittag nach Amerika in See stechen wird.

Je länger George und Frederick das – besonders aus ihrer Mäusesicht – geradezu überwältigend große Dampfschiff mit seinen bereits lebhaft qualmenden Schornsteinen betrachten, desto mehr nagen in den beiden Mäuslein schon die Zweifel an der Großartigkeit ihrer eigenen Idee, tatsächlich nach Amerika reisen zu wollen. Mit dem Gedanken, daß sie nicht jetzt schon klein beigeben können, wenn sie es vermeiden wollen, daß später in der „Dummen Katze“ nicht enden wollende Spöttereien über sie beide ausgegossen werden, schleichen sich unsere beiden nervösen Provinzmäuslein schließlich an Bord des Schiffes und in einen der großen Laderäume, der zu ihrer Erleichterung offenbar für der Transport verschiedener Arten von Nahrungsmitteln benutzt wird.

An der eigentlichen Überfahrt nach Amerika haben George und Frederick allerdings nicht nur Freude, weil das Frachtschiff in der winterlich schweren See trotz seiner nicht geringen Größe doch sehr rollt und das Aufnagen der robusten Frachtkisten mit ihrer nahrhaften Füllung doch einige Mühe bereitet. Nach der Ankunft des Frachtdampfers in New York schleichen sich unsere reiselustigen Mäuslein so heimlich von Bord, wie sie in Cardiff auch schon in das Schiff gelangt waren, um sich an einem kalten, regnerischen und ziemlich windigen Wintertag bald auf einem der vielen Kais des New Yorker Hafens wiederzufinden.

George und Frederick stellen schnell fest, daß sie den Hafen von New York noch weniger mögen als den Hafen von Cardiff, weil der erstere noch sehr viel größer, umtriebiger, nasser und windiger ist als der letztere; Außerdem können sie die hungrigen Hafenkatzen – die hier anscheinend hinter jeder Ecke sitzen – schon jetzt mehr als deutlich riechen (Und dieses riesiggroße Weibsstück, das mit der Krone auf dem Kopf und der Fackel sowie dem Buch in je einer Hand da drüben auf einem Sockel steht, schaut George und Frederick sowieso schon dauernd so tadelnd und irgendwie spöttisch an!).

George und Frederick – die naß und frierend irgendwo im weitläufigen New Yorker Hafengebiet herumstolpern, wobei sie sich immer mehr vor den Katzen, den Hafenarbeitern und der Freiheitsstatue fürchten – wissen bald vor allem eines: wenn das hier das so sehr berühmte und hochgelobte Amerika sein soll, dann möchten sie so schnell, wie es überhaupt möglich ist, wieder zurück in ihr gutes altes England! George und Frederick laufen also so schnell, wie ihre Mäusefüßchen sie tragen, zu dem großen Frachtdampfschiff zurück – aus welchem zu dieser Zeit große Mengen aller möglichen Güter mit riesigen Kränen ausgeladen werden – um sich hier so unauffällig, wie es eben möglich ist, wieder in einem der großen Laderäume zu verstecken.

Unsere beiden pelzigen Abenteurer verbringen die Rückfahrt nach Cardiff wieder mit einer Mischung aus Seekrankheit, Angst vor den wacheschiebenden Matrosen und dem immer neuen Bemühen, ohne allzuviel Plage ihre kleinen Mäusemägen zu füllen. George und Frederick nehmen sich vor, zu Hause in der „Dummen Katze“ freiwillig kein einziges Wort über ihre „echte“ Amerikareise fallen zu lassen, um nicht zugeben zu müssen, daß das ganze Abenteuer genaugenommen ein ziemlicher Reinfall mit viel Seekrankheit, einigem Hunger und nassen Füßen gewesen sei.

Nach ihrer Rückkehr in die „Dumme Katze“ müssen sich unseren beiden „Weltenbummler“ dann doch einige Fragen gefallen lassen: Eines der Mäuschen, die einen möglichst großen Teil ihrer Zeit besonders gern in der „Dummen Katze“ verbringen, ist mit ebenjener Cardiffer Hafenmaus Lewis gut bekannt, welche George und Frederick wegen eines nach Amerika fahrenden Schiffes befragt haben – Lewis' eigenen Worten zufolge hat er im Hafen von Cardiff vor jetzt schon einigen Wochen nämlich tatsächlich zwei etwas hilflos und unsicher um sich schauende Artgenossen getroffen, die sich bei ihm nach einem nach Amerika fahrenden Schiff erkundigten, wobei Lewis' Beschreibung dieser beiden Mäuse mit erstaunlicher Genauigkeit auf George und Frederick zutraf.

Obwohl unsere beiden Amerikareisenden sehr wohl wissen, daß sie jetzt bereits gründlich durchschaut sind, geben sie ihre Bemühungen, alles Geschehene nach bestem Wissen und Können abzustreiten, durchaus noch nicht auf: Sich selber lebhaft kratzend, schräg aufwärts zu allen möglichen Stellen der Zimmerdecke hinschauend und schließlich beinahe noch bemüht entspannt ein Liedchen pfeifend, beteuern George und Frederick lebhaft, daß sie in ihrem ganzen bisherigen Mäuseleben noch nie in Cardiff gewesen seien.

