Gisela Hilgers

Meine erste große Liebe

Susanne stieg gedankenverloren aus ihrem Auto aus. Dabei rempelte sie ganz in Gedanken einen Mann an, der in das Auto neben ihr gerade einsteigen wollte.

 Sie schaute auf. "Nein, das darf doch nicht wahr sein! Du!" rief sie. Der Mann schaute auf, sah sie verdutzt an. Man sah ihm an, dass er überlegte, wer sie denn sein könnte. Susanne konnte den Grochen regelrecht fallen sehen.

"Du? Susanne? Nach so vielen Jahren! Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen? Sind das 30 Jahre oder so?" sagte er.

"Och, weißt Du, Frank, es sind sogar schon 32 Jahre. Aber das Du mich auf Anhieb wiedererkannt hast?! Du hast Dich ja nicht verändert, aber ich?" "Hör mal Susanne, Dein Lächeln ist noch das Gleiche wie damals und außerdem wirst Du für mich immer 14 bleiben." 

"Danke, Du Schmeichler! Aber sag mal, wie ist es Dir in der ganzen Zeit ergangen?" Das sagte sie laut, aber dachte dabei "so ohne mich?" Er lachte und meinte: "Lass uns doch lieber da hinten in das Cafe gehen und etwas trinken, da unterhält es sich doch besser. Wenn man sich nach so vielen Jahren wiedersieht, muss man das doch auch feiern."

Als sie im Cafe saßen wurde Susanne klar, dass die Schmetterlinge und all die Liebe, die sie seit so vielen Jahren im Herzen trug, nur verschollen gewesen waren. Sie sah ihn an. "So, jetzt erzähl aber mal. Wie geht es Dir und was machst Du so?" Er erzählte ihr von Frau und Kindern, von seinem tollen Job und die Zeit rannte nur so davon. Susanne konnte nichts anderes als dasitzen und ihn einfach nur anschauen. Ihre erste große Liebe und wie sie jetzt feststellte, war er das wohl immer noch.

Auch er wollte von ihr wissen, was sie so mache. "Och, ich habe drei Kinder, lebe mit meinen behinderten Sohn alleine und bin schon seit vielen Jahren geschieden. Das Leben hat es nicht so gut mit mir gemeint wie mit Dir." "Ach komm", antwortete er, "mit drei Kindern kann das Leben doch gar nicht so schlecht sein." Er schaute auf die Uhr. "Oh weh, jetzt habe ich mich aber verquasselt. Können wir das nicht noch einmal wiederholen? Ich habe noch einen dringenden Termin, zu dem ich eigentlich schon längst unterwegs sein sollte. Hier ist meine Visitenkarte. Melde Dich doch einfach mal bei mir."

Sie blieb noch sitzen und schaute ihm nach, als der das Cafe verließ. Sie wußte, sie würde ihn immer lieben, doch er war nicht frei. Die Karte steckte sie trotzdem ein, als kleine Erinnerung an die Jugend und an ihre große Liebe.

 Nach einigen Monaten viel ihr die Visitenkarte wieder in die Hände. "Was er jetzt wohl macht" dachte sie. "Ob er manchmal an dieses Wiedersehen denkt, so wie ich?" Sie nahm sich ein Herz und schrieb im eine E-Mail. Beim Schreiben viel ihr ein, dass heute ja auch sein Geburtstag war. Sollte dies ein Wink des Schicksals sein?

Eine Viertelstunde später hatte sie eine Mail in ihrem Posteingang. Er lud sie zum Essen ein und er müsse dringend mit ihr reden. Es wäre ganz toll, dass sie sich endlich gemeldet hätte. So rief sie ihn an und verabredete sich mit ihm für das nächste Wochenende.

"So, jetzt musst Du aber mal ganz genau erzählen, was Du so die ganze Zeit gemacht hast. Beim letzten Mal hast Du ja nur mich erzählen lassen und gar nichts von Dir erzählt." Sie lachte. "Soll ich Dir wirklich sagen, was ich die ganze Zeit getan habe?" "Na klar, ich bin total neugierig!" 

"Ich habe einen Mann geheiratet, nur weil er Dir ähnlich war. Jahrelang habe ich vergeblich nach Dir gesucht. Und dann läufst Du mir über den Weg und ich muss feststellen, dass ich Dich immer noch liebe!" 

Erschrocken riss Susanne die Augen auf. Das durfte doch nicht wahr sein. Das konnte sie doch nicht gesagt haben! Sie schaute sich um und war sehr erleichtert. Sie lag zu Hause in ihrem Bett, alleine und es war wohl doch wieder einmal nur ein Traum gewesen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.03.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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