Verena Montag

Irrsinn der Liebe


Wie lange hatte ich auf diesen Tag gewartet und heute war es endlich soweit. Endlich hatte ich erreicht wovon ich all die Jahre geträumt hatte - IHM nahe zu sein!
 
Es war kurz vor 18 Uhr, ich war etwas zu früh und blieb daher noch einen Moment im Auto sitzen bevor ich zum Haus ging und klingelte. Ich atmete tief durch und sah mich noch einmal im Spiegel an – ich war nervös, nervös was mich erwartete, hatte Angst vor dem was kam, auf das ich mich eingelassen hatte, aber alles überschattend war da dieses Glücksgefühl und nur das zählte.
 
„Was sind schon 20 Jahre!“ dachte ich mir, lächelte und ging zur Tür und klingelte. Er öffnete mit diesem Lächeln mit dem er mich damals vor 8 Jahren verzaubert hatte – und aufs Neue spürte ich diese Schmetterlinge in meinem Bauch und meine Knie wurden weich. Wie er das nur nach all dieser Zeit noch immer schaffte – er ist eben was ganz Besonderes, WIR waren etwas Besonderes.
 
Er hatte seine dunkle Jeans und den schwarzen Rolli an, den ich so an ihm liebte. Ich fand seine Hände und Unterarme schon immer besonders sexy, schon seltsam dass ich damals schon solche Gedanken hatte – ich war noch so jung. Seine Wohnung sah noch genauso aus wie bei meinem letzen Besuch. Ich setzte mich auf „meinen“ Platz auf der Couch und fühle mich gut. Mike kam mit zwei Gläsern Wein aus der Küche und setzte sich neben mich. Früher saß er nie neben mir, aber früher ist auch Vergangenheit, die Distanz zwischen uns war Vergangenheit. Nach zwei Jahren Pause hatten wir schließlich viel nachzuholen – Bedenken hin oder her, alles war unwichtig geworden.
 
Als wir in den darauf folgenden Minuten da saßen und über „alte Zeiten“ redeten wurde mir immer mehr klar, und ich denke nicht nur mir, wie verrückt wir eigentlich waren – Lehrer und Schülerin, welch typisches Klischee, doch typisch waren wir ganz und gar nicht denn der Unterschied bei uns war, WIR hatten nun 2 Jahre Bedenkzeit um über das was wir getan haben und was wir nun hier machen, nachzudenken. Und dennoch wollten wir es, es war keine Schwärmerei, keine billige Affäre, es war mehr…es war absoluter Irrsinn.
 
Vor 8 Jahren hatte alles mit einer harmlosen Schwärmerei begonnen, Schülerin verliebt in Lehrer, dann kam der Emailkontakt, wir wurden immer vertrauter und erfuhren mehr und mehr vom anderen. Irgendwann hatten wir den Punkt überschritten und wollten immer mehr, mehr voneinander erfahren, sich sehen, öfter und öfter. Damals war ich noch seine Schülerin doch durch die täglichen Emails waren wir schon damals viel mehr, jedoch blieb das unser Geheimnis, niemand bekam etwas mit und niemand wusste was wir hatten. Ihr dürft das aber nicht falsch verstehen, wir hatten auch damals keine Affäre miteinander, sexuell ist nie etwas zwischen uns gelaufen. Wir wurden mehr und mehr Freunde, Verliebte, ich weiß es nicht. Dann kam ich aus der Schule und war am Boden zerstört ihn nun nicht mehr jeden Tag sehen zu können, doch unser Kontakt blieb erhalten und wurde von nun an immer intensiver. Wir begannen uns zu treffen, erst Kaffeetrinken im Café dann besuchte ich ihn das erste Mal zu Hause. Wir unterhielten uns stundenlang, lachten miteinander, er lud mich zum Essen ein und machte mir Komplimente. Auch der Emailverkehr wurde immer mehr und vertrauter. Bald schrieb er mir fast jeden Tag und fragte wann wir uns wieder sehen würden, lud mich zu Veranstaltungen ein, fragte was ich mache, wenn es mir schlecht ging baute er mich auf und wenn es ihm nicht gut ging machte ich das selbe – wir waren ein super Team. Wir wussten alles was der andere machte, was er dachte, was er wollte. Doch keiner von uns beiden hat damals jemals ausgesprochen was er für den anderen empfand, keiner hatte jemals diese Grenze die wir uns selbst gezogen hatten überschritten. Ich glaube wir waren einander einfach so wichtig dass keiner von uns dies durch eine unüberlegte Handlung zerstören wollte – bis heute.
 