„Cardiff, wo liegt das denn überhaupt? Und ist es da denn wenigsten schön?“ wollen unseren beiden Amerikareisenden wissen – aber alles Abstreiten nützt den beiden Mäuslein überhaupt nichts und am Ende dürfen sie sich sogar noch fragen lassen, wieso sie sich denn keine echten Cowboypistolen oder etwas anderes echt Amerikanisches als Andenken mitgebracht hätten!

Und am nächsten Morgen sind George und Frederick ziemlich erstaunt wieder aufgewacht!

Wenn man sich in den Wohnungen unserer englischen Landmäuschen umschaut, findet man hier eigentlich jedes Klischee bestätigt, welches dem Leser dieser Geschichte bei dem Gedanken an ländliche, englische Wohnzimmerbehaglichkeit in den Sinn kommen kann; Zu den wichtigsten Einrichtungsstücken eines ländlich-englischen Mäusewohnzimmers gehört unter anderem der obligatorische, offene Kamin, auf dessen Sims die ebenso obligatorische Kaminuhr mit Westminsterschlag steht – vor dem Kamin steht ein Ohrensessel, in dem sich unser Mäuschen an Abenden stürmischer und verregneter Herbsttage dann auch ganz besonders gern einrichtet, um im Schein des Kaminfeuers dem Knistern der Flammen zu lauschen und die alten, vergilbten Familienbilder anzuschauen, die über dem Kamin an der Wand aufgehängt sind.

Fernsehgeräte kennen unsere englischen Ländmäuslein noch nicht – statt dessen hören sie gerne Radio und lesen die Mäuse-Times“ oder die „Südenglische Landzeitung für neugierige Mäuse“; Die englischen Landmäuslein verspotten mit den Karikaturen in ihrer „Dummen Katze“ zwar den Premierminister und den Schatzkanzler, aber sie lieben ihre Königin, weshalb man über jedem Kamin zumindest ein kleines Bild einer deutlich „vermausten“ königlichen Hoheit finden kann; Unsere Mäuslein mögen auch alte Bücher und ihr besonderer Stolz ist oft ein ererbtes, schwergewichtiges Exemplar des „Großen Käselexikons“ mit altersdunklem Ledereinband! Unsere englischen Mäuslein gehen außerdem auch oft und gerne in das Kino ihrer kleinen Landgemeinde, um sich dort durch und durch „mausige“ Verfilmungen altbekannter englischer Komödien und Kriminalstücke anzuschauen, wobei es natürlich auch mausige Miss Marple-Filme gibt.

An sommerlich warmen Samstagabenden herrscht in der „Dummen Katze“ meistens ein besonders großer Andrang, weil sich hier dann auch zahlreiche Mäuse aus den Nachbargemeinden einfinden; hierdurch ergibt sich oft ein Platzproblem, das unsere Mäuslein lösen, indem sie die Fenster weit öffnen und ihre Freunde aus der Nachbarschaft einfach durch die geöffneten Fenster hindurch an dem munteren Treiben in der „Dummen Katze“ teilhaben lassen. Wenn der Betrieb im Verlauf des weiteren Abends und der Nacht ein besonders lebhafter wird, wollen die Mäuschen, die an der allgemeinen Fröhlichkeit bisher nur von draußen teilgenommen haben, oft auch wirklich in die schon reichlich überfüllte „Dumme Katze“ hinein, weshalb sie irgendwann die niedrigen Fensterbänke erklimmen und sich dann – so gut, wie es nach reichlichem Guinnessgenuß eben noch geht – in das feiernde Mäusegetümmel hineinzwängen.

Mortimer will nachhause:

Während eines schon weiter fortgeschrittenen Sommerabends kann man in der „Dummen Katze“ auch einmal das folgende kurze Gespräch mitanhören:

„Wo ist denn Mortimer?“

„Mortimer? Der ist vorhin losgezogen!“

„Wie? Was? – Losgezogen? Ja, wohin denn? Was hat er denn gesagt?

„Ja … Er wollte wohl nach Schottland!“

„Nach Schottland? – Um Gottes willen! Da müssen doch welche hinterher! Man kann doch den Mortimer da draußen in der Nacht nicht so allein herumstolpern lassen – so blau wie der vorhin noch war! Am Ende passiert dem noch irgendwas!

Als Folge dieses kurzen Wortwechsels machen sich von denjenigen Mäuslein, die sich noch am wenigsten an dem guten Guinness erfreut haben, dann auch ein paar Entschlossene auf den Weg in die ländliche englische Nacht, um ihren ebenso blauen wie reiselustigen Mäusekameraden vor möglichem Unheil zu bewahren!

