Gisela Hilgers

Ein aufschlussreicher Anruf

 

 

Ein aufschlussreicher Anruf

 

Gestern morgen ging mein Handy. Es wurde eine Nummer angezeigt, also ging ich ran.

 

Am anderen Ende ein leises Lachen als ich mich meldete und dann kam: „Du weißt jetzt gar nicht, wer dran ist, oder?“

 

Meine Gedanken schlugen Salti, wem hatte ich da wohl mal wieder meine Mobilfunknummer gegeben. Doch da kam schon: „Kennst auch meine Stimme wohl nicht mehr, nach all den Jahren?“

 

Stille. Jetzt konnte ich gar nichts mehr sagen. Nach Sekunden des Überlegens brachte ich nur heraus: „Nein, wirklich nicht.“ Da hörte ich am anderen Ende der Leitung: „Ich bin’s, Guido.“

 

Schon wieder schlugen die Gedanken Kapriolen, wie viele Männer mit Namen Guido kannte ich? Kleinlaut gab ich zu: „Einen Nachnamen wirst du doch auch haben?“

 

Wieder dieses leise Lachen. „Na klar, Guido Baumann, na, jetzt erkannt?“

 

Mir verschlug es jetzt endgültig die Stimme. Ich konnte nur noch krächzten: „Du? Nein, Dich hätte ich nicht erkannt an der Stimme. Hätte aber auch nie damit gerechnet, dass du meine Nummer hast. Wie kommst du denn an die?“

 

Ich ärgerte mich über mich selbst. Da war mein „Traumprinz“, so hatte ich ihn mit 17 genannte, an der Strippe, und mir viel nichts Besseres ein. Wie blöd war ich eigentlich?

 

Er lachte mittlerweile lauthals. „Ja, so kenn ich Dich. Erst mal tausend Fragen, aber mal kein, wie schön das du dich meldest oder wie schön deine Stimme zu hören.“

 

„Hey, du hast mich auch total überrumpelt. Du wusstest, wer sich am anderen Ende meldet, aber ich nicht.“ Mein Gott, musste ich ihn nach 30 Jahren noch immer so behandeln, als würde er mir absolut nichts bedeuten? War ich am Ende noch immer in ihn verliebt? Tausend Fragen schossen mir in sekundenschnelle durch den Kopf.

 

„Ich freue mich ja wahnsinnig, dass du anrufst, aber komm, sag wie kommst du an meine Nummer?“ fragte ich ganz atemlos. Wieder dieses leise Lachen, dass mir schon damals durch Mark und Bein ging. „Von meinem kleinen Bruder Horst, den hast du doch vor kurzem einmal getroffen, der hat sie mir gegeben. Er meinte, er hätte jetzt die Nummer von der Frau, die immer meine Traumfrau gewesen sei und bei der ich mich nie getraut hätte, einmal zu versuchen, ob sie das Gleiche für mich empfindet.“

 

Mein Herz klopfte wie wild in meiner Brust. Hatte er da wirklich das Wort „Traumfrau“ benutzt? Ging es ihm vielleicht wie mir und hatte er mich über all die Jahre nicht vergessen können? Viele Fragen lagen mir auf der Zunge, doch ich traute mich nur zu fragen: „Und, war das damals wirklich so? Hast du dich nie getraut oder war das nur ein dummer Scherz von Horst?“

 

„Nein, nein“, kam sofort zurück, „kein dummer Scherz, ich glaube, mein Bruder hat damals mehr gewusst, als ich geahnt habe. Du warst für mich so unerreichbar, weil du ja mit 17 Jahren noch so jung warst und ich war doch schon 23, ging fort nach Frankfurt, weit weg von dir. Das wollte ich weder dir noch mir antun, dass es dann nach wenigen Wochen schon zu Ende sein sollte. Als ich dann nach einem ½ Jahr wieder zu Hause war, da hatte ich den Anschluss an meine Freunde verloren und somit auch an dich. Ich habe sehr gelitten.“ Der letzte Satz kam nur ganz leise bei mir an. „Und jetzt bin ich einfach nur froh, dass ich wieder eine Möglichkeit habe, mit dir Kontakt aufzunehmen.“

 

Ich rutschte ganz unruhig auf meinem Stuhl hin und her. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Eine solche Liebeserklärung, nach so vielen Jahren.

 

„Du, Guido, ich freue mich auch sehr, dass du anrufst. Wieder mit dir reden zu können, bedeutet mir sehr viel.“ Ich schaute aus dem Fenster. Die Sonne schien auf einmal sehr viel heller, der Wind wehte viel leiser und die Vögel sangen viel lieblicher.

 

„Wenn du dich so freust, dann mach doch mal die Türe auf.“ Ich stutzte. „Die Türe soll ich öffnen“, rief ich, „warum denn?“ Ich war wirklich total hin und weg. Bemerkte noch nicht einmal die kleinsten Hinweise.

 

Guido lachte leise vor sich hin. „Damit ich dich endlich auch in den Arm nehmen kann, mein Goldschatz! Ich stehe nämlich vor deiner Türe und warte darauf, dass du mich endlich in dein Haus und vor allem in dein Herz lässt.“

 

© Gisela Fischer , 21.04.2009

 

 

 

 

 

Die Geschichte ist nicht ganz autobiographisch. Das Treffen steht noch aus, aber ich glaube an das Happy-Ende.Gisela Hilgers, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.04.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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