Monika Hoesch

Ein Morgen, wie fast jeder andere


Ein Morgen, wie fast jeder andere

Hedera *

du Symbol der Unsterblichkeit,

du kannst nicht bestehen, ohne dich anzuschmiegen,

du bist das Sinnbild für Freundschaft

und immerwährende Treue

überflutest die Hänge.

Übermächtig kletterst du zum Himmel hoch,

schlingend, festhaltend,

– dem Licht entgegen.

Deine Haftwurzeln geben dir die Möglichkeit Unmögliches möglich zu machen.

8.45 Uhr,

allein, unterwegs entlang der toten Bahntrasse, längst vergessen die Berührungen, der gewaltige Druck der schweren Züge, immer Stand gehalten, unbeugsam und würdevoll - ertragen die Lasten längst vergangener Zeiten.

Das Klopfen eines Spechts vermischt sich mit trällerndem Vogelgezwitscher, die Sonne strahlt, intensiv, blendend,

... kneife die Augen zu, genieß’ ihre Wärme, vernehme das beruhigende Summen der Bienen, ein kleiner weißer Schmetterling umflattert mich galant, ein Eichhörnchen huscht über den Weg, sein braunroter buschiger Schwanz wedelt fidel hin und her, … ein zweiter Blick und es ist verschwunden.

Vor einen dichten Tannenwäldchen, springt ein Hasenpaar über die Felder zurück ins sichere Dickicht, uneinsehbar.

Unentwegt begleitet mich Vogelgezwitscher, zwischen Birken entdecke ich ihn wieder, er liebt das extreme, Herausforderungen jeglicher Art, kein Weg zu weit

Hedera helix, Symbol der Unsterblichkeit.

Der kleine Bach plätschert sanft vor sich hin, leises Rauschen, die Sonne durchdringt zum Teil noch kahles Geäst, Reflexionen bringen das Wasser zum Glitzern, die Luft angenehm frisch, ich rieche die Natur, ich rieche Grün.

Ich rieche feuchtes Holz.

Ich erreiche den mystischen Weiher, sein Wasser trüb, filmbedeckt, schleierhaft, was sich in ihm tut! In sich ruhend. Sumpfiris bevölkern die Oberfläche, ihre spitzen Blätter ragen aus dem Wasser, ein alter Baumstamm bildet eine Brücke zwischen Wasser und Ufer, überall moosbedeckte Steine, ein modriger Geruch hängt in der Luft.

Die Wächter des Teiches umzingeln das Wasser, groß, gewaltig, uralt, moosbedeckt am Fuße und die alte Borkenrinde, teils morsch, braun, teils flechtenummantelt.

… auch hier das Symbol der Unsterblichkeit, hoch geklommen bis in die sich wiegenden Wipfel, die Seele lebt, auch wenn der Körper schon tot ist. Seine Anwesenheit verschwenderisch, unzählbare Triebe, verschlungen zu teppichähnlichen Gebilden. - Es heißt es wäre ein sicheres Zeichen für die Anwesenheit Gottes. Seine heilende Wirkung in Maßen und sein Übermaß bis hin zum Tod vermittelt Respekt. Hedera übernimmt die Macht. Die Wächter kampflos erlegen, weil sie ihn schätzen, so bleibt ihnen ihre Seele gewiss.

Eine Invasion von Fluggetier kommt auf mich zu, pustend und Hände schlagend halte ich dem Angriff stand.

Ein beruhigend plätschernder kleiner Bach entfaltet seine meditative Wirkung. Die Steilhänge sind dicht bewachsen, überwuchert von Grün. Weiden bilden eine verschwörende Einheit, ihre verblühten Kätzchen erscheinen unordentlich struppig, wie kleine ausgediente Bürsten hängen sie an den Spitzen. Der kleine Bach summt seine wohltuende Melodie leise und unaufhörlich vor sich her. Das Wasser umspült sanft wallend die darin liegenden Steine. Die Lichtreflexe am Uferrand auf zartem Grün funkeln lebensfroh vor sich her.

Mein Blick fällt auf die gelben Punkte, dick, plüschig, dottergelb, Unmengen von gelben Punkten säumen den Wegesrand, überfluten die Wiesen - Der Löwenzahn blüht. Warmes Gelb bedeckt die grünen Ränder, freundlich, umsäumt von riesigen gezackten Blättern.

Eine kühle Brise sensibilisiert meine Haut, Körperhaare richten sich auf, die kleinen Erhebungen auf der Hautoberfläche signalisieren ein frösteln.

Hier, im Schatten der Bäume bedeckt Moos den gesamten Boden.
Am Rand stehen Pflanzen, die ich noch allzu gut aus der Kinderzeit kenne, ihre langen Triebe mit den haftenden Blättern – wie oft haben wir sie gepflückt und uns auf die Kleidung geworfen, keine Ahnung wie sie heißen - … wir haben sie schlicht und ergreifend „Kletten“ genannt.