Nach einer guten Stunde des Herumlaufens und Suchens in der nächtlichen, südenglischen Grafschaft finden unsere Mäuslein dann schließlich ihren Freund Mortimer, der – von der Sehnsucht nach seiner angeblichen, schottischen Heimat getrieben und noch reichlich mit Guinness gefüllt – erstaunlich zielsicher nach Norden strebt und sich durchaus nicht zu einer Rückkehr in die „Dumme Katze“ überreden lassen will.

Mortimers besorgte Freunde wissen sich schließlich nur zu helfen, indem sie in aller Eile kleine Wegweiser mit einem Hinweispfeil und der Aufschrift „Schottland“ zusammenbasteln und sie weit vor Mortimer in den Boden stecken, um ihren heimwehgetriebenen Trinkkameraden möglichst unauffällig – und deshalb auch in einem weiten Bogen – durch die laue Sommernacht zur „Dummen Katze“ zurückzulotsen.

In der „Dummen Katze“ sind die Mäuslein unterdessen damit beschäftigt, für Mortimer eine möglichst überzeugend aussehende „schottische Heimat“ zusammenzustricken, wobei unsere südenglischen Landmäuslein vom fernen Schottland allerdings nur wenig mehr wissen, als von Amerika – aus diesem Grund gerät die „schottische“ „Dumme Katze“ dann auch zu einem prächtigen Klischeebild des realen Schottland mit rasch besorgten Dudelsäcken, Schottenröcken und großen Mengen schottischen Whiskeys!

Ein besonders einfältiges und außerdem reichlich betrunkenes Mäuslein namens Jerry will sich auch jetzt wieder als Indianer kostümieren, wobei es eigensinnig darauf besteht, daß es bestimmt auch schottische Indianer gibt – am Ende überreden Jerrys Freunde das eigensinnige Mäuslein allerdings immerhin dazu, daß es sich mit einer schottengemusterten Indianerfeder begnügt, die den noch immer nicht ganz nüchternen Mortimer wohl nicht unbedingt stören wird!

Der zurückgekehrte Mortimer findet die „schottische“ „Dumme Katze“ dann schließlich auch recht gemütlich und vergißt sein Heimweh bis auf weiteres!

Was sonst noch so in der „Dummen Katze“ passiert …

Wenn unsere englischen Landmäuslein in ihrer „Dummen Katze“ schon einige Abend- und Nachtstunden mit Feiern, Trinken und fröhlichem Unsinn verbracht haben, legen auch diejenigen Mäuslein, welche nicht unbedingt noch in der selben Nacht zu Fuß nach Amerika reisen wollen, einen zunehmenden Hang zu recht eigenwilligen Unternehmungen an den Tag, oder – genauer gesagt – an die Nacht! Eines der originellsten Bilder ergibt sich zum Beispiel, wenn drei oder vier Mäuslein im fortgeschrittenen Guinness-Rausch nach draußen vor die „Dumme Katze“ gehen und – einander gegenseitig am Arm haltend – zum sternenklaren Sommernachtshimmel hinaufschauen, um ebenso laut wie falsch ein englisches Gegenstück zu „Der Mond ist aufgegangen!“ zum Besten zu geben.

Es kann auch passieren, daß die Mäuslein – während sie sich in der „Dummen Katze“ sehr munter ihres Lebens freuen – von draußen plötzlich ein seltsames lautes Klopfen und gelegentliches Splittern zu hören bekommen. Wenn unsere Mäuslein dann nach draußen vor die „Dumme Katze“ gehen, um einmal nach dem Ursprung des seltsamen Rumorens zu schauen, finden sie hier einen ihrer Kneipengenossen, der leere Whiskeyflaschen – munter vor sich hin singend – konsequent und unverdrossen mit dem Flaschenhals voran in den lockeren Heideboden hämmert, wobei natürlich auch die eine oder andere Flasche zu Bruch geht. Unsere Mäuslein schauen ihrem Kameraden dann einen Augenblick lang fasziniert bei seinem eigenwilligen Tun zu, um sich ziemlich bald selber leere Flaschen zu besorgen, was in der „Dummen Katze“ mit ihren zahlreichen trinkfreudigen, kleinen Gästen natürlich kein besonderes Problem darstellt.

Eines der Mäuslein – das von seinen Kneipengenossen auch gerne „Einstein“ genannt wird – hat den Hang, in der „Dummen Katze“ manchmal während ganzer Abende auf Bierdeckeln herumzuzeichnen, um nach einigen Stunden des stillen Brütens und Werkelns schließlich plötzlich aufzustehen und laut zu rufen: „Leute, ich hab es geschafft!“ – „Einsteins“ Freunde fragen ihn dann neugierig, aber auch ein wenig erschrocken, was er den geschafft habe, woraufhin „Einstein“ erwidert: „Tja, ich weiß noch nicht so ganz genau, was es nun wirklich sein soll und wozu es eigentlich zu gebrauchen ist – aber es ist doch einfach großartig, nicht wahr?“ Während „Einsteins“ Freunde noch beeindruckt, aber auch mit großen Fragezeichen im Kopf die kleinen technischen Zeichnungen auf den Bierdeckeln betrachten, verkündet „Einstein“ selbst bereits voll Stolz und Tatendrang, daß er noch heute nacht im nächsten Güterzug nach London mitfahren müßte, um seine Erfindung beim königlichen Patentamt anzumelden!

