Grüne Welle
Ein Tag, wie er im Buche steht.
... ausgeschlafen, ausgeruht.
Die Sonne scheint,
die Vögel zwitschern,
der Kaffee läuft und verströmt bereits sein herrliches Aroma.
Während der wohlig, warmen Dusche läuft das Radio und heraus dröhnt impulsiv und voller Inbrunst Rod Stewart's: 'Baby Jane'.
Rebecca fühlt sich rundum wohl, die heißen Wasserstrahlen massieren ihren wohlgeformten Körper und der betörende Duft des Shower-Gels lässt sie blumig hineingleiten in einen neuen Tag.
Perfekt!
Perfektes Leben - einfach alles - ... einfach perfekt!
Sie genießt ihr Frühstück und den leckeren Kaffee, ein Blick in die Zeitung, noch einmal ein schnelles Nachziehen des Lippenstift's und ab ins pralle Leben.
Ihr Fahrzeug, ein Polo - älteres Modell - namens 'Gurke', springt gleich an und sie fährt zur Arbeit. Die Ampeln grüßen sie in freundlichem Grün und die zart treibenden Fühlingsblumen heben grazil den Kopf und nicken ihr, dank des leichten Windes, zu.
Diese Lebensfreude ist das, was sie als Mensch strahlen lässt.
Eine positive Aura gepaart mit viel Charisma.
Auf dem Firmengelände angekommen, bemerkt sie beim Aussteigen das glitzernde Etwas am Boden. ... ein Cent! Sie lächelt, hebt ihn auf, spuckt zwei Mal auf die Münze und steckt sie in die Tasche.
Ein lukrativer Arbeitstag, mit gut gelauntem Boss, geht recht zügig vorbei und sie freut sich auf einen harmonischen Abend zu zweit ...
... ein Abend mit Jens.
Jens Maier, seit 2 Jahren ihr Freund,
35 Jahre, selbstständiger Unternehmer,
gutaussehend, gebildet und charmant.
Aufgrund des geleisteten Pensums, kann sie die Firma eine Stunde eher verlassen.
Auf dem Weg zu Jens' Wohnung, kurz vor Ladenschluss, sieht sie diesen Traum von Kleid in einem Schaufenster - beklebt mit der Aufschrift 'bis zu 50 % reduziert!' - stürmt noch schnell in die Boutique und gönnt sich dieses herrliche Schnäppchen.
Ach, ist das Leben schön!
... und wieder mal - Grüne Welle!
Wie perfekt kann ein Tag sein?
Was wäre gewesen, wenn sie länger hätte arbeiten müssen,
wenn alle Ampeln rot gezeigt hätten,
wenn sie im Geschäft hätte warten müssen,
... was wäre, wenn sie in eine Polizeikontrolle gekommen wäre
oder wenn sie als Zeugin bei einem Unfall hätte aussagen müssen?
Was wäre, wenn sie nicht eher nach Hause gekommen wäre?
Was wäre, gewesen, wenn sie Jens nie begegnet wäre?
Was wäre gewesen, wenn sie ihn nicht mir Ihrer besten Freundin im Bett vorgefunden hätte - an diesem ach, so perfekten Tag?
Vielleicht ...
... aber auch nur vielleicht - wäre es ein perfekter Tag geblieben
- in ihrem bis dahin ach, so perfekten Leben! -
Vielleicht, lag es daran, dass es am Freitag, dem 13. Februar war,
- ... abergläubisch?
Das Valentinstagsgeschenk - ... es liegt noch immer in ihrem Kleiderschrank!
© Monika Hoesch
(nicht autobiographisch)
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.03.2009.
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