Der Blick zum Himmel, strahlend blau – Coelinblau -, noch wolkenlos in Eintracht mit der Sonne, grell, blendend, begleitet mich auf meinem Weg.

Sie sendet mir ihre Zeichen der Freundschaft in Form von Strahlen, die mich wärmen.

Bäume strecken ihr Geäst zum Himmel. In den sich wiegenden Baumkronen wächst zartes Grün, noch zaghaft, bereit sich zu entfalten. … bereit für ein neues Jahr.

Auch von mir nachträgliche Glückwünsche zum Geburtstag, Freunde!

Die weißen Blüten der Bäume sind hier und da schon verwelkt, Blütenblätter gleiten tänzelnd zum Boden hinab, der Asphalt, für kurze Zeit, ein weißer Teppich.

Blühende Taubnesseln überwuchern die Hänge.

Schmetterlinge, aktivieren ihre zarten Flügelgebilde, konstant flatternd überfliegen sie die reiche Blütenauswahl. Zwischen den Pflanzen tummelt sich undefinierbares Krabbelgetier.

Eine musikalische Mischung aus Vogelgesang, plätscherndem Wasser, das Klopfen eines Spechts und über mir vom Himmel das Motorengeräusch eines Flugzeugs. Die Natur vereint sich mit dem menschlichen Fortschritt, eine Melodie, die wir uns bewusst machen müssen, um sie zu registrieren.

… eine Art von Techno?

Mein Weg führt mich zurück, immer noch entlang der toten Bahntrasse, gesäumt von schwarzen, spitzen Gesteinsbrocken, kantig, matt zwischen den Schwellen wachsen kleine zarte Pflanzen. Die Gleise nehmen eine Kurve und führen bis in den Horizont - ins Endlose.


Gehe vorbei an etlichem Totholz, altes Strauchwerk, Schlagschatten auf dem Weg, hier und da vernehme ich ein geheimnisvolles Knistern aus dem morschen Geäst. Eine einladende Bank - ich lehne dankend ab. Starker Wind kommt auf, das Rauschen übertönt den Gesang der Vögel.

Ich sehe schon die ersten Häuser, in den Gärten werkelnde Menschen, ein Hahn kräht, Kühe fressen frisches Gras, Schafe und Ziegen gehen gemächlich über Maulwurfshügel durchzogene Wiesen mit Begrenzungen durch Stacheldrahtzaun.

Am Himmel bilden sich zarte weiße, konturlose Wolkenschwaden.

Auf einer, an einem Wohnhaus, grenzende Wiese suchen pickende Hühner nach etwas Essbarem. Ihr ruckelnder Gang lässt den roten Kamm hin und her wackeln, flatternder Weise huschen sie über das Gras.

Ein aufgespießter Handschuh steckt auf einem Zaunpfahl, origineller Weise mit erhobenem Mittelfinger.

Mein Weg nach Hause führt mich entlang gepflegter Gärten, unter meinen Schuhen knistert der Splitt. Ein Mann mäht seinen Rasen, ein freundlicher Morgengruß meinerseits, der vom Geräusch des Mähers verschluckt wird, wird nicht entgegnet. Der Flieder trägt bereits seine zum Himmel aufragenden noch geschlossenen Blütentrauben. Ich gehe durch die Gasse im Wohngebiet, vorbei an gelb blühenden Mahonien und in voller Blüte stehenden Azaleen.

Ich denk’ an Kaffee. 10.30 Uhr.

Ein zweites Frühstück wäre schön.

… ein Morgen wie fast jeder andere -

für mich war er besonders!

Besonders, weil ich ihn bewusst erlebt habe!


© Monika Hoesch

PS: … und ja, es gab Kaffee!

       … und auch ein zweites Frühstück! ;-)

* Hedera (=  Efeu)

   Hedera helix (= gemeiner Efeu)

Quelle: Wikipedia:


Efeu in der Symbolik

Marianne Beuchert (* 29.05.1924, † 09.02.2007) war eine Frankfurter Floristin und Gärtnerin, die seit 1977 publizistisch tätig war berichtet, dass die ersten Christen gläubige Verstorbene auf  Efeu, die nicht Bekehrten auf Zypressen legten. Wer in Christo getauft sei, der sei unsterblich, die Ungetauften aber seien ohne Hoffnung auf Auferstehung, gleich den Zypressen, die einmal gefällt, nie mehr nachwachsen. Wenn heute Grabstätten häufig mit Efeu bepflanzt werden, so ist das eine meist unbewusste Nutzung des Symbols vom ewigen Leben. „Wie im Leben so im Tod“ steht als Inschrift auf manchem alten efeuumschlungenen Grabstein.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.04.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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