Wenn im Verlauf des nächsten Tages dann die bürgerlich-etablierten Mittelstandsmäuse aus dem benachbarten Dorf an der „Dummen Katze“ vorbeikommen, ist es sehr gut möglich, daß sich die eine oder andere von ihnen doch einigermaßen über die im Boden steckenden leeren Whiskeyflaschen wundert; im Großen und Ganzen hält sich das Erstaunen über solche Seltsamkeiten allerdings eher in Grenzen, weil man hinsichtlich der „Dummen Katze“ und ihrer Gäste mittlerweile doch an so manche – und letzten Endes doch eher harmlose – Überraschungen gewöhnt ist.

Sobald dann eine dieser besagten „anständigen und ehrbaren“ Mäusefamilien an der „Dummen Katze“ vorbeikommt, kann es durchaus passieren, daß der „brave Familienvater“ in aller Heimlichkeit einen sehnsuchtsvollen Blick nach dieser „sosehr unanständigen Junggesellenkneipe“ wirft, was von seiner sehr gewissenhaften Mäusegattin aber trotzdem bemerkt wird; „Henry, du weißt, daß ich alles sehe – also wage es nur ja nicht! Es gehört sich für einen verheirateten Kolonialwarenhändler mit zwei Töchtern einfach nicht, daß er auch nur daran denkt, seine freie Zeit an einem solchen Ort zu verbringen!“ bekommt der arme Ehemann dann zu hören, woraufhin er seiner Frau resignierend und fast schon mit einem Ausdrucks des Gehorsams still zunickt.

Die Geschichte von der rostigen Blechkanne:

In einer jener so sehr schönen und mondhellen, ländlichen Herbstnächte mit munterem Betrieb in der „Dummen Katze“ werden unsere fröhlich feiernden, trinkenden und reichlich dummes Zeug redenden Mäuslein wieder einmal von einem von draußen her kommenden Geräusch neugierig gemacht; Die ersten Mäuslein, die – bereits reichlich mit Guinness gefüllt und sich wohlweislich aneinander festhaltend – den Weg nach draußen finden, entdecken auf einer Wiese neben der „Dummen Katze“ einen ihrer Kneipenkameraden, der hier – ebenfalls schon reichlich blau, aber doch mit sichtlicher Entschlossenheit – ein Loch in den Boden gräbt.

Unsere Mäuslein möchten natürlich auch gleich wissen, wieso sich der gute Percival hier draußen damit abplagt, ein jetzt schon recht tiefes Loch in den Heideboden zu buddeln – Percival unterbricht seine Arbeit daraufhin für ein paar Minuten und erzählt, daß einer seiner Vorfahren hier vor Ewigkeiten eine große Holzkiste mit lauter wertvollem „Soundso“ (was es genau sein soll, weiß Percival selber nicht) versteckt haben soll; Percival erzählt weiterhin, daß man diese vergrabene Holzkiste (einer alten Familiensage nach) angeblich nur finden kann, wenn man in der richtigen Herbstnacht bei Vollmond unter einem bestimmten Baum auf dieser alten Obstwiese ein wirklich tiefes Loch gräbt – und genau das täte er eben jetzt!

Unsere mit Guinness gut gefüllten und (nach der soeben erfahrenen Neuigkeit) auch reichlich unternehmungslustigen Mäuslein fragen ihren Freund sofort, ob sie ihm bei seiner Schatzsuche helfen sollen und Percival (der die anstrengende Buddelei trotz aller Entschlossenheit schon ein wenig leid ist) nimmt die Hilfe seiner Kneipenkameraden auch gerne an – und so sitzen bald vier oder fünf munter buddelnde Mäuslein in dem zunehmend größer und tiefer werden Loch, während einige Andere aus der „Dummen Katze“ vom Rand aus begeistert zuschauen und ihre fleißig grabenden Kumpane bei ihrem Tun noch anspornen.

Nach einer halben Stunde munteren Grabens, Blödsinn-Redens und weiteren Guinness-Trinkens fördern unsere Mäuslein zwar keine Schatz- oder sonstige Kiste, aber statt dessen immerhin eine rostige, alte Blechkanne zu Tage, die anschließend ausgiebig bestaunt, vom Schmutz befreit und schließlich – wie schon so manche skurrile „Trophäe“ zuvor – auf ein Regal in der „Dummen Katze“ gestellt und mit einem Schildchen versehen wird, auf dem in diesem Fall „altenglische Blechkanne, gefunden unter der Obstwiese von Percival Wallace im Herbst 1952“ geschrieben steht.