Vor zwei Jahren dann sahen wir uns das letzte Mal, ein wunderschöner Abend, wir waren damals essen, danach kam ich noch zu ihm, wieder geschah nichts. Wir verabschiedeten uns, ich ging aus der Tür und kehrte nie mehr zurück. Seit diesem Moment hatte ich nichts mehr von ihm gehört, habe aber nie aufgehört an ihn zu denken.
 

 
Dann vor zwei Wochen bin ich über meinen Schatten gesprungen, hab mich über meine Angst vor der Zukunft hinweg gesetzt und bin zur Schule gefahren an der er arbeitet - an der alles begann. Ich habe lange darüber nachgedacht ob ich es wirklich tun sollte kam aber letztendlich zu dem Entschluss das ich es machen musste ansonsten würde ich ihn niemals aus meinen Gedanken bekommen und mir immer wieder denken „Was wäre wenn…“ Ich musste es versuchen.
 
Ich, inzwischen berufstätig hatte nun auch schon mehrere längere Beziehungen hinter  mir und habe bis heute immer gehofft jemanden zu treffen der mich so aus der Bahn geworfen hat wie Mike, jemand der mich so begeistert wie er es damals getan hat, nur leider habe ich nie wieder einen solchen Menschen getroffen. Darum musste ich handeln, mein Leben konnte nicht so weiter gehen, jeden Tag an dem ich aufwache fühle ich mich unvollkommen und nach vier Jahren bin ich mehr und mehr zu dem Schluss gekommen das Mike der Teil war der mir im Leben fehlte. Unter dem Vorwand Hilfe in Mathe zu benötigen machte ich mich also damals an einem verschneiten Märztag auf zur Schule – ich stieg aus dem Auto und blickte auf die Uhr, es war 12:50 Uhr, ich war gerade pünktlich. Wie oft hatte ich hier, auch bei strömendem Regen oder klirrender Kälte, nach dem Unterricht auf ihn gewartet, ich hatte ihm damals immer erzählt meine Mutter hätte sich verspätet. Aber all das nahm ich gerne in Kauf wenn ich dafür ein paar Minuten mit ihm allein bekam. Und nun stand ich wieder hier und mein Herz klopfte wie damals wie wild, ich blickte zum Eingang aber von Mike war noch nichts zu sehen. Es mussten wohl schon einige Minuten vergangen sein in denen ich in Erinnerungen schwelgte als plötzlich jemand zu mir sagte „Eva? Was machst du denn hier?“ ER war es – ER stand vor mir und sah mir direkt in die Augen, er sah doch ziemlich überrascht aus, aber ich konnte auch ein Ausdruck von Freude in seinem Gesicht erkennen. Ich war kurz davor ihm um den Hals zu fallen und da ich kein Wort heraus brachte starrte ich ihn einfach nur an. „So kenne ich dich, mit deinen Gedanken wie immer ganz wo anders“ meinte Mike. „Hi“ hauchte ich ihm entgegen und grinste „ich war gerade in der Nähe“ etwas Besseres fiel mir in dem Moment wirklich nicht ein. „Freut mich“ sagte er und lachte. Da er leider etwas in Eile war und daher nur wenig Zeit hatte fiel unser Wiedersehen etwas kurz aus, jedoch schlug er vor uns fürs Wochenende zu verabreden. So kam es also dazu dass ! ich nun gerade mit ihm auf der Couch saß und wir uns tief in Augen schauten. (Fortsetzung folgt)
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.03.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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