Bianca Hard

Zu spät

Ich liebe dich.
Lege dir meine Welt zu deinen Füßen. Du bist das einzigste was mich hier noch hält.
Du hast mich aus der Hölle geholte und in den Himmel gebracht ohne das du es wusstest. Ich war mir nicht sicher ob ich dir wirklich vertrauen kann. Doch Schritt für Schritt hast du mir gezeigt wie Schön es sein kann zu vertrauen. Sich auf andere zu verlassen.
Zu Leben.
Wie sehr du mich wirklich verändert hast, das weist du nicht. Das habe ich dir nie gesagt und das werde ich dir auch nie sagen. Den das ist die letzte Freiheit die ich mir nehme und bewahre.
Du bestimmst mein Leben, bist der Mittelpunkt davon.
Jahre lang bist du mein Licht in der Dunkelheit. Meine Luft zum Atmen.

Ein guter Freund warnt mich vor dir. Sagt mir dass du es nicht ehrlich mit mir meinst. Das es fürr dich nur ein Spiel ist. Und ich dir so gut wie nichts bedeute.
Ich glaubte ihm nicht.
Kann und will es nicht.

Doch Wochen später muss ich erkennen dass er Recht hatte. Du hast mich belogen. Genauso wie jeder andere vor dir auch. Du hast mit mir gespielt.
Mich ausgenutzt.
Nun lachst du über mich.
Über meine Dummheit.
Mein blindes Vertrauen.

Mein Herz, ein einziger Trümmerhaufen. Zerbrochen an dir. Ich hatte dir einmal gesagt, ich lasse mein Herz bei dir. Pass darauf auf.
Doch was hast du gemacht? Du hast darauf herum getrampelt, es aus dem Fenster geworfen, mit Nadeln durchbohrt.
Mein Leben ist sinnlos geworden ohne dich. Die Farben um mich herum sind verblasst. Mein Lachen habe ich verloren.
Weine mich jede Nacht in den Schlaf und wache morgens unter Tränen wieder auf.


Dein Freund war für mich da. Sprach mir Mut zu, dass das Leben weitergeht. Versuchte mich zu trösten und aufzubauen.

Doch zu Spät.

Ich glaubte ihm nicht. Konnte es nicht. Denn ich wurde einmal in meinem Leben zu viel belogen und betrogen.
Mein Vertrauen, mein Sein, mein Ich, in Millionen kleine Splittern gesprengt.


Nun liege ich hier. Zitternd vor Kälte auf dem Grab der einzigen Menschen denen ich wirklich was bedeutet habe.
Diese Menschen wurden mir viel zu früh genommen.

Bittere Tränen rinnen über mein Gesicht. Kalte Regentropfen fallen und vermischen sich mit ihnen. Der Himmel tief schwarz. Wolkenfetzen jagen über mich hinweg. Der Wind rauscht bedrohlich in den Bäumen des Friedhofes.
Doch meine Angst ist verschwunden.
Meine Augen werden schwer. Die Tabletten fangen an zu wirken. Die Müdigkeit rollt über mich hinweg wie eine dunkle Wand. Ich sehe dein Gesicht vor mir und bilde mir ein dass alles nur ein böser Traum war. Noch einmal will ich glücklich sein.

Eine Stimme dringt undeutlich an mein Ohr. Mit letzter Kraft öffne ich die Augen, in der Hoffnung dass du es bist, der in meinen letzten Minuten bei mir ist.
Doch ich erkenne deinen Freund. Der der mich vor dir gewarnt hatte. Der der versucht hat mich zu trösten.
Ich traue meinen eignen Augen nicht. Er strahlt von innen heraus heller als jedes Licht das ich kenne. Ich sehe zwei weiße Flügel auf seinem Rücken die uns beide sanft umhüllen.
Zärtlich hält er mich in seinen Armen. Streicht mir sanft mit seiner Hand über die Wange.
Er weint um mich. Sagt mir dass ich nicht gehen darf. Noch nicht. Das es viel zu früh für mich ist diese Welt zu verlassen. Das ich doch noch soviel zu erleben hätte.
Das ich ihn nicht verlassen könnte. Nicht jetzt wo er mich gefunden hat. Nicht jetzt wo er mir sein Herz geschenkt hat.
Ich erkenne die Wahrheit in seinen Worten nicht. Und trotzdem spüre ich seine Liebe. Sie füllt mich aus. Wärmt mich und hüllt mich ein, wie in eine warme, kuschelige Decke.

Doch alles zu Spät.

Die Schwärze um mich herum wird immer dichter.
Sanft legen sich seine Lippen auf meine. Ringen mir ein letztes Versprechen ab. Das ich auf ihn warten werden.
Das wir uns Wiedersehen.
Irgendwann.
Sein Licht schwindet.
Ich habe aufgegeben.
Verloren.


Mal wieder.



------------------------------



Er hatte ihr geschworen sie zu beschützen und zu lieben. Sie nie mehr alleine zu lassen. Und doch konnte er sie auf ihrem letzten Weg nicht begleiten.
Stumme Tränen fallen auf ihr friedliches Gesicht. Ihr letzter Atemzug schon lange versiegt.
Warum nur ausgerechnet SIE.
Sie hatte ihn gerettet, ohne es zu wissen.
Und nun hatte sie ihn verlassen.


Bei ihrer Beerdigung war er der einzige der kam. Lange noch stand er an ihrem Grab.
Jeden Tag kommt er sie besuchen und erzählt ihr von seinem Leben. Erzählte ihr jeden Tag aufs Neue wie sehr sie ihm fehlte. Und das er sich darauf freute sie irgendwann wiederzusehen.

Aber seine Zeit war noch nicht gekommen.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.03.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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