Die Schutzengelmaus:

Wenn George und Frederick – reichlich blau und munter dummes Zeug redend – in einer jener lauen, sommerlichen Nächte stundenlang durch die Wälder ihrer heimatlichen englischen Grafschaft stolpern, könnte ein Beobachter mit übersinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten hinter unseren beiden „Amerikareisenden“ noch eine dritte Maus entdecken, die ein wenig durchscheinend ist, wie von innen heraus leuchtet und außerdem zwei kleine Flügel auf dem Rücken trägt:

Seitdem man im Mäusehimmel der Meinung ist, daß auf George und Frederick bei ihren nächtlichen Ausflügen besonders gut aufgepaßt werden sollte, wird den beiden nämlich noch eine Schutzengelmaus hinterhergeschickt – weil unsere Schutzengelmaus zu Lebzeiten allerdings kaum andere Gewohnheiten gehabt hat, als unsere beiden „Weltreisenden“, hat es nicht sehr lange gedauert, bis unser kleiner „Himmelbote“ während der Rundwanderungen zum ersten Mal genauso blau gewesen ist, wie seine beiden „Schutzbefohlenen“.

Glücklicherweise herrscht im Mäusehimmel, ebenso wie in der „Dummen Katze“, im Ganzen eine sehr entspannte und muntere Stimmung vor – deshalb hat auch niemand ein Problem damit, daß unsere Schutzengelmaus vor lauter Guinness-Seeligkeit eine leuchtend rote Nasenspitze vor sich herträgt, denn (seien wir einmal ehrlich) es ist doch unglaublich langweilig, wenn man selber stocknüchtern ist und trotzdem stundenlang zwei munter quasselnden, Guinness-seeligen Mäusekameraden hinterherlaufen soll! Nach der Rückkehr vom „Erdeinsatz“ muß sich der kleine mausige Himmelsbote also durchaus keine Vorwürfe wegen seiner fragwürdigen „Dienstauffassung“ anhören – er wird meistens einfach nur von einem gutgelaunten Mäusekollegen aus der Abteilung für die „Schutzengeleinsatzplanung“ gefragt, ob das Aufpassen auf die beiden „Amerikareisenden“ auch diesmal wieder Spaß gemacht hätte.

Kurz vorher hat der Pförtner am Eingang zum Mäusehimmel dann noch in sein Wachbuch geschrieben und gesagt: „Schutzengelmaus 1.435.621 kehrt vom Einsatz zurück – prost Kamerad!“, wonach er selbst noch einen freundlichen Schluck aus der Guinness-Flasche genommen hat, die in einer Ecke seiner Pförtnerkabine steht!

Die gelegentliche Anwesenheit unserer Schutzengelmaus ist übrigens zumindest in der „Dummen Katze“ nicht ganz unbemerkt geblieben – dem Wirt der „Dummen Katze“ und einigen Gästen ist es nämlich schon aufgefallen, daß sich Flaschen und Gläser immer wieder „wie von selbst“ leeren, wobei aber beim besten Willen niemand zu entdecken ist, der daraus trinkt.

Weil es so nun einmal sein muß, gibt es im Mäusehimmel natürlich auch einen Mäuse-Petrus, der sich von seinen himmlischen Mäusekameraden allerdings auch fast nur dadurch unterscheidet, das er gewohnheitsmäßig mit einem etwas herausgeputzten Hausrock mit Troddeln am Gürtel herumläuft, wobei sein Mäuseschwanz immer unten aus dem Mantel herausschaut. Unser Mäuse-Petrus ist eigentlich auch nur der Mäuse-Petrus geworden, weil einer es halt sein mußte und er sich dann letzten Endes dazu „breitschlagen“ ließ; Seine „Autorität“ (ein Wort, das unsere lieben Mäuslein eigentlich gar nicht kennen) bringt unser Mäuse-Petrus deshalb auch nur zum Ausdruck, indem er zu seinen himmlischen Mitmäusen ab und zu sagt: „Kinder, übertreibt es aber bitte nicht!“
…und so ist der Mäusehimmel eigentlich auch nur ein Ort, an dem es sich unsere Mäuslein nach dem anstrengenden Erdenleben auf ihre harmlos-fröhliche Art möglichst gutgehenlassen, wobei sie ihren himmlischen Aufgaben allerdings durchaus gerne nachgehen, solange alles nur in einer recht fröhlichen und nicht unnötig stressigen, munteren Weise geschieht.

… noch eine kleine Geschichte von „Tante Eule“:

Tante Eule ist jetzt schon seit recht vielen Jahren in ihrem Waldstück im ländlichen, südöstlichen England zu Hause und sie fühlt sich hier im großen und ganzen auch sehr wohl. Aus früheren, umtriebigeren Zeiten kennt Matilda (wie Tante Eule tatsächlich heißt, obwohl das eigentlich kaum noch jemand weiß) allerdings auch jetzt noch manche andere, inzwischen ebenfall schon etwas älter gewordene Eulenschwester – zu diesen alten Bekannten aus früheren Zeiten gehört zum Beispiel auch Louise, die Eule aus dem Hundertsechzig-Morgen-Wald.

Matilda und Louise besuchen sich als übriggebliebene Mitglieder früherer größerer „Teekränzchenrunden“ ziemlich regelmäßig im Abstand von einer oder auch zwei Wochen in ihren heimatlichen Waldtücken, wobei sie dann mehrere Stunden oder auch einmal einen ganzen Tag mit langen Gesprächen, einem gelegentlichen, gemeinsamen Ausflug und dem Ankucken von alten Photos verbringen. Wenn Louise unsere Tante Eule in ihrem südenglischen Waldstück besucht und hier auch die Nacht verbringt, passiert es oft genug, das Louise auch das regelmäßige nächtliche Auftauchen unserer beiden unternehmungslustigen Mäuslein George und Frederick miterlebt:
Wenn unsere beiden Mäuslein während ihrer nächtlichen Rundwanderung dann bereits von weitem hörbar werden und einander in einem nahezu ununterbrochenen, Guinness-seeligen Redeschwall die neuesten Nebensächlichkeiten erzählen, sagt Tante (Matilda) Eule oft zu Louise: „Hörst du’s, Louise, da kommen sie – jetzt kannst du dir die ganze Geschichte wieder einmal selbst mit anschauen!“

Wenn sich unsere Mäuslein in gewohnter Weise mit ihrer Geschichte von der „Weltrevolution“ amüsiert haben und munter quasselnd weiterziehen, klagt unsere Tante (Matilda) Eule ihrer Freundin Louise ebenso gewohnheitsmäßig ihr Leid – Louise bemüht sich dann ihrerseits in gewohnter Weise, ihre Lieblingsfreundin Matilda zu trösten, indem sie ihr einmal mehr von den Seltsamkeiten erzählt, die sie bei sich zu Hause im Hundertsechzig-Morgen-Wald mit Winnie-dem-Pu und seinen Freunden erlebt!
Später verbringen Louise und Tante (Matilda) Eule die weitere Nacht, indem sie etwas tun, was die wanderlustigen, Guinness-seeligen Mäuslein von den beiden (angeblich so sehr vornehmen) englischen Landeulen bestimmt nicht erwarten würden: Unsere beiden alten Eulenmädchen gönnen sich vor Matildas Kamin zunächst einmal ein kleines Gläschen Likör; dieses Gläschen mag allerdings nicht lange alleine bleiben und so werden die beiden alten Mädchen auch ihrerseits immer munterer – Louisa und Matilda verbringen die weiteren Stunden dann auch, indem sie die Likörflasche immer mehr leeren, einander einmal mehr lange Geschichten aus vergangenen „schöneren“ Zeiten erzahlen, und im ganzen schließlich immer sentimentaler werden.

Louisas und Matildas Gespräche drehen sich bald immer mehr um die gemeinsam erlebte Vergangenheit, in der sie noch muntere, junge Eulen gewesen seien – und England, „Das gute alte England!“ Vordem letzten Krieg sei das alles doch noch viel schöner gewesen! Irgendwann stehen Louisa und Matilda dann (reichlich betrunken und auf der Suche nach sicherem Halt sorgsam aneinander gelehnt) vor Tante Matildas großem Schlafzimmerspiegel und sagen betroffen zueinander: „Kuck mal, Schätzchen, so was ist aus uns beiden geworden! – Ist das nicht einfach traurig?!“ Und zu guter Letzt singen unserer beiden alten Eulenmädchen (so gut sie es vor lauter Likörseeligkeit und Sentimentalität noch können) aus voller Kehle sogar noch „Rule, Britannia! Britannia, rule the waves!“, wobei sie ein paar Tränchen vergießen!

Der ganze Abend – oder vielmehr die Nacht – endet dann damit, daß Louise zu Matilda sagt: „Tilda, Schätzchen! – Ich bin dermaßen blau, ich kann so gar nicht nach Hause fliegen!“ Louisa verbringt die nächsten Stunden deshalb schließlich schlafend auf Matildas alter, aber bequemer Wohnzimmercouch. Vor dem Einschlafen brummelt Louisa noch: „Mein Gott, wir haben uns wie junge Mädchen aufgeführt – ich bin nur froh, daß mein seliger John das nicht mehr mitgekriegt hat!“ Und im weiteren Verlauf der Nacht denken beide dann noch voneinander: „Sie ist ja ein liebes altes Mädchen, aber sie schnarcht wie ein Sägewerk!“ 


Wenn unserer beiden alten Eulenmädchen im Laufe des nächsten Vormittags aus ihrem likörseligen Schlaf erwachen und durch Matildas Haustür nach draußen Schauen, passiert es in der Herbst- und Winterzeit nicht so sehr selten, daß sie den umgebenden Wald von dichtem, englischem Landnebel verhüllt finden – hierüber sind unsere beiden alten Mädchen allerdings keineswegs besonders traurig, weil der dichte Nebel ja beideutet, daß Louisa überhaupt noch nicht nach Hause fliegenkann, was wiederum bedeutet, daß unsere beiden Freundinnen mit gutem Grund auch noch einige weitere Stunden in der bereits beschriebenen, gemütlichen Weise verbringen können.

Louisa hat genaugenommen auch gar keine Lust, nach Hause in den Hundertsechzig-Morgen-Wald zu fliegen – was soll sie da denn auch, wenn sie es bei ihrer Freundin Matilda doch so sehr gemütlich haben kann? In der letzten Nacht hat Louisa auch noch geträumt, daß Winnie-der-Pu bei ihr zu Hause stundenlang in entnervender Weise an der Haustür geklopft und geklingelt hat – wenn Louisa auch weiß, daß sie das ganze nur geträumt hat, weiß unser Eulenmädchen auch, daß Winnie-der-Pu zu solchen Spinnereien auch im echten Leben im Stande ist, weshalb sie nicht wenig Lust hat, dem „Bären mit wenig Verstand“ bei nächster Gelegenheit dazu so oder so ihre Meinung zu sagen.

Und Kaninchen? – nun ja, Kaninchen ist klug und hat viele Einfälle – nur sind diese Einfälle oft auch etwas seltsam und geeignet, unsere Louisa bei ihrem gemütlichen, ländlich-englischen „Alte Mädchen-Dasein“zu sehr zu stören,  weshalb sie ihre Zeit doch viel lieber auch weiterhin noch mit ihrer gleichgesonnenen Lieblingsfreundin Mathilda verbringen möchte!
Und so verbringen Louisa und Matilda noch einen weiteren Tag in Matildas gemütlicher Baumwohnung, wobei sie sich wiederum am Likör, an alten Kaminfotos und an ihren gemeinsamen Erinnerungen an fröhliche Zeiten im guten, alten Vorkriegsengland erfreuen – dabei zeigt Matilda ihrer Freundin Louisa immer wieder gern ein altes Photo des Clock Tower am Palace of Westminster in London und sagt dabei ein wenig verträumt zu Louisa: „Da oben hab ich früher mal gewohnt – direkt über Big Ben! Es war natürlich bei jedem Glockenschlag ziemlich laut – aber es war auch etwas ganze Besonderes!“
 

Die Maus im Mond:

An einem klaren, mondhellen Spätsommerabend stehen wieder einmal drei oder vier von unseren Mäuschen mehr oder weniger blau und in gewohnter Weise munter quasselnd vor der „Dummen Katze“, wobei sie alle auch jetzt wieder etwas von ihrem geliebten Guinness dabei haben, weil’s auf die Art doch so ganz besonders schön ist! Eins von unseren Mäuschen schaut ein paar Sekunden lang sichtlich angestrengt und mit aller ihm noch möglichen Konzentration den runden, hell leuchtenden Mond mit seinem Fleckenmuster an, um dann mit einer originellen Entdeckung herauszuplatzen:

„Leute, kuckt doch mal! Im Mond sitzt eine Maus!“ ruft unser Mäuschen plötzlich seinen immer noch munter quasselnden Freunden zu, die daraufhin erschrocken innehalten, um dann ebenfalls möglichst konzentriert (aber auch bald erkennbar aufgeregt) den Mond anzuschauen – nach einigem angestrengten Hochschauen und lebhaftem Hin-und-her-Gerede sind sich unsere drei oder vier Mäuslein dann begeistert darüber einig, daß im Mond tatsächlich eine Maus sitzt, die wohl gerade zufrieden an einem großen Käsestück herumfuttert.

Nach ihrer aufregenden Entdeckung beginnen unserer Guinness-seeligen, munteren Mäuslein allerdings auch bald einen lebhaften Meinungsaustausch über die Frage, wem die Maus im Mond denn wohl am ähnlichsten sieht – die Folge von Alldem ist eine minutenlange und reichlich skurril anmutende Diskussion über die Größe von Nasen und die Rundheit von Mäuseohren!

Durch das lebhafte Hin-und-her-Gerede werden bald weitere Mäuslein aus der Gemütlichkeit der „Dummen Katze“ in die helle Mondsommernacht hinausgelockt, so daß wenig später fast alle Gäste der „Dummen Katze“ draußen vor ihrem Lieblings-Pub stehen und sich begeistert darüber unterhalten, daß es Mäuse jetzt wohl nicht nur im fernen Amerika gibt, sondern auch noch auf dem Mond – und das sei dann doch noch mal was ganz Anderes!

Noch ein letztes Wort zur „Weltrevolution“:

Wenn George und Frederick während ihrer regelmäßigen, nächtlichen Rundwanderung an Tante Eules Baumwohnung angekommen sind und eines unserer beiden unternehmungslustigen Mäuslein – voll des guten Guinness – mit sehr lebhaften Gesten seine Rede über die „Weltrevolution“ zum Besten gibt (worin es vom jeweils anderen Mäuslein mit aufmunternden Zurufen auch noch weiter bestärkt wird), steht die Tante (Matilda) Eule nicht selten mit ihrer alten Liebringsfreundin Louisa an der offenen Eingangstür ihrer Wohnung, um den beiden Mäuslein bei ihrem skurrilen Treiben zuzuschauen.

Matilda und Louisa sind zu dieser nächtlichen Zeit nach ausgiebigem Likör-Genuß meistens auch schon „ziemlich weit jenseits von diesem und jenem“, weshalb sie beim Anblick der beiden munteren „Amerikareisenden“ schon mehrmals einigermaßen darüber erstaunt waren, daß sich so kleine Mäuschen mit so viel Guinness im Köpfchen noch so sehr aufregen können! Unsere beiden Mäuschen wären ihrerseits ja auch einigermaßen erstaunt, wenn sie wüßten, daß sich die beiden alten Eulenmädchen da oben in der Baumwohnung jetzt wohlweißlich sehr sorgfältig gegenseitigen Halt geben, wobei Louisa meistens auch noch die halbleere Likörflasche hinter ihrem Rücken festhält (da ist doch so was Leckeres drin!), damit man die Flasche von draußen nicht sehen kann.

Wenn unsere beiden alten Eulenmädchen also einmal mehr in Matildas schmalem Wohnungseingang stehen und – nach einigen likörreichen Stunden – vom hohen Baum aus in die Dunkelheit des nächtlichen Waldes oder in den dichten Nebel eines ländlichen Spätherbst-Vormittages hinausschauen, wird Matilda auch noch oft von der hinter stehenden Louisa an gestupst:
Auf Matildas Frage hin, was denn los sei, hält Louisa ihrer Gastgeberin und Busenfreundin dann die noch nicht ganz leere Likörflasche unter die Nase, mit dem Hinweis, das da doch noch was Leckeres drin sei, was man nicht so einfach herumstehen lassen sollte – ein Argument, das Matilda (die vielleicht noch gerade eben den lebhaft quasselnd davon stolpernden „Amerikareisenden“ Goerge und Frederick nachgeschaut hat) recht schnell überzeugt, weshalb die beiden alten Mädchen (einander wiederum sehr sorgfältig festhaltend) für einen letzten, freundlichen Schluck Likör wieder zu Matildas Wohnzimmercouch zurückkehren.

Ein Ausflug nach Dover:
 
Einige unserer unternehmungslustigen Mäuschen aus der „Dummen Katze“ haben sich auch einmal auf den (besonders für möglichst heimlich mit der Eisenbahn fahrende Mäuse) recht umständlichen Weg aus ihrer ländlichen Grafschaft nach Dover gemacht, um sich dort einen langgehegten Wunsch zu erfüllen.
 
Als die selbstbewußten, englischen Landmäuse, die sie nun einmal sind, und mit einem urbritischen Stolz auf ihr traditionsreiches Inselbewohnerdasein zwischen Nordsee und Atlantik, haben unsere Mäuschen – ebenso wie von Amerika – auch von Frankreich nur ein sehr ungefähres und allgemeines, klischeebeladenes Bild in ihren kleinen Köpfen:
Sie halten Frankreich für ein Land der Dekadenz, der übertriebenen Freizügigkeit und der komplizierten, ungesunden Genüsse – um es kurz zu sagen, unsere Mäuschen halten Frankreich für ein Land ausgesprochener „Ungezogenheit“ und geradezu anmaßenden „Unbritisch-Seins“.
 
Als logische Konsequenz all ihrer eben aufgezählten Ansichten hat sich unsere kleine Gruppe besonders reiselustiger, englischer Provinzmäuschen (die „Amerikawanderer“ George und Frederick sind übrigens auch dabei) also hier am Rande des großen Fährhafens von Dover mit Guinness und echtem englischem Käse eingerichtet, um – munter quasselnd, Guinness trinkend und Käse futternd – zuerst einmal dem regelmäßigen Kommen und Gehen der Fährschiffe auf dem Weg von und nach Frankreich zuzuschauen.
 
Nachdem in der soeben beschriebenen Weise einige Zeit vergangen ist, haben es unsere Mäuschen schließlich zu einem ausreichenden Gehalt an Guinness in ihren Köpfchen gebracht, um hier in recht eigenwilliger Weise eben genau das zu tun, was auch der eigentliche Grund für ihren Ausflug nach Dover ist;
Sie wenden sich in die Richtung, in der sich nach ihrem Dafürhalten die ferne, französische Kanalküste befinden muß und beginnen damit, ihre sehr abschätzige und ehrenrührige Meinung über Frankreich mit lautem Krakeelen und ebenfalls recht ungezogenen, eindeutigen Gesten kundzutun, wobei sie französischen Schimmelkäse ins Hafenwasser werfen und den nach Frankreich abfahrenden Fährschiffen mit aller Gründlichkeit hinterherpöbeln!
 
Es stört unsere Mäuslein nicht, das man ihre Schimpfereien im fernen Frankreich längst nicht mehr hören kann und sie wissen zu ihrem eigenen Glück auch noch nicht, daß es viele Jahre später unter dem Ärmelkanal einmal einen lebhaft benutzten Tunnelweg zwischen England und Frankreich geben wird – unsere überzeugten Junggesellen-Mäuslein bedauern es einfach nur, das sie nie Töchter in die Welt gesetzt haben, denen sie es jetzt verbieten könnten, jemals so eine „dekadente Franzosenmaus“ zu heiraten!

… und das waren die Geschichten aus der „Dummen Katze“!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.03.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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